Riedlingen in alten Ansichten

Riedlingen in alten Ansichten

Auteur
:   Winfried Aßfalg
Gemeente
:   Riedlingen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3448-4
Pagina's
:   120
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Riedlingen in alten Ansichten'

<<  |  <  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  9  |  10  |  >  |  >>

59. Diese freundliche und doch sehr bestimmt dreinschauende Frau ist vielen Riedlingern noch bekannt:

Leokadia Letsch, genannt 'Lekad' . Über viele Jahre hinweg hatte sie die Aufgabe, sich um die Toten, die damals ja noch in den Häusern bis zum Begräbnis verblieben, zu kümmern, Sie war also Riedlingens Leichenbesorgerin und Leichensagerin. Dazu gehörte auch die Durchführung der Betstunden im Totenhause, zu welchen sie vor allem auch immer die Kinder aufgefordert haben soll. Diese wiederum freuten sich auf den Litaneiteil, in dem Iür (und das auf schwäbisch gesprochen) die Büßer und Büßerinnen gebetet wurde. Frau Letsch wohnte mit ihrem Mann Joharm Georg, der Hopfenbauer war, im 'großen Haus' in der Froschlache. Hopfengärten gab es damals am Österberg.

60. Bis heute nehmen die Jahrgängerfeiern für den Jubeljahrgang einige Wochen lang breiten Raum ein: Vorbereiten, organisieren, Adressen sammeln, einladen und so weiter. Weit verstreut waren die Jahrgänger damals, 1912, sicher nicht und es war, gemessen an der Einwohnerzahl und verglichen zu heute, eine verhältnismäßig große Gruppe, die hier ihr Fünfzigerfest feiert. Aus dem Jahrgang 1862 waren unter anderen Schmied Rothmund, Lammwirt Mennet, Metzgerrneister Fezer, Frau Sattler, Schweizer, Glockenwirtin Jäger, Klara Mennet, Frau Sorger und Frau Halbherr. Vorne sitzen die Herren Johner und Emmert. Nahezu alle Damen tragen übrigens den Stockschirm bei sich, der damals zur eleganten Mode gehörte.

61. Auch vom Jahrgang 1871 ist ein Gruppenbild vorhanden, das anläßlich des Fünfzigerfestes, also 1921, vor der Stadtpfarrkirche aufgenommen wurde. Eine stattliche Gruppe Männer und Frauen, die damals sicher genauso rnitten im Leben standen, wie dies heute der Fall ist, Und doch, betrachtet man dieses Bild einmal aufmerksamer, studiert die Gesichter der Jubilare, so empfindet man, daß es ältere Erscheinungen sind als heutige Fünfziger. Sicher trägt die dunkle Kleidung und diese Art Mode ihren Teil dazu bei. Daß ein Bart damals zu jedem rechten Mann gehörte, wird hier bewiesen. Nicht einer der Herren, der ohne wäre!

62. Obwohl Adolf Jaisle und seine Ehefrau keine gebürtigen Riedlinger waren, gehörten sie untrennbar zu dieser Stadt. Über die Hälfte der neunzehn Kinder (zwei verstarben sehr früh) sind in Riedlingen geboren worden. Sie waren so sehr Riedlinger, daß sogar auf dieses originelle Familienfoto, das in seiner Art ein einmaliges Zeitdokument darstellt, die Stadtsilhouette eingebaut wurde. Übrigens ist diese Gesamtaufnahme nicht im Atelier entstanden. Der Fotograf hat die Personen und Gruppen einzeln aufgenommen, ausgeschnitten, gruppiert und dann abfotografiert. Adolf Jaisle, als Geometer um 1900 in Riedlingen ein vielbeschäftigter Mann, gründete die Kleinkinderschule und stand ihr bis zu seinem Tode 1917 vor.

63. Wie stark ganze Familien am allgemeinen Geschehen beteiligt waren, vor allem auch am Vereinsleben, verdeutlicht diese Aufnahme. Als Beispiel darf hier Heinrich Schwarz mit seinen sechs Söhnen genannt werden. Er selbst, langjähriger Sänger und Ehrenmitglied im Liederkranz, machte aus seinen sechs Söhnen (von insgesamt sechzehn Kindern) auch Sänger, Sie sangen unter anderem mit Vorliebe Quartette. Bei der Berufswahl griffen sie aber auf gesicherte Berufe zurück: von links, Konstantin wurde Steinbildhauer in Isny, Emil übernahm als Malermeister das elterliche Geschäft, Viktor wurde Finanzbeamter, Arthur wanderte nach Amerika aus, Wilhelm war leitender Angestellter der technischen Opernbühne in Nürnberg (das glühende Siegfriedschwert war sein Patent) und Heinrich wurde ebenfalls Malermeister.

64. Der berühmteste Riedlinger Bürger um die Jahrhundertwende war Adolf Gröber, Sohn des Goldschmieds Albert Gröber am Weibermarkt. Nach dem Jurastudium trat er in den Justizdienst ein. Er wurde Landtags- und Reichstagsabgeordneter der Zentrumspartei. Als einer der hervorragenden Redner und Publizisten dieser Partei wurde er schließlich 1918 zum Staatssekretär ernannt und verstarb schon ein Jahr später im Reichstagsgebäude in Berlin. Das Foto, auch 'die drei Vettern' genannt, zeigt ihn zusamrnen mit Emil Burkart (links), dem Spitalpfleger und Carl Gröber (rechts), der in Neufra eine Textilfabrik führte. Er war auch der Besitzer des gesamten Schloßareals. Alle drei hatten den gleichen Großvater, nämlich Posamentier C1emens Gröber.

65. Das Postwesen spielte in Riedlingen immer schon eine große Rolle. Nicht nur, daß die Postkutsche von Wien nach Straßburg und Stuttgart hier durchkam, sondern auch mit dem Umland herrschte gute Boten- und Fahrverbindung. Von 1805 an, als Riedlingen württembergisch geworden war, bis 1907, zum Bau des neuen Postamtes, befand sich die Posthalterei im Gebäude der heutigen Kreissparkasse. Dieses stammt aus dem Jahre 1541 und gehörte als Zwiefalter Hof dem dortigen Kloster. Zur Zeit der Aufnahme um 1910 hieß der Posthalter allerdings nicht Autbert, sondern August Mennet. Als Fortunat Mennet dieses Gebäude 1805 ersteigert hatte, nannte er sein Lokal 'drei Kronen' und erst später Gasthof 'Post'.

66. Zu diesem Gasthof 'Post' gehörte der dahinter gelegene alte Poststall, die ehemalige Zehntscheuer des Zwiefalter Klosterhofes. 1546 erbaut, diente er in der Posthalterei als Remise und Stall. Hier wurden die Pferde der Überlandkutschen gewechselt und eingestellt. Leider fiel das Gebäude wegen Baufälligkeit 1938 der Spitzhacke zum Opfer. Über dem Torbogen befand sich das Wappen des Zwiefalter Klosters aus der Erbauungszeit und die Inschrift aus der Posthalterei: 'Pace data postarum haec statio facta' - 'Nachdern Friede war, wurde diese Poststation errichtet'. Gemeint ist der Preßburger Friede 1805, bei dessen Abschluß Napoleon unter anderem Riedlingen an das Königreich WÜIttemberg gab.

67. Frisch gestrählt und gebürstet, wie es sich für Pferdeder Königlichen Württembergischen Posthalterei gebührt, werden diese VQn den Postiltionen Jakob Pfeil (links) und Georg GollerIrechts) auf dem Marktplatz dem Fotografen vorgeführt, Sie standen zwischen 1880 und 1909 im Dienste des Posthalters August Mennet. Die beiden Postillione in der Mitte sind nicht mehr bekannt. Von Riedlingen aus fuhr wöchentlich ein Bote nach Ulm und Biberaeh. Sicher hatte der Posthalter auch Verbindungen zu den umliegenden Orten eingerichtet.

1866-1915

Der letzte Postwagen Buchau.Riedlingen. 14. November 1915

68. 'Mit Sonntag, 14.11.1915 hören infolge der Bahneröffnung Riedlingen-Bad Buchau die zwei Postkurse zwischen diesen Städten auf'. Seit 1866 fuhr die Postkutsche diese Strecke. Nun mußte sie der Technik weichen. Die letzte Fahrt aber wurde gebührend begangen. Reich bekränzt fuhr der Postillon die Stadt hinaus. Von der Heudorfer Höhe blies er ins Tal hinunter die Weise 'Muß i' denn zum Städtele naus', Dies war auch der Tag des ersten Schnee, stellte die Riedlinger Zeitung abschließend fest.

<<  |  <  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  9  |  10  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2019 Uitgeverij Europese Bibliotheek