Rottenburg am Neckar in alten Ansichten

Rottenburg am Neckar in alten Ansichten

Auteur
:   Dieter Manz
Gemeente
:   Rottenburg am Neckar
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1728-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Rottenburg am Neckar in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

'Die Stadt gehört überhaupt ihrer Lage wegen zu den freundlichsten des Landes. Der Neekar tritt nämlich kurz oberhalb Rottenburgs zwischen Felsenklüften in eine breite Thalebene hervor, in deren Anfang Rottenburg zum Teil noch zwischen Hügeln eingezwängt liegt, und den Mittelpunkt einer wahrhaft malerischen Landschaft bildet. So schön aber auch die Umgebung, so merkwürdig ist die Stadt durch ihre öffentlichen Anstalten und Gebäude.' Mit diesen begeisterten Worten rühmt das 'Universal-Lexicon von Württemberg, Hechingen und Sigrnaringen' irn Jahr 1841 Rottenburg, die Stadt am Neekar zwischen Horb und Tilbingen.

Ein paar Jahrzehnte später setzt unsere Sammlung alter Fotografien ein. Die Aufnahmen zeigen dieses Rottenburg, wie es sich in der 'guten alten Zeit' der Großväter dem damals gerade erst voll zum Einsatz gekommenen Auge der Fotokamera darbot. Auf diese Weise entstand nach und nach eine Kollektion unbestechlicher Dokumente aus einer Zeit, die unserem Bewußtsein nun fast schon wieder verklärt erscheint, Es sind verwehte Bilder, vergilbt, verstaubt, zerknittert; doch sie steeken voll ungebrochenen Eigenlebens. Zusammengetragen fortnieren sie sich zum Denkmal einer Zeit, die - genau wie jetzt die unsere - einmal die 'neue' war, die sich stolz 'moderne Zeit' und 'Belle Epoque' nannte und von sich glaubte, wieder einmal die 'denkwürdigste der deutschen Geschichte' zu sein.

Möglich, daß der Versuch gelungen ist, in diesen Bildern etwas von der Atmosphäre jener Jahre einzufangen; sicher aber, daß dieser durchaus legitirne Rückblick in eine noch gar nicht allzu ferne Vergangenheit zu mancher nutzreichen Betrachtung anzuregen vermag. Man braucht nur einmal eines der geruhsamen Marktplatzbilder mit der heutigen blechund lärmerfül1ten Wirklichkeit zu vergleichen, oder, zum Beispiel, die weiträumigen Straßen von damals mit ihrem jetzigen Zustand qualvoller Enge, um zu erkennen, daß die Zahl neuzugelassener Autos nicht unbedingt ein zuverlässiger Gradmesser echten Fortschritts ist. Damals hatte man die vereinzelten 'Motorkutschen' ja noch begeistert als Boten eines neuen Zeitalters begrüßt; mittlerweile denkt man etwas weniger enthusiastisch darüber. Oder man betrachte das baulich noch weitgehend unverdorbene Gesicht der Stadt und stelle ihrn die Realität der Gegenwart gegenüber!

Rottenburg am Neekar - was für eine Stadt ist das? 'Einer der ältesten und historisch interessantesten Plätze des schwäbischen Landes', wird eine Antwort lauten müssen; als 'urbs pia' könnte eine andere die württembergische Bischefsstad t bezeichnen. Nüchterner hört sich eine dritte Version an: 'Große Kreisstadt mit zirka 30 000 Einwohnern im Landkreis Tübingen; Sitz der Höheren Forstfachschule und einer staatlichen Vollzugsanstalt'. All dies

ist richtig und alles trifft ein Stück rottenburgischen Daseins und Wesens. Aber ist dies alles, was man über Rottenburg sagen kann?

Zu den Merkmalen Rottenburgs gehörte schon immer, daß es innere Qualitäten mit äußerer Zurückhaltung vereint. Dem eiligen Reisenden, dem flüchtigen Betrachter mag es wie eine der vielen anderen stillen schwäbischen Landstädte erscheinen, ausgezeichnet lediglich durch Lage und Umgebung, Wer jedoch genauer hinsieht, entdeckt da und dort Signale einer anderen Wirklichkeit: eine rörnische Säule oder ein Stück rörnischer Wasserleitung, ein andermal den österreichischen Doppeladler, barocke Hausmarken über Türstürzen, hier und da Heiligenfiguren an den Hausecken. Wenn man sich gar die Mühe macht, tiefer in Wesen und Werden dieser Stadt einzudringen, so folgt das Erkennen, daß sie nicht zu den geringsten irn Land gehört, denn der Boden, der sie trägt, ist schicksalsreicher, vergangenheitsträchtiger als der mancher glänzenderen Schwester.

Landschaftliche Schönheit, Größe der Vergangenheit - ohne die Wurzeln der Vergangenheit keine Gegenwart, kein Vorwärtsschreiten in die Zukunft - und Schwere der Schicksale schwingen mit, wenn es um den Begriff 'Heirnat' geht, Und nur das Wissen um diese Zusammenhänge hebt nach einern Dichterwort 'das dumpfe ursprüngliche Empfinden in das Licht bewußten Erlebens'.

Bleiben wir deshalb ein wenig bei der Vergangenheit;

sie ist ja das Thema auch unserer Bilder. Uralter Kulturboden ist Rottenburgs Stätte ohne Zweifel, denn seit der Jungsteinzeit haben Menschen sie besiedelt. Einen ersten Höhepunkt ihrer Entwicklung erlebte sie zur Zeit der Römer, als sie mit dem Namen Sumelocenna zum Verwaltungszentrum der Agri Decumates aufstieg. Ein paar Jahrhunderte später waren am Rand der zum Ruinenfeld gewordenen Römerstadt mehrere Dörfer entstanden. Eines davon wurde fränkische Missionsstation, Hauptort und Gaugrafensitz des Sülchgaus. Der heilige Meinrad, Gründer von Kloster Einsiedeln in der Schweiz, war Sohn eines Sülchgaugrafen.

Im 11. oder 12. Jahrhundert bildete sich im heutigen Stadtbereich eine neue Siedlung, die unter Graf Albert Il, von Hohenberg um 1271/80 erweitert und zur Stadt erhoben wurde. Der letzte Hohenberger aus der Rottenburger Linie verkaufte 1381 seine Grafschaft samt der Hauptstadt Rottenburg an das Haus Habsburg, mit dem die Hohenberger schon einhundert Jahre vorher in enge verwandtschaftliche Verbindung getreterr waren. König Rudolf 1. von Habsburg hatte sich ja Gertrud, die Schwester Alberts 11., zur Frau genommen. Eine Rottenburgerin war damit zur Stammutter des habsburgischen Kaiserhauses geworden. Als 'literarische Hauptstadt Südwestdeutschlands' galt Rottenburg zwischen 1454 und 1482, nachdem Mechthild von der Pfalz, die hochgebildete und geistvolle Gemahlin Erzherzog Albrecht VI. von

Österreich, die Stadt zu ihrer Residenz gemacht hatte. Die großen Brände von 1644 und 1735 tilgten das mittelalterliche Bild Rottenburgs bis auf wenige Reste; der Stadtkern wird seither von den Bauten der Barockzeit geprägt.

Vorderösterreichischer Landvogteisitz blieb die Stadt bis 1806, bis zum Übergang an das neu entstandene Königreich Württemberg, Die Württernberger machten Rottenburg 1810 zur Oberamtsstadt und 1821 zum Sitz des neuerrichteten katholischen Landesbisturns womit wir bei der 'urbs pia' Rottenburg wären. Zu ihrem äußeren Bild gehört wesentlich, daß die Denkmäler weltlicher Macht den Kirchen, Kapellen und Klosteranlagen gegenüber recht zurückhaltend auftreten. So ist die städtebaulich formende Kraft der Kirche hier in besonderem Maß erfahrbar. Bis zur Säkularisationszeit besaß die Stadt ein Karmeliterkloster (gegründet 1281), ein Chorherrenstift (1330), ein Kapuzinerkloster (1624), ein Jesuitenkolleg (1649) und ein Franziskanerinnenkloster (14. J ahrhundert) neben weiteren kleineren Ordensniederlassungen. Urbs pia, das sind jedoch nicht nur die Baudenkmäler. Gemeint sind damit auch die Bewohner der Stadt, deren 'streng religiösen Sinn' die Oberamtsbeschreibung von 1899 als bestimmenden Charakterzug eigens hervorhebt.

Als Sitz vorderösterreichischer Landvögte war Rottenburg zu einem guten Teil Beamtenstadt. In dieser Tradition blieb es auch als Sitz von Bischof und Ver-

waltung einer der größten deutschen Diözesen.

'Ist das nun das ganze Rottenburg? " wird man hier vielleicht fragen. Wie hat sich die Stadt denn in den Großvätertagen entwickelt, damals, als die alten Fotos aufgenommen wurden? Hören wir noch einmal die Oberamtsbeschreibung von 1899: 'Rottenburg ist heute noch trotz Eisenbahn ein stilles Landstädtchen mit wenig Verkehr nach außen, mit großer Markung und deshalb vorwiegend landwirtschaftlichem Betrieb; die Großindustrie ist nur mit zwei Fabriken vertreten.'

Ein stilles Landstädtchen, jawohl, aber schon mit allen Errungenschaften der 'modernen Zeit' versehen:

Bahnhof seit 1861, Gasversorgung (mit Straßenbeleuchtung) seit 1862/64 - übrigens als eine der ersten Städte Württernbergs! Ein Wasserleitungsnetz existierte seit 1891/92, die Elektrifizierung erfolgte ab 1902; die Straßenbeleuchtung wurde 1910/12 von Gas auf Strom umgestellt.

Hopfenanbau und Hopfenhandel brachten Wohlstand in die Stadt, denn der Rottenburger Hopfen wurde in jenen Jahrzehnten zum europäischen Handelsartikel. Höhepunkt des Hopfenbooms waren die sechziger und siebziger Jahre; dann setzte langsam der Rückgang ein - die letzten Hopfenanlagen verschwanden erst vor ungefähr zehn Jahren. Die Möglichkeit, mit dem Hopfen sozusagen auf eigenem Grund und Boden reich zu werden, ersparte den Rottenburgern

zwar 'die zweifelhaften Segnungen der Großindustrie' - so nannte es bereits die Oberamtsbeschreibung darin lag aber zugleich auch die Ursache für die Strukturschwäche der Folgezeit.

Nicht fehlen dürfen schließlich jene Leute, die die alten Fotografien unseres Bändchens bevölkern, die Rottenburger selber. Ein 'zwar etwas derber, aber offener und biederer Schlag Menschen' seien sie; lebendiger Lokalpatriotismus, reges Gemeingefühl und Teilnahme an Freud und Leid von Verwandten und Nachbarn sind als charakteristische Züge aus alten Beschreibungen überliefert. Sparsamkeit, aber auch 'strenge Arbeitsamkeit und wahrhaft unermüdliche Tätigkeit, verbunden mit Härte gegen sich selbst', zeichne 'alle Schichten der Bevölkerung, insbesondere auch den weiblichen Teil derselben', aus. Fleiß, Sparsamkeit und Heimatliebe sind bis heute Kennzeichen des echten Rottenburgers geblieben. Das Bild wäre unvollständig, wollte man ein weiteres Element unterschlagen: 'Als ein Erbteil aus hohenbergischer und vorderösterreichischer Zeit liegt dem Rottenburger die Richtung zu heiterem, behaglichem Lebensgenuß im Blute'. Seinen sinnfälligsten Ausdruck findet dieser Wesenszug in der 'barocken' Freude am Feiern von Festen. Als Beispiele sind hier vor allem Fasnet und Fronleichnam zu nennen, zwei Höhepunktedes Rottenburger Jahreslaufs, zu dem die Jahrgängerfeste ebenso selbstverständlich gehören

wie Martinusritt und Vereinsjubiläen, 'Hopfenrahmenmusik' am Sylvesternachmittag und 'Besenwirtschaften' mit dem Ausschank von Rottenburger Wein.

Das alte Rottenburg. in diesen vergilbten Ansichtskarten und Fotografien wird es wieder lebendig: als nostalgischer Rückblick dem einen, als übersichtlich geordnete Sammlung von Bilddokumenten zur Stadtentwicklung dem andern, während sich dem dritten die Gruppenbilder als optischer Beitrag zur Soziologie einer vergangenen Geschichtsperiode darstellen. Wieder ein anderer wird vielleicht die Leistung der alten Fotografen zu ergründen suchen oder auch bloß den eigenen Großvater entdecken, der irgendwo aus dem Fenster seines Hauses blickte oder sich auf der Straße aufhielt, als der Fotograf ihn ins Bild bannte. Man kann es nehrnen, wie man will - so oder so liegt in diesen bescheidenen Bilddokumenten mehr vom Geist der vielzitierten 'guten alten Zeit' als in wandfüllenden Historiengemälden oder bombastischen Denkmälern, aber auch mehr vom Wesen Rottenburgs als in weit ausholenden Beschreibungen und trockener Wissenschaftlichkeit.

Rottenburg a. N .

.. ~

1. Rottenburg am Neckar: Deutlich zeigt diese um 1910 entstandene Aufnahme die Lage der Stadt unmittelbar am Fluß, der sie in die Teile Rottenburg - am linken Ufer - und Ehingen - am rechten Ufer - trennt. Drei Türme akzentuieren das Stadtbild: links der gotische Domturm, am Ufer der kleine, barocke Zwiebelturm des Priesterseminars, jenseits des Neckars die spitze Nadel von St. Moriz.

2. Während das vorhergehende Bild bereits die 1899 eröffnete, hangaufwärts steigende Straße nach Remmingsheim erkennen .läßt, entstand diese 1898 datierte Aufnahme vor dem Beginn der Bauarbeiten. Dem Fotografen gelang es, hier eines der letzten Neekarflöße im Bild festzuhalten (am linken Ufer zwischen dem ersten Haus und der Brücke). Das letzte Floß passierte Rottenburg 1899.

Rottenburg a. N.

3. Vom gegenüberliegenden Talhang aus gesehen nimmt die Häuserrnasse schärfere Konturen an. Wieder dominieren die Türme, doch treten nun auch die dazugehörenden Gebäude klarer hervor. Die Häuser im Vordergrund entstanden im Lauf des 19. Jahrhunderts, nachdem um 1800 die Stadt den enggewordenen Ring ihrer Mauern zu sprengen und sich entlang der Ausfallstraßen auszudehnen begann.

Gruss aus Rottenburg a. N.

4. Vielerlei gibt es hier zu registrieren: Die Obere Brücke von 1873 mit dem angrenzenden Gasthaus 'Linde', dahinter das Spitalgebäude. Links oben sind Kalkweiler Tor und Schütteturm zu sehen, daneben der spätklassizistische Bau des Landesgefängnisses (Vollzugsanstalt). An seiner Stelle hatte sich zuvor das Schloß der Grafen von Hoh enberg befunden. Das hohe Walmdach davor gehört zur ehemaligen hohenbergischen Landvogtei auf der Schütte.

5. Die alten Straßen nach Kalkweil und nach Remmingsheim, der Fußweg ins Weggental, sie alle führen seit eh und je durch das Kalkweiler Tor. Der Turm aus dem 14. Jahrhundert mit buckelquaderverstärkten Ecken, das Haus des Torwarts, die Brücke über den tiefen Stadtgraben, die Mauer mit Wehrgang: ein anschauliches Bild mittelalterlicher Wehrhaftigkeit.

Roftenburg am Neekar

Kalkwej'er-Tor .:

Rot:enburg a. N.

Kalk~eiltrtor.

6. So bieder-behäbig der Torturm heutzutag von außen auch scheinen mag, so herrisch und streng gibt er sich nach innen. Aber dennoch, strömt aus dem Bild des kleinen Platzes hinter dem Tor nicht noch etwas von wohliger Geborgenheit, häuslichem Behagen und kleinstädtischer Genügsamkeit? An solchen Orten hat der Begriff 'Heimat' noch einen echten Klang, anders als in den gleichförmig-langweiligen Schlafsiedlungen unserer Zeit.

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