Roßwein in alten Ansichten Band 3

Roßwein in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6248-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 3'

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Vorwort

Nun liegt der 3. Band 'Roßwein in alten Ansichten' vor Ihnen, lieber Leser und Heimatfreund. Schon während des Zusammenstellens dieses Buches war die Nachfrage nach seinem Erscheinen sehr groß. Die Vorarbeiten, wie Sammeln und Sichten der Fotoauswahl und dasVerfassen derTexte nach eingehenden Recherchen, waren sehr zeitaufwendig und mühevoll, so daß wir fast ein ganzes Iahr fûr die Erarbeitung benötigten.

Wir bemühten uns, historische Begebenheiten zu schildern, aber auch die Entwicklung von Industriebetrieben, Institutionen und Organisationen durch Bilderfalgen darzustellen. Die Wiedergabe von Tagesereignissen versuchten wir möglichst objektiv zu beschreiben. Allerdings sind in Überlieferungen, sowohl durch persönliche Berichte, als auch aus historischen Quellen Fehler trotz sorgfältigster Prüfung nicht völlig auszuschließen.

Die Überlieferung der fotografischen Zeitdokumente wäre ohne das jahrzehntelange Schaffen meines Vaters, Willy Haniseh, und mir nicht möglich gewesen. Die Beschlagnahme von Negativen während der SED-Zeit hinterließ leider Lücken im Dokumentationsmaterial.

Wir denken, daß viele Leser Selbsterlebtes irn Buch wiederfinden und bei ihnen Erinnerungen geweckt werden. Für Hinweise und Schilderungen danken wir und sind auch weiterhin fûr

jede Art von Dokumenten in Wort oder Bild sehr aufgeschlossen. Wenn unsere Generation nicht die historischen Ereignisse unserer Heimat beschreibt und festhält, geht vieles für kommende Zeiten verloren.

Gefällt Ihnen dieses Buch, so ist dies für uns die Gewißheit, daß unsere Arbeit gelungen ist.

Günther und Roswitha Hanisch

Zum Titelbild:

Diesmal zeigt das Titelbild unsere Heimatstadt im Winter. Im herrlichen Pulverschnee sind wir den Weg am Rande des Hartenbergwaldes entlang bis zu der dieken Linde gestapft, deren Fuß von einer kleinen Bank umbaut ist, Kinder mit Rodelschlitten und Skiläufer waren bereits unterwegs, wie uns die Spuren zeigen. Es ist ein wunderschöner, klarerTag im [ahre 1942; sonnenüberflutet liegt uns Roßwein zu Füßen. Links im Bild sehen wir die ehemalige Gutmachersche Fabrik ('UIlter den Linden'), dahinter Fa. Julius Nestler (Dresdener Straße), rechts oberhalb ragt das große Schulgebäude in der Grafestraße empor. Darüber erstreeken sich 'An der Laute' und die SchrebergartenstraBe, im Volksmund die 'Avus' genannt. Weiß leuchtet am Horizont das Garlichgut vom Ullrichsberg. Die Mitte des Stadtbildes beherrschen die Türme von Rathaus und Kirche, Über diesen erkennen wir die langgestreckte Schrebergartenanlage, rechts davon dasWohnviertel Karl-Marx-, Ernst-Thälmann- und August-Bebel-Straße. Hinter dem Stamm der Linde lugen am Horizont die Gebäude der 'Goldenen Hóhe' hervor. Leider können wir diesen schönen Blick auf unsere Heimatstadt vom 'Panorarnaweg' aus heute nicht mehr genießen. Auf der Wiese im Vordergrund entstanden Gärten, deren hoch und breit gewachsene Obstbäume uns die Sicht verdecken. Erhaschen wir doch einen Durchblick, sehen wir, daß die Wiesen und Äcker

vom Weinberg bis zur 'Goldenen Höhe' mit großen Wohnblökken und Eigenheimen bebaut sind. Unser Städtchen ist in den letzten Jahrzehnten nach Norden aus dem MuIdental hinaufgewachsen und wird sich auch weiterhin ausbreiten.

1 Wir stehen um 1 935 auf dem Weinberg und blicken auf unsere Heimatstadt. Das Haferfeld wogt im Wind, während der Roggen bereits gehauen und zu Puppen aufgestellt ist. Durch das Bild schlängelt sich von links der UntereTroischauweg (heute die Karl-Marx-Straße). Er zweigt van der Haßlauer Straße (der früheren Kalkstraße ) ab, die einsrmals in einer tiefen Schlucht verlief Im Iahre 1825 erfolgte der Bau der heutigen Chaussee, die östlich neben der alten Straße angelegt wurde. Auf der verfüllten Schlucht entstand später dieAnlage des Nordplatzes. Auch der Untere Troischauweg verlief vom Abzweig zunächst in einern tiefen Hohlweg, der oft durch Auswaschungen und irn Winter durch Verwehungen unpassierbar war, Die Fuhrwerke benutzten deshalb den Oberen Troischauweg am Hohen Rain, heute noch ein schmaler Fußweg. Nördlich

davon stand im 17, [ahrhundert ein Galgen, deshalb nannte man dieses Flurstück das 'Gericht', das Gelände zwischen den beiden Troischauwegen hieß die 'Scheibe'. Der einstige Besitzer des Troischaugutes Nicol van Heinitz fuhr bei Verwehungen des Hohlweges einfach über die

Felder der Roßweiner, statt den Oberen Weg zu benutzen, deshalb karn es 1573 zu heftigen Streitigkeiten mit der Stadt.

2 Seit etwa ] 670 war Roßwein Garnisonsstadt. Mit der' Artholerey zu Feldt' begann es. ] 789 wurde sie von Kürassieren abgelöst, und I 8] 7 hielten Kavallcrieverbande Einzug. Kasernen gab es nicht, die Unterbringung erfolgte in Bürgerquartieren. Hauswirte sorgten durch Bau von Stallungen für die Unterkunft der Pferde, zeitweise bis zu dreihundert Tiere. Die Stadt stellte in der Schützenstraße und 'Hinter den Scheunen' Gebäude für die Vorratslagerung zur VerfüglUlg und richtete das alte Brauhaus als Militärlazarett ein. Die Reitbalm befand sich auf dem Gelände hinter der Troischauer Pappenfabrik. Dieses wurde aber zu klein, als man beim Bau der Eisenbahnlinie 1868 das Muldenbett verlegte. (Fischers Teich ist der Rest des alten Muldenbogens.) Die Stadt erhielt die Auflage, eine neue Reitbahn zu schaffen und ein Reithans zu errichten. Letzteres

wurde für 6 ] 40 Taler am Scheunenplatz gebaut. Heute befindet sich in dem Gebäude die Wäscherei. Als Reitbahn konnte das Areal zwischen der Tuchmacherinnung und dem 'Weißen Brûckcheri' genutzt werden. Die bürgernahe Unterbringung brachte ein familiäres Verhältnis der Roßweiner zu ihren Soldaten. Viele heirateten Roßweiner Mädchen und wurden nach der Dienstzeit hier seßhaft.

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3 Der Markt diente den Soldaten zum Fußdienst. Im Rathaus befand sich die Wache mit zwei Arrestzellen. Auf der Heiste, die sich damals am Rathans entlangzog, stehen drei Ulanen vor dem Eingang zum Wachlokal. Einen schönen Brauch erfahren wir vom Heimatchronisten Carl Edlieh: 'Leichenbegängnisse' aus der Unterstadt nahmen ihren Weg über den Markt zur Kirchstraße und zum Gottesacker. Sobald der Wachposten den Leichenzug bemerkte, rief er mit lauter Stimme: 'Ins Gewehr!' worauf die gesamte Wachmannschaft säbelrasselnd und sporenklirrend Aufstellung nahm. Der Wachunteroffizier kommandiette: 'Achtung: Säbel raus, präsentiert" Stramm salutierend standen die Ulanen, bis der Letzte des Trauergefolges dem Auge entschwand. Auch die Offiziere wurden durch die Wache so begrüßt. Als die Bestimmung für

das Reiehsheer die Zusammenziehung der Regimenter anordnete, wurden die beiden Roßweiner Ulanenschwadronen nach Geitham verlegt. Am 30. März 1882 nahmen sie ein letztes Mal auf dem Markt Aufstellung. Bürgermeister Herrmann und Rittmeister von Einsiedel

hielten Abschiedsreden. Dann zogen sie unter klingendem Spiel 'zum Städtele hinaus', gefolgt von den wehmütigen Blieken der Einwohner.

4 Alle Eingaben undVorstellungen beim Ministerium, wieder Soldaten nach Roßwein zu legen, waren ohne Erfolg geblieben. Selbst das Angebot der Stadt, den Platz zum Bau einer Kaserne unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, wenn ein ganzes Regiment nach Roßwein gelegt würde, konnte daran nichts ändern. Erst als Bürgermeister Rüder, der am 1. Mai 1887 sein Alm antrat, ein erneutes Gesuch ans Kriegsministerium richtete, wurden der Stadt am 1. April 1889 drei Batterien eines Feldartillerieregiments zugeteilt. Großer Jubel herrschte aufRoßweins Straßen. Kinder winkten mit bunten Schulfestfähnchcn, und auch die Erwachsenen begrüßten freudig die einziehenden Soldaten unter Major Loßnitzer. Allerdings hatte die Stadt auch wieder bedeutende Ausgaben zu bewältigen. Das Reithans mußte erneuert und ein Geschützschuppen gebaut wer-

den. 16 Offiziere, 337 Mannschaften und 189 Pferde bildeten die neue Garnison. Auf dem Foto ist die 6. Batterie unter Hauptmann Zezschwitz vor dem Geschützschuppen aufgenommen.

5 Trotz aller Bemühungen konnte aber nicht verhindert werden, daß die gesamte Feldartillerieabteilung bereits drei Iahre später nach Riesa verlegt wurde. Damit haue RoBwein nach über zweihundert [ahren seine Garnison endgültig verloren. Fûr die Stadt war dies ein herber wirtschaftlicher Verlust; man schätzte den Wirtschaftsumsatz durch die Offiziere und Mannschafien auf 90 000 Mark jährlich. Die Aussichtslosigkeit der Bewerbung für eine neuerliche Belegung veranlaBte Bürgermeister Rüder und Stadtrat EO. Naupert, sich für

den Standort RoBwein bei der zu errichtenden Schlosserfachschule einzusetzen, was erfreulicherweise auch erfolgreich war. Die Verabschiedung der letzten Soldaten aus unserer Stadt am 1. April 1892 wurde auf dem Foto festgehalten. Noch einrnal haben sich RoB und Reiter auf dem Marktplatz versammelt. Der Bûr-

germeister und die Honoratioren stehen auf den Stufen vor dem Klosterkellertor. Die MilitärkapelIe wird zum Abmarsch aufspielen.

6 Die in Roßwein 'hangengebliebenen' Soldaten hatten eine Vereinigung ehemaliger Ulanen gegründet. Im Ianuar 19] 0 faßten sie den Entschluß, einen Regimentstag zu feiern. Bürgermeister Rüder, die Stadtverordneten und viele Persönlichkeiten sagten spontan ihre Unterstützung zu. Anmeldungen ehemaliger Ulanen aus ganz Deutschland bezeugten das große Interesse, das die 'Alten Kameraden' diesem Fest entgegenbrachten. Die Bürger folgten dem Aufruf, ihre Häuser zu schmücken und die allseits bekannte Gastfreundschaft zu gewähren. So beging man vom I!. bis 13. Juni 1910 dieses schöne Fest. Samstagabend war Festkommers mit der Oschatzer Ulanenkapelle und den Roßweiner Gesangvereinen 'Arlon' und 'Liederkranz'.Am Sonntag vormittag erfolgte im Gedenken an die gefallenen Kameraden eine Kranzniederlegung

und Schmückung des Kriegerehrenmals. Gegen 14 Uhr begann der Festzug mit der Ulanenkapelle, mit Militärvereinen und Abordmmgen RoBweiner und auswärtiger Vereine. Die Säle des 'Herkules' und des 'Schützenhauses' luden am Abend zu groBen öffentlichen Festbällen ein.

Die 1. Eskadron des KöniglichSächsischen Ulanenregiments Nr. 21 hat sich zur Erinnerung an ihre Dienstzeit fotografieren lassen.

7 Mitte der zwanziger Iahre wieder Soldaten in Roßwein? Vielleicht doch eine neue Belegung? Leider nicht! Die letzte Artillerieabteilung war vor der Iahrhundertwende abgezogen. Die Kreisstadt Döbeln besaß eine bedeutende Garnison. Dafür konrite Roßwein aber ein Hallenbad aufweisen, was dem großen Nachbarn abging. So war es üblich, daß außer dem schwimrnlustigen Publikum der Kreisstadt auch die Soldaten das Roßweiner Stadtbad besuchten. Für die Truppe stand ein 10 km langer Übungsmarsch in feldmarschmäßiger Ausrüstung mit Gewehr, Patronengürtel und Stahlhelm nach Roßwein auf dem Dienstplan, im Stadtbad war dann Schwimmen angesagt. Zurück nach Döbeln fuhr man allerdings bequem mit der Eisenbahn.

8 Schon früher mußten viele Frauen und Mütter in Fabriken und Handwerksbetrieben arbeiten, um zum Lebensunterhalt für ihre Familien mit oft großer Kinderschar beizusteuern. Dadurch war die Beaufsichtigung der Kleinen häufig nicht gewährleistet. So bedeutete es eine segensreiche Errungenschaft, als 1852 in der Schützenstraße eine Kleinkinderbewahranstalt aufgemacht wurde, zunächst mil sieben Kindern. Schon zwei Iahre später betreute man täglich bis zu fünfzig Buben und Mädchen. Die Stadt sorgte für den Unterhalt, der Christliche Frauenverein für die Betreuung. 1870 konnte der Kindergarten, in dem nun die Kinder nach Fröbelschen Lehren beschäftigt und unterwiesen wurden, in ein neues Haus mil Garten einziehen. Das Grundstück im Schuldurchgang gehörte zur Grafschen Stiftung. Daneben gab es in den achtziger und

neunziger Iahren noch einen privaten Kindergarten unter Leitung von Frau Schmidt, der im Haus Döbelner Straße 17 sein Domizil hatte. Die Kindergruppe mil Frau Schmidt in der Mitte ist urn 1900 fotografiert worden. Eine Hintergrundkulisse läßt die Kinder mil ihren Spielgeräten im Garten sit-

zend erscheinen. Sie sehen alle sauber und gepflegt aus, wahrscheinlich stammen sie aus 'besseren Háusern".

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