Roßwein in alten Ansichten Band 1

Roßwein in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5389-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 1'

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9. Man schreibt den 28. Juni 1910. Aufregung und freudige Erwartung herrschen heute in Roßwein. Zum Empfang des Königs von Sachsen hat sich die Stadt geschmückt. Mit Bollerschüssen wurde seine Ankunft gemeldet. Er ist auf der Reise von Lommatzsch über Roßwein, Nassen nach Siebenlehn. Fahnen wehen am Rathaus, bebänderte Kränze hängen unter den Fenstern. Die Honoratioren sind angetreten, dazu der Schützenverein und gewiß auch die Veteranen des Krieges 1870/71. Viele Einwohner sind gekommen und drängen sich auf den Treppen und an den Fenstern, um einen Bliek auf den hohen Gast zu erhaschen. Die Begrüßung Seiner Majestät und der begleitenden Offiziere erfolgt durch Bürgermeister Ruder und seine Frau, oder ist es eine Ehrenjungfrau? Belustigt schauen wir heute auf das Auto, in dem der König reiste. Besonders gefallen uns das Ersatzrad auf dem Dach und die Laterne an der Seite des Wagens.

10. Das Weichbild unserer Stadt wird von der mächtigen Kirche 'Zu Unserer Lieben Frauen' beherrscht. War der Wiederaufbau nach dem Brand von 1420, der die Kirche völlig vernichtete , im gotischen Stil erfolgt, so baute man sie nach der Brandkatastrophe von 1806 im klassizistischen Stil auf. Ein Stück des Kirchturms, die Umfassungsmauern, die Sakristei und das Altargewölbe waren beim Brand stehengeblieben. Bei der Erneuerung 1897 erhielt das Hauptportal den schönen Vorbau aus Rochlitzer Porphyr, vom Steinmetzmeister Seidel hergestellt. Die Apostelfiguren Petrus und Paulus sind ein Geschenk vom Sächsischen Kunstfonds. Das Frittbild 'Christus auf den Wolken thronend' stiftete ein Freund der Kirche. Um das Gebäude wurden eine Fahrstraße aus 'bossiertem' Granit sowie gärtnerische Anlagen errichtet. Hier steht auch das Kriegerdenkmal fürdie 1870/71 gefallenen Soldaten.

11. Der Bliek in den Altarraum (Apsis) Ende der zwanziger Jahre zeigt den Spitzbogenstil, in dem vor dem Brand von 1806 ursprünglich die gesamte Kirche erbaut worden war. Das geräumige Kirchenschiff hatte an den beiden Längsseiten je drei Emporen, so daß das Gotteshaus Raum für 1800 bis 1900 Sitzplätze bot. Bei der Renovierung 1897 befreite man die Porphyrteile der Apsis von der Dekkenfarbe. Das Mittelfenster erhielt ein Glasgemälde 'Christi Geburt' von L. Otto, die drei anderen Apsisfenster bestehen aus Kathedralglas in Teppichmuster. Der Holzbildhauer Behr aus Leipzig schuf die neue Kanzel mit schönen Schnitzereien. Die vier Bilder der Evangelisten wurden von Professor Winterstein aus Leipzig gemalt. Den Chorraum verband man mit durchgehenden Stufen aus Porphyr mit dem Kirchenschiff, das neues Gestühl erhielt. Der bereits 1814 aufgestellte Altar trägt ein Gemälde von T. Georgi. Auf dem Bild sind zwei Frauengestalten, die 'Gesetz und Evangelium' verkörpern, darüber ist ein mit Sternenkranz versehener Engel abgebildet. An der Seite stehen zwei Statuen aus Gips, 'Glaube und Hoffnung' darstellend.

12. Nachdem die Überland-Güterbeförderung von der Eisenbahn übernommen worden war, blieb der Post nur noch die Aufgabe, Briefe und Pakete innerhalb der Stadt zu transportieren sowie ankommendes und abgehendes Postgut auf dem Bahnhof zu verladen. Hoch auf dem Kutschbock saß der 'Postillion' mit dem typischen Hut aus Glanzleder, wenn der gelbe Postwagen vollbeladen und darüber hinaus oft noch hochbepackt durch die Straßen der Stadt fuhr. Eine Zeitlang hatte Herr Franz Fuchs die Posthalterei im Hotel'Stadt Leipzig' inne, später übernahm die Spedition Friedrich Brinkmann dieses Amt. 1928löste ein Elektroauto das Pferdefuhrwerk ab. Vielleicht unternimmt es hier gerade seine letzte Fahrt.

13. Fast unglaublich erscheint uns heute, daß das stattliche Klinkergebäude des Kaiserlichen Postamtes in Roßwein in wenigen Monaten errichtet wurde. Im März 1891 begonnen, konnte es schon im Oktober desselben Jahres in Betrieb genommen werden. Durch den Haupteingang an der Döbelner Straße gelangt man über eine Treppe in den Schalterraum. Von der Poststraße her führt eine weitere Tür zu den Amtsräumen und in den ersten Stock zur Wohnung des Postdirektors, Über beiden Eingangstüren sind ornamentale Schmuckelemente angebracht. Der große Anbau entlang der Poststraße beherbergt im Parterre das Paketpostamt und irn oberen Stockwerk das Telegrafenamt. Zum Be- und Entladen fährt das gelbe Postauto (rnit Elektroantrieb), das wir gerade um die Ecke biegen sehen, durch die große Toreinfahrt in den Hof.

14. Um die Jahrhundertwende ist diese Gruppenaufnahme auf dem Roßweiner Bahnhof entstanden. In der Mitte unter dem Schild 'Roßwein' steht würdevoll mit Rauschebart und Stock der Bahnhofsvorstand, Herr Noah, umgeben von seinen Assistenten, Schaffnern, Weichenwärtern und weiterem Bahnhofspersonal. Im Hintergrund auf Bahnsteig 1 hält die Lokomotive der 'Sächsischen Gattung 2', die den Zug aus Chemnitz gebracht hat. Der Bahnhof wurde in dieser Form erbaut, als nach der Strecke Borsdorf (bei Leipzig) - Meißen die Strecke Hainichen-Roßwein 1874 fertiggestellt worden war. Im linken Gebäude befindet sich die Bahnhofsgaststätte, die viele Jahre im Besitz der Familie Eulitz war, und im rechten sind die Amtsräume der Station. Beide Häuser verbindet eine offene Halle, durch die die Reisenden von der Straße zu den Bahnsteigen gelangen. Durch eine Absperrung mußjeder Fahrgast am Kontrolleur vorbei, der die Fahrscheine mit einer Zange locht.

15. Auf diesem Bild sehen wir den Bahnhof im Jahre 1930. Für die Fahrgästc war eine Verbesserung eingetreten, denn die teilweise Überdachung des Bahnsteiges bot ihnen Schutz bei schlechtem Wetter. Auch die Sperre war in direkte Linie mit dem Bahnhofsgebäude zurückverlegt worden, so daß die Reisenden am 'Knipserhäuschen' vorbei mußten. Auf Bahnsteig 3 ist eine Lokomotive eingefahren. Für Interessierte: Es ist eine Lok der Königlich-Sächsischen Bahn der Gattung III b V, Bahnnummer 501518. Vor dem Befehlsschalter überwacht der Bahnhofsvorsteher , der 'Rotrnützige', das Geschehen. Die Bahnhofsschaffner fahren Expreßgut und Rciscgepäck heran, das in den zu erwartenden Zug geladen werden soll. Ein leerer Tafelwagen steht schon zum Entladen des Gepäckwagens bereit. Vorn links am Bildrand ist ein altes Läutewerk mit Holzverkleidung zu sehcn. darüber das lange Gebäude des Güterschuppens mit der Güterabfertigung.

16. Die kleinste Stadt in Deutschland mit einem Hallenbad ist Roßwein in Sachsen: Eine komplette Anlage mit Schwimmbassin, Reiningungsbàdern, Medizinischen Bädern und einer Wäscherei. Besonders interessant ist, daß ein solches Unternehmen in einer Stadt mit 9 000 Einwohnern, modern um- und ausgebaut, ohne [eden Zuschuß sich selbst erhält infolge geschickter [achmdnnischer Verwaltung, Dies konnte man in der 'Berliner Illustrierten' sowie in vielen deutschen Tageszeitungen und Sportzeitschriften lesen, als im Mai 1927 wieder einmal eine Werbewoche im Stadtbad durchgeführt wurde. Seit das Bad 1897 eröffnet worden war, hatten die Roßweiner und Besucher aus umliegenden Dörfern und Städten begeistert davon Besitz ergriffen. Ein Schwimrnverein wurde gegründet, Schulschwimmunterricht eingeführt. Täglich konnten sich alle Badebegeisterten tummeln, anfänglich natürlich männliche und weibliche zu verschiedenen Zeiten.

17. Ein Bliek in die Schwimmhalle des Stadtbades zeigt uns das 8x13 m große Bassin mit 2.20 m Wassertiefe. Rechts liegen in zwei Etagen übereinander die Umkleidekabinen. Die gesamte Einrichtung war 1924 und 1927 umgebaut und modernisiert worden. Die Bäder erweiterte man von 15 auf 24 Wannen. Kur-, Licht-, Schwitz- und Schaumbäder konnten verabreicht werden, dazu Höhensonne, Packungen und Massagen. Auf dem Dach des Gebäudes bot sich Gelegenheit für Luft- und Sonnenbäder. Die dem Stadtbad angegliederte Dampfwäscherei mit zwei Waschmaschinen stellte eine große Erleichterung für Haushalte und Gewerbebetriebe dar, zumal der Transport der Wäsche mit eigenem Kraftfahrzeug übernommen wurde. Der Abdampf aus Fabriken speiste die Niederdruckdampfmaschine und die Warmwasserheizung. Nachdem dann 1929 ein geräumiges Treppenhaus und eine moderne Kurabteilung eingerichtet worden waren, besaßen die Roßweiner ein Schmuckstück, das bis heute nichts an seiner Beliebtheit eingebüßt hat.

18. Bereits vor 1890 hatte der Schlosserrneister , Graveur und spätere Kammerrat F.O. Naupert den Vorschlag gemacht. 'zur Hebung der Industrie und Verbesserung der allgerneinen Interessen' eine Schlosserfachschule zu errichten. Auf dem im Juni 1893 in Weimar stattgefundenen Deutschen Schlossertag der Schlosserinnungen trugen F.O. Naupert und Bürgerrneister Rüder den Plan vor und warben für Roßwein als Standort. Nach hartem Kampf gegen eine starke Gegnerschaft bekam Roßwein den Zuschlag. Die Deutsche Schlosserschule war ein Unternehmen des Verbandes Deutscher Schlosserinnungen und wurde finanziell vom Staat unterstützt. Am 16. April 1894 wurde die Schule mit einern Festakt im Rathaussaal von Burgermeister Rüder feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Zweck und Lehrziel war, Schlossergesellen zu Meistern auszubilden und ihnen das Wissen zu vermitteln, selbständig auch größere Schlosserwerkstätten leiten zu können. Für die Einwohner der Stadt bedeutete die Gründung der Fachsehule auch einen Ausgleich für den Verlust der Ulanengarnison.

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