Roßwein in alten Ansichten Band 1

Roßwein in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5389-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 1'

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19. Schon bald nach der Gründung der Deutschen Schlosserschule 1894 konstituierten sich zwei Burschenschaften: die Technische Vereinigung (T.V.) 'Allernania' und die T.V. 'Ferrum'. Durch sie wurde das gesellige Leben der Studenten stark geprägt. Sie halfen sich in Studienfragen, organisierten Exkursionen, hielten ihre 'Kneipensitzungen' ab und veranstalteten Vergnügen, Bälle und Kränzchen mit den Schönen der Stadt. Die neuen Studenten wurden 'Füchse' genannt. Ihr Fuchsrnajor, der einen Fuchsschwanz an der Mütze trug, betreute sie. In ihrem Stammlokal. dem Hotel 'Zur Post' in der Döbelner Straße , trafen sich die Allemanen im Vereinszimmer zur 'Fuchsentaufe '. Mit einem kräftigen Schuß Bier aus dem Trinkhorn über den Kopf des Kandidaten erhielt dieser die Taufe und seinen 'Biernamen' (Spitznamen). Damit wurde er Mitglied der Vereinigung.

20. Das Sommersemester 1930 der T.V. 'Allemania' hat im Anschluß an eine Festlichkeit einen Ausmarsch zum Hartenberg gemacht. Vor dem Gedenkstein des Fürsten Bismarck haben sich die Studenten aufgestellt. Alle tragen stolz ihre Couleurs (Mützen) in den Vereinsfarben rot-silber-schwarz. In der vorderen Reihe stehen der Fuchsmajor mit dem Fuchsschwanz an der Mütze und die 'Chargierten' (genannt Präsiden) in ihren schmucken 'Pekeschen' (Uniformjacken) mit den Schärpen in den Farben der T.V. 'Allernania' über der Brust, die Hände auf die 'Schläger' (Degen) gestützt, und mit dem Banner, auf dem das Wappen schön zu sehen ist. Traditionsgemäß kehrte man mit einem flotten Studentenlied auf den Lippen in die Stadt zurück.

21. Eine echte 'Studentenbude ' zeigt sich uns auf diesem Foto. Die Schlosserschüler waren alle privat untergebracht, ein Internat gab es damals noch nicht. Zu ihren 'Schlurnrnerrnüttern' hatten die Studenten meist ein herzliches Verhältnis, sozusagen Familienanschluß. Die Wandbehänge tragen den sinnigen Spruch: 'Schaue vorwärts, nicht zurück - Neuer Mut ist Lebensglück. ' Das Zimmer ist mit den 'Bierschildern' (Wappen) der Kommilitonen geschmückt. Die Biernamen darauf sind vielseitig und teilweise recht originell: Schmiss, Nulpe , Latsch, Tasso, Knolle , Achilles, Brurnrn , Schluck, Kater, Neptun, Bacchus, Zwiebel, Niet, Latte, Molch und Spund zeigen, daß es an Phantasie nicht mangelte.

22. Im Zentrum unserer Stadt wurde am 20. Februar 1880 das Hotel 'Zur Post' eröffnet. Herr Rudolf Prager hatte das Grundstück gekauft und das ehemalige Wohnhaus, dessen Eingang ursprünglich in der Mitte lag, zu einem Hotelbetrieb umgebaut. Wie auch die Nachbarhäuser in der Döbelner Straße besaß es 'Heisten' (erhöhter Vorplatz vor dem Haus). Schräg gegenüber lag damals das Postamt (jetzt Sparkasse), deshalb nannte er sein Hotel 'Zur Post'. Den guten Ruf des Hauses konnte auch sein Sohn Rudolf junior ab 1894 stets bewahren. Am Anfang waren es die Ulanen der Roßweiner Garnison, die gern hier einkehrten, später wurde die Gaststätte zur Stammkneipe der T.V. 'Allernania' erkoren. Ihr Wappen ist an der Frontseite des Hotels zu sehen. Im Nachbarhaus (mit Markise) war das Geschäft von Bruno Hancke, Buchbinderei, Fotohandlung und Handel mit Schreibwaren, Schul- und Zeichenartikeln, besonders für die Schlosserschulc. Vor dem Hotel wendet sich gerade Herr Fritz Hey, Mitinhaber der Roßweiner Glasmanufaktur, dem Fotografen zu.

23. Ein stattliches Gebäude ist das 1893 auf der Gartenstraße erbaute Roßweiner Krankenhaus. Zuvor waren die Kranken in der Gerbergasse in einer ehemaligen Lohgerberei untergebracht, die aber nur neun Personen aufnehmen konnte. Das neue, moderne Haus dagegen bot 29 Patienten Platz. Doch im Jahre 1927 mußte es wieder stillgelegt werden, weil es unrentabel geworden war. Die Ortskrankenkassen unseres Bezirkes hatten sich im ehemaligen Garnisonslazarett in Leisnig selbst ein großes, modernes Krankenhaus eingerichtet, wohin sie ihre Patienten einwiesen. Die Stadt beschloß, das Gebaude für 20 000 Mark in ein Kinderheim umzubauen, da die 75 Jahre alte Kinderbewahranstalt im Schuldurchgang unzulänglich geworden war. So ergab sich die gluckliche Lösung, daß das schöne Gebäude mit seinen hohen, hellen Zimmern und dem großen Gartengelände für die Kinder genutzt werden konnte. Zeitweise waren 200 Kinder im Kindergarten und in Hortgruppen untergebracht.

24. Auf der Höhe in Richtung Haßlau hatten die Roßweiner ihren Schießplatz. Der Volksmund nannte ihn die 'Vogelstange", weil man auf den Vogel an der Stange schoß. Im Jahre 1677 brach die Anlage aber zusammen, auch mußte ein Teil des Platzes dem Bau der Straße nach Haßlau weichen. Man fand einen neuen Platz am MuIdenplan bei der Furt und baute ein kleines Haus für die Schützen. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit das Schützenhaus mit Restauration einschließlich Gartenetablissement mit Musikhalle und Veranda. Auf dem Bild sehen wir Gäste beim Frühschoppen: am rechten Tisch steht der Wirt, Herr Eugen Nitzsche, am mittleren Tisch stärken sich Hermann Hanisch und sein Bruder Arno mit zwei weiteren Mitgliedern ihrer Kapelle, bevor sie im Musikpavillon aufspielen. 1919 übernahm die Familie Hugo Walther das Schützenhaus und führte es über viele Jahrzehnte bestens. Das Foto entstand etwa 1905.

25. Eine Persönlichkeit in Roßwein war der Korsettfabrikant Karl Spranger, der in der Dresdener Straße 7 ein Handelsgeschäft rnit Korsetts und Damenputzartikeln führte. Die Miederwaren wurden in eigener Fabrikation hergestellt. Viele Jahre wirkte Kar! Spranger im 'Roßweiner Privilegierten Schützenverein'. 1923124 war er als Kar! Il. Schützenkönig. Diese Würde konnte er 1932/33 noch einmal erringen. Das Foto zeigt ihn in der Schützenuniform, wie sie seit dem 10. Mai 1906 galt: grünes Jägerkleid und grüner Hut mit Federstutz. Er trägt die goldene Königskette und hält den Degen in der Hand. Durch die Satzung von 1906 verschwanden sowohl die hohen Bärenmützen als auch der Tschako mit weißem Federstutz, aber auch militärisches Exerzieren, Schwenkungen und Gewehrgriffeübungen gab es seither nicht mehr, allein auf das Schießen wurde das Hauptgewicht gelegt.

26. In der Saison 1928/29 war Fleischermeister Lau zum Schützenkönig Karl lIL ausgerufen worden. Er hat seine Minister ernannt: links Herr Ulbrich, rechts Herr Walter Börner und ganz rechts Herr Jochmann. Bis zum Beginn der neuen Saison wird 'Majestät' regieren. Der 'Zapfenstreich' eröffnet sonnabends das Schützenfest. Mit klingendem Spiel marschiert die Gilde durch die Stadt. Sonntags 6 Uhr erfolgt der 'Weckruf' durch die Kapelle und durch Böllerschüsse. Später ziehen die Schützen mit Musik zum Haus des amtierenden Königs und bringen ihm ein Ständchen. Alle Vereine der Stadt machen dem König ihre Aufwartung. Das 'Königsfrühstück ' wird gereicht. Gegen Mittag geleitet die Schützengilde den König zum Stellplatz. Dort beginnt der größe Festumzug, an dem viele Vereine teilnehmen. Die Menschen drängen sich an den Straßenrändern, denn das Schützenfest ist ein großes Volksfest. Der Festzug endet am Festplatz, wo sich Einwohner und Gäste bei allerlei Karussells und Buden vergnügen können.

27. Zum Schützenfest werden montags und dienstags der König und die Königin ausgeschossen, denn auch die Damen haben ihren Wettbcwerb. Gegen abend erfolgt die öffentliche Proklamation des neuen Königs, das Feuerwerk krönt den Festtag. Auf dem Bild hat sich die Schützengilde zum Gruppenbild aufgestellt. Der neue König ist ermittelt, die Königsscheibe wird in der Mitte hochgehalten. Kleine Pflöcke aus Holz mit den Namen der Schutzen steeken in den Schußlöchern. Ein Teil der Mitglieder trägt bereits die ab 1906 eingeführte schmucke Schützenuniform: grüner Jägerrock aus feinstem Tuch und Hut mit Federstutz. Am nächsten Tag ist die Königshuldigung. Der Königseinzug mit dem großen Königsball beschließt das Fest.

28. Fast mutet es noch wie ein Kinderspiel an, wenn die Buben mit Trommel und 'Schießgewehr' im Schulhof exerzieren. Oberlehrer Ernst Tippmann und Buchdruckermeister Georg Liebe hatten 1903 eine Exerzierschule ins Leben gerufen, um die Jungen vormilitärisch auszubilden. Außer den Marschübungen auf dem Platz vor der Turnhalle hatten die Knaben auch Schießen auf Scheiben zu absolvieren, wobei sie Herr Liebe vom 'Privilegierten Roßweiner Schützenverein' fachkundig unterwies. Zur Ausbildung gehörte außerdem der theoretische Unterricht sowie die Pflege und Reinigung der Gewehre. Noch ahnte wohl zu Beginn des 20. Jahrhunderts keiner der 'strarnmen' Jungen, daß es einige Jahre später für sie bitterer Ernst werden sollte.

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