Röhlinghausen in alten Ansichten

Röhlinghausen in alten Ansichten

Auteur
:   Heinrich Lührig und Gerhard Schmitz
Gemeente
:   Herne
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6535-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Röhlinghausen in alten Ansichten'

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Einleitung

Röhlinghausen wird zum erstenmal am 2. August 1389 erwähnt; während der Dortmunder Fehde plünderte der Söldnerführer Bitter von Raesfeld mit seinen vierzig Reisigen Höfe und Bauernkotten in Röhlinghausen und in den umliegenden Bauerschaften.

Röhlinghausen war ein Flurname. Dieses landwirtschaftlich genutzte Gebiet lag südlich der heutigen Edmund-Weber-Straße, die früher als Landstraße Gelsenkirchen und Bochum verband. Dieser Hauptverkehrsweg, der bis 1875 noch mit Kies bedeckt war und bis 1975 Bochumer Straße hieß, halbierte den Ort ungefähr von Westen nach Osten. Südlich lag die Flur I Röhlinghausen, nördlich die Flur II Bönebruch. Röhlinghausen entwickelte sich aus rode-linc-husen. Hier wohnten die Leute, die den Wald gerodet hatten.

Auf dem Stratmanns Hof, der dem freien ReichshofHeverdunk hörig war, wurde bis ins 18. Jahrhundert das Heverdunker Hofgericht abgehalten, das alle Zivilstreitigkeiten aus Röhlinghausen entschied. Der Heverdunker Hof war ein Reichshof und stand unter dem Schutz des Abtes von Köln-Deutz.

Bei der Teilung des Eickeler Bruchs unter Friedrich dem Großen im Jahre 1773 wurden erneut acht Röhlinghauser Bauern genannt: Stratmann von der Hofstraße, Bönebruch Wanner Straße 76, Erlemann, Tüntmann Wanner Straße 12, Steinberg Wanner Straße 3 9a, Haumann, Wilbahn späterTerkamp, Wienkap jetzt Denis Königsgruber Straße 1.

Die Röhlinghauser gingen nach Eickel zur Kirche, und wollte man einen größeren Einkauf machen, so ging es zu Fuß oder im Pferdewagen nach Bochum. Man sprach Plattdeutsch und hielt die Sitten und Gebräuche der nördlichen Grafschaft Mark hoch. Die Höfe und Kotten vererbten sich vom Vater auf den Sohn, und wenn die männliche Geschlechterreihe erloschen war, nahm der Ehemann der Erbtachter den Namen des Hofes an. Röhlinghausen hatte gutes Ackerland. Bis zur Er-

richtung der ersten Zechen um 1850 blieb das rein landwirtschaftlich genutzte Gebiet erhalten. Zu einer Dorfbildung mit Kirche im Mittelpunkt, wie im benachtbarten Eickel, kam es nicht. In loser Streuung lagen die Höfe und Kotten der Besitzer über die 280 Hektar große Feldmark verteilt. Im Iahre 1806 wohnten 117 Menschen in Röhlinghausen, 1830 zählte man 224 und bis 1870 war die Einwohnerzahl auf 995 angestiegen.

Röhlinghausen, das dem Bergbau seine Entwicklung verdankt, war nach 1868 eine selbständige Gemeinde. Der erste Gemeindevorsteher war der Bauer Heinrich Blanke. Er übte sein Amt vom 1. Ianuar 1868 bis zum 31. März 1879 aus. Ihm folgte am 16. August 1879 Dietrich Göddenhoff, der dasAmt vierzigjahre lang bis zum 23. März 1919 verwaltete. Der letzte Gemeindevorsteher war der Bergmann Anton Wandziach. In einem Saal 'Am Bollwerk' eröffnete man am 15. Mai 1867 zunächst eine Schulklasse, die 1868 in der neugebauten Südschule untergebracht wurde. Die Südschule lag an der Bochumer Straße, die heute Plutostraße heißt. Die erste katholische Schule wurde 1873 an der Bochumer Straße, heute Edmund- Weber-Straße, erbaut und am

1. Ianuar 1874 bezogen.

Im Jahre 1875 wohnten 1 974 Menschen in Röhlinghausen. Der hohe Bevölkerungsanstieg, eine Folge der anwachsenden Bergbauindustrie, führte dazu, daß am 22. Mai 1875 das AmtWanne gebildetwurde. Es bestand zunächst aus den Gemeinden Bickern, Crange, Eickel, Holsterhausen und Röhlinghausen. Diesem Amt gehörte Röhlinghausen fünfzig Jahre lang an und erfuhr in diesem halbenjahrhundert seine stärkste Ausprägung zur Ortsgemeinde.

Bei der Bildung des Kreises Gelsenkirchen am 1. Juli 1885 kam das Amt Wanne nach Gelsenkirchen und am 1. April 1896, nach Errichtung des Stadtkreises Gelsenkirchen, zum Landkreis Gelsenkirchen.

Bis zum 1. April 1926 blieb Röhlinghausen in diesem Landkreis. Wohnten im Jahre 187 1 in Röhlinghausen nur 993 Menschen, so waren es im Iahre 1924 schon stolze 14357 Menschen. In diesem Zahlenverhältnis drückt sich der Bevölkerungsanstieg durch das Anwachsen der Bergbauindustrie am prägnantesten aus.

Röhlinghausen wurde im Süden von den Gemeinden Günnigfeld und Hordel begrenzt, die beide zum Landkreis Bochum gehörten.

Im Westen bildete der Stadtkreis Gelsenkirchen die Grenze. Eickelliegt östlich und Wanne nördlich von Röhlinghausen.

Die Gemeindevertretung bestand im Kaiserreich aus sechs Mitgliedern, die bis 1918 nach dem Dreiklassenwahlrecht gewählt wurden. Sie hießen im Jahre 1875 Erlemann, Lohbeck, Rademacher, Raub, Terkamp und Vogts. Die Herren Lohbeck und Vogts waren die Bergwerksdirektoren der Röhlinghauser Zechen Königsgrube und Pluto-Thies. Die finanzielle Lage der Gemeinde Röhlinghausen war geeignet, den Neid ihrer Gemeindeschwestern zu erwecken, denn sie war die einzige Gemeinde aus den Ämtern Wanne und Eickel, die keine Schulden hatte. Von dem Steueraufkommen der beiden Zechen Pluto- Thies und Königsgrube lebte sie in guten Verhältnissen. Es gab auch in den Jahren 1902 und 1908 Bestrebungen, um eine verwaltungsmäßige Selbständigkeit zu erreichen.

Am 10. Februar 192 1 beschloß die Gemeindevertretung den Ankauf des Bauernhofs Stratmann zur Errichtung eines Volkshauses. Dieses umgebaute Bauernhaus, das neue Volkshaus, wurde am 2. April 1923 eröffnet. Am 11. November 1921 entschloß sich die Gemeindevertretung endgültig, den Zusammenschluß zur neugebildeten StadtWanne-Eickel zuzustimmen. Am 1. April 1926 wurde die Stadt Wanne-Eickel gebildet. Röhlinghausen wurde ein Stadtteil der neuen Stadt und erhielt als Zusatz die römische Ziffer Ill, Wanne-Eickel HL

Im Zweiten Weltkrieg mußte Röhlinghausen sehr stark leiden. Besonders drei schwere Bombenangriffe aus der Luft richteten erhebliche Schäden und Verluste an Gebäude und Menschen an. Am 29. September 1943, in der Michaelisnacht, kamen im Luftschutzraum der Barbaraschule an der Hofstraße mit dem katholischen pfarrer Karl Patrzek 39

weitere Personen bei einem Luftangriff ums Leben. Am 6. November 1944 brannte unter anderem dasVolkshaus aus und bei dem Bombenangriff am 23. Februar 1945 kamen 125 russische Kriegsgefangene am Schacht V der Zeche Pluto- Thies zu Tode. Am Kriegsende war Röhlinghausen zur Hälfte zerstört. Ein Zeitungsartikel berichtet 1948, daß der Großteil des Schutts beseitigt worden sei. Die meisten Geschäfte hatten die Verdunkelungsbretter beseitigt und ihre Schaufenster wieder verglast.

Wegen des Kohleabbaus und der dadurch verbundenen Bergschäden stand Röhlinghausen schon oft auf wackeligen Füßen. Auch die katholische Kirche, Groß-St. Barbara von 1912, der Mittelpunkt des Ortes, mußte am 22. Oktober 1965 gesprengt werden.

Die Kohle bestimmte das Röhlinghauser Leben. Nachdem nach 1960 eine Zeche nach der anderen im Ruhrgebiet stillgelegt wurde, verschlechterten sich die Lebensbedingungen vieler Bergarbeiterfamilien. Die Zeche Königsgrube stand 1964 auf der Stillegungsliste des Rationalisierungsverbandes des Ruhrbergbaus. Am 26. Ianuar 1967 ging in der Lichterburg, wie die nachts hell erleuchtete Zeche genannt wurde, das Licht endgültig aus. Nach 112 Jahren endete so ein Kapitel in der Geschichte Röhlinghausens. Am 1. Ianuar 1975 wurde im Rahmen der kommunalen Neugliederung im Ruhrgebiet die neue Stadt Herne mit 170000 Einwohner gegründet. Es war ein Zusammenschluß der früheren Städte Wanne-Eickel und Herne. Röhlinghausen wurde im Stadtbezirk Eickel der neue Stadtteil Herne-Röhlinghausen. Auf vielen Ortsschildern erschien nun wieder der Name Röhlinghausen. Das Königsgruber Zechengelände wurde neu gestaltet. Wer bis vor dreißig Jahren wegen des Kohlestaubs Röhlinghausen noch mied, wollte nun Am Bollwerk, auf derWestfalenstraße, in der Bergmannstraße oder Königsgruber Straße wohnen. Die unter Denkmalschutz gestellten Koloniehäuser in den Zechensiedlungen, die Renovierung des alten Volkshauses, die Neugestaltung des Röhlinghauser Marktplatzes und der Neubau des Altenhilfszentrums an der Bergmannstraße stärkt das Image dieses Stadtteils und läßt die Bewohner Röhlinghausens wieder hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

1 Gruß aus Röhlinghausen. Diese kolorierte Lithographie vom Ende des letzten [ahrhunderts ist der älteste Postkartennachweis über Röhlinghausen. Er zeigt die Ansicht des Restaurants von Fritz Peter mit dem Germaniasaal, der 1897 erbaut wurde. Das Schulgebäude auf dieser Ansicht zeigt die Augustaschule, die im [ahre 1 873 erbaut wurde und am 1. [anuar 1 874 als erste katholische Schule in Röhlinghausen ihren Betrieb aufnahm. Das Gebäude stand auf der heutigen Parzelle Edmund-Weber-Straße 179. Die Anschrift im [ahre 191 1 lautete Bochumer Straße 68. Ein neues Gebäude der Augustaschule hieß in der Weimarer Republik Fichteschule. Der Philosoph [ohann Gottlieb Fichte war einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Idealismus. Er erhob den dialektischen Dreischritt,

These- Antithese-Synthese, zur grundlegenden Methode philosophischen Denkens. Er lebte van 1762 bis 1814und war Professor in Berlin. Auf der Postkartenansicht sind der Saal und die Schule seitenver-

kehrt abgebildet. Über dem Germaniasaal weht die schwarz-weiß-rote Fahne des Kaiserreichs. Die Restauration von Fritz Peter ist das heutige Gebäude Edmund- WeberStraße 1 77 und beherbergt

den Sitz des Architekten Werner Dominik. Die Postkartenansicht wurde am 1 1 . September 1898 in Sütterlinschrift geschrieben.

~Ie~töurant Jl~ von *

FRITZ PETÈlt,

~öhlinghausen. ~.

//

2 Blick in die Heinrichstraße um 1910. Die Heinrichstraße verband zur damaligen Zeit als landstraße Gelsenkirchen mit Bochum. Sie wurde am 28. April 1926 in Bochumer Straße umbenannt. Heute heißt sie Edmund- WeberStraße. Edmund Weber war von 1948 bis 1969 Oberbürgermeister der Stadt WanneEickel. Der Fotograf, der diese Aufnahme im Bild festhielt, befand sich auf der Kranzplatte und blickte nach Westen auf den Bahnübergang am Bahnhof Röhlinghausen. Es war die ehemalige Bahnstrekke zwischen Wanne Bahnhof und Bochum-Nord. Hinter dem Bahnübergang rechts liegt das Gebäude der Kohlenhandlung von Eduard Höhmann. Vorne links im Bild

befand sich das Manufakturwarengeschäft des Kaufmanns Wilhelm Denis, Heinrichstraße 10, rechts der Konsumund Sparverein der Zeche Königsgrube, der schon im [ahre 1868 gegründet wurde.

ROHLING USEN.

Heinrich-Straße

3 Ansicht der Röhlinghauser Kranzplatte im [ahre 1935. Hier kreuzen sich die Straßen Edmund- Weber-Straße, Plutostraße, Burgstraße und Königsgruber Straße. Der Blick des Betrachters geht in Richtung Plutostraße, die von 1933 bis 1945 MinisterFrick-Straße hieß. Rechts befand sich die Gastwirtschaft von Fritz Kreter, dahinter an der Ecke Burgstraße - Plutostraße das Manufactur- und Confectionswaren -Geschäft Sommer, später Becker, heute das Zweiradgeschäft von Rudolf Nowotny. Die Plutostraße wurde nach der ortsansässigen Zeche Pluto benannt. Pluto war in der griechischen Mythologie der Gott der Unterwelt.

4 Großer Menschenauflauf vor der Adler-Drogerie von OUo Kleffmann, aufgenommen um 1925. Der Drogist OUo Kleffmann war in Sachen Werbung für seinen Drogeriebedarf der Konkurrenz, der Drogerie von Mathias Klem, weit voraus. Es versammelten sich des öftern, wie im Bild zu sehen, zahlreiche Röhlinghauser vor seiner Drogerie an der Plutostraße, um das Radioprogramm, einen im Eingang aufgestellten Apparat, aufmerksam zu verfolgen. Eine für die damalige Zeit schon große medienwirksame Werbung.

5 Aufmarsch einesTrauerzuges in der Bochumer Straße vor der Adler-Drogerie von OUo Kleffmann um 1930. Angehörige der Familie tragen den Kindersarg unter großerTeilnahme zur Beerdigung. In der Gemeinde Röhlinghausen liegen drei Friedhöfe. Der älteste davon ist der evangelische Friedhof an der früheren Schulstraße, heute Auf der Wilbe. Dieses Gelände wurde von den Landwirten Göddenhoff und Tüntmann erworben. Es wurde dann der evangelischen Gemeinde als Begräbnisplatz überlassen. Die Einweihung war im April 1896. Nach Bildung der katholischen Kirchengemeinde wurde vom Landwirt Stefflinghoff, genannt Erle-

mann, ein Grundstück an der Parkstraße, heute Günnigfelder Straße, erworben. Diese Friedhofsanlage wurde am 18. April 1901 eingeweiht. Die erste Beerdigung auf dem Kommunalfriedhof (Süd-

friedhof) an der Hofstraße erfolgte am 22. Dezember 1920, er hat eine Größe von 21 500 Quadratmetern. Er wurde eingerichtet, weil der katholische Friedhof zu klein geworden war.

6 Das Haus der Adler-Drogerie von Otto Kleffmann an der Bochumer Straße 18c, im [ahre 1926. Die über den Stadtgrenzen hinaus aufsehenerregende Inneneinrichtung im Jugendstil aus dem [ahre 1905, wurde nach der Modernisierung im [ahre 1977 - durch eine Stiftung der Familie Kleffmann - ausgebaut und im Heimat-und Naturkunde-Museum an der Unser-Fritz-Straße 108 wieder aufgestellt. Durch ihren geschlossenen Gesamteindruck und die Vielfältigkeit im Detail, gehört diese Jugendstildrogerie mit ihrem reichhaltigen Warensortiment sowie Destille, Mörser und weiterem Zubehör zu dem wohl besterhaltenen Drogerien unseres Landes. Der Drogist Otto Kleffmann war

gleichzeitig auch Fotograf; dieses dokumentiert eine große Fotokamera, sowie zahlreiche Fotografien aus seinem Haus. Außerdem kaufte der Röhlinghauser Kunde hier seine Filme und ließ sie später in der Drogerie entwickeln.

7 Innenansicht der Jugendstildrogerie Anfang der vierziger [ahre unseres [ahrhunderts. Der Mann im Anzug auf dieser Aufnahme ist der Drogist Wilhelm Kleffmann, der Verkäufer, ein Angestellter des Hauses. Da Wilhelm Kleffmann ein humorvoller Mensch war, sind über ihn zahlreiche Anekdoten überliefert, so wie diese: Als eines Tages ein Schreiner im Hause Kleffmann seine Arbeit zur Zufriedenheit seines Auftraggebers beendet hatte, lud ihn Wilhelm Kleffmann zu einem Glas Weinbrand ein. Er stellte die beiden Gläser auf die Verkaufstheke und griff in den Giftschrank, um dort eine Flasche mit einem großen Totenkopf heraus zu holen. Der Schreinergeselle erschrak bei diesem Anblick, doch der

Drogist besänftigte ihn mit den Worten: 'In dieser Flasche ist kein Gift, hier ist nur guter alter Weinbrand drin, wüßten das meine Mitarbeiter, wäre

die Flasche nur noch halb voll.' Die Drogerie Kleffmann, Plutostraße 134, wird heute in der dritten Generation betrieben.

8 Blick auf das Wohn- und Geschäftshaus des Schneidermeisters [ohann Hehmann im [ahre 1930. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg durch einen Bombenangriff zerstört und später wieder als Wohnhaus, Plutostraße 132, aufgebaut.

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