Rotenburg an der Fulda in alten Ansichten

Rotenburg an der Fulda in alten Ansichten

Auteur
:   Daniel Bingemann
Gemeente
:   Rotenburg an der Fulda
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2721-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Rotenburg an der Fulda in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

KÖNIGL. LE'Hf'E'f'INNE'NSE'fINf1R ZIJ f'OTE'NBIJf'G ft. f.

19. Das königlich preußische Lehrerinnenseminar wurde von 1909 bis 1912 westlich der Stadt an der Braacher Straße erbaut. Bis 1925 wurden hier Lehrerinnen ausgebildet, die in den im Gebäude untergebrachten Übungsschulklassen unterrichten mußten. 1924 kam eine Aufbauklasse für Knaben hinzu. Zwei Jahre später erhielt die Schule den Namen 'Jakob-Grimm-Schule', den sie heute noch führt. 1925 liefen die Lehrerinnenserninare aus. Seit 1929 ist die Aufbauschule voll ausgebaut bis zur Oberprima. Ein Internat wurde 1928 eingerichtet, um den auswärtigen Schülern weite Wege zu ersparen.

20. Plötzlich war es da, das große Loch auf der Wiese im Weihersgrund hinter der JakobGrimrn-Schule. Der Hund des Schafhofschäfers hatte die Kühe, trotz harter Schelte seines Herrn, gerade alle von der Stelle weggetrieben, als der Boden samt einer Baumgruppe einstürzte. Eine Kalk-Gips-Unterwaschung im Gelände war 1934 Ursache dieses Ereignisses. In das Loch, in dem nach dem Zweiten Weltkriege der gesamte Stacheldrahtverhau des aufgehobenen englischen Kriegsgefangenen-Offizierslagers in der nahen Schule verschwand, hätte man ein mehrstöckiges Haus stellen können. Was im Laufe der Zeit an Tiefe abnahm, verbreiterte sich am Rand durch zeitweiliges Nachrutschen.

21. 'Am Rainchen' nennt sich die bucklige Gasse, die vom Untertor in nordöstlicher Richtung an der ehemaligen Stadtmauer entlangführt und sich zur Fulda hin neigt. Die Häuserreihe links im Bild wurde seinerzeit auf die Stadtmauer aufgesetzt, als innerhalb der Altstadtmauern der Bauplatz fehlte. Dadurch entstanden diese oft zu engen, verträumten Winkel im alten Städtchen. Um 1835 hatte es beim Zerfall der alten Stadtmauer einen Streit gegeben, wer nun für die Restaurierung der alten Mauer zuständig sei, die 'Aufwohner' oder die Stadt als früherer Eigentümer, Durch Teilung der Kosten einigte man sich von Fall zu Fall.

22. Die Rote Schule in Rotenburg, die 1902/03 in der Scheunengasse errichtet wurde, ist auf diesem Bild im Rohbau fertig. Die Handwerker, die die Innenausstattung anbringen, haben sich dem Fotografen zu Liebe in die Fenster gestellt. Einige Jahre vor 1900 waren durch mehrere Brände in der Scheunengasse die alten Scheunen abgebrannt und hatten den Platz freigemacht. Nach dem Bau der Albert-SchweizerSchule auf der Tonwiese wurden diese Schulräume leer und von der Stadt privat an Familien vermietet. 1977 wurde das Gebäude abgerissen.

23. Lehrer Heinemann, der spätere Rektor der Rotenburger Volksschule, stellt sich hier auf dem Bild 1910 mit seiner Klasse dem Fotografen. Fotograf Rekelkamm machte damals die Aufnahme an der Roten Schule. Kurz geschorene Haare und hoch zugeknöpfte Jacken bei den Jungens waren üblich. Alle Kinder trugen hochverschnürte Schuhe. Adrette lange Kleidchen, eine Schleife im Haar, auch Rock und Bluse waren bei den Mädchen damals 'in'. Streng blickte der Lehrer drein und nicht minder ernst nahmen die Kinder an dem nicht alltäglichen Ereignis teil. Im Hintergrund rechts blieb neugierig der 'Schleppenkuhrt' stehen, der seinen Namen davon hatte, daß er alte aufgetragene Röcke, auch manchmal einen 'Schlippenrock' , bei der gewöhnlichsten Arbeit trug,

24. Über die alte Fuldabrücke, aus der Neustadt in die Altstadt wechselnd, kam man vor dem Eingang zur Brückengasse rechts zum Haus des Hoffotografen, Buchhändlers und Buchbinders Martin Wiesemüller. Ihm verdanken wir viele Aufnahmen aus dem alten Rotenburg, die uns heute noch ein Bild vermitteln, wie es in der Zeit um die Jahrhundertwende in der Stadt und in der Umgebung ausgesehen hat. Neben der Haustür steht Orgelbaumeister August Möller mit zwei Kindern und dem Stadtpolizisten Pabst. Der Schmuck der Häuser deutet auf ein festliches Ereignis hin. Diesmal war es das Turnfest 1910, das die Rotenburger Bürger veranlaßte, ihre Häuser so schmuckvoll herzurichten.

25. Sich verkleiden, in ein erdachtes, phantastisches Gewand schlüpfen, ist schon ein altes Anliegen der Menschen gewesen. Auch in Rotenburg wußte man in entsprechender Form Kostümfeste zu feiern. Das Bild aus 1913 stellt eine solche Gruppe dar, die sich Fotografenmeister Wiesemüller in sein Atelier zwischen Roter Schule und Gelber Schule holte, um sie mit der 'Strahlenfalle' festzuhalten. Er verfügte in seinern extra erbauten Atelier über genügend Requisiten, um auch größeren Gruppen einen entsprechenden Hintergrund zu geben.

26. Wenn die Fulda Hochwasser führte, waren in Flußnähe alle Bewohner in Gefahr. Lebensmittel, Holz und alles Wasserverderbliche wurde vom Keller auf den Boden geschafft, auch die Ziegen, wenn sie im Stall zu ertrinken drohten. Hier haben wir einen Bliek in solch eine Katastrophensituation, als Schloßtor, Schulstraße und 'die Türkei' unter Wasser standen. Die Menschen liefen zusammen, ängstlich wurde der Pegelstand beobachtet und wenn dann der Fotograf sein Stativ umständlich an einer exponierten Stelle aufbaute, gingen trotz Hochwassers alle Augen in eine Blickrichtung.

27. Wenn man einem Uneingeweihten in Rotenburg erklären würde, 'ich war vor zehn Minuten noch in der Türkei', so würde der wohl sehr erstaunt sein. Für die Rotenburger ist das jedoch ein Begriff , der sich sofort mit dem heute romantischten Teil der Altstadt verbindet. Das Bild aus der Zeit vor 1900 läßt im Durchblick noch den Torbogen der ehemaligen Brauerei erkennen. Weder der Landrat Tuercke, der in Rotenburg amtierte, noch die türkische Prinzessin, die sich ein Rotenburger Landgraf vom Kriegszug mitbrachte, waren Ursache für die Narnensgebung, sondern allein der Schneidermeister und städtische Arbeiter Türke, der mit seiner Familie im letzten Haus rechts vor dem Brauhaus wohnte, ist der Pate gewesen für die von den Rotenburgern selbst gewählte Bezeichnung.

28. Ein Bliek in die obere Breitenstraße um 1910 zeigt uns die idyllische Ruhe der damaligen Zeit. Ruheplätzchen vor den Häusern, zusammengestellt aus Pflanzen, die in Kübeln wuchsen, ermöglichten es, sich draußen an der frischen Luft aufzuhalten und die Passanten zu beobachten, ein Schwätzchen zu halten oder sich einer Handarbeit hinzugeben, aber immer dabei zu sein. Autos und Motorräder wurden zu der Zeit noch zur Sensation, wenn sie auftauchten. Der Kump vor der Jakobikirche plätscherte dazu sein monotones Lied, zeigte aber auch, daß trotz der Ruhe immer Leben vorhanden war.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2020 Uitgeverij Europese Bibliotheek