Roßleben in alten Ansichten

Roßleben in alten Ansichten

Auteur
:   Hans Sommerburg
Gemeente
:   Roßleben
Provincie
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6547-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßleben in alten Ansichten'

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30 Das Bild zeigt die Straße nach Wiehe bei einem Frühjahrshochwasser. Das weite Ried war über Jahrhunderte ein Sorgenkind, wurde es doch regelmäßig überflutet. Schon im 12. Jahrhundert begannen Mönche aus dem Kloster Walkenried mit Hilfe flämischer Bauern die Urbarmachung. Im 17./ 18. Jahrhundert gab es schon einen Entwässerungsgraben, den sogenannten Laßgraben. Dieser wurde um 1784 reguliert und verbreitert und 1865 durch den Bau des Flutkanals ersetzt. Der Flutkanal sollte das Gebiet zwischen Bretleben und Memleben vor Hochwasser schützen. Von dem Loßgraben existiert heute noch ein Stück und zwar der Graben vor dem Kanal wenn man nach Wiehe fährt. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts war das sumpfige Ried der Ausgangspunkt von einem Sumpffieber, ähnlich der Malaria. Die Straße zwischen Wiehe und Raßleben wurde 1869 gebaut und dabei so

angelegt, daß an zwei Stellen Senken eingebaut wurden um ein Überlaufen des Hochwassers zu gewährleisten, wie auf dem Bild am sogenannten Rohrwiesenweg zu sehen ist. Im Sommer 1871 trat ein solches Hochwasser ein, daß an der neuen Chaussee erhebliche Schäden auftraten.

3 1 Das Bild zeigt die Klosterschule um die Jahrhundertwende. Die Kuppel der heutigen Klosterkirche fehlt noch und ebenfalls das Rektorat. Die Mühlgrabenbrücke im Vordergrund ist noch eine Holzbrücke. Um die Instandhaltung dieser Brücke ging der Streit zwischen Klosterbezirk und Gemeinde Roßleben bis zur offiziellen Eingemeindung des Klosterbezirkes am 1. Oktober 1928. Ende der zwanziger Jahre wurde diese Brücke dann in Stahlbeton erbaut und nach der Unstrutbegradigung 1984 fiel sie mit dem Zuschütten des Mühlgrabens beim Straßenneubau 1992 demAbriß zum Opfer. Die Klosterschule war bis zum Beginn der dreißiger Jahre eine reine Knabenschule. Die ersten Mädchen waren Fräulein v. Werthern aus Wiehe und die Tochter des Roßlebener Arztes Unbehaun. Nach 1945 wurde die Schule enteignet, aber nach

1990 der Stiftung Klosterschule Roßleben rückübertragen. Mit großem finanziellen Aufwand wurde die altehrwürdige Schule restauriert und beherbergt heute das Staatliche Gymnasium Klosterschule Roßleben mit fast 700 Schülern.

32 Am 27. Oktober 1861 haben unsere Vorfahren den Turnverein Roßleben gegründet. Zu den Mitbegründern zählten derTurnwart Kantor Mansfeld, Kar! Fest, August Schäfer, 0. Berthold, F. Herbst und noch 43 andere Freunde. Von diesen waren 24 aktive Turner. Am HL Deutschen Turnfest in Leipzig vom 2. bis 4. August 1863 nahmen 17 undam IV Deutschen Turnfest in Weimar im Jahre 1868 nahmen sogar 74 Turner aus Roßleben teil. Leider schlief der Verein bald wieder ein.Am l.Juli 1889 fandensich jedoch elfTurner erneut zusammen. Es wurde auf dem Schulplatz exerziert, Freiübungen gemacht und an einer hölzernen Reckstange, die zwei andere hielten geturnt. Später zog man in den GasthofZum Deutschen Haus um. Zwanzig Jahre war der Schuhmacher Albert Hoffmann Vereinsvorsitzender. Aus dem Turnverein ging der erste deut-

sche Olympia-Medaillen-Gewinner Fritz Hoffmann, ein entfernter Verwandter des Vereinsvorsitzenden, hervor; er starb am 14. Juli 1927 in Berlin. Fritz gewann als erster und einzigster Deutscher bei den ersten Olympischen Spielen 1896 in Athen die Silbermedaille über 100 mund

400 m. Fritz Hoffmann wurde 1871 in Roßleben geboren und weilte später noch öfters bei seinem Onkel, dem Landwirt Robert Hoffmann.

331m Jahre 1873 fand sich eine Anzahl Bürger zwecks Gründung einer freiwilligen Feuerwehr zusammen. Nachdem am 6. Dezember das Statut vorlag und selbiges am 8. Ianuar 1874 vom Königlichen Landrat v. Schlickmann bestätigt wurde, unterzeichneten es am 25. Ianuar

1874 - dem eigentlichen Gründungstag der freiwilligen Feuerwehr - 37 Mitglieder. Die Wehr hatte als Leitung einen Hauptmann, MaurermeisterThate, und zwei Zugführer, die Herren SchipIer und L. Hellmund. 1882 wurde der Bäckermeister Fest an Stelle des nach Leipzig verzogenen MaurermeistersThate der Hauptmann. Als Zugführer waren derzeit tätig LehrerWägner und Kupferschmiedemeister Bloßfeld. Beide legten 189 1 ihre Ämter nieder, es wurden gewählt: Tischlermeister August Träger und Schmiedemeister Car! Mehrbach.Am 9. und la.Juli

1899 feierte die freiwillige Feuerwehr ihr 25jähriges Bestehen. Dazu fand ein Löschmanöver an der neuen Schule statt, bei dem sich die pflichtfeuerwehr mit der zweiten Spritze beteiligte. Ebenfalls 25 Jahre im Dienst waren Hauptmann Georg Fest, Zugführer August Träger, Zeug-, Schrift-

und Kassenwart Robert Möhricke und die Rohrführer Kar! Koch und Kar! Rammelt. Herr Möricke war 3 1 Jahre im Feuerlöschdienst tätig, da derselbe, bevor die Feuerwehr gegründet wurde, von 1868 ab als Spritzenmeister die besoldete Spritzenmannschaft kommandierte. Zu der 25-Jahr-

feier waren Vertreter der Wehren aus Bottendorf, Freyburg, Nebra, Querfurt, Schönewerda-Eßmannsdorf Steigra, Wiehe und die Mannschaften der pflichtfeuerwehr als Gäste anwesend. Daneben gab es noch eine Schülerfeuerwehr der Klosterschule.

34 Im Mai 1904 trat der 1. Zugführer A. Träger wegen Alters zurück. An seine Stelle trat der Fleischerm eist er Paul. Anstelle des Hauptmanns Fest trat 1909 der Tischlermeister Kar! Träger. Zur gleichen Zeit rückte der Steinset zermeister Hugo Uhlig an die Stelle des ebenfalls ausscheidenden 2. Zugführers. Im April schied der 1. Zugführer Mehrbach aus und Uhlig avancierte. An die Stelle des 2. Zugführers trat der Fleischermeister Fr. Werfel. An seine Stelle trat 1911 der Stellmachermeister Liebau. Das Bild zeigt die beiden Zugführer:

Liebau links und Uhlig rechts. Liebau wohnte in derWasserstraBe 2 und wurde 'Der schlaue Nante' genannt. Der Name rührt sicher von seiner Verschlagenheit und Listigkeit in Anlehnung an den Berliner Nante. Liebau starb ohne männlichen Erben. Als kurz nach seinem Tode der Maschinensteiger Ottomar Liebau, der

auch ein geselliger, lustiger Mensch war, nach Raßleben kam, wurde nur gesagt: '[etzt haben wir wieder einen Nante!' Von Ottomar hat sich der Name bis auf den heutigen Tag vererbt. Sein Sohn Manfred trägt nicht nur den Namen 'Nante', sondern ist auch ein würdiger Nachfolger des Zugführers Liebau. Er ist schon viele Jahre in der Feuerwehr und heute als stellvertretender Ortsbrandmeister tätig.

35 Zum 25jährigen Stiftungsfest, am la. Juli 1899, wurde eine Feuerwehrkapelle gegründet; sie gab an diesem Tage ihren Einstand mit einem Konzert. Noch 1914 war die Feuerwehr in Roßleben die einzigste im Kreis, die ihre eigene Kapelle hatte. Zu Festen, Versammlungen und Vergnügen belebte sie mit ihren Darbietungen. Ein großerVerdienst um die Ausbildung der Kapelle gebührte dem späteren Mitglied der Dresdener Hofoper, Oskar Geier, Sohn des Schneidermeisters Geier aus Roßleben, der auch mehrere Märsche für die Kapelle komponiert hatte. Das Bild zeigt die Mitglieder der Feuerwehrkapelle im Jahre 1926. Bis über die fünfziger Jahre hat sich diese Tradition erhalten. Später dann ging die Feuerwehrkapelle Roßleben in der Bergmannskapelle des Kaliwerkes aufund heute sind nur noch einzelne Veteranen der ehemaligen Feuerwehrkapelle anzutreffen.

36 Der mit vielfachen Anstrengungen und Geldopfern ins Leben gerufene Eisenbahnbau des Unstruttales van Naumburg bis Artern wurde am 27. März 1872 staatlich genehmigt, hierzu zeichnete die Vereinszuckerfabrik 50 OOOThaler. Zu einer anderen, Berlin und Frankfurter 'bei Roßleben das Unstruttal übergehenden' Eisenbahn war man mit den nötigen Vorarbeiten beschäftigt. Die Aussicht auf eine Eisenbahn, die das Abgeordnetenhaus schon genehmigt hat, scheint 1884 wieder in weite Ferne gerückt zu sein, indem die Gemeinden das Areal zum Bau hergeben sollen, was auf verschiedene Hindernisse stößt. Wegen der Halsstarrigkeit von Wiehe wurde die Bahn, entgegen der Planung, durch das Ried über Raßleben gebaut. Diese Bahn war bereits im Jahre 1844 projektiert, dann 1859, dann 1871 undnun 1884.Am

1. Oktober 1889 konnte die Unstrutbahn nun endlich in Betrieb

genommen werden. Mit dieser Bahn setzte eine industrielle Entwicklung in Raßleben ein. Auf der Postkarte, die zwischen 1900 (Bau der Post) und 1906 (Erweiterung des Bahnhofes) entstanden ist, erscheint Raßleben als Industrieort mit vielen rauchenden Schloten.

37 Der Blick vom Kirchturm ist ein beredtes Zeugnis der Roßlebener Geschichte. Der nur andeutungsweise sichtbare Schulplatz war bis 1861 der sogenannte Hanfgarten. Hier trocknete die Bevölkerung ihren Hanf Gleichzeitig war er die Grenze zwischen Roßleben und dem Klosterbezirk. Politisch waren beide Teile bis in die zwanziger Jahre getrennt und kirchlich erfolgte erst in den sechziger Jahren eine Vereinigung. Das große Haus im Vordergrund war, vielleicht erst nach dem Straßenbau RoßlebenWiehe, die Poststation. Hier wurde auf der Fahrt von Weimar nach Halle Rast gemacht und zur Weiterfahrt in Richtung Querfurt vorgespannt. Bis zur Eröffnung der Unstrutbahn blieb hier die Post. Dann verlagerte sich die Personenbeförderung auf die Bahn. Später war das Haus Sitz der sogenannten Familienschule (Vorbereitung auf das Gymnasium), die hier erstmals ab Schuljahr 1909 beide Geschlechter beherbergte. Die Schola collecta gab es für Knaben schon seit 1864 und extra eine höhereTöchterschule seit 1882. Die beiden

Schulen waren in der Schulstraße und in der Bahnhofstraße. Am Gebäudekomplex der Klosterschule ist gut die erst 1913 eingeweihte, nachträglich eingebaute Kirche sichtbar. Beim SchulneubauAnfang des 18.Jahrhunderts hatte man den vierten Flügel für einen späteren Kirchen-

neubau freigelassen. Die Kirche wurde auch begonnen, blieb aber während des Siebenjährigen Krieges aus Geldmangel im Rohbau stecken. Die angefangenen Mauern, die nach und nach verfielen, wurden dann wieder abgebrochen und erst 19 11 begann man erneut mit dem Kirchenbau.

38 Das Bild zeigt den ersten Industriebetrieb Roßlebens. Gleich nach dem Bau der Unstrutbahn gründet Otto Lohmeyer die Maschinenfabrik Raßleben. Er bebaute das Gelände zwischen Försterei (am Rande Roßlebens) und der Bahn. Otto Lohmeyer war eine berühmte und beliebte Persönlichkeit, so daß nach ihm das entstehende neue Bahnviertel im Volksmund den Namen 'Loh meyerrode' erhielt. Vor 100 Jahren wurde dort sogar eigene Kirmes gefeiert. Als Otto Lohmeyer Ende 1896 durch einen Unfall starb, begann für die Fabrik ein ständiges Hoch und Tief Die Namen wechselten wie die Besitzer und einige Male wurde Konkurs angemeldet. Als 1913 das dreistöckige Gebäude, das auf dem Bild zu sehen ist, abbrannte, schien es das Aus zu bedeuten. Aber Otto Specht brachte nach dem Ersten Weltkrieg den Betrieb als Eisengießerei Raßleben wieder aufKurs. 1963 kam dann das endgültige Aus. Es zog die Gemeinde ein und jetzt warten die Betriebsräume auf den Abbruch.

39 Einer der Betriebe, die sich nach dem Eisenbahnbau in Roßleben ansiedelten, war der Getreide-, Futtermittel- und Düngemittelhandel der Gebr. v. Rauchhaupt aus Freyburg. In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte diese Firma eine Vertretung im Deutschen Haus. 1899 richtete diese Firma am Bahnhof in Roßleben eine Filiale ein (siehe Bild). Während des Ersten Weltkrieges übernahm der bisherige Geschäftsführer Erike das Geschäft. Später ging es an Herrn Georg Illgen, von dem es sein Schwiegersohn Habermann übernahm. Jetzt ist in dem Gebäudekomplex der Bauhof der Gemeindeverwaltung untergebracht und noch heute ist der auf dem Bild sichtbare Baustil zu erkennen.

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