Rheinfelden-Baden in alten Ansichten Band 6

Rheinfelden-Baden in alten Ansichten Band 6

Auteur
:   Fritz Witzig
Gemeente
:   Rheinfelden-Baden
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6364-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Rheinfelden-Baden in alten Ansichten Band 6'

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Um 1850 schuf der am Chorherrenstift St. Martin tätige Zeichen- und Musiklehrer Joseph Berger aus Eiken dieses etwa l,S m breiteAquarell. Der Zeichner muß dieses Panoramabild in das von Franz Joseph Dietschy erbaute Salmegghaus verkauft haben. Es befindet sich heute noch in Familienbesitz. In dankenswerter Weise ermöglichte Frau Dr. Antoniette Habich-Jagmetti, im Rhyhus zu Rheinfelden, mir diese Aufnahme. Deutlich ist darauf der bis 1897 bestandene rechtsrheinische Bökkersturm-Brückeneingang zu sehen. Hat Franz Joseph Dietschy entlang seines Hausgrundstücks die schöne Gartenmauer (sie verlief entlang des heutigen Stadtparks) errichten lassen? Oder ist diese Mauer noch ein Überbleibsel der Gumpp'schen Kastellbefestigung von 1690? Aus Raumgründen konnte nur einAusschnitt des Originals als Titelbild erscheinen.

Einleitung

Vor einem Iahr, anfangs Oktober 1995, hatte ich Redaktionsschluß für den Band 5. Eine Reihe dafür vorgesehener Bilder war überständig, weil die Unterschriften Lücken aufwiesen. Die Erfahrung lehrte mich, jedes Bild verwandtschaftlich und von einem Kennerkreis abfragen zu lassen. Trotzdem lassen sich Pannen zuweilen nicht vermeiden. Zu einem großen Teil waren Ansichtskarten Fundus für die Gestaltung meiner Bildband-Serien. Jedes Wochenende bin ich mit meiner Frau, die großesVerständnis für mein Suchen hat, aufFlohmärkten, Ansichtskarten-Börsen, um heimatgeschichtliches Bildmaterial aufzutreiben. Es war also naheliegend, die unvollendeten Band-5-Inszenierungen in einen Band 6 einfließen zu lassen. Das bedeutet zusammenfassend, 6 x 77 Bilddokumente, also 462 an der Zahl aus dem Raume unserer großen Kreisstadt einschließlich der unmittelbaren Nachbarschaft am linken Ufer des Rheins, ausfindig zu machen und aufzubereiten. Je größer

der Leserkreis meiner Bände wird, je mehr Ansprechpartner finde ich, die mir mit Aufgeschlossenheit auch schon halfen, neues Material zu ergründen.

Vom Verlag Europäische Bibliothek in ZaltbommellNiederlande, ist die 'Damals-Reihe' auf den Zeitraum 1880 bis 1930 limitiert. Grundsätzlich halte ich mich an diese Grenzen. Da aber jedes Bild einen Hintergrund aufweist, der Zusammenhänge beinhaltet, die vor und nach dieser Zeit liegen können, bin ich es meinen Betrachtern und Lesern schuldig, durch weitgehende Offenheit alles zu hinterfragen, was mit jedem Bild in Zusammenhang steht. Dem Verlag möchte ich an dieser Stelle dafür danken, daß er mir dabei immer freie Hand ließ. Mit meinem Band 1 hatte ich 1985 noch Schwierigkeiten. Grund: Bald ein Iahr lang Bildmaterial zu sammeln und es original zum Druck nach Holland zu schicken, das scheiterte an Vorbehalten so mancher Leihgeber. Mir blieb also nur die Möglichkeit, alles Bildmaterial reproduktiv zu erfassen. Mit meinem eigenen SW-Fotolabor und der herkömmlichen Fotoausrüstung tat ich mich relativ schwer. Friedrich, unser Sohn, wurde das gewahr. 'Vater, beschaffe Dir ein Reprogerät, eine Kamera mit Wechseloptik, Zwischenringe, Balgengerät, Vorsatzlinsen, Filter, ja sogar ein 200ter Zoom.' Gesagt, getan! Seine zum Abschluß seines Biologie-Studiums an der Uni Heidelberg erforderliche Diplomarbeit, beinhaltete viel mikroskopische Untersuchungen, die es für den Buchdruck fotografisch darzustellen galt. Was unser Sohn fotografisch in Heidelberg lernte, gab er an mich weiter. Ohne besonderen Aufwand reproduziere ich auch kleinste Fotos. Wenn das Reprobild, meist 20x30 cm groß steht, wird es mit der zu erkundenden Bildbeschreibung versehen. Jedes alte Bild verlangt umfangreiche Recherchen. Meist ist das mitTelefonaten verbunden. Dann gilt es, Auskunftspersonen ausfindig zu machen und zu konsultieren. Nicht selten fallen auch briefliche Rückfragen bei Behörden, kirchlichen Stellen und bei Archiven an. Sehr zu gute kommt mit meine währendjahrzehnten gesammelte heimatgeschichtliche Literatur, die ich antiquarisch laufend ergänze. Diese Literatur hilft mir sehr, rückblickende Kommentare zu erstellen. Für die Region Badisch-Rheinfelden gab es von 1875 bis 1919

das amtliche Verkündigungsblatt 'Trompeter von Säckingen' (ab 19 00 SäckingerTagblatt). Während eines Winterhalbjahres las ich die im Bad Säckinger Stadtarchiv eingelagertenjahresbände dieser Zeitung. Daraus erstellte ich von wichtigen Dokumenten Fotokopien und mit der Schreibmaschine Notizen. Im Gasthaus 'Trompeter' in Rheinfelden/Bd. unterhielt diese Zeitung eine Geschäftsstelle mit Redaktion. Zu einem dicken 'Wälzer' gebunden sind mir diese gesammelten 'Werke' ein gutes heimatgeschichtliches Nachschlagewerk. Zuweilen konsultiere ich auch Krauseneck's 'Oberrheinische Zeitung', die mit Jahresbänden beim Südkurier archiviert ist. Ohne Hermann Steineggers 'Heimatgeschichte Nollingen-Rheinfelden' wären meine Bildbandtexte mager ausgefallen. Was CH-Rheinfelden betrifft, waren mirWilli Schaffner und seine Frau Gertrud geborene Zimmermann sowie Frau Dr. Antoniette Habich-Jagmetti und der Historiker Artur Heitz sehr vertraute Informanten. Beim Studium der Jahresbände der Fricktaler Zeitung bin ich bei Herrn Herzog immer mit Zuvorkommenheit empfangen worden. Dr. Weites drei Rheinfelder Urkunden-Bände, pfarrer Sebastian Burkarts und Kar! Schibs Stadtgeschichten sowie das Rheinfelder Urbar von 1399 sind mir unverzichtbare Nachschlagewerke. Fast unergründlich ist für mich das 'Urkundenbuch der Deutschordens-Commende Beuggen' van Archivrat Gmelin, ein Repertorium von 728 Nummern. Aus dieser Sammlung bekam ich vom Generallandesarchiv in Kar!sruhe auf Anforderung (gegen Bezahlung) viel Aktenmaterial in Fotokopie, Mikrofilm und Farbdias übermittelt. Das GLA ist mir in der Ergründung der jahrhundertealten Beziehung zwischen Commende als Grundherrschaft und ihren leibeigenen Ortschaften Karsau, Riedmatt und Lengnau im Aargau eine große Hilfe. Aufgeschlossen zugänglich war mir stets das Stadtarchiv CH-Rheinfelden mit Herrn Schaub; das Stadtarchiv Rheinfelden/Bd. mit Herrn Schuster sowie die Kirchenarchive in Karsau-Beuggen, (Herr pfarrer Kar! Ball) Nollingen, Herten, Eichsel-Minseln mit Herrn AdolfKähny Das von mir seit meiner Pensionierung im Jahre 198 0 gesammelte und zugänglich gewordene Bildmaterial habe ich aufFarbfilm-Negativen und aufFarbdias festgehalten, archiviert. Diese meine Sammlung ist mir, weil ständig Material

anfällt, fast täglich eine Herausforderung. Das darin festgehaltene Material umfaßt über 100 Jahre Rheinfelden-Baden, auch die vom Hakenkreuz geprägte Zeit. Verschiedene Stellen schicken sich an, 1997 die vor 75 Jahren erfolgte Stadterhebung von Badisch-Rheinfelden feierlich begehen zu können. Meine meist bodenständigen Leserinnen und Leser mögen mir gestatten, daß ich aus diesem Anlaß unser 'Badisch Rhyfälde' in alemannischer Mundart, so wie mir der Schnabel gewachsen ist, in meinem Büchlein kurz und bündig ins Blickfeld setze. Als Redakteur der Werkszeitung der Aluminium Rheinfelden GmbH gestaltete ich zehnjahre als 'Emil va Rhyfälde' eine alemannische Kolumne zum Werksgeschehen. Die Haltung als kritischer Kolumnist will ich versuchen, beim Nacherzählen der Stadtgeschichte anzuwenden.

Euser Badisch-Rhyfälde!

Z' Berlin hän si Ändi Oktober 1894 des Chind in d' Wält g'setzt. Ohni öbber z' froge häns Behörde Badisch-Rhyfälde dauft. UffKarsäuer Gemarkig hett si Wiegle g'stande. Die Buurs-Lütt sin do drüberane rächt verduzzt g'si, will dä Canal mit dem G'Iänd drum umme bis 1805 de Ordensritter und danach im Großhärzog, im Staat, g'hört het. Vom e' G'Iänd, wo niemes in de G'rnai g'hört het, uff aimol Stüerr iinä, Gäld

z' verdiene, das het im G'mai-Vogt Reinhold Brugger scha imponiert. Daß des Chind au neume in d' Schuel goh mueß, dasses schiesse un brunze duet, dasses Stroße bruucht, do defür hän Karsäuer wenig g'spür k'ha. Nach churze Verhandlige hän d'Nollinger am 1.4.190 1 für 200 000 Goldmark dä Bankert adoptiert. Sie hän defür 110 Hektar Industrie übercho. Bis dört ane het's immer g'haisse: Nollingen, reichste Gemeinde im Kreis! Dä neu Guggug im Nolliger Näscht ischene aber bald über de Chopf g'wachse! Trotzdem hän sie e' mords Spaß g'ha mit ihre Fabrigge und de Schnällschwäzzer-Akademiker, wo an Großherzogs- und Kaisers Geburtstag vadderländisch hoch-hoch brielt händ. Dä öberst Fabriggler, de Dokter Wagner va de Chemische het jo au die zwee Gmai-Vögt va Nollinge un Karsau in sie nationalliberali Bardei g'lozt, demit sie immer ne eihellige Mainig g'ha händ. Ame Schlaganfall isch anne 1916 de gueti AdolfSänger g'storbe. Sie Nachfolger, sie

Neffe Hermann Sänger, het scha anne 1919, wo de Großherzog und de Kaiser in d' Lümbe gange sin, als Bugimaister abdankt, will d' Arbeiterund d' Soldate-Röt Forderige g'stellt hän, wo ihm nit baßt hän. Druffane isch de SPD-Mann, RudolfVogel, e'Verwandte vo's Danners (Matsch) Nollinger G'maischeff worde. Au z' Warmbach het ne SPDIer, de Fritschi Emil des Amt uffem Rothus übernah. Anne 1921 sin die 1810 abtrünnig g'wordene Warmbacher i' gmaindet wieder z' Nollinge g'landet. Bi de Gründig vam Wassersportverein isch im Vogel si Baumaister Ewald Steffan maßgebend beteiligt g'si. Imme Iohr isch die ganz Rhyfälder Prominänz in dem Ruederverein z' Warmbach g'landet. Mittem Steffen zämme het 192 2 d' Mehrheit vam Bürgerusschuß uff de Vogel i' g'schwänkt z' Karlsrueh de A'trag g'stellt, dere neu g'sattlete G'rnai de Name Rhyfälde-Bade z' g'eh und im Wolpolz va Nollinge si Heraldik-Dier zum Wappe va dere neug'schaffene Stadt z' mache. Am 17. Oktober 192 2 isch des alles perfekt g'si. Die Nollinger sin z' Karlisrueh abblitzt, will 80% va de I'wohner z' Rhyfälde, z' Warmbach g'wohnt hän. Au ihre A'drag uffe Nollinger Stabhalteramt het kai Anerkennig g'funde. Sithär lönn e' Deil va dene Verlierer de Lätsch lambe. De Fritschi Emil isch in d' Aleminium als Bordje go schaffe. Im Dezämb'r 192 7 isch de Vogel an Blinddarm g'storbe. Si Nachfolger war de Eugen Walz, wo mit dem konservative 'Rote' fründschaftlich g'schieret het. Bi de Wahl het de Walz 41 und d' SPD-Bugimaischd'r Ärnst Becherer va Mannem-Friedrichsfäld 3 1 Stimme vom Bürgerusschuß übercho. An des G'scheh va de 20er Iohr erinneret d' RudolfVogel-A'lag. Anne 1933 hat NSDAP d' Macht ergriffe. De Walz het mieße goh. Pro Forma het am 9.6.1933 de Stadtrot de Leopold Bösch, en SAMann, g'wählt. Va dene 24 G'rnairót hän 4 mit Nai g'stimmt. Es solle die vier SPD Ier g'si si, wo 's G'sicht nit verliere hän wölle. Si sin ja

churz druffane au abg'sägt worde. Us Blatzgründ mueß i' die räschtliche 64 Iohr us' chlammere. Über des G'schäft wird ja sicher bim

7 5jährige Fescht scha na b'richtet wärde.

Euere Heimetkundler F.Witzig

Dankadresse

Zu danken habe ich: meiner Frau für dasVerständnis in meiner historischen Unordnung: meinerTochter, Inge Zulauf, fürs Korrekturlesen. Geholfen haben mir Kontakte mit: Franz Albietz, Ida Bächle, Julius Birlin, Aribert Blum, pfarrer Karl Ball, Gertrud Bohn-Danner, Walter Brombach, Herbert Brückner, Herbert Brugger, RudolfBührer, Gertrud Gentner-Grether, Franziska Gottstein-Gretsch, Hanspeter Fischer, Familie Hauri, Wiechs; Klara Honsel- Walz, Anneliese Jehle-Henselmann, AdolfKähny, Roland Kistner, Elia Koch-Meyer, Fritz Kübler, Werner Linsin, Hermann Maier, Familie Maurer-Fingerlin, Dieter Mayer, Helmut Meier, Schluchsee; Albert MelIein, Hilde Metz-Müller, Eduard Mossbrugger, Berta Müller-Hausin, Hildegard Müller, Thomas Reinger, Inzlingen; Lia Riecke-Isele, Gertrud Schaffner-Zimmermann, Sepp Schmid, Elli Schuster-Rombach, Ewald Senger, Weber, Stadtschreiber i.R. eH-Rh.; Johanna Würslin-Philibeck, Heinrich Witzig und Franz Zeier.

Die österreichischen Verwaltungsbeamten, die nachAufhebung des Kameralamtes in Rheinfelden 1801 ihr Amt nach Nollingen verlegten, traten 1806 in badische Dienste. Der im Dienste der Beuggener Deutschordensherren in der pfarrei Nollingen tätige pfarrer Franz Ignaz Schindler bekam 1806 den badischen Großherzog zum Dienstherrn. Angesichts der neuen Staatsform entsannen sich die

N ollinger Bürger auf die alte Verbindung zum Hause Baden. Im Jahre 1400 verkaufte Rudolf von HachbergTwing und Bann samt halbem Kirchensatz zu Nollingen an die Komturei Beuggen. Bei der Schaffung des neuen Gemeindewappens um 1820 durfte das Hachberg-Wappen mit den drei Balken ihres einstigen Grundherrn nicht fehlen. Mit diesem landwirtschaftlich geprägten Wappen ging 1900 Nollingen in das Industriezeitalter. (Zeichnung: Michael Ingold, Nollingen.)

2 Sehr alt und traditionsreich ist die Nollinger Kirchengeschichte. Ein interessantes Kapitel berührte der pfarrverweser Göbel als er im September 1854 nach Nollingen kam. Staub, Schmutz, Spinnweben habe er in Kirche und Sakristei angetroffen. Auch die Kirchengeräte seien in einem erbärmlichen Zustand. Auf den Hochaltar, in die Sakristei und auf die Thuba habe er Kruzifixe anbringen lassen. Das schwarze und das rote Prozessionskreuz und die Prozessionslaternen ließ

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er neu vergolden. Als Zierde für die Altäre kaufte er zwei Dalienund vier Rosenstöcke und ließ sie in Kisten einpflanzen. Eine Missale ließ er neu binden sowie fünf alte Gesangbücher auf dem Chor, die leihweise armen Christenlehrpflichtigen für die Vespergesänge dienten. Für die portatilis Muttergottesstatue, von dem Tölpel eines Bildschitzers als Tänzerin verpfuscht, habe er ein Gewand gekauft. Vom Salpeterfraß vermodert sei das Innere der Sakristei. Der dort vorhandene

Behälter zur Unterbringung der Monstranzen, Alben, Kelche, Hostien, etc. könne einem Romanschreiber für ein mittelalterliches Bürgerverlies die Phantasie geben. Die Schießscharten auf der Ostseite ließ er durch ein Fenster ersetzen.

3 Im 'SäckingerTagblatt' erschien das Inserat; 'Städtische Sparkasse Säckingen. Wir geben hiermit bekannt, daß wir mit Wirkungvom I.Mai 1901 anin der Gemeinde Nollingen-Rheinfel den eine Agentur unserer Kasse errichtet und zum Agenten Herrn August Senger, Kaufmann in Nollingen ernannt haben.' Im Iahr zuvor schellte im Krämerladen Senger erstmals das äffentlicheTelefon. Neben seinem Laden mit Sparkasse erbaute Senger 1902 diesen neuen Laden. Etwa 1908 entstand dieses Foto. Darauf sind folgende Personen, von rechts nach links: JosefMerkt, AIfred Goldemann, Ludwig Merkt, Arnold Amrein, Albert Roniger, Olga Schmidt und Hermann Senger im Eingang. Hermann Senger war von 1916 bis 1919 Bürgermeister und später dann Leiter der Bezirkssparkasse Rheinfelden-Baden. Lange Jahre blieb in seiner Familie das Girokonto Nr.

1 (später bei seinem Nachfahren Ewald Senger) erhalten. Weiter sind abgebildet: Fridolin Steinegger (mit Schirm), Leopold Kaiser, mit Kind Ernst Brugger, Hermann Brugger, JosefStreule, Mathile Steinegger im Kinderwagen, Marie Brugger geborene Senger, Klara Fuhrler, Adelheid

Maier, Marie Biegraf mit Kind Emma Maier. Auf dem Balkon:

Berta Senger, verh. Hug in Konstanz; und Maria Brugger, Ordensschwester im St.-Anna-Stift in Freiburg.

4 JosefBlum, 24 Jahre alt, und Josefina Baumeister, wenigeTage älter, gaben sich am 20. September 1908 in Rottweil das JaWort. Die Eltern des Paares, begüterte Schuhmachersleute, gaben sicher einen kleinen 'Zustupf' . Nach der Hochzeit wohnten Sepp und Iosel in Freiburg, wo sie in der ErwinstraBe 3 und 3a eine Eisenwarenhandlung ihr eigen nannten. Erwin tauften sie ihren am 16. Juli 1909 geborenen Buben. Als Sergeant zog Sepp 19 14 in den Krieg nach Galizien. Josefina stand ihren Mann im Laden. Aus englischer Gefangenschaft heimgekehrt protokollierte Sepp am 14. Februar 1922 'Wie ich Überläufer geworden bin'. Seine auf vierzig Mann geschrumpfte Kompanie schoB gelbe Leuchtkugeln, bat umAri-Unterstützung. Sie blieb aus. Engländer überrollten ihre Stellung. EinAuto, Marke Stover, fuhr dann der Eisenhändler. Sohn Er-

win ging ins Gymnasium. 1931 wechselten die Blums in dieTextilbranche nach Rheinfelden. Im 'May' am Oberrheinplatz tätigten sie die ersten Umsätze. Hernach ging es hinüber in eigene Räume am heutigen Friedrichsplatz. Einen Fahrradständer und eine Gardinenaufhängung bekam J 0sefBlum 1931 und 1936in München patentiert. Rheinfelden hatte sein erstes Kaufhaus.

5 Die Lehrerin Kraut, eine Vertraute der Blums, durfte die geschmiedeten Verse des Firmenchefs Korrekturlesen. Aus einem ersten Freiburger Fachgeschäft habe er eine kleine Schwarzhaarige geangelt, gestand ihr der Dichter. Tatsächlich, die schaffte es, bei der Kundschaft Anziehungspunkt und Mittelpunkt zu sein. Die Kleine trug sogar zur Verbesserung desWarensortiments bei. Vater Blum war stolz auf sie! Nein, die 'Kleine' habe mit Sohn Erwin, demAbiturienten, ein Getächtelmechtel. Der Chef des Hauses zog alle Register der väterlichen Machtmittel. Da kam ein Steinhart aus LittenweiIer, um seine Margarethe, das Töchterlein, in die elterliche Obhut zurückzuholen. Vater Blum lenkte ein. Es wurde Verlobung gefeiert. Dabei entstand dieses Bild mit allen Blum-Bediensteten. Sitzend von links: Lina Heidorfer, Getrud Weid, ]osefine

Blum, ]osefBlum, Irrna Lutz und Ines Bubboloni. Stehend: Weber, Lina Kalch, Maria Stennecken, Paula Hölzer, Margarethe Steinhart mit ihrem Verlobten Erwin, Albert, Martin Blum, dann die Haushaltshilfe der Blums, Rosa Wetzel-Löhning, Elfriede Balbinger und W ]alg.

6 An in Hotels in CH-Rheinfelden etablierte Kurgäste verschickte JosefBlum 1933 dieseAnsichtskarte, mit folgendem Text: 'pp Wir erlauben uns, Ihnen werter Kurgast mit Angehörigen und Freunden eine Einladung zur zwanglosen Besichtigung und Besuch unseres Kaufhauses am Oberrheinplatz in Rheinfelden/Baden zu übersenden. Rechts auf umstehender Ansicht sehen Sie unsere eleganten Schaufenster. Jeder Artikel ist mit Preis versehen und sind diese ja in Deutschland fabelhaft niedrig. Wir danken Ihnen im voraus bestens und begrüßen Sie mit vorzüglicher Hochachtung Kaufhaus May (On parle français/English spoken) Foto Isele, Rheinfelden.

Lieb mir mein Rhein!

Hier ruhet mein Leben, Mein irdischer Sinn; Im rheinischen Segen, Wo ich hier bin.

0, rheinische Sonne, 0, bkiuqriiner Rhein; 0, seliqe Wonne,

Am Rhein zu sein.

0, rheinische Sonne, 0, blouqriiner Rhein; 0, seliqe Wonne,

Am Rheine zu sein. Blum'

0, lauschige Blüten, Am Ufer am Hang; Bei götdichem Frieden, Bei frohem Gesang.

7 Der beim Rheinfelder Stadtbauamt tätige Erwin Preuß hat eine große Anzahl Ansichtskarten mit Sprüchen und Gedichten von JosefBlum graphisch gestaltet. Meist sind die Federzeichnungen nur mit dem kleinen in sich verschlungenen ElP in der rechten unteren Bild- bzw. Kartenecke signiert. Erwin Preuß war ein stiller bescheidener Mann, der auch im Dienste der katholischen Kirchengemeinde seine Erfüllung sah. JosefBlum fand in Erwin Preuß eine ständige Anlaufstation für seine Ideen. Zwei völlig verschiedene Charaktere ergänzten sich auf ihre Art. Der von Freiburg geimpfte BodenseeSchwabe war daraufbedacht, einerseits sein Kaufhaus in Schwung zu haben und andererseits gesellschaftlich im Blickfeld zu sein. Josefine, die geschäftlich und vor allen Dingen familiär engagiert war, soll mit stillem Schmunzeln ihren Charmeur Jo-

sef in seiner Motorik gewährt haben. Der familiäre Gleichklang der Unternehmer-Mutter ist bis in unsere Zeit im Rheinfeldens angesehenen Familienunternehmen bestimmend erhalten geblieben.

8 Dieses russische Pony und der Mann mit der Spielhahnfeder auf dem Hut, das sind zwei illustre Figuren aus der Rheinfelder Gründerzeit. Sie geben Zeugnis davon, was da alles auf den Bauplatz vor 1900 zum Geldverdienen geströmt kam. Leonhard Fischer aus Altusried im Allgäu wohnte zunächst im 1895 von den KWR erworbenen Höllhakenhaus. In der 'Natrium' verdingte er sich nach dem Bauabschluß. Nebenher war er Milchhändler, Fuhrhalter und Wilderer. In den Revieren Basler Jagdherren auf dem Dinkelberg fröhnte er seiner großen Leidenschaft. Was ihm nachts vor die Flinte kam - auch Wildschweine soll er erlegt haben - holte er am heilichten Tag mit dem Break nach Hause. Im jungen Rheinfelden klapperte Tochter Anna allmorgendlich mit dem Gaul vor

dem Milchwägele von Haus zu Haus. Von der Vorschußbank Lörrach erstand der Leonhard (er war ein harter Geselle) im Jahre 1901 auf dem Adelberg, das vom Flaschenbierhändler Albert Kromer 1898 erbaute, unter den Hammer geratene Anwesen mit Ökonomie. Mit vier pferden be-

trieb Opa Fischer bis zu seinem Tode im Jahre 1925 eine Fuhrhalterei. Als neuer Mieter zog der Rheinfischer Noll ins Höllhakenhaus. Unser Bild, aufgenommen vom Rheinfelder Fotografen Martin Isele, zeigt den LeonhardWilderer mit seinem Gespann und seinen Kindern Ernst, Maria,

Anna und Hugo Fischer vor dem Haus der Nachbarfamilie ZuccalmagIia. (Bild: Fotohaus Isele.)

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