Roßleben in alten Ansichten

Roßleben in alten Ansichten

Auteur
:   Hans Sommerburg
Gemeente
:   Roßleben
Provincie
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6547-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßleben in alten Ansichten'

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40 Auf diesem Bild ist ein Blick von der Neuen Straße aus in Richtung Malzfabrik zu sehen. Die Malzfabrik wurde gleich nach der Inbetriebnahme der Unstrutbahn 1889 gegründet und kam durch Fusion noch vor dem Ersten Weltkrieg zur 'Malz fabrik Goldene Aue, Artern' . Während des Zweiten Weltkrieges wurde sie umfunktioniert und als Lager für Marinebekleidung und -ausrüstung genutzt. 1945 setzte ein großer Run auf diese Heeresbestände ein und viele Anwohner der Umgegend deckten sich mit Bettwäsche, Lederbekleidung und Stoffen ein, manchem Flüchtling und Umsiedler hat das ein wenig geholfen. Bei dieser 'Plünderungsaktion' gab es sogar einen Toten.

Ein Mensch war in einenAufzugsschacht gestürzt. Nach dem Krieg wurde die Malzproduktion nicht wieder aufgenommen, sondern die ehemalige Malzfabrik wurde

Getreidelager, als welches sie heute noch dient. Das Bild zeigt weiterhin Häuser der Siedlung 'Negerdorf' , wie die Häuser im Hintergrund im Volksmund genannt wurden. Diese Häuser entstanden nach der Inflation zur Behebung der Wohnraumnot als Eigentumswohnungen.

41 Schon im Jahre 1177 wird in einem Brief des Bischofs von Halberstadt eine Mühle in Besitz des Klosters aufgezählt. Diese Klostermühle wurde im Jahre 1768 durch Erbpachtvertrag veräußert. Bis dahin gab es immer wieder Streitigkeiten zwischen dem Müller und den Einwohnern von Raßleben. Sicher waren diese auch der Grund für den Bau der Holländer-Windmühle an der Ziegelrodaer Straße. Die Mühle blieb bei den letzten Bränden er halten. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Mühle wesentlich erweitert und in den zwanziger Jahren mit einerTurbine ausgerüstet. Auf der rechten Seite des Mühlgrabens befand sich, durch ein extra Wasserrad angetrieben, eine Ölmühle. 1849 beabsichtigte der damalige Besitzer Ferdinand Henze eine Furnierschneidemühle anzulegen, die vom gleichen Wasserrad angetrieben werden sollte. 1894

brannte die Ölmühle ab und ist dann später nur noch als Schrotmühle betrieben worden. In DDR-Zeiten war hier ein Hächselwerk untergebracht. Für die Mühle kam in der Nacht vom 1. zum 2. März1991 das Aus. Das Gebäude brannte vollständig aus und steht seitdem als Ruine.

42 Das Bild zeigt einen besonders beliebten Platz am ehemaligen Mühlgraben. Das aus der Mühle strömende Wasser hat hier eine breite, zum Teil flache Stelle ausgewaschen. Von den Kindern wurde diese flache Stelle im Sommer zum Baden genutzt. Aber wie auf dem Bild zu ersehen ist, mußten sich die Kinder mit den früher sehr oft gehaltenen Gänsen den Platz streitig machen und häufig zogen sie gegen einen wütenden Ganter (Gänserich) den Kürzeren. Auch zum Tränken und zum sogenannten Schwämmen (Baden) der pferde wurde diese Stelle genutzt, wobei hinter der Turbine oder auch früher hinter dem Mühlrad das sogenannte pferdeloch, ein ausgespülter Kolk war. Ob diese Party am Mühlgraben bei der Vergabe der Straßennamen 1908 Pate gestanden hat ist nicht mehr nachzuvollziehen. Es gab nämlich

eine Tränkstraße, die heute nicht

mehr auffindbar ist. Es kann sich aber nur um das Straßenstück von der Wieheschen Straße in Richtung pfarre handeln. Die pfarre mit dem idyllischen Garten ist im Hintergrund zu sehen.

43 Im Mai 1894 trat für Roßleben ein wichtiges Ereignis ein, dem wir viele Geschichtszeugnisse verdanken. Hermann Reipert eröffnete die Druckerei Roßleben und gab die 'Roßleber Zeitung' heraus. Aber schon nach einemjahr verließ ihn sein Unternehmermut und HerrWilhelm Sauer griffin die Speichen des fast stilIstehenden Betriebes, wie er sich selbst ausdrückte. Die Druckerei lag in der jetzigen Von-Witzleben-Straße zwischen der ehemaligen Gaststätte Zum Goldenen Hirsch und dem Eckhaus zur Bottendorfer Straße.

Dieses Eckhaus wurde vor zwei Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen. Das Bild zeigt den Eingang zur 'Buchdruckerei und BuchhandlungWilhelm Sauer' um die Jahrhundertwende. Am 10. August1907 zog die Firma Sauer um in die Bahnhofstraße.

44 Hier in der Setzerei der Buchdruckerei Sauer entstand von 1907 bis 1945 die 'Roßleber Zeitung'. 38 Jahre, über die Wirren der beiden Weltkriege und der Inflation hinweg, wurde Roßleben und Umgebung mehr-

mals wöchentlich mit den neuesten Nachrichten beliefert. Die Geburtsstunde der Roßleber Zeitung lag eigentlich schon im Jahre 1894, so daß die Zeitung über fünfzig Jahre zum Bild von Roßleben gehörte. Für 1 Mark im Monat wurde die Zeitung ins Haus gebracht. Sie erschien Dienstags, Donnerstags und Samstags. Der Herausgeber, Wilhelm Sauer, war Redakteur, Setzer, Drucker, Verleger und Vertrei ber in einer Person. Seine zahlreiche Familie mußte natürlich mithelfen. Auf dem Bild im Hintergrund ist der Firmengrün-

der und Inhaber zu sehen. Im Vordergrund steht sein Sohn und JuniorchefRichard Sauer. Die Zeitung mußte noch mühselig im Handsatz erstellt werden und die erste Zeit gab es ja noch keinen Strom in Roßleben, also wurde auch die Druckmaschine von Hand angetrieben. Heute sind der Schwiegersohn des Herrn Richard Sauer, Herr Hellmut Pöhnert und dessen Sohn Michael Besitzer in dritter bzw. vierter Generation.

45 Mit zu den ältesten Vereinen Raßlebens zählte der Landwehrund Kriegerverein. Er wurde 1869 nach den Feldzügen von 1864und 1866 gegründetund hat im wesentlichen die Vetera nenderKriege 1864, 1866und 1870/71 umfaßt. Er war ein Verein, der alle Schichten der Bevölkerung umfaßte und so mit zu den schönsten Festen in Roßleben beitrug, da alle Einwohner im Verein verankert waren. Neben diesem Verein gab es zur Zeit noch die beiden Gesangsvereine, die Schützen und den Turnverein. In diesen Vereinen waren immer bestimmte Schichten der Bevölkerung verankert. Über dreißig Jahre blieb es so. Mit dem Wegsterben der Veteranen und mit der Gleichschaltung aller Vereine im Dritten Reich kam das Aus für diesen Verein.

46 Am 9. Mai 1897 wurde auf dem Schulplatz ein Denkmal für die Opfer der Kriege 1864, 1866 und 1870/7 1 eingeweiht. Zum 20. Jahrestag der Sedanfeier 1891 war beschlossen worden, den Helden aus Roßleben ein Denkmal zu setzen. Zwei aus unserem Ort ausgezogene Soldaten - der Sohn des Arbeiters Christian Räder, Namens CarlAugust, und der erst vor Kurzem hierher verzogene Ölschläger Robert Liebner - sind im Krieg 1870/71, der erste bei Gravelotte, der zweite bei Gorze, geblieben. Ein Denkmalkomitee unter Leitung des Herrn Kupferschmiedemeisters Bloßfeld bemühte sich um alle Angelegenheiten. Die feierliche Einweihung begann am Vorabend mit einem Zapfenstreich durch den Kriegerverein und einem Laternenumzug der Schuljugend. Schon beim Festgottesdienst begann am eigentlichen Festtag das Regenwetter, das je-

doch am Nachmittag, als sich der Festzug auf dem Schenkenplatz aufstellte, ein Einsehen hatte. Der Gemeindepfarrer Zander hielt dann nach den Begrüßungsworten des Ortsrichters Becker die Weihe-Rede. Herr Bloßfeld und Herr Hellmund dankten im Namen des Komitees bzw. der

waren aufmarschiert: die Lehrer und Schüler der Klosterschule, der Jungfrauenverein, vier Klassen der Gemeindeschule, das Komitee, die Gemeindevertretung, zwei Gesangsvereine, die Schützen, der Turnverein und die Feuerwehr.

Krieger. Alle Vereine marschierten dann im Parademarsch auf Der Festzug umfaßte über 820 Personen und bestand aus 376 Personen der Kriegervereine aus Bottendorf, Donndorf, Landgrafroda, Nebra, Querfurt, Schönewerda, Eßmannsdorf, Wiehe, Ziegelroda und Roßleben. Außerdem

47 Ein zweiter Kriegerverein, der Kriegerverein 'Hohenzol lern', wurde am 18 . Dezember 1897 durch Herrn Geheimrat Oberstudiendirekror prof Dr. Biereye gegründet. Es wurde der Verein des gehobenen Mittelstandes. 1. Vorsitzender wurde Ortsrichter Fracke a.D., 2. Vorsitzender Bahnmeister Nickel, 1. Schriftführer Oberlehrer Bechstein, 2. Schriftfüher Stationsvorsteher Walther, Rendant Ökonom Richard Schreck und Kassierer Otto Schneider. Der Kriegerverein Hohenzollern erhielt am 18. Oktober 1899, obwohl er noch keine drei Jahre alt war, die Genehmigung zum Führen einer Fahne. Die Fahnenweihe war am 17. Dezember 1899. Am 8. Juli 1923 feierte der Kriegerverein 'Hohenzolleru' sein 25jähriges Stiftungsfest. Das Fest begann mit einem Wecken durch einen historischen berittenen Bläserchor von vier Fanfaren-Bläsern des Schillschen Reiterchors. Zur Feier waren 49 Vereine gekommen.

48 Die Badeanstalt an derWörlspitze. Iahr für Iahr forderte die Unstrut ihre Opfer. Man sagt die 'Unstrutnixe' brauchte sieben Menschen pro Iahr. Um die Möglichkeit des Schwimmenlernens zu schaffen, fand sich 1899 ein Gremium, das den Bau einer Badeanstalt an der W örlspitze ermöglichte. Am 24. März fand eine Versammlung der Badeanstalts-Interessenten statt. Der Plan für die Badeanstalt und der Kostenvoranschlag wurden vorgestellt. Am 13. April wurde die Badeordnung veröffentlicht. Danach hatten Frauen, Männer, Mädchen und Knaben je unterschiedliche Badezeiten. Die Badetaxe betrug 5 Pfg. für ein Einzelbad ohne Zelle (Schüler umsonst) bis zu 8 Mark für die ganze Saison mit Zelle 1. Klasse. Eröffnung am 28.Juni.An Sonnund Feiertagen war die Badeanstalt nur für Männer geöffnet. Die Badeanstalt beherbergte vier Ba-

dezelIen, ein offenes Schwimmbassin und ein Krabbelbassin. Bademeister war Herr Wilhelm Schiffner. Erst mehrere Jahre später übernahm die Gemeinde die Badeanstalt als Eigentum.

49 Bis vor 15 Jahren bildete die Unstrut und der Mühlgraben eine Insel, genannt die Wörlinsel. Die Herkunft des Namen Wörl ist umstritten. Noch vor einhundert Jahren heiß es das 'Wer!'. Herr Lehrer Willi Abicht hat folgende Unterlagen im Klosterarehiv gefunden:' ... So tauscht zum Beispiel im Jahre 1297 der Probst Theoderich vom Kloster von

dem Herrn Thilo von Raßleben gegen 49 Acker Land (1 Acker = 55,34 a ader 300 Quadratruten) und 1 AckerWiesenwachs günstiger gelegen 49 Acker Land und eine Insel, genannt "Kunnewert" , ein.' Der Name könnte aus dem althochdeutschen Kunni (dem Herrschergeschlecht gehörig) und Werder (Flußinsel) gebildet worden sein. Es ist also mit Sicherheit anzunehmen, daß es sich um die Wer!-Insel handelte. Das Werl war im Dreißigjährigen Krieg Versteck und Zufluchtsort der Roßlebener Bürger. Nach und

nach veräußerte das Kloster den Besitz an der Insel. Im Rahmen der Seperation 1850-1865 erhielt dasWer!65 neue Eigentümer. Der Zugang zum Werlader WÖr! ging nur über die WÖr!brücke, in Fortführung derWörlstraße, oder über das Gelände der Klostermühle, das jedoch für die

Roßlebener tabu war. Das Bild zeigt die Wörlbrücke in den zwanziger Jahren. Vor der Brücke rechts war das Spritzenhaus und die Feuerwehr nutzte die Brücke zum Schläuche waschen. Neben der Brücke links war eine Treppe, die sogenannte Schöppe. Hier wurde Wasser geholt. Am Ufer

stand ein großer viereckiger Stein, genannt der 'Buttenstein' . Hier wurden die 'Butteu' (Wasserbehälter) abgesetzt.

SODas Bild zeigt eigentlich die letzte von vier Flußbadeanstalten in Roßleben. Neben der Badeanstalt an der W örlspitze gab es noch die Klosterbadeanstalt, die den Zöglingen der Klosterschule vorbehalten war. In den zwanziger Jahren schuf sich der Turnverein Roßleben in der Nähe des Schützengarten eine eigene Badeanstalt, so daß neben der Gemeindebadeanstalt noch zwei weitere vorhanden waren. Die Wör!spitz erwies sich aber auf die Dauer nicht als geeignet. Es gab dort Strudel in der Unstrut und Dank der Initiative des Lehrers Albrecht wurde ein neuer Standort für die Dorfuadeanstalt gesucht und gefunden. Gleich nach demAbzweig des Schleusenkanals entstand in den dreißiger Jahren die hier gezeigte Badeanstalt mit Sprungturm, einem extra abgeteilten Krabbelbassin, einer Liegewiese und entsprechenden Umkleidekabinen. Da

das links im Bild sichtbare Planschbecken immer wieder verschlammte, wurde es durch Blechbehälter ersetzt. Zu dieser Badeanstalt gehörte der Turner und Bademeister Kar! Schumann, der seinen Dienst quittierte, als beim Kaliwerk das neue moderne Schwimmbad eingeweiht

wurde und das Baden im Fluß aufGrund derWasserqualität nicht mehr möglich war.

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