Roßleben in alten Ansichten

Roßleben in alten Ansichten

Auteur
:   Hans Sommerburg
Gemeente
:   Roßleben
Provincie
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6547-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßleben in alten Ansichten'

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9 Schulstraße 1. Am 12. Juli 1770 erscholl wieder Feueralarm in Raßleben. Innerhalb kurzer Zeit brannten 25 Bauerngehöfte, 3 1 HäuslersteIlen, 50 Scheunen und 134 Ställe ab. In den mit Stroh oder mit Schindeln gedeckten Häusern breitete sich das Feuer rasend schnell aus. Es wurde mit zwanzig Spritzen ohne nennenswerten Erfolg gelöscht, obwohl fast alle Bauern am Tage zuvor als Frondienst Getreide für den Wendelstein nach Nordhausen gefahren hatten,

also nicht zu Hause waren. Als sie heimkamen fanden sie nur Schutt undAsche. Unter den wenigen Häusern die erhalten blieben war die Kirche, die pfarre und die Schule. Das jetzt unter Denkmalschutz stehende barocke Bürgerhaus in der Schulstraße 1, Heimatstube, ist sicher nach diesem Brand entstanden. Die Keller dürften wesentlich älter sein,

d. h. man hat den Neubau auf

den alten Fundamenten errichtet. Das Haus diente jahrelang als Arzt-Wohnung. Die letzten Ärzte waren Dr. Nebe, Dr. Wiegner, Dr. Rieke und Dr. Pilz.

10 Die Roßlebener Schleuse vom Schleusenkanal aus. In den Jahren 1790-1795 wurden die Unstrut und ein Teil der Saale schiflbar gemacht. Zwischen Heldrungen und der Unstrutmündung entstanden zwölf Schleusen. Die Arbeiten leitete der sächsische Maschinenbaudirektor Mende. Seine 'Navigationszentrale' befand sich in Bottendorfin der Kupferhütte. Hier standen die Schmelzöfen des ehemaligen Kupferbergbaus und Werkstätten zu Verfügung. Alle Teile für die Schleusentore wurden hier gefertigt. Außerdem entstand eine Werft, auf der mehrere Schiffe für die Unstrut gebaut wurden. In Roßleben wurde auch eine Schleuse (rechts) gebaut. Die Unstrutschleusen hatten ein Mindestmaß von 5,65 m Breite und 50,53 m Länge. Zu der Schleuse war auch der sogenannte Schleusenkanal notwendig, der vorerst mit einer Zugbrücke versehen worden war, denn die Schiffe wurden getreidelt. Treideln heißt, mit Menschen - oder Pferdekraft ziehen. Zu diesem Zweck wurde entlang der Unstrut und der Schleusen-

kanäle der sogenannteTreidelpfad angelegt. An den Schleusen entstanden Schleusenzieherhäuser (kleines Gebäude im Hintergrund), die später durch schmucke Schleusenwärterhäuser (Wohnhaus links) ersetzt wurden. Leider ist die Schleuse der Unstrutregulierung in den achtziger Jahren zum Opfer gefallen.

11 Das Bild zeigt die Wendelsteiner Straße, die vor etwa zweihundert Jahren entstand. Bis dahin war die 'Lange Straße' die Durchfahrtsstraße in Richtung WendeIstein, Nebra und auch Wiehe. Die Verbindung nach Wiehe ging in RichtungWendelstein, mit einer Fähre über die Unstrut und durch die Suckenhauswiesen in Richtung SchützenhausWiehe. Die Flurbezeichnung Föhre deutet noch darauf hin. Die Wendelsteiner Straße, die ihren Namen erst 1908 bei der allgemeinen Straßennamensgebung erhielt, wurde im Volksmund Neue Reihe oder auch Neue Riege genannt. Bis 1908 wurden alle Häuser in Raßleben durchgängig numeriert. Solche Nummern sind in derWendelsteiner Straße, am ehemaligen Schenkenplatz, in der Kirchstraße, in der Wieheschen Straße und an anderer Stelle noch zu sehen. Von altersher lag in der heutigen

Wendelsteiner Straße in der Nähe von Kressens, damals außerhalb des Ortes, das Spital von Roßleben. Die Bezeichnung 'Spitte] born' für eine der heute noch stehenden Pumpen, gibt hierüber Aufschluß.

Rossleben a. U, Wendelsteinerstraße.

12 Hier sehen wir die Ecke der Wendelsteiner Straße und Bahnhofstraße. Das Haus des Ortsrichters Becker (heutiger Optiker Begrich) bildete mit dem gegenüberliegenden Haus (inzwischen abgerissen) das Ortstor (QuerfurterTor). Hier war bis 1800 die Ortsgrenze. Um 1900 wurde das Haus vom Schlosser Koch bewohnt und im Eingang von der Wendelsteiner Straße aus betrieb seine Frau ein Putzmachergeschäft. 1902 übernahm Herr Bruno Becker das Haus und richtete neben seiner Drogenhandlung ein Uhrmachergeschäft ein. Seine Frau betrieb das Putzmachergeschäft weiter. Nach seiner Wahl als Ortsrichter wurde im Eingang Wendelsteiner Straße das Ortsrichter-Amt eingerichtet. Ebenfalls in diesem Eingang war das KassenIokal des Bankvereins Artern. Am 1 2. Dezember 1 9 23 richtete Herr Vogel dort dann ein Tabakwaren- und Spirituosengeschäft ein. Das Uhrmachergeschäft übernahm 1928 Herr Gabriel, der Schwiegersohn des Herrn Becker.

13 Im Jahre 1832 brannte es in Raßleben zwei Mal. Am S. Mai brach auf der Neuen Reihe (Wendelsteiner Straße) ein Feuer aus, bei dem sechs Häuser mit Scheunen abbrannten. Ein Schneider aus Leipzig soll der Brandstifter gewesen sein. Am

14. Mai entstand ein großes Feuer bei dem 18 Bauernhöfe, 9 1 Häuser und 146 Scheunen und Ställe abbrannten. In der ganzen Umgebung setzte eine Hilfsaktion ein, die in einer Denkschrift festgehalten wurde. In der WendeIsteiner Straße ist der typische Baustil nach diesem großen Brand noch zu erkennen. Es war notwendig, schnell wieder Häuser aufzubauen. Da die Wendelsteiner Straße ja erst vor zweihundert Jahren entstand finden sich hier kaum größere Bauernhöfe, außer dem Hof des Gutsbesitzers Nennewitz, heute Nr.

S 7 / S 9. Die HäuslersteIlen waren alle kleine, eingeschossige Häuser, aus Bruchsteinen und Unstrutsoden (Unstrutschlamm) erbaut. Unstrutschlamm wurde noch bis in die fünfziger Jahre als Baumaterial verwendet. Unterhalb der Fischerstraße wurde aus

dem Mühlgraben Schlamm gefördert und in Formen gestrichen. Die Steine wurden dann luftgetrocknet. Typisch für AltRaßleben sind die niedrigen Häuser, wobei in derWendelsteiner Straße das giebelständige Haus vorherrscht. Noch prägen diese Häuser das Bild der WendeIsteiner Straße.

14 Die Schiffuarmachung der Unstrut war Grund und sicher auch Voraussetzung für den Bau den steinernen Brücke über den Hauptarm der Unstrut durch den sächsischen Fiskus 1805/06. Waren bisher über den Mühlgraben, die Unstrut und den Schmelzgraben (späterer Mühlgraben von Bottendorf) nur Holzbrücken vorhanden gewesen, so machte der Lastentransport eine stabilere Brücke über die breitere Unstrut notwendig. Der Schleusenkanal besaß eine Zugbrücke. Das notwendige Baumaterial für die Unstrutbrücke, Nebraer Sandstein, wurde sicher

per Kahn zur Baustelle geschafft. Diese Brücke hatte zwar zum Zeitpunkt des Baues nur eine untergeordnete Bedeutung, denn den heutigen Fahrweg nach Wiehe gab es noch nicht. Es ging nur ein Feldweg an der Unstrut entlang zum oben beschriebenen Weg.

15 Die alte Brücke versah ihren Dienst weit über hundert Jahre. Selbst als die Straße nach Wiehe angelegt wurde reichte die Brücke noch aus. In den späten zwanziger bzw. Anfang der dreißiger Jahre wurde der Brücken-

komplex zu einem Verkehrshindernis. An die Stelle der Holzbrücken kamen solche aus Stahlbeton. Die Brücke über den Schleusenkanal war ebenfalls von der Zugbrücke zur stationären Brücke umgebaut. Der immer stärker werdende Kraftfahrzeugverkehr zwang die Kommune dazu, die Brücke über die Unstrut zu verbreitern. Man nahm das steinerne Geländer ab und brachte zusätzlich Fußwege an. Von dem Geländer stehen noch einige Steine als Straßenbegrenzung vor der Brücke. Am Ende des Zweiten Weltkrieges war die Brücke zur Sprengung vorberei-

tet, aber das mutige Eingreifen einiger Roßleber rettete diese Brücke als einzigste im Bereich der Goldenen Aue. Die Regulierung der Unstrut in den achtziger Jahren hat diese Brücke ebenfalls überdauert, obwohl die Mühlgrabenbrücke, die Schleusenkanalbrücke und die Schmelzgrabenbrücke daran glauben mußten. Die Unstrut wurde verlegt und eine neue Brücke südlich des alten Komplexes erbaut. Jetzt nach fast zweihundertjähriger Standzeit wurde die Brücke abermals restauriert und dem modernen Straßenverkehr angepaßt.

16 Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war Zucker ein absoluter Luxus, denn er wurde nur aus dem teueren Import Zuckerrohr hergestellt. Zum Süßen blieb dem Volke nur Honig oder Ahornsaft. 1747 fanden die ersten Versuche statt, Zucker aus Runkelrüben oder Mohrrüben zu gewinnen. Durch die Kontinentalsperre Napoleons verstärkten sich die Bemühungen um die einheimische Zuckerproduktion. So wurde 1799, nachdem die Kupferhütte in Bottendorf durch die Fertigstellung der SchifTharmachung der Unstrut ihre Bedeutung als Navigationzentrum verloren hatte, unter Leitung des Freiberger Professors Lampadius die erste Versuchszuckerfabrik in Kursachsen errichtet. Nach reichlich vier Jahren stellte diese den Betrieb ein. Da aber unsere Gegend für den Rübenanbau besonders geeignet war, entstand schon vor 1850 aufdemWendelstein eine Zuckerfabrik. Diese Zuckerfabrik bestand etwa bis zumjahre 1870.

Di. Burg m.nd.n";n. Hnfi<!lt im J.h" .850.

17 Die Zuckerfabrik Raßleben um 1900. Verkehrstechnisch lag die Zuckerfabrik auf dem WendeIstein nicht besonders günstig, denn neben den Rüben mußten Kohlen und Kalk zurVerarbeitung herangeschafft werden. Die Kohlen kamen zum Teil aus den Abbaufeldern bei Artern und der Kalk aus den Kalksteinbrüchen bei Freyburg. Für beides war die Unstrut mit ihrer Schiffahrt der günstigste Transportweg. Aus diesem Grund bauten der Oberamtmann Koch zu Raßleben und der Amtmann Wahren zu Querfurt auf dem Acker zwischen dem Kommunikationswege von Roßleben nach Wendelstein und der Unstrut, die 'kleine Hebe' genannt, eine Fabrik zur Produktion von Runkelrübenzucker, wie es im 'Querfurter wöchentlichen Kreisblatt' vom 31. Juli 1851 heißt. Schon wenige Jahre später (1858) entstand zwischen Roßleben und Bottendorf, zwischen

dem Kommunikationsweg Roßleben-Bottendorfund der Unstrut eine GenossenschaftsZuckerfabrik. Die weitere Entwicklung der Zuckerfabriken in Raßleben war von der verkehrstechischen Entwicklung bestimmt.

Roß/eben Zucherfabrik

18 Nachdem am 1. Oktober 1889 die Unstrutbahn eröffnet worden war, hieß es auch bei

den Zuckerfabriken 'schneller, besser und billiger'. Die Zuckerfabrik]. Lüttich und Sohn an der Wendelsteiner Straße bemühte sich als erste um ein Anschlußgleis. Der Antrag an die Landesre gierung und auch an den Landeigentümer war schon gestellt. Aber die Zuckerfabrik an der Bottendorfer Straße hatte die besseren Karten, hier wurde schon zwei Jahre nach der Inbetriebnahme der Unstrutbahn einAnschlußgleis gebaut. Dies war sicher der ausschlaggebende Punkt dafür, daß beide Zuckerfabriken zu einer 'Zuckerfabrik Raßleben AG' fusionierten. Im Jahre 1921 brannte die Zuckerfabrik Roßleben fast völlig nieder, hat aber bis zur Wende mit einigen Hochs und Tiefs ihre Produktion fortgesetzt. Trotz des Anschlußgleises war die Zuckerfabrik Raßleben

der letzte Betreiber der Unstrutschiffahrt. 1939 besaß sie einen Motorschlepper mit 25 PS Leistung und einen Lastkahn von 49 Tonnen Ladefähigkeit, die noch bis in die fünfziger Jahre betrieben wurden.

Zuckerfabrik Roßleben nach dem Brande e.m 6. AUi115t 1921

19 Als im Jahre 1891 die Zuckerfabrik in der Wendelsteiner Straße und die Vereinszuckerfabrik zur Zuckerfabrik Roßleben AG fusionierten, wurde aus der Zuckerfabrik in der Wendelsteiner Straße die Holzindustriefabrik AG und später das Dampfsägewerk Roßleben G.m.b.H., das das Bild zeigt. Für Roßleben hatte das Dampfsägewerk eine entscheidende Bedeutung. Nachdem zuAnfang des Jahrhunderts alle mögliche Pläne zum Bau eines Elektrizitätswerkes zwischen Roßleben und Wiehe sich zerschlagen hatten, übernahm das Dampfsägewerk die Stromversorgung von Roßleben. Zwar war die Spannungsebene nur 110 Volt, doch konnte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges so die Versorgung mit Energie sichergestellt werden. Bis in die fünfziger Jahre war hier noch der Sägewerksbetrieb im Gange. Spezialität waren Hartholz-Schnittholz.

Als dann nach der Erweiterung des Kaliwerkes Arbeitsplätze für die Frauen gesucht wurden, entstand hier eine Produktionsstätte des Schuhkombinats 'Paul Schäfer' Erfurt. Jetzt sind in den Gebäuden verschiedene Bildungsstätten angesiedelt.

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