Rheinfelden-Baden in alten Ansichten Band 5

Rheinfelden-Baden in alten Ansichten Band 5

Auteur
:   Fritz Witzig
Gemeente
:   Rheinfelden-Baden
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6182-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Rheinfelden-Baden in alten Ansichten Band 5'

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Zum Titelbild:

Heino Bernhardt, unser SK-Redakteur, platzte an Weihnachten 1994 bei der Besprechung meines 4. Rheinfelden-Bandes mit der Erkenntnis heraus, daß ich auch einen 5. Band gestalten werde. Und das, ohne mich zu fragen! Na also! Da die Nächte für Rentner meist kurz sind, sinniert man gerne an neuen Erkenntnissen, um neue Ziele steeken zu können. Heimatgeschichtlich sammelte ich von Jugend an viele Rerniniszenzen, die den Lesern meiner vier Bände vorenthalten blieben, weil ich für meine Bildunterschriften zu wenig Plarz fand. Noch mehr, als bislang geschehen, will ich versuchen, in diesem Band der Heimatgeschichte Gewicht zu geben. Die beiden Berliner Industrie-Piontere Carl Fürstenberg und Emil Rathenau haben 1888 am Rheinfall von Schaffhausen bei der Gründung der Neuheit 'industricllc Gewinnung von Aluminium' finanziell stark mitgewirkt.ln Fortsetzung dieser Rheinfall-Erkenntnisse kam es am 31. Oktober 1894 tnit der Gründung der KWR in Berlin zum Bau des Rheinfelder Rheinkraftwerkes und der daran angegliederten Elektrochemiebetriebe. Ohne diese Industriebanten gäbe es praktisch unser Badisch-Rheinfelden nicht. Aber auch die Schweizer-Rheinfelder identifizierten sich mit dem in und an den Rhein gestellten Wirtschaftsfaktor, zu dem ich in meinem Bildarchiv diesen symbolhaften Titel fand. Hinter dem Maschinenhaus des Kraftwerkes steht die Fabrik der AIAG Neuhausen, Filiale Rheinfelden-Baden, mit ihrem ab 1898 rauchenden Kamin der Elektrodenkohlenherstellung. Der Lithograph, der damals diese Ansichtskarte gestaltete, kombinierte die technischen Errungenschaften in der badischen Nachbarschaft mit den Denkwürdigkeiten der alten Waldstadt, mit dem Obertorturm, der Johanniterkomturei, dem Landhaus hinter der 'Krone' und letztlich mit dem 1875 in Betrieb gegangenen Bahnhof. Einem mehrfach aus Leserkreisen ausgesprochenen Wunsche, einmal das Inkognito meiner Person zu lüften, will ich eingangs dieses Büchleins nachkommen.Am 'Chrüterbuschle-Dag', am 15.August 1920, stand meine Wiege in Riedmatt im Haus neben der Brücke, die vom Vater des Dichterfürsten Joseph Viktor von Scheffel um 1815 über den Sägebach erbaut worden ist. Das war das Elternhaus meiner Mutter,

EIsa geb. Scheffel. Mein Vater Otto Witzig, gebürtig aus Oberschwörstadt, gewesener Gießereimeister in der Alu, ist mit der Heirat Riedmatter geworden. Zu Fuß durch den Wald, 'd'Höhli uff', ging ich acht Iahre in Karsau in die Schule. In Heimatkunde hatte ich meist eine ' 1 '. Mein Berufswunsch 'Gärtner' mußte ich fallen lassen. Grund: Am 19. [anuar 1935 bin ich, auf meinem Rodelschlitten liegend von einem Opel P4 überrollt, schwer verletzt worden. Einigermaßen genesen war ich dann ab dem 1 7. August 1936 in der Alu unter Magazinmeister Karl Weiß und dem Magaziner Karl Hirz, Laufbursche, quasi 'Mädchen für Alles'! Dem damaligenAlu-BürochefKarl Hess, der am Kaiserstuhl Pächter einesAltrheinarmes und eines Bachlaufes war, strickte ich für seine Fischfanggeräte Netze. Gelernt habe ich diese Knüpferei bei Fischermeister Emil Rietschle in Riedmatt, bei dem ich ab dem 12. Lebensjahr Fischereigehilfe war. Bei Karl Hess stand ich als 'Fischer' hoch im Kurs. Er beorderte mich zuweilen zu den Personal- und Lohnbürochefs Heinrich Schille und Fritz Haberer zum Zahltag-Packen und Arbeiten als 'Bûro-Gummi'. Im Lohnbiiro 'stahl' ich beruflich mitAugen und Ohren. Von den dort für das Lohnrechnen eingesetzt gewesen amerikanischen Burroughs-Moon-Hopkins (Fakturiermaschinen) legte ich mir ein Zeichenschema von der englisch beschrifteten Tastatur an. Nach Büroschluß übte ich damit die heimlich erspähten Handgriffe und Abläufe. Zu meinem Leidwesen wurden immer Putzfrauen verdächtigt, wenn ich an den komplizierten Dingen Blockaden verursachte, die ein Monteur aus Basel beheben durfte. Als an Fasnacht 1938 einige Lohnrechner ausfielen, offenbarte ich Fritz Haberer mein Tun. Er holte aus und wollte mir eine Ohrfeige verpassen. Die von mir verlangte Kostprobe war überzeugend. Von der Stunde an war ich Lohnrechner. Mit 25 Lohnrechnungen pro Stunde übertraf ich so manchen gelernten Kaufmann. Ich 'kniete' mich in die 'RVO, LStR, LStD', durfte bei allfàlligen Prüfungen als Sachwalter geradestehen. Um mit 60 Iahren nur noch Hobbies alsAufgaben zu haben, kündigte ich 1980 meinArbeitsverhältnis als Leiter der Lohnverrechnung und als Werkszeitungs- Redakteur.

Fritz Witzig

Einleitung

In [ahrhunderten gewachsen ist der BegriffHeimat, der mich von Jugend an für unsere beiden Rheinfelden beflügelte. Diese Basis war mir Grundhaltung bei der Gestaltung meiner vier bislang erschienenen Bildbände. Als gebürtiger Riedmatter bekam ich den Regio-Gedanken in die Wiege gelegt. Mit einer gewissen Wehmut blickte ich während der Kriegsjahre von der Veranda meines Elternhauses auf und über den Rhein, auf ein Stück Heimat, das mir politische Wirrköpfe vorenthielten. Weun damals auf der linken Rheinseite der Fischer Dölfi Glaser seine Reusen und die Lachsfallen inspizierte oder mit dem Dätschbären den Nasen nachstellte, dann stand ich oft stundenlang mit dem 'Obrigugger' ihn beaugapfelnd, bis er vis à vis von Riedmatt mit seinem Weidling 'breit' gab, um sich von der Strömung in sein FischerDomizil am pferrigraben heimwärts treiben zu lassen. Kielholz hieß der Chef der Rheinfelder Paßstelle, der meine im November 1945 beim französischen Bezirkskommandanten Chochoy in Säckingen beantragte Grenzkarte zum langersehnten Besuch meiner Verwandten in der Schweiz visuell genehmigte. Im Familienchronikalbum bekam dieses Grenzpassagedokument, das ich meist mehrmals wöchentlich benützte, einen Ehrenplatz. Wenige Tage vor Kriegsausbruch war ich

1939 mit meinem Vater und meinem Bruder per Fahrrad in Tramelan bei meinerTante Rosi Kägi-Scheffel aufBesuch. Die Heimfahrt über Bern schafften wir an einem Tag. Zeitlebens ist mir diese Veloreise als ein Geschichtserlebnis in der Erinnerung haften geblieben. Man durfte es uns nicht verübeln, daß wir während der langen Kriegsjahre jeden Tag um halb Eins verbotenerweise Radio Beromûnster einschalteten, um aus neutraler Quelle das Geschehen in der Welt verfolgen zu können. Zu meinen schönsten Entdeckungen nach dem Krieg gehörte im Bürgersaal unseres alten Rheinfelden das Portrait von Kaiser Ioseph 11., jenem bürgernah regierenden, im Fricktal hochverehrten Habsburger.

Als nach 1803 das vorderösterreichische Fricktal der Eidgenossenschaft einverleibt wurde, lebte bei den aus der Monarchie in die Demokratie entlassenen Bürgern im 19. Iahrhundert der 'Iosephinismus'. Ioseph H. hob bekanntlich die den Grundherren verpflichteten Leibeigenschaften und Klöster auf, die kein soziales Spektrum aufzuweisen harten. Über den Rhein hinweg orientierten sich die rechtsrheinischen Bürger, die ab 1806 badisch geworden, einem neuen Landesherren zu dienen hatten, ratsuchend bei ihren einstigen Landsleuten. Daß die badischen Bürgersöhne mit Napoleon in den Krieg nach Rußland ziehen mußten, paßte den unter dem Habsburger Doppeladler Aufgewachsenen gar nicht. In den Iahren 1848/49 begehrten vermehrt an der schweizer Grenze wohnhafte Badener gegen Karlsruhe auf weil sie nach französischem und schweizer Vorbild danach trachteten. demokratisch mitregieren zu können. Die Vormacht des Adels sollte verschwinden. In der Schweiz war das 'ven' des Adels abgeschafft. Die Idee einer neuen Staatsferm fiel in Karsau auf fruchtbaren Boden. Grund: Die Klosterländereien Beuggens, etwa SO Prozent der Gemeindegemarkung, gingen 1806 in den Besitz des badischen Großherzogs über.Am 14. November 1819 beschlossen 78 Karsauer und Riedmatter Bürger, das ihnen vom Beuggen-Komtur von Pfirdt in Karsau erbaute Schulhaus für I 000 Gulden dem Großherzog abzukaufen. Der Schulmeister Klemens Ritter wirkte dabei als Gerichtsschreiber mit. Dieser Ritter war stark in die schweizer Nachbarschaft orientiert. Seine Frau Catharina Herzog aus Hornussen war eng mit der zweiten Frau des Rheinfelder Brauereibesitzers Anna Maria Dietschy geb. Tschudi, befreundet. Dem am 27. [anuar 1826 geborenen Lehrers-Sohn Karl Ritter war Frau Dietschy Patin. Über diese Dietschy- Verbindung muß Karl Ritter der Schulbesuch in Rheinfelden ermöglicht worden sein. Er beherrschte Französisch wie seine Muttersprache. Er nannte sich deswe-

gen auch Charles. Zur Ableistung des Militärdienstes beim 3. Badischen Inf-Regiment in Rastatt eingerückt, schaffte Charles bald die Ernennung zum Unteroffizier, Im Iahre 1849 schickte ihn die Volksversammlung in Offenburg als Soldatenvertreter in die Revolutionsregierung nach Karlsruhe, Sein Vater, Lehrer Ritter, war mit Kollegen in den Pfarrhäusern in Nollingen und Warmbach revoluzzerisch aktiv, Vater und Sohn flohen nach dem Umsturz in die Schweiz. Vater Ritter wurde nach Hochsal strafversetzt. Wegen organisierter Soldatenmeuterei ist Charles am 7. januar 1850 in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Er emigrierte in die USA. 'Wir sind die Tyrannei unserer Regierung

sart; anerkennen die alte Verfassung nicht mehr und verlangen eine neue!' Mit dieser Parole stellte sich Schmiedemeister Klemens Brombach als Hauptmann vor die 50köpfige Karsauer Bürgerwehr. Sie setzten sich in Richtung Lörrach in Marsch, um sich dort den bei Kandern aktiven Hecker-Freischaren anzuschließen. Die Nollinger Bürgerwehr verhaftete die im Rheinfelder und im Beuggener Zollhaus wohnhaften badischen Grenzaufseher. Die badischen Grenzbewohner machten sich das zu Nutze. Zu Fuß und mitWagen kauften sie, ohne Zoll zahlen zu müssen, im alten Rheinfelden Waren ein, Am Karfreitag 1848 floh Friedrich Hecker von Kandern kommend mit Gefolge über die Rheinfelder Brücke in die Schweiz. Zu ihnen gesellte sich spater nach der Entlassung aus dem Säckinger Gefángnis Gustav Struve. Der Bruder des Revoluzzers, Heinrich Struve, blieb in Rheinfelden ansässig, baute dort ein Rheinbad und war bis 1883 als Solebad-Gastronom aktiv, Deren Neffe, Ing. Georg von Struve, projektierte 1871 das erste Kraftübertragungswerk für das Rheinfelder 'G'wild'. Nach dem Gefecht in Dossenbach, am 27. April 1848, flüchteten Georg Herwegh und seine Frau Emma mitAngehörigen seiner in Paris aufgebotenen Freischaren-Legion nach Rheinfelden, Von Mitgliedern der Karlsruher 'Constituante' bekam Rheinfelden nach dem 25. Juni 1849. Flüchdings-Einquartierung. Zu ihnen zählte der aus Hägelberg gebürtige, an der höheren Bürgerschule Schopfheim tätig gewesene Lehrer [ohann Jakob Glaser. Der Rheinfelder Salmenbräu-Besitzer Alois Dietschy gewährte dem 32 jährigen

Arzt Carl Ludwig Habich ausAchern samt Frau und zwei Kindern, bis zu deren Emigration nach New York 1849 Unterschlupf Im Iahre 1858 amnestiert kehrte Habich aus den USA zurück, um in Offenburg und Freiburg zu prakuzieren. Bei Studienaufenthalten in Paris, Rouen, Le Havre, Rotterdam, Amsterdam, Antwerpen, Brüssel, Frankfurt und Würzburg begeisterte sich der Arzt für ein demokratisches Regierungsparlament, das er in Karlsruhe mit Gleichgesinnten umzusetzen trachtere. Dr. Carl Ludwig Habich, Stammvater der Rheinfelder Habichs, liegt in Rheinfelden begraben. Von 1898 bis 1900 verbrachte er seinen Lebensabend bei seinem Sohn Carl Habich, der 1869 die Enkelin des Salrnegg-Erbauers, Maria Dietschy. geheiratet hat. Carl Habich [un., geb. 1845, baute 1866-1868 mitAlfred Blum, dem zweiten Sohn des in Wien 1848 erschossenen Robert Blum, auflang Island Leuchttürme. Dieser Sohn des 1848/49 für die Demokratie aktiven Arztes verlegte bekanntlich die Dietschy-Brauerei (Salmen-Brauerei) aus der Rheinfelder Marktgasse durch Neubau an den jetzigen Standort (heute Cardinal). In Dr. Hans Blum, den ich in meinem Band 3 vorstellte, beherbergten die Rheinfelder einen weiteren deutschen 'DemokratieAsylanten' . Unsere linksrheinischen Nachbarn halfen 1848/49 uneigennützig den in Not geratenen Deutschen, die als Symbol ihres Kampfes Schwarz-Rot-Gold, die Farben unserer heutigen Demokratie als Schärpe auf ihrer Brust trugen. Danke!

Fri tz Witzig

1 Nach Georg Herwegh benannte die Gemeinde Karsau seinerzeit auf meinen Vorschlag in Beuggen eine Straße. Der durch seine Demokratiebestrebungen bekanntgewordene Dichter erblickte als Sohn des aus Hessen zugewanderten Gastwirts Ludwig Ernst H. (skandinavischer Abstammung) und der Balingerin Katharina Märklin am 3 1 . Mai 1 81 7 in Stuttgart das Licht der Welt. Nach der Matura bekam der Mathe-Primus in der Maulbronner Klosterschule gesagt: 'Herwegh, Sie dichtet z'viel und denket z'wenig' In der Absicht, als Geistlicher auf der Kanzel zu stehen, studierte H. ab 1835 in Tübingen Theologie. Seine freiheitlichen Denkanstöße führten nach einer Kollison mit einem Repetenten zur Entlassung aus dem Stift. Das hatte zur Folge, daß H. militärdientspflichtig wurde. Sich dem Kasernenhofdrill in einem Stuttgarter Infanteriebataillon widersetzend bekam er 14 Tage Bau und danach Dienstbeurlaubung. Einer neuen Einberufung zum 6. Infanterieregiment entging er durch Flucht in die Schweiz nach Emmisho-

fen. Fritz Lipp, der Regimentsadjutant, der ihn deswegen verhaften sollte, ging leer aus. Ausgerechnet am 27. April 1827 begegnete er diesem Fritz Lipp, einem Vorfahren der Ulmer Zementmagnaten Schwenk, dann als Hauptmann in Dossenbach. Ab April 1840 nahm sich in Zürich der Gießener Deutsch-Professor Follen des aufstrebenden jungen deutschen Dichters an. Seine 'Gedichte eines Lebendigen' erlebtenAuflage über Auflage. Im [ahre 1841 begegnete Herwegh in Paris Heinrich Heine. Als Redakteur des 'Deutschen Boten in der

Schweiz' reiste H. im Herbst 1842 über Basel, Köln, Weimar nach Ostpreußen. In Berlin traf er sich mit der jüngsten Tochter des Seidenwarenfabrikanten [ohann Gottfried Siegmund, Emma, die ihn verehrte.

2 Emma Siegmund, geboren am 10.5.1817, beherrschte mehrere Fremdsprachen, besaß umfangreiche Kenntnisse in Literatur und Geschichte, war hochst musikalisch (Klavier) und galt als eine der besten Malerschülerin-

nen von Prof. Halbein. Eine Woche nach dem ersten Zusammentreffen verlobte sie sich am 13.11.1842 mit Georg H.Am 19.11.1842 bat der Preußen-König, Friedrich Wilhelm IV, den Dichter um ein Gespräch. Herwegh: 'Sire, ich kann nicht Fürstendiener sein.' Der König: 'Ich liebe eine gesinnungsvolle Opposition.' Beim Festmahl in Königsberg intonierte die Musik die Marseillaise. Darauf verwies ihn der König seines Landes. In Zürich versagten ihrn deswegen die Konservativen Ende Februar

1843 den Aufenthalt.Am

1 0.4. 1843 erlangte Herwegh das Bürgerrecht von LiestallBaselland.Voraus ging am 8.3.1843 dieVermählung mit Emma Siegmund in Baden/ Aargau. Mit der Idylle am Zürichsee wurde nichts. Dort mietete G.H. am 24.1.1843 eine 7 -Zimmerwohnung mit Blick aufSee und Berge. Anhand des ihr zugeschickten Planes berichtete Emma am 29.1.1843, sie werde zur Hochzeit ein Mädchen und eine Köchin mitbringen, die bei ihnen wohnen. Täglich kreuzten Briefe zwischen Zürich und Berlin, die

zensiert wurden. Ernma wollte sogar ihr Pferd nach Zürich rnitbringen. Die Zürcher wollten aber keinen Ärger mit Preußens König. St. Gallen hingegen wollte H. auch als Bürger aufnehmen. Im 'Preihof" in Baden war die Hochzeit. Die Schwiegereltern und die engsten Freunde blieben dort einen Monat zu Gast. In Schwyzerdütsch hielt der evangelische Pfarrer die Traurede. Die Hochzeitsreise trat das Paar am 15.4.1848 über Genf, Lyon, Rom nach Süditalien an. Sie dauerte vier Monate. Nach einem weiteren Monat Seebad Ostende schlugen die Herweghs dann Ende September ihre Zelte in Paris auf. Ende 1843 erschien Band 2 'Gedichte eines Lebendigen'. In Paris, wo Emma am 24.3.1904 starb, hatte sie auch die drei Kinder Horaca (Ingenieur), Marcel (Violinist) undAda (in Sao Paulo verheiratet) geboren.

3 In dieser Haartracht landete Herwegh am 27.4.1848 auf der Flucht von Dossenbach im 'Badischen Hof' in Karsau. Er mußte derVerkleidung als Bauernknecht weichen. Im Liestal-Museum ist

das Bild zu sehen. Bild 1 und 2 zeichnete Emma Siegmund im November 1842.Von 1843 bis 1848 lebten die Herweghs in Paris. Georg war dort Student der Naturwissenschaûen; unternahm Studienreisen in die Bretagne, an den Atlantik, nach Freiburg, Genf, Nizza und Rom, Sein Drang zurVerwirklichung einer Demokratie in den deutschen Landen führte ihn zu vielen Kontakten mit gleichgesinnten Zeitgenossen. Die drei Kinder blieben in Paris wohnen, als ihre Eltern nut den schwarz-rot-goldenen Scharpen geschmückt im April 1848 zur Unterstützung des Heckerputsches nach Südbaden auf den Weg machten. Als politisches Haupt der Deutschen in Paris trommelte Herweg eine rund 1 OOOköpfige Legion der 'Deutschen demokratischen Union' zusammen, als deren politischer Expeditionsleiter er fungierte. Militärisch aktiv war darin seine Frau als Kompaniechefin in Männerfrisur und Kleidung mit zwei Terzerolen und Dolch bewaffnet. Die Truppe gliederte sich in vier Bataillone mit je vier Kompanten. Nach der Flucht

über die Rheinfelder Brücke landeten die Herweghs wieder in Paris, Von dort machte H. 1849 einen Absteeher nach Genf, wo er sich in die Natalie Herzen verknallte. In den [ahren 1851 bis 1860 wohnten die Herweghs in Zürich und nach der Amnestiemng in Baden-Baden, wo H. am 7.4.1875 starb und darm in Lies-

tal bestattet wurde. Emma begab sich in die Obhut ihrer beiden Söhne, die die französische Staatsangehörigkeit besaßen. Sie war Marcel bei der Herausgabe des 1896 im Verlag Albert Langen erschienenen Werkes 'Briefe von und an Georg Herweg -1848-' eine Stütze.

4 Es waren nur noch etwa 850 Legionäre, die am 24.4.1848 bei Kembs über den Rhein karnen. Am 25. wurde in Vogelbach und Marzell und am 26. in Wieden übernachtet. Entlang des Belchens (um eine Konfrontation mit den Württembergern im Wiesental zu vermeiden) ging es vor nach ZelL Die Zeller staunten über die Disziplin der Kompanie, die in aller Herrgottsfrühe Madame Herwegh zum Marsch über Gersbach, Hasel, Dossenbach, antreten ließ. Etwa um 10 Uhr des 27.4.1848 kam die auf eine halbe Stunde auseinandergezogene Truppe in Dossenbach an. Das Geschehen in Dossenbach schildert authentisch der Hauptmann im 6. königL württembergischen Infanterieregiment, Fritz Lipp. in seiner 1850 im Verlag der JB. Metzler'schen Buchhandlung Stuttgart erschienenen Schrift 'Georg Herweghs viertägige Irrund Wanderfahrt mit der Pariser

deutsch -demokratischen Legion in Deutschland'. Interessante Einzelheiten über das Geschehen finden sich auch in Briefen aus Dossenbach, Schwörstadt und Schopfheim von Fritz Lipp in der 1937 veröffentlichten SchwenkFamilienchronik von Dr.Ing. Carl Schwenk, Ulm,

5 Eintrag im Totenbuch des evangelischen Pfarramts Dossenbach: 'Im Iahr Eintausend acht hundert acht und vierzig den acht und zwanzigstenApril Abends fünf Uhr wurden in Dossenbach die von dem Schlachtfelde bei Dossenbach am 27ten und 28tenApril auf den Leichenakker deselbst gebrachten Leichen der im Gefecht gefallenen Deutschen Arbeiter beerdigt. Die amtliche Constatierung der Leichen ist: 1) Ein Leiche, die von keinem der siebenArrestanten erkannt wor-

den ist. Es ist ein starker untersetzter Mann, ungefähr 5' 4" groß, schwarz-braune Haare und Bart, starke Nase und dunkle Augen, 26-30 Iahre alt. Derselbe ist gekleidet mit einer grauen Bluse, grauen und grünlich gestreiften Beinkleidern und einer roth und schwarz gestreiften Halsbinde. 2) Eine ebenfalls von niemanden erkannte Leiche von starkem Kórperbau ungefähr 5' 4" groß 2426 Iahre alt, mit braunen Haaren gekleidet mit einer grauen Bluse und gräulich grauen Hosen. Ge-

sicht durch Wunden entstellt. 3) Obergerichtsanwalt Ordemann aus Oldenburg, welcher von sämtlichen Arrestanten als der Genannte anerkannt wird. Derselbe soll Sensenmann bei der 4. Companie des 1. Bataillones gewesen seyn. Die Leiche war bekleidet mit einem schwarzen Tuchrock und gleichen Hosen und mit feiner Wäsche versehen, ungefähr sT' gross, hoher Stirn, hellbraunen Haaren und Bart, volles Gesicht, etwas hervorstehendes Kinn und dunkle Augen.

4) Eine Leiche, welche von den Arrestanten für einen Schneider aus Rochlitz-Sachsen erkannt wurde, welche am re. Fuss hinkt. Der Name desselben kann nicht angegeben werden. Doch ist derselbe aus der Stammliste 11. Camp. UI. Batl., welche aufgefangen wurde, zu entnehmen. Die Leiche hat dunkelbraune Haare u. Augen, ungefähr 5' 5" gross, einen braunen Rock u. blau gestreifte Hosen. Die Namenliste HL Bat!. fehlt.'

6 5) Diese Leiche wird von den Arrestanten für den Tambour der 6. Companie des 11. Bataillones, ein geborener Elsässer erkannt.

6) Karl Musecker von Ber!in, Chef der IJL Compagnie des I. Bataillons wird von allen Anwesenden erkannt, indem er einer ihrer ausgezeichnetzten Führer gewesen sey. 7) Eine nicht erkannte Leiche, ungefähr 20 Iahre alt, starken, kräftigen Körperbaues, rundem vollem Gesicht, braunen Haaren ohne Bart, braune Augen, trägt eine graue Bluse

und gestreifte Hosen. 8) Richart Schimmelpfennig, ehemals königlich preussischer Lieutenant, gebürtig aus Danzig, wohnhaft in Trier, wird ebenfalls vom sämtlichen Arrestanten anerkannt und die Identität der Leiche bestätigt. Alle hatten ihn als einen hervorragenden Führer gekannt. Auch ist die Narbe auf der linken Wange gefunden worden. 9) Eine Leiche welche als ein Rheinbaier aus Landau van der IJ. Compagnie des I. Bataillons erkannt wird. Den Namen können die Arre-

stanten nicht angeben. Die Leiche ist ungefähr 30 [ahre alt, von starkem Körperbau, braunen Haaren u. Bart, trägt graue Hosen. In der Stammliste der II. Compagnie des 1. Bataillons erscheinen 3 Arbeiter aus Landau:

Kar! Sauer, Schlosser, 27 [ahre alt; [acob Pfister, Säckler, 21 Iahre und Lorenz Stefan, Schneider, 24 [ahre alt. 10) Eine weitere männliche Leiche, welche für einen Arbeiter aus Salfeld in SachsenMeiningen erkannt wird. Er gehört zur 4. Compagnie des 2. Ba-

taillons, ungefàhr 24-26 Iahre alt, braune Haare, gebogene Nase, trägt eine blaue Bluse, gelblichte Beinkleider. Sein Name wird aus der Stammliste zu ersehen seyn, welche jedoch fehlt. Die Zeugen der Beerdigung dieser zehn Leichen sind: Bürgermeister Genmer und Rathschreiber Grether in Dossenbach, Schopfheim, den 28stenApril

1 848 Bürgelin, Dekanus.'

7 Gegen Mittag des 27 .1.1848 brachte die Tochter des Badischen Hof- Wirts Jakob Bannwarth, Rosina (verh.Albietz,* 20.1.1838, t 26.12.1873), zwei Vornehme in die Wirtschaft, die sich nach einer Fluchtmäglichkeit nach der Schweiz erkundigten. Eine patroullierende württembergische Eskadron, die den von den Herweghs verlassenen Leiterwagen gewahr wurden, kreuzten vor dem Gasthaus auf, um nach dem gesuchten Paar zu fahnden, um in den Besitz der 1000 Gulden 'Fanggeld' zu gelangen. Ludwig, derWirte-Sohn, (*11.1.1836, t 12.12.1929) begriff sofort die Situation und versteckte die beiden im Dachgeschoß zwischen Räucherkammer und Dachgesims. DerWirt betenerte trotz massiver Drohungen seine Unschuld. Die Kavalleristen meldeten sich in dem damals zwölf'Iahre alten Gasthof für die Nacht ins Quartier an. Die Her-

weghs brachte man sogleich außer Haus ins Feld, sprich in den 'Berg', etwa 500 m vom Haus, das heutige Karsauer 'Inkognito'. Jakob Bannwarth, (*1.3.1807, t 2.3.1880) nahm Fühlung auf mit seinem CH-Rheinfelder Kollegen, dem damaligen Schiffwirt Konrad Landbeek (*12.8.1805

in Schäftersheim, t 21.5.1858 in Ch.-Rhf.). Das Bild zeigt den ehemaligen 'Badische Hof', auf einer Zeichnung vonAdolfMorr, Rheinfelden.

8 Unter dem Derfnamen

"s Badischte Lui' lebt dieser beim 50jährigen der Karsauer Sänger 1913 aufgenommene Veteran weiter. Seine Begegnung mit den Herweghs im [ahre 1848 war für ihn tiefbeeindruckend. Er war ein Individualist, textete, kemponierte und dirigierte für den Gesangverein. Am Abend des 27. April 1848 fuhr er den frischrasierten Herwegh und dessen als Stalhnagd verkleidete Frau in Begleitung seiner Schwester Rosina und seines Vaters per Ochsengespann auf das Schiffsmättle in der unteren Hardt (MSO Werkanlage). Dort übergaben sie ihre übelriechend zubereiteten Begleiter dem Schiffwirt Konrad Landbeck, der in der Abenddämmerung mit einer Fuhre Mist über den Rhein gekommen war und auf dem Rückweg die Herweghs mit in die Schweiz nahm. Landbeek war Schwabe; er dürfte wie Bannwarth für die Dienste

gut entlohnt worden sein. Die Kleider der Herweghs dürften mit der Rheinfáhre in der Sandgrube zu Beuggen nach CHRheinfelden geschafft worden sein. Weil die Rheinfelder einen württembergischen Übergriff befürchteten, verließen die H. den Grenzort sehr schnell. Rosina Bannwarth, die Albietz-StarnmMutter, stand später mit den Herweghs in Briefverkehr.

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