Rotenburg an der Fulda in alten Ansichten

Rotenburg an der Fulda in alten Ansichten

Auteur
:   Daniel Bingemann
Gemeente
:   Rotenburg an der Fulda
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2721-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Rotenburg an der Fulda in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Rotenburg an der Fulda, das ehemals kleine und verträumte Amts- und Kreisstädtchen, hat auch bis heute noch nichts von seinem Zauber eingebüßt, den es dank seiner reizenden Lage an der mittleren Fulda in prächtiger nordhessischer Mittelgebirgs- und Waldlandschaft besitzt. Und doch besteht ein markanter Unterschied von heute zu der Zeit von 1880 bis 1930, von der diese Bildsammlung zeugen soli. Die Bilder machen aber auch im Vergleich mit heute deutlich, daß die Stadt trotz bewahrter Idylle sich nach 1945 den modernen zeitlichen Erfordernissen recht gut angepaßt hat.

Rotenburg ist recht alt. Die planmäßige Gründung der Stadt durch die hessisch-thüringischen Landgrafen in der Zeit des ausgehenden 12. Jahrhunderts ist nicht urkundlich belegt. Als man in einer Urkunde von 1248 die Stadt erwähnt, ist sie bereits mit Türmen und Mauern umgeben und mit alien Rechten und Pflichten einer bürgerlichen Verwaltung ausgestattet. In diesem neuen Gemeinwesen ging in den nächsten Jahrhunderten der Ort Breitingen, das frühe hersfeldische Dorf, das 769 schon bestand, mit seinen Bewohnern auf. 1340 war die Neustadt rechts der Fulda angelegt worden, die aber erst 1607 auf landgräfliches Dekret hin verwaltungsmäßig mit der Altstadt vereint wurde.

Landgraf Heinrich Il. hatte 1352 in der St.-Georgskapelle ein Kanoniker-Stift begründet. Nach kurzfristiger Angliederung an die Jakobikirche wurde es schon 1356 in die Neustadt verlegt, wo der Landgraf 'auf der Insel' ein Stück Land zur Verfügung gestellt hatte. Dort begann man 1370 mit dem Bau der Stiftskirche, die aber erst 1501 vollendet werden konnte. Zunehmende Bedeutung gewann das Städtchen, als die hessen-kasselischen Landgrafen hier 1470 ein Schloß errichteten. Durch einen Brand, der 1478 die Stadt in Asche legte, 'verbrannte' auch das Schloß, das nunmehr in Stein wieder errichtet wurde und in den nachfolgenden Jahrhunderten umfangreiche Erneuerungs- und Umbauten erfuhr, wie die verschiedensten Stilmerkmale heute noch zeigen.

Im Jahre 1627 wurde Rotenburg Residenz der sogenannten Quartlandgrafen, einer regierenden Seitenlinie des Kasseler Landgrafenhauses. Sie regierten von Rotenburg aus über Teile des Hessenlandes, die unter anderem auf das Gebiet Osthessens, im Lahnbereich und bis zur größten Burg im Rheintal, der heutigen Ruine Rheinfels, hin sich erstreckten. Die Rotenburger Bürger fühlten sich 'ihrer' jeweiligen Fürstenfamilie sehr verbunden, wodurch ein beiderseits gutes Verhaltnis entstand, das das Leben in der

kleinen Residenzstadt wesentlich beeinflußte.

Der Dreißigjährige Krieg traf auch Rotenburg hart. 1637 waren Rathaus und Altstadt von Isolanis Truppen in Brand gesteckt worden. Die Pest gesellte sich hinzu und raffte viele Einwohner dahin. Ende 1648 zählte man in der Stadt noch 72 Haushaltungen. Wirtschaftlich war irn späten Mittelalter, wie auch danach bis 1850 etwa, Rotenburg mit seiner Umgebung stark vom Flachsanbau, der Leineweberei und dem Leinenhandel geprägt. Schon 1277 geschieht die Erwähnung eines Kaufhauses in Rotenburg und 1397 wird eine Leineweberzunft (die erste in Hessen) erwähnt, die so stark war, daß sie sich alsbald die Beteiligung an der Stadtregierung erzwang. Begünstigt durch die von Landgraf Moritz um 1600 schiffbar gemachte Fulda, kannte die Stadt einen lebhaften Handel mit allerlei Waren, auch aus dem Ausland und aus Übersee. Erst die zunehmende Mechanisierung des Webens in England ließ in Hessen die Weberei stark zurückgehen. Die Einwohner mußten sich auf andere Erwerbsquellen umstellen, wodurch die dann verstärkt einsetzenden Ab- und Auswanderungen wohl begründet waren. Durch den Bau der 'FriedrichWilhelms-Nordbahn' 1849 zwischen Kassel und Bebra kam die Fuldaschiffahrt ganz zum Erliegen.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse spiegeln sich auch in den Einwohnerzahlen wider. Rotenburg hatte 1576 bereits 345 Haushaltungen. 1750 waren es 2 375 Einwohner. Während 1852 noch 3 538 Einwohner zu verzeichnen waren, fiel die Zahl durch den Rückgang des Leinengewerbes bis 1864 auf 3062 und 1885 auf 3 026 zurück. Erst ab 1895 ist wieder ein Ansteigen zu bemerken, das sich stetig fortsetzte. 1939 war die Einwohnerzahl auf 4 269 gestiegen. Heute zählt die Stadt trotz Kreisstadtverlust, aber unter Hinzukommen von acht umliegenden Orten im Zuge der Gebietsreform, 14410 Einwohner.

Das Bildmaterial wurde aus dem Stadtarchiv entnommen. Der Autor dankt allen, die früher und in letzter Zeit dem Archiv Ansichten leihweise zur Verfügung stellten und somit diese Zusammenstellung errnöglichen halfen. Bei dieser Erinnerungsschau fehlen bewußt alle Bilder, die damals wie heute noch den gleichen Zustand zeigen.

Möge dieses Buch den älteren Lesern die Erinnerung bereichern und den jüngeren zeigen, wie es zu Großväterzeiten in Rotenburg aussah.

Rotenburg a. d. Fulda - Marktplatz

1. Der Rotenburger Marktplatz, von der Südseite gesehen, mit Blickrichtung auf die Breitenstraße und die Brückengasse, zeigt in seiner Mitte noch das Kriegerehrenmal, das den Soldaten des Krieges 1870/71 gewidmet war. 1895 kam das Denkmal durch Spenden und Beiträge aus dem gesamten Kreisgebiet auf dem Marktplatz zur Aufstellung. Es war also ein Denkmal des Kreises Rotenburg, das in der Mitte der dreißiger Jahre (um 1935) aus verkehrstechnischen Gründen in den Schloßpark gebracht wurde, wo es sich heute noch befindet.

2. Sonntagskonzert auf dem Marktplatz in Rotenburg, eine alte Tradition bis zum Ersten Weltkrieg, wie dieses Bild aus 1910 hier anschaulich zeigt, Lustwandelnde Personen und sich um die Kapelle des Stadtkapellmeisters Tromlitz scharende Zuschauer und Zuhörer hatten ein großes Vergnügen an diesen Darbietungen. Auch in der Neujahrsnacht kamen die Rotenburger Einwohner zur Jahreswende auf dem Marktplatz zusammen, um sich gegenseitig ein gutes neues Jahr zu wünschen, wozu auch die Stadtkapelle spielte.

3. Wenn der hohe Fürst kam, war ganz Rotenburg auf den Beinen. Die Stadt wurde festlich geschmückt. Die Menschen zogen ihre Sonntagskleider an. Bürgermeister und Magistrat erschienen in Gehrock und Zylinder und die Ehrenjungfrauen, in Weiß gekleidet mit ihren bunten Schärpen, standen Spalier. Das Bild zeigt 1904 die Ankunft des Prinzenpaares Chlodwig von Hessen in der Kutsche, in der es zumeist am Bahnhof in Bebra abgeholt wurde. Auf der Stadtwaage, mit dem Zylinder in der Hand, steht Bürgermeister Alfred von Kupsch und bietet seinen Willkommensgruß. Im Hintergrund drängt sich die Bevölkerung.

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4. Das Üben gehört zur Feuerwehr wie das Training zum Sport. Hier wird in den zwanziger Jahren die Rettung von Menschen aus dem Rathaus demonstriert, mit Leitem und einem Segeltuchtunnel. Sogar das Rote Kreuz ist beI teiligt mit einem neuen Krankentransportwagen. Der Rutschtunnel, am Fenster im dritten Stock links, bot gegenüber einer Leiter, ganz rechts, viel mehr Sicherheit und Schrielligkeit, Die heute Siebzigjährigen können sich noch erinnern, daß, wenn die Feuerwehrmänner guter Laune waren, sie am Schlauchturm bei der Brücke auch mal die Kinder 'durchrutschen' ließen, was den meisten natürlich ein großes Vergnügen bereitete.

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5. Unter dem Dach von Köstners Haus an der Ecke Weingasse 'brennt es' 1893. Die Feuerwehr übt mit großer Handdruckspritze, die zwölf gestandenen Männern alle Körperkraft abforderte. Solche Übungen waren immer ein Ereignis für die Schaulustigen, die in hellen Scharen zusammenströmten. Vor allem wenn dann noch der Fotograf in Erscheinung trat, versuchten alle sich recht 'ins Bild zu setzen'. Sehr gefährlich hätte es werden können, wenn in solch einem Straßenzug wirklich mal ein Brand ausgebrochen wäre, da von Brandmauern noch wenig zu sehen war und die Häuser sich dicht an dicht drängten.

6. Wenn bis 1935 sich in der Luft etwas Brummendes bewegte, ein Flugzeug oder gar ein Zeppelin, dann blieb alles stehen und starrte nach oben. Solch etwas Seltenes mußte man genügend wahrnehmen. So kann man gut verstehen, daß viele Rotenburger aufmerksam wurden, als 1915 ein Doppeldecker der Fliegerschule aus Gotha über der Stadt Stottergeräusche von sich gab und zunehmend an Höhe verlierend auf den Wittichwiesen (vor der Jakob-Grimrn-Schule) notlandete. Den Lehrern liefen die Kinder aus der Schule davon. Viele Menschen gaben Geleit, als die Maschine mit abmontierten Flügeln in die Stadt gezogen wurde, um verladen zu werden. An Gutberlets (heute Domms) Ecke machte Apotheker Büchsel diese Aufnahme.

7. Das erste Haus am Marktplatz nach der Jakobikirche ist ein großes stattliches Fachwerkhaus, das seine Berühmtheit dadurch erlangte, daß in ihm von 1824 bis 1827 der Rektor der Rotenburger Stadtschule A.F.C. Vilmar wohnte und in der nahen Schule hinter der Kirche unterrichtete. Vilmar war später Professor der Theologie, bekannt als Staatsmann und Germanist. Er war der Bruder des Theologen Wilhelm Vilmar, der von 1830 bis 1851 als Pfarrer und Privatlehrer im Pfarrhaus der Altstädter Kirche wohnte. Um die Jahrhundertwende gehörte das Haus den Schwestern Kimm, deren Erben es 1953 an den Schlosserm eist er Neumeyer verkauften.

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8. Rotenburgs Wasserversorgung, die bis 1903 noch aus Brunnen bestand, hatte wenige, auf die Stadt verteilte Pumpen, mit denen man das notwendige und köstliche Naß in die Gefäße pumpen mußte, um es nach Hause zu tragen. Hier steht eine solche Pumpe mitten auf dem hinteren Marktplatz. Von Eile im Verkehr war damals noch keine Rede. Überall sah man Wagen herumstehen und auch Brennholz lag vor den Häusern. Der Bliek geht in Richtung 'Sack', das alte Handwerkerviertel des Marktplatzes, und darüber hinaus auf den Höberück, früher Heiberg (Trockenberg) genannt.

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