Roßwein in alten Ansichten Band 1

Roßwein in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5389-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 1'

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49. Da es zur damaligen Zeit kaum Baumaschinen gab, wurden beim Schleusenbau 1926 in der Dresdener Straße die Schachtarbeiten mit Schaufel, Kreuzhacke und Schubkarre ausgeführt, eine schwere körperliche Arbeit. Der Transport des Baumaterials erfolgte noch mit Pferdefuhrwerken. Die neue Schleuse ist 1xl,40 m, aus Beton gefertigt, liegt 2,50-3 m tief und hat einen Durchlaß von 3 Kubikmetern pro Sekunde. Sie mündet nunmehr unterhalb der Brücke in die Mulde , so daß das Wasser jetzt mit der Strömung ablaufen kann. Im Hintergrund sehen wir die Brauerei mit ihrem Schornstein.

50. Ein idyllisches Bild bot der Werder bis 1920 mit dem Mühlgraben, über den sechs oder sieben im Bogen gemauerte Brücken führten. Nicht ganz ungefährlich war das Wasser allerdings für die Kinder. Die kleinen Häuser sind zum Teil mit Weinstöcken bewachsen, so das Haus Nr. 5 vom Tuchmacher Ringel und Nr. 3, wo der allseits beliebte und geachtete Leiter des Städtischen Bauhofes Willy Koch wohnte. Das große Gebäude rechts am Ende des Weges beherbergt die Strickwarenfabrik Nestler. Gegenüber ist die Schuhfabrik (vormals Herlt), daneben die Färberei der Gebrüder Burkhardt später Pilz. Im Hintergrund sehen wir die Muldenbrücke, durch deren Bogen der Mühlgraben fließt, um nach etwa 100 m wieder in die Mulde zu münden.

51. Durch das Zuschütten des Mühlgrabens auf dem Werder im Jahre 1920/21 verschwand ein Stück Romantik in Roßwein. Aber die hygienischen Bedingungen für die Anwohner verbesserten sich, denn allerhand Unrat war doch oft im Graben gelandet. Trotzdem hatte es die Kinder immer wieder dahin gezogen, vor allem sonntags, wenn der Müller den Schützen herunterließ, wateten sie im Graben herum, um nach 'Brauchbarern' Ausschau zu halten. Das konnten kleine Metallteile sein, die zum Schrotthändler gebracht wurden, oder auch mal ein kleiner Fisch, den man fing. Wurde dann der Schützen wieder gezogen und die Flutwelle schoß herein, sauste jeder, so schnell er konnte, zu einer der kleinen Treppen, 'Scheppe' genannt (evtl. von scheppen = schöpfen), um herauszukommen. In dem dreistöckigen Haus rechts befand sich die Gaststätte 'Garküche'.

52. Ein Sommerparadies für die Kinder vom Brückenplatz, auch Brückenplan genannt, bot vor der lahrhundertwende die Mulde. Etwa 15 Schuljungen hatten sich zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammengeschlossen. Sie bildeten die Gruppe der 'Planer'. lede freie Minute verbrachten sie am oder im Wasser, bei Niedrigwasser auf den weit in den Fluß ragenden Landzungen. Schwimmen lernte ein jeder in der Mulde , denn keiner wollte ein 'Strandkriecher' sein. Die 'Planer' statte ten sich mit Fahnen und selbstgebauten HoJzschwertern und -schilden aus. Einen Höhepunkt bildete für sie der Sedanfeiertag, der jährlich begangen wurde zum Gedenken an den deutschen Sieg über die Franzosen in der Schlacht bei Sedan am 2. September 1871. Dazu hatten die Jungen unterhalb der Brücke aus Steinen und Rasenstücken eine Insel gebaut, die sie mit Fahnen und Transparenten schmückten und abends mit Kerzen illuminierten. Auch Buntfeuer brannten sie ab und begeisterten damit eine große Zuschauermenge, die von der Brücke aus das Schauspiel beobachtete.

53. Wir sehen auf dem Bild den Platz 'Am Stollen' in den zwanziger Jahren. Hier und den Berg hinauf am Burggraben standen die kleinen Häuschen der Bergarbeiter. Oberhalb befand sich auch der Eingang zum Kayser-Heynrich-Stollen, in dem Kupferkies abgebaut wurde. Das aus dieser Grube abgeleitete Wasser war von ausgezeichneter Qualität und konnte aus dem Röhrkastenbrunnen entnommen werden. Auch als es in den Häusern bereits Wasserleitungen gab, holte man noch dieses köstliche Wasser, wie hier der Bäckergehilfe. Neben der Bäckerei Paul Franke betrieb Josef Hahnheiser eine Fleischerei, gegenüber Albert Patzschke einen Kolonialwarenladen. Zwischen den beiden letztgenannten Häusern steigt der Weg zur Wunderburg steil hinan. Bei Patzschkes Haus beginnt die Wehrstraße, die in Richtung Gleisberg führt. Rechts fließt der noch offene Mühlgraben. Von den beiden Jungen trägt einer einen Emaillekrug, der andere will gewiß zum Rodeln mit seiner 'Käsehitsche ', wie die eisernen Schlitten hier genannt wurden.

54. Bereits um 1400 bestanden in Roßwein zwei Malz- und zwei Brauhäuser. Hier durften brauberechtigte Bürger ihr Bier gegen eine Gebühr selbst brauen. Zunächst war das Gebräu für den Eigenbedarf gedacht. Es wurde aus den Bottichen in steinerne Bierkrüge gefüllt und in den eigenen, meist sehr tief liegenden Kellern aufbewahrt. Um 1700 gab es 229 Braulizenzen in der Stadt, der Bedarf war ständig steigend. Schließlich fand man sich Anfang des 18. Jahrhunderts zu einer Braugenossenschaft in der Querstraße 42/44 zusammen, wo man gemeinsam braute und so die Herstellungskosten senkte. Nachdem die Genossenschaft 1854 auf dem zur Wettinhöhe ansteigenden Gelände eine neue Brauerei errichtet hatte , nutzte die Stadt die Braugrundstükke in der Querstraße für ihre Kommunarbeiter. Wagen und Gerätschaften, so auch die Karren der Straßenkehrer , wurden hier untergestellt. Auch die städtische Wasserwirtschaft hatte dort ihre Werkstatt eingerichtet.

55. Die im Jahre 1854 unterhalb der Wettinhöhe errichtete Brauerei 'Zurn Felsenkeller' GmbH hatte ihre eigene Wasserleitung. Von einer Quelle in der Nähe des Etzdorfer Gasthofes wurde das Wasser in Holzröhren durch die Wiesen und die Talsenke am Kellnerhof in die Brauerei geführt. War der Bedarf an Wasser gedeckt, floß es in den Brauereiteich ab. Unter Mitwirkung von sachkundigen Gersdorfer Bergleuten hatte man die Kelleranlagen tief in den Felsen eingesprengt. In den Jahren 1890-1910 entsprach der Betrieb allen Anforderungen, die man an eine moderne Brauerei stellte. Großen Zuspruch erhielten deshalb auch ihre Produkte, ob 'Bayrisch Bier' nach Münchener oder Kulmbacher Art, 'Böhmisch' nach Pilsener Art, Lagerbier oder 'Einfach. Der Erste Weltkrieg und die Inflation brachten die Brauerei vollständig zum Erliegen. 1922 wurde zum letztenmal gebraut. Das Foto, entstanden um 1905. zeigt den regen Licferbetrieb. Mit den verschiedenartigsten Gefährten wurden die Fässer abgeholt.

56. Wenn der Brauereiteich im Winter zugefroren war, erfreuten sich die Roßweiner beim Schlittschuhlaufen. Dieser Sport war in den zwanziger Jahren weit stärker als das Skilaufen verbreitet und für groß und klein ein echtes Wintervergnügen. Man staunt heute, wie viele Damen und Herren in Mantel und Hut neben den Kindern auf der Eisbahn zu finden sind. Den Teich hatte Herr Willy Fuchs gepachtet und pflegte ihn mit großem persönlichen Einsatz. Am Sonntagnachmittag spielte die Stadtkapelle auf, an anderen Tagen tummelte man sich nach Walzermusik aus dem Lautsprecher, abends bei Beleuchtung. Aus der kleinen Holzbude, im linken Bilddrittel sichtbar, verabreichte Frau Fuchs heiße Getränke.

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57. Großen Aufschwung erhielt das Schlittschuhlaufen in Roßwein durch Herrn Willy Fuchs. Er war im Ersten Weltkrieg als junger Mann in Amerika interniert worden, wo er sich als Vertreterder Fuchs'schen Schuhfabrik aufgehalten hatte. Als er nach Kriegsende zurückkam. waren er und seine Frau perfekte Eiskunstläufer geworden. Willy Fuchs popularisierte diesen Sport in Roßwein. Unter seinem Training erreichten sogar einige Madehen Titel bei Sachsenrneisterschaften. Im Winter 1927 erganisierte er ein großes Eisfest. Angeführt von der Stadtkapelle , zogen die Aktiven vom Marktplatz zum Brauereiteich, wo Wettläufc, Hindernisläufe , Kunstlaufvorträge und Eishockeyspiele vor einer großen Zuschauerkulisse startfanden. Den Höhepunkt bildeten Schaulaufvorführungen von Herrn Fuchs und seiner Frau sowie anderen geladenen Kunstläufern aus Dresden.

58. Der Winter 1928/29 legte den Einwohnern mit wochenlang anhaltendem Frost und Tiefsttemperaturen unter -30 Grad harte Entbehrungen auf. Der Frost war l.50 m tief in die Erde eingedrungen, wodurch sogar die Wasserleitungen zu den Häusern einfroren. Wochenlang kam kein Tropfen aus den Wasserhähnen. Mit Kannen und Eimern standen die Leute bei grimmiger Kälte an den öffentlichen Zapfstellen, um sich das kostbare Naß zu holen. Glücklicherweise liefen die Wasser aus dem ehemaligen Bergwerksstollen weiter. Als es milder wurde, benutzte man erstmals eine 'elektrische Auftaumaschine ' , eine großartige Neuerung, mit der Elektromeister Alfred Kirst in einer halben Stunde zirka 75 m Wasserrohr enteisen konnte. Trotzdem traten im Frühjahr viele Wasser- und Gasrohrbrüche auf, die eine große finanzielle Belastung für das Stadtsäckel bedeuteten und den Wasserzins von 20 auf 35 Pfennige pro Kubikmeter erhöhten.

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