Roßwein in alten Ansichten Band 2

Roßwein in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5975-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 2'

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VORWORT

Die gute Beurteilung, die unser Buch 'Roßwein in alten Ansichten' (1992) von vielen Seiten erfuhr, ermutigte uns, der Aufforderung nach Erarbeitung eines zweiten Bandes in dieser Bücherreihe nachzukommen. Wir haben versucht, weitere Themen aufzugreifen, auch ehemalige Industriebetriebe zu zeigen, die heute nicht mehr existent sind und doch einst blühende Unternehmen waren. Mehrfach wurde von Roßweiner Lesern unser Buch als Chronik bezeichnet. Dies hat uns gefreut, und wir versuchen, den 'chronikartigen Charakter' beizubehalten. Deshalb stimmten wir uns mit dem Verlag ab, den zu schildernden Zeitraum über 1930 hinaus zu erweitern und auch prägnante Ereignisse aus späteren Jahren zu bringen. Wir bemühten uns, diese historischen Aufnahmen neutral zu beurteilen.

Erneut mußten wir feststellen, daß es immer schwieriger wird, Zeitzeugen vergangener Jahrzehnte zu finden. Bei einigen Fotos war es uns bei unseren Reeherehen gelungen, viele Details zu ermitteln; der begrenzte Textraum bedingte aber starke Kürzungen. Wir hoffen. dem heimatverbundenen Leser dennoch so manches Interessante nahezubringen.

Es war eine umfangreiche Arbeit, die uns wieder neue Einblicke in vergangene Zeiten brachte und damit auch viel Freude bereitete.

An dieser Stelle möchten wir allen danken, die uns durch Erzählen ihrer Erinnerungen behilflich waren, Vergangenes zu beschreiben. Ebenso danken wir Frau Petra Klemm für ihr Lektorat.

Bei dem von uns geschätzten Heimatfreund Hans Lauenstein lasen wir zwei Aphorismen, die uns gefielen: Heimatkunde ist die Summe menschlicher Erfahrung und kostlichster Erinnerungen, tiefgriindiger Forsehungen in langen Lebensjahren, die eine Brücke vom Gestern zum Heute schlägt. Und ... Heimatforschung liegt nicht zu Tage, nach ihr muß man suchen und schiirfen, gleien einem edlen Erz; welches nach der Aufbereitung immer edler wird.

In diesem Sinne wünschen wir unseren Lesern unterhaltsame Stunden mit dem zweiten Band 'Roßwein in alten Ansichten'.

Günther und Roswitha Hanisch

Zum Titelbild:

Das Bild auf dem Einband zeigt unseren Roßweiner Marktplatz um 1935. Es ist Wochenmarkt; wir schauen auf das emsige Treiben. Die Händler sind mit kleinen Lieferautos oder Pferdefuhrwerken zum Markt gekommen und haben ihre Stände aufgebaut. Die Gärtner Schürer, Matthiaschka, Kirschbaum, Leunert und Hermann Richter, aber auch Grünwaren-Müller, Paul Wehrmann und Grünwaren-Uhlemann bieten frisches Gernüse, Obst und Blumen an. Vor der Treppe zum KlosterkeIler steht der Planwagen eines Bauern aus Wolkau bei Nesse, in dem er Hühner und anderes Geflügel mitgebracht hat. In der Mitte des Platzes, auf dem gepflasterten 'Eisernen Kreuz' verkauft Fleichermeister Horn aus Gleisberg in seinem Kiosk Schlachterzeignisse. Auch Bauersfrauen aus den umliegenden Dörfern haben sich mit Handwagen oder der guten, alten 'Marktfrauenkutsche", einem ausgedienten Kinderwagen mit hohen Rädern, auf den Weg in die Stadt gemacht. um Eier, Butter. Gemüse und anderes aus ihren Hausgärtchen feilzuhalten. Sogar das Farhrrad muß

als Transportmittel dienen. Eine Frau aus Gleisberg hat es mit sieben Taschen voller Waren beladen. Daneben finden wir den Stand von Frau Wolf aus dem Burggraben, die allerlei Krimskrams, Kaffeesiebe , Kartoffelschäler bis hin zu kleinen Puppen verkaufen möchte. Vor der Wäscherei Hausmann und dem ehemaligen Stadtschreiberhaus ist der Stammplatz des 'Leipzigers'. Sein Angebot umfaßt vor allem Südfrüchte zu billigen Preisen. Bananen, deren Schalen bereits etwas schwarz sind, die sogenannte Negerzchen, finden ihre Käufer, und die Schulkinder nehmen gern die billigen Apfelsinen zum Stückpreis von 5 Pfennig für die Pause mit.

Beim Betrachten des Bildes sehen wir, daß die Polizeiwache rechts neben dem 'Brautloch' noch einen eigenen Eingang hat, der später durch Umbau wegfiel. Das schöne Renaissance-Portal des alten Abthauses kommt durch das dunkle Laub des wilden Weines an der Hauswand besonders gut zur Geltung.

1. Ein Juwel der Schmiedekunst ziert den großen Sitzungssaal des Roßweiner Rathauses. Es legt Zeugnis ab vom künstlerischen und kreativen Schaffen der Studenten und Lehrerschaft der 'Deutschen Fachschule für das Schlosserhandwerk' . Sie schufen in der schweren Zeit des Ersten Weltkrieges den 7,5 Zentner schweren, kunstvoll geschmiedeten Kronleuchter und übergaben dieses wertvolle Geschenk den Roßweiner Stadtvätern. Welche bewegte, aber auch festliche Ereignisse hat der Kronleuchter in den vergangenen Jahrzehnten gesehen: hitzige Debatten der verschiedenen politischen Parteien, historische Festveranstaltungen und köstliche Konzerte. Möge er auch in Zukunft unserem Stadtparlament bei schwierigen Entscheidungen erleuchtend helfen.

2. Friedrich Oswald Naupert, Schlossermeister, Königlicher Kammerrat und Ehrenbürger der Stadt Roßwein, wurde als Sohn eines Schmiedemeisters in Siebenlehn geboren. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er in Nossen das Schlosserhandwerk und erweiterte in einigen Wanderjahren seine Kenntnisse in größeren Werkstätten. 1862 kam Naupert nach Roßwein und arbeitete beim Schlossermeister Uhl (später Hoffarth) als Geselle.1865 machte er sich selbständig. Sein urnfassendes Wissen und sein Organisationstalent wurden bald überall geschätzt. Selbst nach dem Bankkrach von 1878, der viele um ihre Existenz brachte, behielt er einen klaren Kopf. Naupert organisierte 1879 eine Gewerbeausstellung, um zu zeigen, daß das Roßweiner Handwerk und Gewerbe durchaus leistungsfähig sind. Sein großes Verdienst war, daß er zusammen mit Bürgermeister Rüder auf dem Deutschen Schlossertag den Standort Roßwein für die 1894 zu gründende Schlosserschule durchsetzte. FO. Naupert erkannte, daß in der Zeit der Industrialisierung serienmäßige Fertigungen auch eine Chance für Handwerker und kleine Gewerbebetriebe brachten. Er spezialisierte sich auf Stanzen und Schnitte für Metall, Leder und Papier. Auch durch die Herstellung von Prägcartikcln, z.B. Medaillen und Gedenkrnünzen, zog er etliche Graveure nach Roßwein. Die 'Drei-Kaiser-Gedenkrnünze' und die anläßlich des Besuches des sächsischen Königs Albert in Roßwein geprägte Münze waren Kabinettstücke feinster Sternpelschneiderei, Am 9. August 1914 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Roßwein ernannt. Seine Anregung, ein Heimatmuseum zu errichten, konnte erst nach dem Ersten Weltkrieg realisiert werden. Die Eröffnung erfolgte zum Schuifest 1925. F.a. Naupert verlegte seinen Wohnsitz 1922 in die USA, wo er am 9. Oktober 1926 in Milwaukee starb.

3. Der Töpfermeister Emil Bretschneider in seiner Werkstatt in der Lommatzscher Straße war der letzte seiner Zunft, der Töpfe nur mit der Hand drehte. Als er 1931 aufhörte, war das Geschlecht der Bretschneider 175 Jahre als Töpfer in Roßwein tätig gewesen. Danach gab es nur noch den Töpferrneister Gustav Günthel in der Schützenstraße, der einst selbst dieses Handwerk beim Meister Emil Bretschneider erlernt hatte. Allerdings hatte G. Günthel seinen Betrieb mit Maschinen und Motoren ausgerüstet. Auch seine Firma konnte 1937 auf ein lOOjähriges Bestehen (in der dritten Generation) zurückblikken. Die Töpfer durften sich früher nur außerhalb der Stadtmauern niederlassen, da die große Hitze der Brennöfen leicht zu Bränden führen konnte. In Roßwein hingen die Töpfer ehedem Zunftschilder aus, die den Meister in Herndsärmeln, mit blauer Schürze und Zipfelmütze zeigten. Dies war ihre Arbeitstracht. Sie stellten Koch-, Milch- und Einlcgetöpfc, Schüsseln, Pfannen, Ofenkacheln und vieles andere her. Mit ihren Waren besuchten die Töpfer die Jahrmärkte. Ein besonderes Vorrecht genossen die Roßweiner Meister in Döbeln, wo sie jede Woche ihre Waren verkaufen durften. Sie hatten in den Pestjahren 1611-1613 die Döbelner Bürger mit Ware versorgt, als dort alle Töpfer der Seuche erlegen waren. Auf dem Bild sehen wir Meister Bretschneider an seiner Töpferscheibe. Im Regal hinter ihm sind Schablonen für die verschiedensten Formen. Mitte Januar 1942 starb Meister Bretschneider im Alter von 83 Jahren.

4. Die am 7. August 1376 gegründete Tuchmacherinnung war die älteste Innung unserer Stadt. Jahrhundertelang verdienten fast 50% der Einwohner Roßweins ihren Lebensunterhalt im Tuchmacherhandwerk. Die Blütezeit der Tuchherstellung lag um 1850. Damals gehörten der Tuchmacherinnung 368 Meister. 196 Gesellen (wie irn Bergbau Knappen genannt) und 49 Lehrlinge an. Bei der fortschreitenden Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts hatten die handwerklich schaffenden Weber keine Überlebenschancen gegen die mit Maschinen ausgerüsteten Fabrikunternehrnen. So bildete die 'Iuchmacherinnung eine industriellarbeitende Produktionsgerneinschaft mit Dampf- und Wasserbetneb. Erzielte Überschüsse wurden zur Erweiterung der Anlagen und Anschaffung neuer Maschinen verwendet. 19421öste man nach 566 Jahren die Tuchmacherinnung auf. Die drei verbliebenen Inhaber gründeten die Firma M.e. Krondorf, Metzler & Co. Auf dem Foto (Ende der zwanzigcr Jahre) sitzen in der ersten Reihe die Inhaber, von links: alto Krondorf, Wilhelm Krondorf (langjähriger Obermeister) und alto Metzler. Dahinter stehen die 1942 bereits ausgeschiedenen Mitglieder, von links:

Emil Pilz, Franz Mitzscherlich, Albert Frohberg, Clemens Vogel, Emi! Böhme und Emi! Töpelmann.

5. Als Mitte des vorigen Jahrhunderts das Tuchrnacherhandwerk immer mehr zurückging, hielten andere Gewerbe in Roßwein Einzug, darunter die Zigarrentabrikation, die vielen Menschen wieder Arbeit gab. Wurde bei der Gewerbezählung im Jahre 1849 noch kein einziger Zigarrenmacher ermittelt, so gab es 1875 bereits zehn Unternehmen mit insgesamt 475 Beschäftigten. Zunächst stellte man die Zigarren größtenteils in Heimarbeit her. Das Foto, das aus den zwanziger Jahren stamrnt, bietet uns einen Bliek in die Wohnküche des Zigarrenmachers Karl Emil Wcgerdt, Am Gottesacker 6. Mit seiner Frau arbeitete er viele Stunden am Tag, um in mühsamer Handarbeit rnit großer Fingerfertigkeit möglichst viele Zigarren herzustellen. Beim Abrippen und Sortieren der Tabakblätter mußtenauch die Kinder oft mithelfen. Die fertig gerollten Zigarren wurden in geformten Holzkästen gepreßt, wie wir auf dem Bild sehen. Später verlagerte sich die Fertigung der Zigarren immer mehr in die Räume der Zigarrenfabriken, z.B. die von Traugott Wegert in der BahnhofstraßelEcke Goldbornstraße.

6. Unser Roßweiner Heimatdichter Friedrich Wilhelm Kauliseh, der Schöpfer des schönen Gedichtes 'Wenn Du noch eine Mutter hast..,", wurde am 15. April1827 als 15. Kind des Seifensieders Friedrich Adolf Kaulisch in dessen dritter Ehe geboren. Der Vater starb, als unser Dichter 13 Jahre war. Von den sieben Kindern seiner Mutter blieb er als einziges am Leben. Darum umgab sie ihn mit besonderer Liebe und Fürsorge. Ihr verdankte er, daß er den Weg zum Lehrerseminar nach Freiberg beschreiten konnte, das er rnit guten Zeugnissen verließ. Ihr Herzenswunsch hatte sich erfüllt, wenn auch die Jahre der Ausbildung der Mutter große Opfer abverlangten. 1846-1857 übte Wilhelm Kaulisch das Lehramt in Seifersdorf bei Roßwein aus. In dieser Zeit entstand u.a, sein schönes Muttergedicht, das auch heute noch als Lied bekannt ist. Geschichten, Novellen, Heimat-, Natur- und vaterländische Gedichte sind in Vergessenheit geraten, nicht aber sein innig empfundenes Gedicht über die Mutterliebe. Die Wilhelrn-Kaulisch-Straße und eine Gedenktafel. vom Gewerbeverein 1895 an seinem Geburtshaus Döbelner Straße/Ecke Mitteistraße angebracht, erinnern auch heute noch an Roßweins Heimatdichter.

7. Das Muttergrab. Des Dichters Mutter, Charlotte Christiane Kaulisch, starb am 19. November 1860. Über viel Jahrzehnte existierte ihre Grabstätte auf dem Roßweiner Friedhof. Heimatfreunde wie Oberlehrer Ernst Alexander Tippmann, und zuletzt auch der Heimatforseher Hans Lauenstein setzten sich für die Erhaltung ein. Leider ist das Grab 1974 eingeebnet worden und der Stein verschwunden. Nur das Gedicht ihres dankbaren Sohnes lebt weiter fort. Es umfaßt sieben Verse, von denen hier der erste wiedergegeben wird.

Wenn du noch eine M utter hast, So danke GaU und sei zufrieden; Nicht allen auf dem Erdenrund Ist dieses hohe Glück beschieden.

Wenn du noch eine Mutter hast, So sollst du sie mit Liebe pfiegen, Daß sie dereinst ihr mûdes Haupt In Frieden kann zur Ruhe legen.

8. Ein Wahrzeichen und eine Zierde Roßweins war die weithin sichtbare Berggaststätte 'Wettinhöhe mit ihren schönen Renaissancetürmchen. Leider wurden um 1980 bei der letzten größeren Reparatur alle architektonischen Zierclemente entfernt. Hermann Fichtner, der Eigentümer der Gaststätte 'Pönitzhöhe (so hieß die 'Wettinhöhe ' vorher), reichte 1896 die Zeichnungen für einen grandiosen Umbau ein. An dem schönen 'Wettinschlößchen' konnte er sich aber nicht lange erfreuen. Bereits 1898 wird als neue Eigentümerin Frau Springsklee genannt. Von nun an wechselten die Besitzer fast jedes Jahr, bis 1920 mit dem Geschäftsbücherfabrikanten Friedrich Reitz aus Leipzig ein energischer und ideenreicher Mann die 'Wettinhöhe" kaufte. Nun hatte Roßwein auf einem der schönsten Aussichtspunkte, mit einem umfassenden Bliek auf unsere liebe Heimatstadt, wieder eine gepflegte Gast· stätte. Friedrich Reitz machte aus dem Restaurant ein Schmuckstück. Das Roßweiner Tageblatt schilderte es wie folgt: 'Ein heimatliches und ein chinesisches Zimrner, fein und apart autgemacht, laden zum Verweilen ein. Es sind Kabinettstückchen für sich. Auch das Vereinszimmer ist für die Benutzung durch Vereine und Gescllschaften wieder freigegeben.'

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