Roßwein in alten Ansichten Band 1

Roßwein in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5389-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 1'

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59. Stolz steht der junge Fotograf Willy Hanisch an der Tür des Glashaus-Ateliers in der Gartenstraße. Er hat es bald nach der Gründung seines Geschäftes 1912 bauen können, aber schon einige Jahre später zerstörten Frost und herabstürzende Schneemassen den Bau. Ein massives, größeres und gleichzeitig moderneres Atelier entstand unter großen finanziellen Opfern. Durch Fleiß und unermüdliche Weiterbildung konnte er seinen Betrieb stetig ausbauen sowie dessen fachliches Niveau erhöhen, so daß er bald ein gefragter Fachmann in Roßwein und Umgebung wurde. Neben Portr ätfotografie, Industrieaufnahmen für Werbung und Kataloge, Gruppenaufnahmen zu Festlichkeiten, Landschaftsaufnahmen, Ansichtskarten und anderem führte er Amateurarbeiten aus. Auch als Fachhändler hatte er einen guten Ruf. Das Fotogeschäft übernahm 1945 Sohn Günther Hanisch, der es 1986 wiederum seinem Sohn Jörg übergab.

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60. Das Neueste vom Tage erfuhren die Bürger seit dem 1. Juli 1882aus dem 'Roßweiner Tageblatt, das in der Firma J .H. Pflugbeil in der Dresdener Straße verlegt und gedruckt wurde. Nach dem Tod J.H. Pflugbeils leitete sein Schwiegersohn, Richard Schmidt, die Firma weiter und später dessen Schwiegersohn, Heinrich Zydek, der sie zu beachtlicher Leistungsfähigkeit brachte. Eine Monatsschrift des 'Roßweiner Tageblatts' mit dem Titel 'Unsere Heimat erschien ebenfalls in diesem Verlag. Unter Schriftleitung der beiden Herren Oberlehrer HilIer und Löbel wurden 'zur Pflege der Heimatliebe', wie es im Untertitel hieß , lehrreiche und interessante Artikel über Naturkunde, Geschichte und Kultur der Heimat sowie Gedichte und Geschichten zur Unterhaltung dargeboten.

61. In der Mittelstraße 15 besteht seit 1885 die Buchdruckerei Georg Liebe. Sie war gleichzeitig Verlag des 'Roßweiner Anzeigers, der mit einer Wochenendbeilage , dem 'Sonntagserzähler. erschien. Der Tafelwagen der Speditionsfirma Max Börner hält vor dem Betriebseingang und hat zwei Kisten sowie eine große Menge Pakete mit Druckerzeugnissen geladen. Der Geschirrführer wird diese zum Bahnhof bringen, um sie als Expreß- oder Frachtgut aufzugeben. Links steht der Buchhalter Max Ulbricht, der mit einem Arbeiter eine schwere Kiste zum Wagen getragen hat und sie noch richtig verstauen wird. Jetzt ist die Buchdruckwerkstätte bereits seit drei Generationen in der Hand der Familie Liebe.

62. 'Das Luftschiffkommt!' Diese Nachricht ging wie ein Lauffeuer durch unsere Stadt. Am Sonntag, dem 18. August 1912, hatte sich frühzeitig eine größe Menschenmenge auf die Beine gemacht und die Anhöhen um Roßwein bevölkert. Es herrschte ein prächtiges, klares 'Luftfahrt-Wetter". Das Luftschiff 'Viktoria Luise ' war 6.10 Uhr in Gotha gestartet. Auf seiner Fahrt mit etwa 65 km/h über Erfurt-Weimar-Rochlitz-Waldheim-Wilsdruff nach Dresden überflog es 8.32 Uhr Roßwein. Ein Passagier schilderte den Bliek aus der Gondel des Luftschiffes: 'Man glaubt, auf blumige Wiesen hinunterzuschauen, die sich aber als von wimmelnden Menschlein dicht besetzt herausstellen.' Dieses bedeutende Ereignis hat Fotograf Willy Hanisch mit seiner Plattenkamera (mit Zeiss- 'Iessar-Objektiv) festgehalten und die Postkarten zum Preis von 15 Pfennigen in seinem kürzlich eröffneten Geschäft angeboten.

63. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg landeten Militärmaschinen auf der Etzdorf-Gersdorfer Flur. Für die Jugend Roßweins war dies natürlich eine Attraktion ersten Ranges. Mit Fahrrädern fuhr man zu der über dem Hartenberg liegenden Schafwiese und bestaunte die 'Rumplerraube", die auf dem Foto zu sehen ist. Ein großcr Flugtag wurde im März 1927 auf der Schafwiese abgehalten, zu dem sich 9-10 Tausend Zuschauer versammelten. Drei Flugzeuge boten Vorführungen mil Loopings und Rollings. Den Höhepunkt der Veranstaltung abcr bildete der Absprung aus 650 m Höhe des Fallschirmpiloten Martin Unger aus Leipzig.

64. Eine sehr beliebte Ausflugsgaststätte war das 1879 erbaute Restaurant 'Zum Talbad'. Es lag vor den Toren der Stadt an der Mulde, wo der Fluß durch ein Wehr breit angestaut wurde. Im Winter hielt man die zugefrorene Mulde schneefrei und bot den Gästen bis nahe an die Eisenbahnbrücke hin eine Eisbahn, die fleißig zum Schlittschuhlaufen genutzt wurde. Die Wirtin. Frau Güldner, errichtete 1888 eine Badeanstalt, die aber 1896 von einem wohl einmaligen Unglück zerstört wurde: An einem heißen, wolkenlosen Sommertag schoß urplötzlich eine gelbbraune Flut heran, die rasend schnell anstieg. Die heranbrausenden Wassermassen hoben die Tonnen, auf denen die Badeanstalt ruhte, mit Wucht in die Höhe und ließen die Bauteile mit furchtbarem Krachen zusammenbrechen. Die Trümmer trieben polternd dem Wehr zu, Die Badenden konnten sich nur mit Mühe ans Ufer retten. Einem Mädchen gelang dies nicht, es ertrank. Im waldreichen Gebiet am Oberlauf der Mulde war ein heftiger Wolkenbruch niedergegangen, und man hatte versäumt, eine Vorwarnung talwärts zu geben.

65. Nach der Vernichtung der Badeanstalt durch die Flutkatastrophe richtete man einen Bootsverleih ein. Auf dem so idyllischen Wehrteich der Mulde konnten sich die Roßweiner bei einer 'Gondelpartie' vergnügen, wie dies auf dem Bild zu sehen ist. Die Straße führt links, von Roßwein kommend, vor dem Restaurant 'Zum Talbad' vorbei nach Gleisberg. Über den Gebäuden der Gaststätte liegen die Felder der Kadorfer Wirtschaften, überragt vom Krellerberg. Seinen Namen erhielt er nach dem Besitzer des Seifersdorfer Großgutes. Hinter den Häusern des Talbades fuhren die 'Hundert Stufen', auch 'Hirnmelsleiter ' genannt, den Berg hinauf. Auf halber Höhe des Krellerberges verläuft der Fußweg zum Wolfstal, der uns schöne Blicke ins MuIdental gewahrt und eine Wegverkürzung ins Wolfstalgebiet ist.

66. Wir schauen in die Werkstatt des letzten Roßweiner Tuchmachers, der noch auf dem Handwebstuhl webte. Es war der Tuchmachermeister und Kriegsveteran von 1870/71 Theodor Böhme. Seine Frau unterstützte ihn fleißig bei der Arbeit. Sie bereitete Wolle zu Garn, das in die Weberschiffchen eingelegt wurde. Am 29. August 1928 konnte das Ehepaar die Goldene Hochzeit feiern. Dabei ist bernerkenswert. daß die Jubelbraut ihren Ehrentag im gleichen Kleid beging (mit geringen Änderungen), das sie fünfzig Jahre zuvor zu ihrer Grünen Hochzeit trug. Böhmes wohnten am Kreuzplatz Nr. 18. Der Meister starb im Dezember 1928. Mit ihm ging ein Handwerk zu ende, das fast 600 Jahre lang in unserer Stadt die bedeutendste Rolle gespielt hatte. Die bereits 1376 gegründete Tuchmacherinnung war die älteste Innung im Ort gewesen. Aus dem Handwerk entwiekelten sich leistungsstarke Industriebetriebe.

67. Ein eigenartiges, aber sehr malerisches Gebäude stand auf der Gerbergasse zwischen Mulde und Mühlgraben. Es war die alte Leimsiederei, die in den zwanziger Jahren wegen Baufälligkeit abgebrochen werden mußte. Es heißt , mit dem Strick sei si~ umgezogen worden. Einst gewann hier der Leimsieder eine aus der Brühe des Leimieders gesottene und zu Gallert gcronncne Masse, die in Tafeln gegossen wurde. Diese trocknete er im Sommer in luftiger Höhe auf seinem Schindeldach. Das Dach wies in mehreren Etagen übereinander breite Öffnungen auf, die durch Laden verschlossen werden konnten. Aus diesen Spalten wurden im Sommer mit Leimtafeln belegte Horden weit hinausgeschoben. Wenn sie in der Sommerwärme trockneten, entstand sehr zum Ärger der Nachbarschaft ein übler Geruch. Leim war aber unentbehrlich für die Tuchmacherei zur Versteifung des Kettfadens, und viele Roßweiner Einwohner lebten ja damals vom Tuchmachergewerbe. Mit dem Niedergang dieses Handwerks hörte auch das Leimsieden fast gänzlich auf.

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68. In der Nossener Straße 28 betrieb Hans Beyer ein Kolonialwarengeschäft. Im Laden gab es einfach alles, was im Haushalt gebraucht wurde: Lebensrnittel, Gewürze , Obst und Gemüse , Putzmittel, Schuhcreme und Waschpulver, dazu eine reiche Auswahl an Fisch. Ein Ausleger am Haus weist den Kunden besonders darauf hin. Als Fleischermeister schlachtete Hans Beyer selbst und bot der Kundschaft stets frische Wurst- und Fleischwaren an. Urn die Weihnachtszeit waren besonders Karpfen und Gänse sehr gefragt. Saisonbcdingt führten Beyers ein großes Angebot an Wildbret, das von privaten Jagdpächtcrn oder Jagdgesellschaften gebracht wurde. Auf dem Foto sind die Hasen und Rehe beeindruckend an der Fassade zum Abhängen aufgereiht. Hans Beyer hat sich gewichtig in der Ladentüre postiert. In der Haustür steht sein Schwager Alfred Elsner, der ihrn sehr zur Hand ging.

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