Roßwein in alten Ansichten Band 1

Roßwein in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5389-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 1'

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VORWORT

Roßwein in alten Ansichten. Als uns im August 1991 der Verlag Europäische Bibliothek ZaltbommellNiederlande mit der Aufgabe betraute, unsere Heimatstadt und das Leben ihrer Menschen in den Jahren von 1880 bis 1930 in Fotos darzustellen, war es ein glücklicher Umstand, daß wir auf umfangreiches Bildmaterial zurückgreifen konnten. Es handelt sich zum großen Teil um Originalaufnahmen, die mein Vater Willy Hanisch seit der Gründung seines Fotografenbetriebes 1912 angefertigt hatte.

Als wir nach Kriegsende die Firma übernahmen, begannen wir, die Negative zu archivieren und weitere historische Bilddokumente aus unserer Stadt und deren Umgebung zu sammeln und zu reproduzieren, um sie fur spätere Generationen zu erhalten.

Schwieriger erwies es sich, die Texte zu verfassen. Dazu mußten wir auf historische Quellen zurückgreifen, um zum Teil mosaikartig die Erläuterungen zusammenzusetzen. Ebenso haben uns einige ältere Bürger aus ihren eigenen Erinnerungen berichtet und auch Bilder zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle mochten wir uns besonders bedanken

bei Herrn Johannes Patzschke, bei Frau Hilde Löffler, Frau Helene Hoffmann, Frau Luise Bauch, auch bei Herrn Christian Zydek, der uns alte Chroniken auslieh, und bei Frau Petra Klemm für ihr Lektorat. Aber auch allen anderen hier nicht Genannten, die freundlichst versucht haben, uns mit Erinnerungen aus ihrer Jugendzeit zu helfen, sei gedankt.

Viel Interessantes und heitere Episoden konnten wir bei diesen Gesprächen erfahren, die sich festzuhalten lohnen. Jedoch wurde uns auch klar, daß vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt kaum noch eine so genaue Beschreibung der Bilder möglich gewesen wäre, da dann niemand mehr aus eigenem Erleben berichten könnte und weitere Quellen versiegt wären. In den letzten vierzig Jahren gingen ja bereits leider wichtige Zeitdokumente der Stadt verloren. Wir hoffen, daß es mit unserer Auswahl gelungen ist, einen kleinen Einbliek in das Leben in Roßwein zur Zeit unserer Urgroßeltern zu geben.

Gunther und Roswitha Hanisch

EINLEITUNG

Ein weißes Roß vor einem grünen Weinstock auf rotem Hintergrund - das ist das Wappen der kleinen Stadt in Mittelsachsen, auf das ihre Einwohner stolz sind.

Die Stadt Roßwein liegt am nördlichen Rand des Erzgebirges in einem Talkessel. Von Osten nach Westen durchschneidet die Freiberger Mulde das am Stadtanfang durch Felsenhänge verengte Tal. Terrassenartig baut sich die Stadt am rechten Muldenufer auf. Zwei Straßenbrücken und zwei eiserne Fußgängerstege fuhren über den Fluß in das später erbaute Stadtviertel mit dem Bahnhof.

Die erste urkundliche Erwahnung datiert vom 25. August 1220, und als Stadt wird Roßwein erstmals in einer Verpfändungsurkunde des Markgrafen Heinrich am 10. Oktober 1286 genannt. Um diese Zeit wurde auch mit dem Bau der Stadtmauer begonnen, in deren Schutz sich immer mehr Handwerker ansiedelten.

Nachdem der Landgraf Friedrich von Meißen die Stadt Roßwein dem Zisterzienserkloster Altzella zum Geschenk gemacht hatte, wirkte sich der klösterliche Einfluß fördernd auf die weitere Entwicklung der Stadt aus. Die Äbte bestellten Richter und den Rat, gaben Ordnung und Gesetze und bestätigten die gegründeten Handwerksinnungen.

Die Ordensbruder hielten den Gottesdienst und unterrichteten in der Lateinschule.

In das 14. Jahrhundert fällt der Beginn des Roßweiner Bergbaues, dessen Ausbeute überwiegend aus Kupferkies bestand. Sein Ausmaß und seine Bedeutung reichten aber bei weitem nicht an die des benachbarten Gersdorfer Reviers heran, in dem auch Silber- und Bleierz gefördert wurde. Ebenfalls finden in dieser Zeit die ersten Innungsgründungen der Handwerker statt: Tuchmacher 1376, Fleischer 1390, Backer 1454 und Schuhmacher 1483.

Wie stark besonders das aufblühende Tuchmacherhandwerk das Leben in der Kleinstadt beeinflußte, geht daraus hervor, daß um 1720 zwischen 300 und 400 Meister tätig waren, die meist mehrere Knappen hatten, und auch in den umliegenden Ortschaften viele Frauen mit der Wollzubereitung beschäftigten. Die Verkehrserschließung durch den Bau der Eisenbahnstrecken Leipzig-DöbelnRoßwein-Dresden und Roßwein-HainichenChemnitz gab entscheidende Impulse zur Gründung von Manufakturen, Gewerbe- und Industriebetrieben.

Vieles der weiteren Entwicklung wird mit den Bildern veranschaulicht.

1. Welch schönes Panorama bot in den zwanziger Jahren der Bliek vom Bismarckplatz auf unsere Heimatstadt. Fast 100 Meter Höhenunterschied mußten wir von der Bahnhofstraße bis zum höchsten Punkt des Hartenberges 290 m über NN überwinden. Doch der Aufstieg hat sich gelohnt. Tief im Talkessel breitet sich die Stadt vor uns aus. Im Mittelpunkt ragt die Kirche 'Zu Unserer Lieben Frauen' heraus, davor das Rathaus, das mächtige Gebäude links ist die Schule, dahinter die Schuhfabrik Heller (später Herlt), rechts darüber die Häuserreihe der Gartenstraße. Wie aus einer Spielzeugschachtel liegen die Straßenzüge der Innenstadt vor uns. Im Einschnitt des Nadelwaldes sehen wir das große Gebäude der 'Garküchc' und rechts daneben die Stadtmühle. Weit schweift unser Bliek ins Muldental. wo in der Ferne die Häuser von Niederstriegis im Sonnenlicht stehen. Weiter rechts auf dem Berg erkennen wir das Freigut Troischau, darüber die Bauernhöfe des Ullrichsberges, von denen am Horizont die Straße nach Haßlau-Klingc führt.

2. Von Baderberg und Wettinhöhe verläuft der südliche Höhenzug um Roßwein uber den 'Hasensprung bis zum Goldborn. Der 'Hasensprung' ist der Standort fur dieses Foto, das uns den Stadtteillinks der Mulde im Jahre 1895 zeigt. Im Vordergrund sehen wir die Fabrikgebäude und Schornsteine der Patentachsenfabrik Carl Wolf, aus der später der größte Roßweiner Betrieb, das Schmiedewerk, entstand. Schön erkennen wir, wie sich die Freiberger Mulde durch das Tal windet. Die Brücke an der Mühle, noch mit drei Bögen und zwei Pfeilern, wurde 1897 ein Opfer des Hochwassers. Neben der Mühlbrücke steht das kastenförmige Gebäude der Gutmacher'schen Zigarrenfabrik, weiter rechts die Villen der Bahndammstraße mit ihren Türrnchen. Schwenken wir weiter, so sehen wir die Stadler'sche Schuhfabrik, die Gleisanlagen und Gebäude des Roßweiner Bahnhofs. Hinter dem Bahnhof schlängelt sich der Weg an der Eisengießerei Sternkopf & Kluge vorbei zum gerade aufgeforsteten Hartenberg und weiter nach Gersdorf.

3. Anfang der zwanziger Jahre stehen wir auf der felsigen Anhöhe, die sich am westlichen Rand der Stadt aus dem Tal erhebt und die Mulde erneut zum Ausweichen zwingt. Hier oben liegt das Freigut Troischau, das über 120 Jahre im Besitz der Familie Schubart war. Es bietet sich uns ein schöner Bliek zur Stadt. Wir sehen 18 Schornsteine aufragen; ein Zeichen, daß die Industrie in der kleinen Stadt aufblühte. Der größte und älteste Teil der Stadt ist vom Weinberg, links im Bild, verdeckt. Immer im Tal der Mulde entlang verläuft zu seinen Füßen die 1860 gebaute Straße nach Döbeln. Links neben dem Fluß erkennen wir den Mühlgraben. Das Wasser wird beim Wehr am Stadtbad abgezweigt, durchläuft das Gelände der Tuchmacherinnung zum Antrieb der Turbinen, dann die Wiesen am Schlachthofund kann nun hinter den Häusern der Gebrüder Hey (Besitzer der Glasmanufaktur) wieder in die Mulde münden. Von der Straße führt nach rechts ein Fahrweg zur Tuchmacherinnung und dem Sportplatz. Zwischen dem Weg und dem Mühlgraben liegen die Gebäude des Schlachthofes mit dem Türmchen auf dem Wohnhaus. Am Horizont ragt, gleichsam als weithin sichtbares Wahrzeichen Roßweins, die Gaststätte 'Wettinhöhe' auf.

4. Wenn wir den Höhenweg, 'Berg und Tal' genannt, über dem linken Muldenufer am Gersdorfer Wald entlang gehen, eröffnen sich uns liebliche Blicke ins Tal. Hier schauen wir auf das Wehr, das die Mulde bis zur Gaststätte 'Zum Talbad' zu einem Teich staut. Die Gaststätte liegt von Bäumen verdeckt hinter der Straßenbiegung. Links neben dem Wehr sehen wir den Schützen, der die Wasserzufuhr in den Mühlgraben reguliert. Der Graben läuft parallel zur Straße, bis er nach fast 1 Kilometer in die Mühle geleitet wird. Rechts neben der Mulde zieht sich die Eisenbahnstrecke Leipzig-Döbeln-Roßwein-Nossen-Dresden hin. Die Häuser der Äußeren Wehrstraße, die wir links am Bildrand sehen, trugen im Volksmund den N amen die 'Hasche '. So hieß auch eine Schankwirtschaft, im Haus Nummer 5 (mit richtigem Namen allerdings 'Die Weintraube'). Weithin schweift unser Bliek über die Felder von Seifersdorf und Kadorf.

5. Seit der Gründung seines Geschäftes 1912 war Fotograf Willy Hanisch häufig unterwegs, um Aufnahmen von seiner Heirnatstadt zu machen. Wir verdanken ihm viele schöne Bilddokumente von der Entwicklung Roßweins und dem Leben seiner Bürger. Diesmal hat er die schwere Stativleiter auf die Wunderburg transportiert. um von dieser Anhöhe zu fotografieren. Zwei Lehrlinge helfen ihm dabei. Die größe 13x18 Linhof-Plattenkamera wird eingerichtet, Hier stehen die Fachwerkscheunen und die kleinen, sehr alten Häuser, die zum großen Teil von Bergleuten bewohnt wurden. Hoch ragen Kirch- und Rathausturm über die Dächer der Innenstadt. Die Aufnahme entstand 1929.

6. An der Nordseite des ansteigenden, rechteckigen Marktes liegt das Rathaus, direkt vor der Kirche, deren Turm und Türmchen die Dächer überragen. Als nach dem großen Brand von 1806 vom alten Rathaus nur die Umfassungsmauern stehengeblieben waren, wurde es an gleicher Stelle wieder aufgebaut. Es erhielt um 1860 seine heutige Gestalt. Betrat man das Gebäude durch das linke Portal, auf dem Bild von einem mit Markise überdachten Vorbau verdeckt, gelangte man in das Restaurant 'Raths-Keller. In den darüberliegenden Stockwerken befanden sich die Verwaltungsräume der Stadt. In der Mitte des Gebäudes führt die große Freitreppe zum Schwibbogen, durch den man das Rathaus durchqueren und zum Kirchplatz hinaufsteigen kann. Rechts daneben befindet sich das schmale Portal der Polizeiwache. Im sich anschließenden, heute zum Rathaus gehörenden Gebäude lud das Restaurant 'Zum Klosterkcller' zur Einkehr. Ein herrliches Portal führt in dieses ehemalige Abthaus. Im schmucken Haus rechts wohnte der Stadtschreiber. Ein schöner, dreiarmiger Kandelaber stand in der Mitte des Marktplatzes, in dessen Pflaster ein 'Eisernes Kreuz' eingelegt war. Das Foto entstand um 1920.

7. Heute ist Markttag im Städtchen! Wir sind vom Marktplatz die breite Treppe zum Durchgang hinaufgestiegen, der zum Kirchplatz führt. Dieser Schwibbogen wird das Brautloch genannt, weil die Brautpaare diesen Gang vom Rathaus zur Kirche benutzten. Nun wenden wir uns um und schauen zurück auf den Markt. Von den umliegenden Dörfern sind die Marktfrauen mit Handwagen und Tragkörben, den 'Kiepen', oft weite Strecken gelaufen, um Eier , Butter und Gemüse aus ihren Gärten feil zu halten. Auch rnit Pferdewagen bringt man Ware in die Stadt. Für den Erlös wird Notwendiges für Haus und Hof in den Geschäften eingekauft. Auf dem größeren Tafelwagen bietet eine Gärtnerei ihre Waren an. Die Hausfrauen schauen sich erst prüfend urn, ehe sie sich zum Kauf entschließen. An der gegenüberliegenden Apotheke fährt gerade der hochbeladene Paketpostwagen vorbei. Geruhsam erseneint uns heute das Leben in den zwanziger Jahren, aber es war für einen großen Teil der Bevölkerung hart und entbehrungsreich.

8. Das künstlerisch wertvollste Bauwerk Roßweins ist das Renaissance-Rundbogentor aus Sandstein, das glücklicherweise den großen Stadtbrand 1806 überstanden hat. Es bildet den Eingang zu dem rechts an das Rathaus angebauten Abthaus des Klosters Altzella. Das Portal. zu dem eine breite Treppe hinaufführt, ist eingefaßt von je einem Pilaster und je einer Kandelabersäule mit reichen Verzierungen. Den Fries über dem Rundbogen und die Zwickel schmücken Reliefornamente. Die verzierte Spitzverdachung über dem Gesims zeigt die Jahreszahl1537. Zwei kleine Engelsfiguren schauen vom Rundbogentor auf den Eintretenden herab. Vor der Auflösung des Klosters Altzella schenkte der letzte Abt, Andreas Schmiedewald, das Abthaus seinem Bruder, Anton Schmiedewald, der Bürgermeister in Roßwein war. Später erwarb es die Tuchmacher innung, die nun hier ihre Zusammenkünfte abhielt. Die linke Seite des Gebäudes beherbergte 1890-1920 das Restaurant 'Zum KlosterkeIler' . Heute ist in diesen Räumen das Heimatmuseum untergebracht.

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