Riesa an der Elbe in alten Ansichten Band 1

Riesa an der Elbe in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Siegfried Thieme
Gemeente
:   Riesa an der Elbe
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5213-6
Pagina's
:   112
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Riesa an der Elbe in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Es war einmal vor vielen, vielen hundert Jahren, daß ein Riese auf seiner Wanderschaft hier in unsere Gegend kam. Bei seinem Marsch durch die Zeithainer Heide war er mehrfach bis an die Knie in den Boden eingesunken, der feine weiche Sand hatte alle Hohlräume in seinen Stiefeln ausgefüllt. Als er plötzlich am Elbestrom stand, mußte er sich entscheiden, welchen Weg er weitergehen sollte: entweder rechts oder links den Fluß entlang oder durch ihn hindurch. Nach kurzem Überlegen entschied er sich für den letzteren. Mit gewaltigen Riesensätzen durchschritt er den Fluß. Als er am anderen Ufer aus dem Wasser heraustrat, konnte er kaum noch seine Beine bewegen. Der in die Stiefel eingedrungene Sand, vermischt mit dem Wasser der Elbe , war so gewichtig, daß der Riese glaubte, Mühlsteine an den Füßen zu haben. Er setzte sich hin, entledigte sich seines Schuhwerks und schüttete den Sand, der sich darin angesammelt hatte, aus. Das war nun soviel, daß es einen kleinen Hügel gab. Auf eben diesen Hügel entstand die Stadt Riesa, die als Dankbarkeit dafür den Riesen als Sinnbild in ihrem Wappen trägt.

Sicherlich ist diese Sage aus einem Bedürfnis heraus entstanden, den Ortsnamen Riesa zu deuten. Dabei ist der Name in dieser Form erstmals 1451 aufgetreten. Bis dahin hatte er schon viele Wandlungen erfahren, das ursprüngliche 'Riezove', das aus dem Slavischen herkommt und soviel wie 'Flußort' bedeuten soll, wird bereits zu Anfang des 12. Jahrhunderts genannt. Tatsächlich ist das Kloster in Riesa das älteste aller Klöster in der Mark Meißen und die Geschichte Riesas bis zur Reformation im wesentlichen diejenige des ehemaligen Klosters.

In den ersten fünfzig Jahren seines Bestehens mag sich das

Kloster nicht wesentlich entwiekelt zu haben. Der Kampf wider heidnischen Ungeist, für christlichen Glauben, kirchliche Macht und die Rückgewinnung des während der Völkerwanderung an die Slaven verlorenen Ostens waren die Hauptaufgabe der Mönche an diesem vorgeschobenen Posten. Als schließlich die Germanisierung und Christianisierung nach Osten hin Raum gewann, war Riesa plötzlich Hinterland geworden und besaß deshalb nur noch geringe Bedeutung. Die Umwandlung in ein Nonnenkloster zu Ende des 12. Jahrhunderts führte zur Erhöhung von Reichtum und Ansehen des Klosters, denn die meisten der Klosterfrauen waren unverheiratete Töchter der adligen Grundherren aus der Umgebung von Riesa, die bei ihrem Eintritt ins Kloster reiche Schenkungen an Boden und Zehntengefällen mitbrachten. Auf eine Entwicklung des Ortes richtete man im Kloster kein Augenmerk, die wenigen Bewohner der Dorfsiedlung, Landleute, Handwerker und Händler, waren irgendwie wirtschaftlich vom Kloster abhängig und sollten es auch bleiben. So floß über vier volle Jahrhunderte hinweg das Leben im Kloster und dem zugehörigen Dorf in geordneten Bahnen dahin, war man gemeinsam Raubzügen, Bränden und entfesselten Naturgewalten ausgesetzt, bemühte man sich, tagtäglich den Bedürfnissen derörtlichen Verhältnisse gerecht zu werden.

Als der klösterlichen Bevormundung der etwa 180 Einwohner des Dorfes Riesa durch die Reformation ein Ende gesetzt wurde, folgte mit der Übernahme des Klosters durch den Staat und die Weitervergabe desselben an Lehnsherren eine andere Herrschaft, die die weltlichen Rechte übernahm. Der Einwohnerschaft war jetzt die Rittergutsherrschaft vorangestellt, die laut Stadtrechtsurkunde von 1623 alle 'Macht

und Gewalt' über den Ort wie über dessen Bewohner hatte. Unter all den zahlreichen Besitzern des Rittergutes von Merten von Miltitz, der es 1554 als rechtes Lehnsgut übernahm, bis Heinrich Freiherr von Welck, der es 1874 an die Stadt Riesa verkaufte, hatten nur wenige ein tieferes In teresse an dem Ort selbst.

Die Bewohner von Riesa erschwerten sich ein Vorwärtskommen ihres Dorfes und später ihrer Stadt von selbst. Die Bewohner der Dorfgemeinde entlang der Meißner Straße waren zufrieden mit ihren Besitzungen und satt auf ihrer Scholle. Die Handwerker auf der Großenhainer Straße und dem Altmarkt waren stark von der Gutsherrschaft abhängig. Die Gruppe der Handelsherren schließlich waren an der Nähe der EIbe mehr interessiert als an der Stadt. Diese Dreiteilung der Bürgerschaft führte dazu, daß Riesa weit davon entfernt war, das Gepräge einer Stadtgemeinde zu tragen. Und so verwunderte es niemand, daß sich Riesa bis 1857 bei Landtagswahlen bescheiden zu den Dörfern zählen ließ.

Einen großen Einschnitt in die Entwicklung von Riesa macht die Dampfeisenbahn, die erstmals am 7. April 1839 auf ihrer Fahrt von Leipzig nach Dresden unsere Stadt berührt. Riesa wird, fast Mittelpunkt der Gesamtstrecke, Hauptstation. Und Eisenbahn und Eibe loekten in der Folge immer mehr Menschen hierher, führten zur Gründung von wichtigen Industrie-, Gewerbe- und Handelseinrichtungen. Die Stadt hielt Schritt mit der rasch wachsenden Industrie und entwikkelte sich stetig. Es wurden Häuser und Straßen gebaut, ein weitverzweigtes Schleußensystem angelegt, die Bevölkerung mit Gas, Wasser und Elektrizität versorgt. Die Stadt kaufte das Rittergut und übernahm die volle Selbstverwaltung. Dem reichlich siebenhundertjährigen dornröschen-

schlafähnlichen Zustand folgten etwa hundert Jahre der Entwicklung, des Aufblühens und des Wachstums. Aus dem 'Flecken Riesa' war die Industriestadt Riesa geworden. Als ich den Auftrag zur Erarbeitung dieses Bildbandes erhielt, bin ich mit großem Eifer an die Arbeit gegangen. Obwohl ich selbst kein Riesaer bin und erst seit etwa zwanzig Jahren in der Stadt wohne, beschäftigt mich die Geschichte der Stadt schon seit einigen Jahren. Diese Geschichte ist so interessant, daß sie es verdient, daß man sich mehr mit ihr beschäftigt. Dieses Anliegen soll dieser Bildband bei möglichst vielen, vor allem jungen Menschen unserer Stadt erreichen. Ich habe versucht, einige der interessantesten Fakten aus den letzten 150 Jahren in Bild und Wort aufzuzeigen. Die Auswahl erhebt keinen Anspruch auf unbedingte Vollständigkeit, manchmal fehlende Angaben sind der Tatsache geschuldet, daß über manche Vorgänge keine oder nur ungenügende Aufzeichnungen vorliegen.

Ich bedanke mich bei dem Heimatmuseum Riesa, wo ich die Gelegenheit bekam, aus der umfangreichen Bildersammlung zur Stadtgeschichte diese 108 Bilder auszuwählen und den geschätzten Lesern zugänglich zu machen. Mein Dank gilt auch den Herren Heil und Mittag, die mir als alte Riesaer geholfen haben, Wissenslücken auszufüllen. Auch danke ich all jenen ungenannten, die in irgendeiner Form zum Gelingen dieses Bandes beigetragen haben. Mir bleibt am Ende nur noch die Hoffnung, daß er allen beim Lesen ebensoviel Freude bereitet wie mir beim Erarbeiten.

Siegfried Thieme

1. Die Eisenbahnbrûcke bei Riesa. Dieses Bild steht nicht unbedacht am Anfang dieses Bandes. Die Brücke mit dem darüberfahrenden Eisenbahnzug hat für unsere Stadt und ihre Entwicklung eine große Bedeutung. Mit dieser Bahn begann das eigentliche Leben der Stadt. Der Zeichner hatte seinen Standort auf dem Kutzschenstein bei Gröba, einern Felsmassiv, das aus dem sonst relativ flachen Land dieser Gegend herausragt. Ganz im Hintergrund erkennt man die Anwesen der Stadtgcmeindc, überragt vom Turm der Klosterkirche. Die Windmühlen standen auf dem Käferberg. Ganz rechts sieht man das 1843-1845 erbaute Eisenwerk von Heinrich Schönberg, das einmal eine besonsere Bedeutung für die Stadt Riesa erlangen sollte.

2. Kloster Riesa zur Zeit der Gründung. Zuerst erwähnt wird das Kloster Riezowe in einer Urkunde des Papstes Calixtus Il., die am 30. Oktober 1119 zu Reims ausgestellt wurde. Damit ist das von etwa 1111 bis 1119 erbaute Kloster das älteste in diesem Gebiet und die am weitesten nach Osten vorgeschobene Bastion für christlichen Glauben und kirchliche Macht zu jener Zeit. Es ist eine geschlossene Anlage mit wehrhaften, trutzigen Mauern, der Wachtturm an der Jahna soll dereinst durch eine hölzerne Brücke mit dem Kloster verbunden gewesen sein. Es erlebte gute und schlechte Zeiten, Feuersbrünste und plündernde und mordende Horden brachten viel Leid für die Mönche und später Nonnen, führten zu vielen Neu- und Umbauten. Durch die Reformation wurde dem Kloster ein Ende gesetzt, J 542 siedelten die Ietzten Nonnen in das nahegclegene Mühlberg über.

3. Der Ostflügel des Klosters. Die ursprünglich aus Holz gebauten Klostergebäude wurden nach wenigen Jahren bereits aus Steinmauern ausgeführt. Die noch heute erhaltenen Rundbogenfenster weisen auf den romanischen Baustil hin. Die Klostergebäude bildeten ein geschlossenes Viereck. Im Ostflügel befanden seih Arbeits- und Wirtschaftsräume. Durch das Tor gelangte man in den Nonnengarten. Die Grabtafel in der Mitte des Gebäudes wurde erst später dort eingefügt. Sie bedeekte ursprünglich die Grabstelle des einstmaligen Besitzers des Rittergutes, Hanns Levin von Embden, in der Klosterkirche.

Riesa a Elbe.' l{'josterkirche.

4. Klosterkirche. Die älteste der Riesaer Kirchen ist die Klosterkirche. Ihr Bau um die Wende des 12. Jahrhunderts war notwendig geworden, da die Menge der zur Kirche gehörigen Gemeindemitglieder beträchtlich anstieg. Ein Klostersiegel von 1296 zeigt die Kirche zweitürmig. Als die Hussiten bei ihren Raubzügen mehrfach nach Riesa kamen, hatte die Klosterkirche auch zu leiden. 1430 brannte sie wohl wie die anderen Klostergebäude vollständig ab. Sie wurde aber bald wiedererrichtet, Glocken mit den Jahreszahlen von 1433 gelten dafür als Beweis. Der Turm in seiner heutigen Form besteht erst seit 1745. Im Inneren und außen ist die Kirche mehrfach umgebaut worden.

5. Die Mumien in der Klostergruft. 1828 wurde erstmals die Gruft unter dem Altar der Klosterkirche geöffnet. Man fand darinnen fünfzig Särge. In zwanzig waren die Leichname verwest, die anderen hingegen waren noch gut erhalten, teils verkalkt, teils lederartig. Selbst beigegebene Blumen und Bücher waren noch in gutem Zustand. Bei den Toten handelt es sich um frühere Besitzer des Riesaer Rittergutes sowie deren Kinder und Verwandte. Der Erbauer der Gruft war Hanns Levin von Embden, Sproß einer alten magdeburgischen Adelsfamilie und seit 1592 mit dem Rittergut Riesa belehnt. Kurz nach ihrer Vollendung 1595 nahm die Gruft ihren noch jungen Erbauer auf.

6. Der Nordflügel und der SchloJ3turrn. Vom äußeren Hof aus geht der Bliek zum Nordflügel des Klosters, dem 'Mönchshaus' mit seinem herrlichen Giebel. In diesem Gebäudeteil befanden sich die Wohnzellen der Mönche und später der Nonnen. Der Schloßturm steht erst seit 1848 an dieser Stelle. Der vorletzte Schloßherr, Kurt Robert Freiherr von Welck, ließ ihn von seinem einstigen Standort an der Ecke der Parkstraße nach dem Schloßgebäude versetzen, als er das Land für Bauzwecke verkaufte. Im obersten Stockwerk des Turmes, von dem aus man eine gute Aussicht hat, erinnert eine eiserne Tafel an diesen Vorgang.

7. Eingemauerter Baumstamm. Die Westseite des Klosters war wahrscheinlich durch eine hohe Mauer verschlossen worden. Bei einer späteren teilweisen Abtragung der Mauer stieß man auf einen eingemauerten, senkrecht stehenden Eichenstamm. Man nimmt an, daß der Stamm zu einem von den Slawen, die in der Umgebung wohnten, verehrten heiligen Baum gehörte. Die Mönche werden ihn beim Klosterbau abgeschlagen und eingemauert haben. So verschwand das heidnische Heiligtum, ohne daß es zerstört ward. Heute noch ist der Eichenstamm in einer Höhe von etwa 1 m über der neuen Abdekkung der Mauer zu sehen.

8. Der Kapitelsaal. An der Südwestecke des Klostergevierts befand sich das gewölbte, schöne Refectorium, der Speisesaal des Klosters. Sicher wurde er auch als Conventsaal benutzt. Die Nonnen versammelten sich hier täglich mit der Äbtissin zur Verlesung einiger Kapitel ihrer Ordensregeln oder sie trafen sich zur Beratung von wichtigen Verwaltungsangelegenheiten des Klosters. Der schöne Saal mit seinem wunderbaren Gewölbe ist noch heute vorhanden, doch leider lassen voll mit Akten bepackte Regale (er ist seit Ende des vorigen Jahrhunderts Ratsarchiv), seine Schönheit nur ahnen. Die Riesaer und ihre Gäste hoffen aufbaldige Besserung.

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