Ritterhude in alten Ansichten

Ritterhude in alten Ansichten

Auteur
:   Kurt Müller
Gemeente
:   Ritterhude
Provincie
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1056-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Ritterhude in alten Ansichten'

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59. Der erste große Industriebetrieb in Ritterhude war die Farbenfabrik 'Bergolin'. Zeitweise waren vierhundertachtzig Arbeitnehmer in dem Werk beschäftigt. Die abgebildete Luftaufnahme wurde 1927 gemacht. 1907 befanden sich auf dem Gelände die 'Hanseatischen Hartsteinwerke'. Diese Bremer Firma produzierte Mauersteine, die Steine wurden auf dem Wasserweg verladen. Große Teile des Emdener Hafens sollen aus den hier hergestellten Ziegeln erbaut worden sein. Als die Hartsteinwerke 1919 ihren Betrieb einstellten, übernahm der Fabrikant Walter van der Bergh die Gebäude und stellte dort Trockenfarben und Lacke her. Aus dieser Zeit stammt der Firmenname 'Bergolin', 1923 trat ein Teilhaber ein, der bald darauf die Firma übernahm.

60. Martin Schnaars und sein Ziegenbockgespann gehörten vor dem Ersten Weltkrieg zum Ortsbild. Er hielt seine Ziegenböcke zur Freude seiner Kinder. Bei älteren Einwohnern ist Martin Schnaars als 'Original' in Erinnerung. Auf Dorffesten machte er den Conferencier und sang dabei mit Hingabe: 'Waldeslust, Waldeslust!' Die Ziege war in jener Zeit die 'Kuh' des kleinen Mannes, in Ritterhude sprach man wohl auch von der 'Zigarrenmacherkuh'. Auf der Aufnahme sieht man einen Teil der Goethestraße, die damals noch 'Hinter den Höfen' hieß, mit der Kreuzung Windmühlenstraße. Links im Bild die Hauptschule und die Kirche. Die Straße 'Hinter den Höfen' war - wie die meisten Straßen im Ort - ein ungepflasterter Sandweg.

61. 'Vorn Brett in's Bett, vom Bett an's Brett' - nach diesem Tagesrythmus lebten die vielen Zigarrenmacherfamilien. Die Heimarbeiter bezogen ihren Rohtabak von den Zigarrenfabriken in Burg oder Osterholz und lieferten die fertigen Zigarren am Wochenende dort ab. Die Familien mussten hart arbeiten, um auf einen guten Wochenlohn zu kommen. Das Wochenpensum waren 1 500 bis 2 500 Stück Zigarren, Für 1 000 Stück gab es nach dem Ersten Weltkrieg neun bis vierzehn Mark, der Preis wurde nach Qualität und Größe festgesetzt. Diese Heimarbeit war in Ritterhude so weit verbreitet, dass wohl jeder im Ort etwas davon verstand. Unsere Aufnahme von 1928 zeigt einen der Letzten seiner Zunft, den Zigarrenmacher Wattenberg vom Vielenbruchsweg, an seinem Arbeitsplatz - dem 'Fummelbrett'.

62. Die Klempnerei und Kupferschmiede Gerdes hatte einen guten Ruf', Meister Gerdes galt als bester Pumpenbauer weit und breit. Noch heute dürfte in abgelegenen Höfen im Moor Wasser mit seinen Pumpen gepumpt werden. Neben solider Handwerksarbeit legte Meister Gerdes großen Wert auf gefälliges Aussehen seiner Erzeugnisse. Deckel und Knauf des Pumpenschwengels der rot gestrichenen Pumpe waren aus Messing und mussten von den Kindern des Hauses blank geputzt werden. üb die Pumpenparade auf diesem Bild von 1928 zu einem Großauftrag gehörte oder ob die große Zahl der Pumpen von Absatzschwierigkeiten zeugt, ist nicht bekannt.

63. Das Bild zeigt die Schmiede Steil am Struckberg im Jahre 1912. Die Geschichte dieses Hauses zeigt, dass früher ein Versetzen von Gebäuden nicht nur möglich, sondern auch üblich war. Das Haus wurde 1730 auf dem Gut Eichhof erbaut. 1835 erwarb es der Schmied Steil um es an seinem heutigen Platz wieder aufzurichten. Der erste Steil war Meister auf der Werft von Bosse in Burg und machte sich in Ritterhude als Schmied selbständig. Bis 1928 befand sich die Werkstatt rechts von der Grootdör im Hause. Eine separate Werkstatt wurde 1927 gebaut. Spezialität der Schmiede Steil war schon immer Hufschmiede und Wagenbau. Auf dem Bild sieht man den heutigen Meister Jan Steil als achtjährigen Jungen.

64. Schon lange bevor Kühlschränke und Tiefkühltruhen auf dem Markt waren, wurden leicht verderbliche Lebensmittel durch Kühlung frisch gehalten. Im Winter 'ernteten' die Schlachter Eis. Schlachter Reuter bezog sein Eis vorwiegend von den Mühlenteichen. War dort der Wasserstand nicht ausreichend, wurde das Eis von den Fleeten im Blockland geholt. Auf der Hamme wurde kein Eis geschlagen. Die Winter müssen damals zuverlässiger gewesen sein, Mangel an Eis gab es nie, wie Schlachter Reuter sich erinnert. Das Eis wurde zu ein großen Stücken zerkleinert und im großen Eiskeller gelagert. Dass bei dieser kalten Ernte ein Magenwärmer nötig war, sieht man auf dem Bild das um 1910 aufgenommen wurde.

65. Diese Windturbine stand 1905 im Neustadtsweg. Der Zimmermann Heitshusen hatte das kleine Haus von Behrens gemietet und betrieb dort Holzbearbeitung. Zuerst wurden die Maschinen, eine Kreissäge und eine Stielmaschine zum Herstellen von Stielen aller Art, von einem Göpelwerk angetrieben, bis man sich zur Aufstellung der Windturbine entschloss. Der älteste Sohn Hermann Heitshusen, der heute in Scharmbeckstotel wohnt, hat den Erfolg der Neuanschaffung in schlechter Erinnerung. Am Tage war es flau, die Arbeit ruhte. In der Nacht ratterten dann plötzlich die eingeschalteten Maschinen, der Wind war da. Vater und Sohn stiegen eilig aus den Betten und machten Stiele, Um fünf Uhr schlief der Wind meist wieder ein und als Folge der Nachtarbeit - der Schüler Heitshusen in der Schule.

66. Der Fernschreiber wurde auch in Ritterhude erfunden, wie diese Aufnahme beweist. In dem Prospekt heißt es: Die Erfindung beseitigt die Morseschrift und übermittelt die Schriftzeichen durch gebräuchliche Typenschrift und zwar in untereinander gereihter Zeilenform. Der Erfinder Christian Reuter, auf dem Bild am Gebeapparat, wurde 1894 in der Struckbergstraße geboren. Er erlernte den Beruf des Elektro-Feinmechanikers. Dabei kam ihm die Idee, den Fernschreiber zu bauen. In seinem Onkel, dem Zimmermeister J.B. Lürssen, fand er einen Gönner und die nötige wirtschaftliche Unterstützung. Zwei Jahre bastelte er in dessen Werkstatt, bis das Gerät 1918 arbeitete. Ein wirtschaftlicher Erfolg blieb dem Erfinder aus nicht bekannten Gründen versagt.

67. Ältester Ritterhuder Verein ist der Männergesangverein 'Concordia'. Am 20. November 1864 wurde er zur 'Pflege des Gesanges und zur Erhöhung des geselligen Lebens' gegründet. Die Ubungsabende fanden zunächst in der alten Hauptschule und ab 1888 in dem neuen Saal bei Beisner Statt. Auf dem Bild aus dem Jahre 1892 ist der Lehrer Friedrich Wäbekindt Dirigent. Der Verein entwickelte sich gut, auch wenn es im auf und ab der Zeitläufe manchmal recht zaghaft klang: 'Hoch deutscher Wein, hoch deutsche Maid, hoch deutsches Lied für alle Zeit!' Höhepunkte im Vereinsleben waren die Feste des Sängerbundes Unterweser, die in den Jahren 1892, 1901 und 1910 in Ritterhude stattfanden.

68. Im alten Ritterhude waren die sozialen Schichtungen sehr deutlich. Neben den bürgerlichen Vereinen gab es jeweils einen entsprechenden Arbeiterverein. Auch beim Gesang blieben die Gruppen unter sich. Arbeiter und Handwerker sangen im Männergesangverein 'Freie Sänger', Zu diesem Verein gehörte schon 1908 ein Kinderchor. Nur die Frauen standen abseits. AIs man sich nach dem Ersten Weltkrieg im April 1924 wieder zusammenfand, erfolgte die Neugründung als gemischter Chor mit dem Namen 'Volkschor von Ritterhude', Das Vereinsleben hatte in den Folgejahren Höhen und Tiefen. Schon die Weltwirtschaftskrise der zwanziger Jahre machte dem Verein Sorgen, da ein Teil der arbeitslosen Mitglieder nicht einmal den 30-Pfennig-Beitrag aufbringen konnte. Die Aufnahme zeigt den Volkschor 1926.

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