Roßwein in alten Ansichten Band 3

Roßwein in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6248-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 3'

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9 Eine Kleinstadtidylle um 1897 ist auf diesem Gruppenbild festgehalten. Im Garten der Babnhofsgaststätte van Familie Eulitz findet am Sonntag ein zünftiger Frühschoppen statt. Der Bahnhof und seine Gaststatte waren Zentrum der Begegnungen geworden. Ein alter Roßweiner schilderte Folgendes: 'Es hat Iahre gegeben, in denen der Babnhof Roßwein nicht nur Verkehrsziel von Eisenbahnreisenden, sondern auch Ziel von Unterhaltungssuchenden war. Wer sonntags oder abends nichts Rechtes vorhatte, schlenderte zum Bahnhof und beäugte die Abfahrenden und Ankommenden. Die Sitte des "Bahnhof-Gehens" hatte manchen Reisenden lächeln oder schimpfen lassen über solches Kleinstädtertum. Schon 1930

war diese "Guckerei" aber vorbei. Ja, die Zeiten ändern sich, und wir uns mit ihnen.' Die Personen der vergnügten Tischrunde

sind noch bekannr: von links Oskar Kluge (Eisengießerei Gersdorfer Straße), die Wirtsleute Alma undArno Eulitz, ein Kellner, Achsenfabrikant Kadner, der Sohn Kar! Eulitz, daliinter der Ober Bretschneider (späterer Direktor vom 'Bellevue' Dresden), Richard Iohrisch, Ed. Froh-

berg, Gerichtsassessor Wieland sowie Johanna Eulitz, die spatere Frau von Oskar Bauch.

10 Um die Iahrhundertwende wurde die Roßweiner Uferstraße verbreitert, und ein Bürgersteig entlang derTeppichfabrik angelegt. Noch stehen einige Bäume mitten auf der Straße, während am neuen Straßenrand berelts junge Linden angepflanzt worden sind. Der hohe Zaun links im Bild begrenzt den Ralnnengarten, in dem die Garne getrocknet wurden. Vor den Fabrikgebäuden steht die Villa von Traugott Bauch. Am Ende der Straße erkennen wir die Bögen der neuerbanten Müh1brücke, deren Vorgängerin dem Hochwasser von 1897 zum Opfer gefallen war. Etwas weiter rechts sind die hellen Gebäude der 'Humbsch' - Mühle, der spateren Stadtmühle, zu sehen. Zwischen Bäumen schaut das Dach eines kleinen Häuses, dem sogenannten Schlößchen, hervor. Die flachen Gebäude am Ufer sind die bescheidenen Anfänge der Roßweiner Metallwa-

renfabrik Carl Bauch, dem späteren Armaturenwerk. Der helle Giebel am rechten Bildrand gehört dem Haus von Lehrer Löhn, der älteren Roßweinern noch gut in Erinnerung sein wird.

11 Ein wichtiger Absclmitt in

der Geschichte der Firma Traugott Bauch, Teppich- und Sealskinfabrik in Roßwein, beginnt im Iahre 1917 mit dem Erwerb des ersten Dampfkessels. Er ist in die Kohlenstraße transportiert worden und soll im Betrieb aufgestellt werden, was bei der Enge zwischen den Gebäuden kein leichtes Unterfangen ist. Oskar Bauch, Mitinhaber der Firma, hat den Kessel eingehend inspiziert und sich danach in die Öffnung gesetzt.

12 Das Idyll einer glücklichen Kindheit in der Familie von Oskar Bauch zeigt uns dieses Foto aus dem Iahre 1918. Die Villa Oskar Bauchs auf der Gersdorfer Straße am Fuß des Hartenberges ist umgeben von einem großen Garten, der mitTurnreck und Schaukel so recht zum Austoben der Kinder geeignet war. Großen Trubel gab es stets bei Kindergeburtstagen , die mit Topfschlagen, Vogelschießen und fröhlicher Kaffeetafel gefeiert wurden. An einem warmen Sommertag spielen die drei Mädchen im Hof Auf der Treppenleiter sitzt luise, davor steht [ohanna, die Älteste, und die kleine Ruth will das Kutschpferd Caesar mit einem Fliederstrauß füttern.

13 Eine Straßenszene aus dem [ahre 192 7. Zigeuner sind in der Stadt. Mit ihren zwei Bären ziehen sie durch die Straßen Roßweins. Der Zigeuner und sein SOWl haben Tambourins, nach deren Takt sie die zottigen Gesellen tanzen lassen. Über die Kunststückchen, wie Purzelbäume, Handstand usw., die die Bären vorführen, staunen die Kinder, denn so etwas bekommt man ja nur selten geboten. Wolfgang Schulze (zweiter von links) ist es wohl nicht ganz geheuer dabei. Das kleine Äffchen auf der Schulter des Bärenführers gehört ebenfalls zu der 'Menagerie'. Mit ihren Darbietungen verdienen die Zigeuner den Lebensunterhalt für sich und ihre Tiere. Der Bub hat einen Sack umgehangen, in dem er Brotstücke und anderes sammelt, was die Zuschauer derTruppe spendieren. So ziehen sie durch die Straßen und von Stadt zu Stadt.

14 Im großen Sitzungssaal des Roßweiner Rarhauses kann man ein beeindruckendes Ölgemälde bewundern. Es zeigt einen pflügenden Bauern, der mit kräftigen Pferden auf den Feldern des Weinberges seine Furchen zieht. Auf dem Foto aus dem Iahre 1920 steht der Kunstmaler Albin Tippmann am Feldrand neben der Staffelei und arbeitet an dem oben erwàhnten Gemälde. Er gestaliet noch den Hintergrund, das Panorama unserer Stadt. Der Standort ist etwa das obere Ende der späteren Schrebergartenanlage.

Albin Tippmann wurde an1 S. Dezember 1871 in Wurzen geboren. Nach seinem Studium an einer Kunstgewerbeschule und der Münchener Künstlerakademie bei den Professoren Raupp, A. Jank und H. von Zügel wurde er in München seßhaft. Er widmete sich besonders derTiermalerei und historischen Themen. Seine

Zeichnungen von der Revolution und den Kämpfen 1918/19 in München sind sämtlich im Besitz des Münchener Stadtmuseums. Als Illustrator wirkte er für die Zeitschriften 'Daheirn', 'Gartenlaube' und 'Über Land und Meer'. Durch seinen in Roßwein lebenden Bruder, den Oberlehrer

Ernst Alexander Tippmann, blieb er unserer Stadt verbunden.

15 Eine verdienstvolle Persönlichkeit unserer Stadt war der Oberlehrer Ernst Alexander Tippmann, der als junger Mann von 21 Jahren am 18. April 1887 seine Laufbahn als Lehrer in Roßwein begann. 44 [ahre lang unterrichtete er Knabenklassen an beiden Bürgerschulen. Er war äußerst beliebt, denn er verstand es, die Jungen im Unterricht zu begeistern. Längst erwachsen, verehrten sie ihn noch, als er bereits wieder ihre Kinder ausbildete. Außer dieser Lehrtätigkeit unterrichtete er an der Kapitulantenschule der Roßweiner Artilleriegarnison, an der Baugewerkeschule, der Schlosserschule, der Fortbildungs- und der Kaufmännischen Fachschule. Als unermüdlicher Heimatforscher schrieb er zahlreiche, gern gele sene Beiträge für den 'Sonntagserzáhler', jedoch sind nur wenige seiner Aufzeichnungen erhalten. An der Organisation der Roßwei-

ner Schulfeste war Tippmann maßgeblich beteiligt. Ein bleibendes Denkmal hat er sich in der Schulfestgeschichte mit der Schaffung des "TippmannschenKnaben- Trornmlerkorps' gesetzt, das erfreulicherweise wieder im traditionellen Schulfestumzug zu sehen ist.

16 Am 21. Oktober 1909 trafen sich in der Gaststätte 'Zum Klosterkeller' Veteranen der Kriege 1864, 1866 und 1870/71 zur Gründung einerVereinigung unter Vorsitz von Theodor Böhme, dem letzten Handwebermeister in Roßwein. 25 Mann erklärten sofort ihren Beitritt. Die Vereinsabende bereiteten den alten Her-

ren große Freude, denn dort konnten sie Erinnerungen auffrischen. Im Laufe der Jahre schmolz das 'Pähnlein der Aufrechten': 1928 lebten noch elf Veteranen, 1931 nur noch sechs. Ihre Vereinigung ging in den Roßweiner Militärverein über. Auf dem Gruppenbild von 1931 sehen wir dessen Mitglie-

der mit Vereinsführer Otto T öpelmann. In der ersten Reihe sind als Ehrengäste die letzten Veteranen plaziert. Ganz rechts sitzt AlexanderTippmann, der sich seit 192 2 mit großer Fürsorge der alten Herren angenommen und ihnen schöne Stunden bereitet hatte. OberIehrerTippmann war glühender Patriot und erhielt

als begehrter Festredner zu offiziellen Anlässen dankbare Anerkennung für seine mitreißenden Reden. Am 8.Januar 1934wurde er auf dem Friedhof zu Roßwein unter Anteilnahme einer großen Trauergemeinde mit vielen Ehrungen beigesetzt.

17 Der 'Sächsische Mihtärverein Roßwein' hatte zu seinen Zusammenkünfien oft Persönlichkeiten eingeladen, die interessante Vorträge hielten. So begrüßte der Vors tand am 2. April 1 930 den General a.D, von Lettow- Vorbeck, im Ersten Weltkrieg legendärer und unbesiegter Kommandeur der deutschen Truppen Ostafrikas. Herzlich wurde er auch von der Familie Hey empfangen. Auf dem Gruppenbild sehen wir, von rechts:

Vorstand Herrn OttoTöpelmann, Herrn Frohberg aus Böhrigen, Herrn Herben Franke, Frau Gertrud Hey, Herrn General von Lettow-Vorbeck, Herrn Georg Liebe, Herrn Dr. Karl Hey und Herrn Fritz Hey. Davor stehen dieTöchter Irmhild und Rosemarie, die den weitgereisten Besuch mit einem Gedicht erfreuten. Der Militärverein hatte auch andere Verpflichtungen. Zu offiziellen Festlichkeiten trat er in geschlos-

sener Formation mit seiner Fahne auf, so in Festurnzügen, bei Kranzniederlegungen an Gedenktagen oder am Volksrraucrtag mit der Teilnahme am Gottesdienst in der Roßweiner Kirche St. Marien.

]8 Drei Iahre nach Ende des Ersten Weltkrieges errichteten viele Gemeinden Mahnmale zum Gedenken an die Opfer. Auch Niederstriegis ehrte seine Gefallenen, wie wir auf dem Foto vom 24. Juli ]92] sehen. Es ist Sonntag, vorn Turm der Kirche wehen Fahnen, und die Glocken rufen zur Gedenkfeier. Vor dem mit Girlanden und Kränzen geschmückten Kirchenportal hat sich eine groBe Menschenmenge eingefunden, die im feierlichen Zug durch das Dorf gekommen ist, begleitet von Falmen und den Trauerklängen der RoBweiner Stadtkapelle. Es sind die Angehörigen, die um ihre Lieben trauern, Vertreter der Gemeinde und der Schule, der 'Verein Ehern. Kriegsgefangener', der Militärverein 'Schweizerhaus'. die Turnbrüder, der Frauenverein und viele Einwohner des Kirchspiels. Nachdem Beethovens 'Hymne der Allmacht Gottes' verklungen

ist, übergibt Herr Fritz Hey die Gedenktafeln dern DenkmalsausschuB. Sie sind nach dem Entwurf von Kunstgewerbler Felix Uhlig von Bildhauer Hafunann und der Fa. C. Hey geschaffen worden. Auf den zwei schmalen, hohen Gedenktafeln aus Theumaer Schiefer, die beider.seits des

Kirchenportals in die Mauer eingefügt wurden, sind die Namen der sechzig Gefallenen verewigt. Nach derWeiherede von Pfarrer Höhne werden zahlreiche Kränze niedergelegt.

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