Riedlingen in alten Ansichten

Riedlingen in alten Ansichten

Auteur
:   Winfried Aßfalg
Gemeente
:   Riedlingen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3448-4
Pagina's
:   120
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Riedlingen in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

'Riedlingen im Affagau', die 'Donaustadt in vorderösterreichischen Landen' oder die 'Oberamtsstadt im Königreich Württemberg' wären die drei wichtigsten Benennungen in der langen Geschichte aus alemannischer, habsburgischer und württembergischer Zeit. Darüber wurde viel geschrieben und diese Abhandlungen können heute zum Teil auch wieder gekauft werden.

Es wurde aber noch nie der Versuch unternommen, einen zur Gesamtgeschichte vergleichsweise sehr kleinen Abschnitt im Bild wiederzugeben. Dieser Augenblick von etwa 1890 bis 1930 war aber für Riedlingen eine wichtige Zeit. Das Bürgertum gewann an Selbstbewußtsein, Handel und mittelständisches Gewerbe gediehen gut und erste Industrien vergrößerten sich wesentlich. Neue Unternehmen wurden gegründet. Weltkrieg und Inflation machten auch vor Riedlingen nicht halt. Dennoch behielt die Oberarntsstadt ihren eigenen, um nicht zu sagen, eigenwilligen Charakter. In diesen Zeitraum fiel die Planung und

Ausführung einiger für darnalige Verhältnisse gewaltiger Bauvorhaben. Es gehörte Mut dazu, Krankenhäuser und Schulen, Institute und auch Ämter in solcher Größenordnung zu errichten. Der Mut wurde über viele Jahrzehnte hinweg in seiner Richtigkeit bestätigt,

Dieses Buch kann und will keine Chronik sein über den genarmten Zeitraum. Es will lediglich festzuhalten versuchen, was an Erinnerungen in Form von Fotografien aus jener Zeit noch vorhanden ist. Ein bißchen will es aber auch verschiedene Zusammenhänge, wenige Daten oder Ereignisse in das Bewußtsein zurückrufen.

Dieser Zeitraum fällt zusammen mit der ersten Perfektionierung der Fotografie. Berufsfotografen, aber auch schon einige Amateure brachten es zu erstaunlichen Leistungen und schufen damit Zeitdokumente besonderer Art. Hier muß der Name Josef Ulrich genannt werden, der in unglaublicher Vielfalt gearbeitet hat. Seine Aufnahmen waren nicht nur für Post-

karten, sondern auch in Magazinen wie den Albvereinsblättern gesuchte Artikel. Der geschichtliche Wert dieser Aufnahmen war und ist meist nur in lokaler, vereinsinterner oder gar familiärer Sicht gegeben. Aber das zusammen gesehen ergibt eben auch die Geschichte dieser Stadt.

Das Sammeln der Abbildungen für dieses Buch glich nicht selten einer Detektivarbeit, weniger hinsichtlich der Motive oder Standpunkte, als der Interpretation. Und so wird es sicher im einen oder anderen Fall möglich sein, diese oder jene Geschichte dazu erzählen zu können; denn ein Großteil dessen, was hier zusammengetragen wurde, stammt aus Erzählungen betagter Bürger, die sich an jener Zeitabschnitt erinnern können. Hier dürfen besonders die Namen Anliker, Arnold, Baier, Butscher, Dorner, Hammer, Horst, Pfister, Traub, Ulrich und Winkler genannt werden. Natürlich waren es weit mehr Helfer, die am Zustandekommen beteiligt waren. Es hat sich gezeigt, daß es jetzt an der Zeit war, diese Dinge einmal zu-

sammenzutragen. Oftmals ohne Datum und Text versehene Bilddokumente verlieren ihren Wert, wenn niemand mehr deren Inhalt zu deuten weiß. Erstaunlich schwierig gestaltete sich die Suche nach Bildmaterial aus dem Vereinsleben. Es liegen zwar vorbildliche Protokolle vor, die aber nicht bebildert sind. So konnte die breite Palette an Vereinen, welche in jener Zeit vorhanden war, nur in sehr schmalem und heute noch bestehendem Ausschnitt erfaßt werden.

Jede Gemeinschaft hat ihre Originale, die meistens zu Lebzeiten nicht unbedingt als solche erkannt werden und deren Einmaligkeit sowie der geprägte Humor erst dann geschätzt werden, wenn sie nicht mehr sind. Deshalb war auch dieser Teil nicht einfach zu erfassen, noch schwieriger im Bild zu zeigen.

Alles in allem ist hier ein Buch entstanden, das sicher der älteren Generation viele Erinnerungen wiedergibt, das vielleicht aber auch den jüngeren Menschen eine Brücke bilden kann zu damals, zur 'guten alten Zeit'.

1. 'Zwei Mädchen gingen auf die Reise, nach Munderkingen führt sie des Zuges Geleise, damit's nicht vergessen den Heimatort, schick ich schleunigst diese Karte fort: Das ist Treue und Liebe zur Heimat, wenn man von auswärts eine Karte der Heimatstadt wegschickt! So mögen alle eingeladen sein, eine Reise in die noch gar nicht allzulange zurückliegende Vergangenheit mitzumachen, eine Reise, bei der Ernstes, Heiteres und Besinnliches, Vergessenes, Gegenwärtiges und Vergangenes sich ablösen, eine Reise in das Riedlingen um die Jahrhundertwende. Ob mit der Postkutsche, der Bahn oder zu Fuß gereist werden soll, bleibt dem Leser überlassen.

2. Reisen war damals gar nicht so unüblich. Postkutschen, seit 1869-1870 die Donautalbahn und ab 1916 die Kanzachtalbahn ermöglichten es auch größeren Familien, wegzufahren. Die Kanzachbahn war eine für diese Gegend wichtige Querverbindung zur Südbahn Ulm-Friedrichshafen, da sie den zeitraubenden Umweg über Herbertingcn-Aulendorf ersparte. Dies wußten übrigens auch die Rekruten, welche in der Weingartener Garnison lagen, zu schätzen. Somit war, wenn auch nur um wenige Stunden, der Heirnaturlaub zu verlängern, Ob auf unserem Bild die Reisegruppe eine hiesige Familie war, ist nicht bekannt. Möglich wäre es. Vielleicht war auch Besuch nach Riedlingen gekommen, um wieder einmal im Donaustädtchen gewesen zu sein.

3. Das ist Riedlingen aus jener Zeit. Aufgenommen etwa um 1910 (das neue Postamt steht schon), tastet es sich aus dem altehrwürdigen Oberamtsstadtkern hinaus an die Staatsstraße. Rund 2500 Einwohner hat die Stadt, noch 90 Pferde und über 500 Stück Vieh stehen in den Stallungen, Es gibt ein ungeheuer breitgefächertes und fein differenziertes Handwerkerturn, daneben auch schon einige fabrikmäßig betriebene Unternehmen. Die Kreuzung bei der Restauration liegt verträumt da. Erst seit einigen Jahren sind Schranken angebracht und ein Schrankenwärterhäuschen gebaut worden, um den Bahnübergang sicher zu machen. Aus jener Zeit stammt auch das Pumphäuschen, das das Stadtgebiet mit Quellwasser aus dem Vogelberg versorgte.

Marktplat%

4. Seine Gestalt erhielt der Marktplatz nach 1804, als elf Gebäude niederbrannten. Beim Wiederaufbau dachte man schon an die Verbreiterung der Straße, so daß die Häuser vor der Buchhandlung, dem 'Mohren' und 'Ochsen' nicht mehr aufgebaut wurden. So bekam der Marktplatz die Bedeutung, die er dem Namen nach verdient. Er war Treffpunkt aller, die in die Stadt kamen. Die Lage der Posthalterei tat das ihrige dazu, daß der Platz stets sehr belebt war. Die Aufnahme von 1908 läßt eben eine Postkutsche auffahren. Eine Gruppe Reisender wartet schon. Allem Anschein nach ist es eine Überland linie, die vielleicht nach Stuttgart oder Freudenstadt fährt, Vor jedem Gasthof steht ein Wagen. Die Bauern haben demnach im 'Mohren', 'Ochsen', 'Hasen', der 'Glocke', 'Kanne' oder dem Hotel 'Fuchs' eingestellt.

5. Der Marktplatz hat sich zwanzig Jahre später nur in wenigen Punkten verandert. Die Apotheke zeigt inzwischen ihr schönes Fachwerk. Der 'Ochsen' erhielt nach dem Brand ein völlig neues Gesicht. Dorner's Haus zeigt noch die alte Ladenfront. Neben der Apotheke besteht noch das Hotel 'Fuchs', in Nachbarschaft zur Eisenhandlung Miller, der Sattlerei Meßmer und ganz rechts dem Frisör Nußbaum. Der alte Brunnen von 1846 steht noch da und auf dem breiten Kopfsteinpflasterstreifen können die Hotelbetten gesonnt werden. Die Fuhrwerke sind verschwunden und am Straßenrand steht wie ein drohender Schatten ein Personenkraftwagen.

Kiedlin~en

6. Auch heute noch verzückt jeden, der in die Stadt kommt, der Anblick des Donauwehrs mit der schönen Altstadtfassade. Wenngleich heute die Häuser sicher in besserem Zustand sind, war damals die Donaupartie noch romantischer, allein schon wegen des 1922 abgebrochenen Hauses auf der Stadtmauer, das ein reizendes Türmchen angebaut hatte. Auf dem spiegelglatten Wehr liegt ein Nachen am Ufer. Der Sinn des quer über die Wasserfläche gesparmten Stegs wird bei diesem friedlichen Anblick nicht klar. Im Winter aber, wenn sich Eisschollen türmten, mußten hier Arbeiter die Reehen der Waagmühle freihalten, indem sie mit langen Stangen die Eisbroeken über das Wehr stießen.

Riedlingen - Weibermarkt

7. Gepflastert sind nur die Abwasserrinnen und der Marktteil des Weibermarktes. Die Straße ist noch unbefestigt und bescheiden schmal im Vergleich zu heute. Sonst hat der Weibermarkt von der Bausubstanz her seine Gestalt erhalten können, im Gegenteil, er hat sich sogar verschönert. Noch ist die frühere Konditorei Gröber, das damalige Café Link, mit wilden Reben bewachsen. Das Fachwerk heute ist schöner, Das besonders interessante Haus des Goldarbeiters Gläsle in der einmündenden Ilgengasse sieht hier noch gut aus. Sicher wird man der heutigen Zeit einmal Vorwürfe machen, wenn es nicht gelingt, dieses und andere Häuser vor dem Verfall zu bewahren und sie einer neuen Nutzung zuzuführen.

8. Ein Stadtviertel mit eigener Prägung und Geschichte ist die Mühlvorstadt, die im Mittelalter als Stadterweiterung außerhalb der Mauern entstand. Im Gegensatz zu den hohen Giebelhäusern der Innenstadt herrschen hier eingeschossige, traufseitige Häuser vor, die den Eindruck eines kleinen Straßendorfes vermitteln. Tatsächlich befanden sich hier um die Jahrhundertwende einige landwirtschaftliche Anwesen. Einer der wenigen, wenn nicht der einzige Handwerker war Küfer Johann Krämer, der seine Faßdaugen zu einem hohen Turm aufgeschichtet hat. Er war auch gleichzeitig Waagmeister bei der Schranne, die sich im Rathaus befand.

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