Roßwein in alten Ansichten Band 3

Roßwein in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6248-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 3'

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19 Die Müllerschen Sandwerke in Grünroda gehörten um die Jahrhundertwende zum Besitz des Mahlitzscher Gutes und waren damit Eigentum des Grafen Rex. Heute kann man nur erahnen, welche Ausmaße diese Sandgrube einst hatte, da die Hänge inzwischen mit Bäumen und Gesträuch bewachsen sind. Es VlUIden die verschiedenartigsten und verschiedenfarbigsten Sandschichten abgebaut, darunter auch sein dunkle, deren Färbung von der Durchsetzung mit Eisenmangan herrührte. Alle gang baren Sorten von Mauer-, Formund Putzsand wurden mit Maschinen und Sortiervorrichtungen gewonnen. Mittels einer kleinen Seilbahn und einer werkseigenen Brücke über die Mulde erfolgte der Transport

zum Bahnhof Niederstriegis. Auf dem Foto, das um 1906 entstand, sehen wir, wie der stattliche Pächter Emil Sommer den

Abbau ûberwacht, sein vierbeinlger Assistent Fiffi hilft ihm dabei. Im Iahre 1908 kamen beim Abbau über 1 500 Brakteaten (alte Münzen) zu Tage, die in der Zeit von 1185 bis 1288 geprägt worden waren. Als die Sandgrube geschlossen wurde, nutzten die Chemisehen Werke das Gelände als Ablagerungsplatz für ihre Abfallstoffe.

20 Der Gasthofmit seiner Bäkkerei war viele Iahrzehnte das Zentrum des Dorflebens von Wetterwitz und Umgebung. Bereits unter Gustav Krenkel trafen sich hier die Einwolmer der kleinen Gemeinde, um Turn- und Singestunden im Saal abzuhalten. Auch Vereinsvergnügen, dabei recht originelle, wurden durchgeführt, wie das Inserat vom 25. Februar 1925 zeigt.Im [ahre 1926 übernahm Paul Hänsel Gasthof und Bäckerei, und Dank seines Pleißes blühte das Geschäft weiter auf Das Foto von 1 937 zeigt die Bäckerei mit dem kleinen Schaufenster und dem angrenzenden Saal. Die Pumpe gegenüber dem Fachwerkhaus vervollständigt das dörfliche Idyll.

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21 Gegenüber dem Gasthof legte Paul Hänsel terrassenförmig einen schonen Garten an. Trokkenmauern, von herrlichen Steingartenpolstern bewachsen, umgrenzten Sitzplätze für die Gáste. In der Mitte der Anlage stand etwas erhöht ein kleines Mühlengebäude, das die Kinder erfrente. 'Hänsels Steingarten' war weitbekannt, auch weil man hier den besten Bienenstichkuchen bekam. Auf dem Foto aus dem Iahrc 1937 sitzen Hànsels Töchter Ursula und Jutta auf der Treppe neben der Miniaturmühle. Hinter der Gartenanlage erstreckte sich eine große Wiese, die von den Gesangsvereinen für Chorkonzerte und Laienthearerauffuhrungen sowie vom Turnverein für Leibesübungen genutzt wurde. Noch in den fünfziger Iahren spielte die Kapelle Hans Ramm, Roßwein, bei Hänsels zum Tanz auf und der Männerchor Roßwein fand sich zur 'Wandersin-

gestunde' hier ein. Leider schloß diese schöne Ausflugsgaststätte

1 955 ihre Pforten.

22 Vier Kilometer ostwärts von Roßwein, vom Muldental ansteigend, liegt das reizvolle Dorf Gleisberg. Ebenso wie Roßwein ist seine Entstehung eng mit dem Kloster Altzella verbunden. Gleisberg soll seinen Namen von dem gleißenden Gestein des Tonglimmerschiefers erhalten haben. So hat sich von 1248 Glizperch, 1288 Glözberg, 1298 Glizberg, 1495 Glesberg und später Gleisbergk der heutige Name entwikkelt. NachAngaben von Ed. Beyer, Altzella 1855, erhielt Ulrich von Maltitz Gleisberg vom Reich als Lehen, verkaufte es aber 1298 aus Geldnot fûr IlO Mark an das Kloster Altzella. Zum Kirchspiel Gleisberg gehörten das DorfBodenbach, die Burgmühle und die Schäferei Kummersheim. Die Gleisberger Kirche ist eine der ältesten in unserer Gegend.Anfangs stand nur eine kleine Kapelle.Als um 1200 das neue Kirchlein erbaut wurde, bezog

man die Kapelle in den Bau mit ein; sie bildet die heutige Apsis. Zunächst hatte die Kirche nur eine kleine, aus Altzella stammende Glocke.Als 1626 der Kirchturm abgebrochen werden mußte, fand das Glöckchen in dern Dachreiter seinen Platz. 1698 kam eine zweite, größere Glocke dazu. Erst nach mehr als 150 Jahren konnte 1784 der neue Kirchturm endlich fertiggestellt werden. Eine Besonderheit ist, daß der Turrn in Richtung Osten steht.

23 Wir schauen ins Innere der Gleisberger Kirche und bestaunen den wunderschönen Altar. Er ist eines der wenigen kostbaren Zeugnisse der hohen Kultur des Klosters Altzella, die uns erhalten blieben. Leider ist der mit Gold und Edelsteinen geschmückte Hauptaltar des Klosters, den die Stadt Roßwein als größte dem Kloster untertane Ortschaft bekommen hatte, dem Stadtbrand von 1806 zum Opfer gefallen. Der dreifach aufk1appbare, geschnitzte Altar der Gleis berger Kirche stamrut aus dem Iahre

15 1 9 und wird dem Meister des Döbelner Hochaltars zugeschrieben. Neben den schönen Schnitzereien bewundern wir den reiehen Bilderschmuck. Wenn der Altar zu Festlichkeiten geöffnet ist, zeigt sich uns im Mittelschrein die Jungfrau Maria mit dem Iesuskind, zur linken Sankt Mauritius und zur rechten Sankt Nikolaus.An der halbkreisförmi-

gen Apsis und den vier Giebelfenstern erkennen wir romanischen Baustil, der auch am Triumphbogen über dem Chorraum deutlich wird. Auf dem Foto aus den zwanziger [ahren sehen wir in der Apsis noch die zweigesehossige Empore und rechts die erhöhte Kanzel mit einem Baldachin.

24 Ein beliebtes Ausflugsziel für die Roßweiner war einst das 'Dreierhaus'. Es liegt hoch über dem Marbacher Rosental dicht am Zellwald. An ihm führt die Landstraße von Nossen-Altzella zum Schmalbacher Gasthaus 'Goldener Hirsch' vorüber. Vom 'Dreierhaus' bietet sich uns ein schöner Blick in das Marbacher Rosental und weit übers Land. Die Anfänge dieser Gaststätte gehen bis aufdas [ahr 1795 zurück. Damals erhielt der Besitzer Johann Samuel Rudolph die Erlaubnis zum Beherbergen Fußreisender und 'Schubkärner'. Zur damaligen Zeit waren die Schubkarren unentbehrliche Transportmittel, mit denen die Erzeugnisse von Handwerkern und Gewerbetreibenden mitunter 100 km weit zum Verkauf auf Märkte und Messen gebracht wurden. Schon im Iahre 1832 gestand man dem neuen Inhaber Iohann Karl Christian Peuckert die 'Realgerechtsa-

me zum Ausspannen' zu. Worauf der Name 'Dreierhaus' zurückzuführen ist, bleibt unbekannt, Vielleicht erhielt man schon für einen Dreier preiswert Speis und Trank.

25 Unter Gumal Peuckert, der 1875 das 'Dreierhaus' übernahm, entwickelte es sich zu einem besonders zu Himmelfahrt und Pfingsten gut besuchten Restaurant. Auch bei der Nossener Bevölkerung war die Ausflugsgaststätte sehr beliebt, konnte man sich doch nach einem Spaziergang durch den Zellwald hier stärken. Später wurde das 'Dreierhaus' auch als schöne Sommerfrische bekannt. In der schmucken Veranda fühlten sich die Gäste sehr wohl. Leider ist von der einstigen regen Betriebsamkeit nichts geblieben, der Ausschank schloß 1963.

Über eine kuriose Geschichte wurde im September 1928 berichtet: In der Nähe des 'Dreierhauses' raste ein eigenartiges Tier wie besessen umher. Keiner konnte diese sonderbare Erscheinung zunächst enträtseln. Es war ein Fuchs, der einen Krug auf den Kopf gestülpt hatte, deshalb

nichts mehr sah und nun blindlings durch die Gegend lief. Der Krug hatte wohl etwas Leckeres für Reineke enthalten, so daß er seine Schnauze so tiefhineinsteckte. Dies wurde ihm aber zum Verhängnis, und er bekam den Kopf nicht mehr heraus. Es gelang, das Tier zur Strecke brin-

gen. Nur mit größter Kraftanstrengung konnte der Kopf aus dem Krug herausgezogen werden. Es war nicht das kleinste Bröckchen mehr darin.

26 Schloß Gersdorf. bereits zur Zeit des Klosters Altzella als Vorwerk gegründet, war später lange Zeit Rittersitz. Häufig wechselten die adligen Besitzer, bis das Geschlecht der Grafen von Einsiedel das Rittergut übernahm. Die Grafen besaßenAnteile (Kuxen) des Gersdorfer Silberbergbaues, der Mitte des vorigen jahrhundcrts recht bedeutend war und drethundert bis vierhundert Bergleute beschäftigte. Das sicherte den Schloßherrn einen gevvissen Vvohlstand. Groß war ihr Interesse an schonen und seltenen Pflanzen, die Gärtnerei und Schloßpark zu einem Schmuckstück werden ließen. Bereits am Eingang des Schlosses imponierte eine geköpfte Linde, deren breitgezogene Äste durch einen Unterbau gestützt wurden. Am 7. Mai 1813 nahm Napoleon für einige Stunden hier Quartier, und auch der Sächsische König stattete bei der Besichtigung des Gers-

dorfer Bergwerkes dem Königlichen Kammerherrn Graf von EinsiedeI einen Besuch ab. Zum Rittergut gehörte eine Brauerei, die damals einen sehr guten Ruf hatte. Der Heimatschilderer Carl Edlich berichtete: 'Vor Festlichkeiten sah man so manchen Roßweiner mit dem Schiebock nach

Gersdorf fahren, um einen Kasten Bier, einen sogenaIlllten "Sechzehn-teelchen" (16-teiligen), zu holen.'

27 Aufdem Foto, das um 1920 entstand. sehen wir das Schloß von der Parkseite. Der gepflegte Park lud mit einem malerischen Teich, schönen Baumgruppen und seltenen Gehölzen zum Promenieren auf verschlungenen Wegen ein. Nach den Grafen von Einsiedel residierte die Familie des Kammerherrn General a.D. von Carlowitz fast fünfzig Iahre auf Gersdorf 1935 wird als Gutsbevollmächtigter Rinmeister a.D. Daniel van Hoenning O'Carrol genannt. Diesen ereilte zum Kriegsende 1945 ein grausiges Schicksal. Er wurde erschlagen und in einen Bergwerksschacht gestürzt. Leider sind Schloß und Park heute in einem Zustand, der die einstige Schönheit nur noch erahnen läßt.

28 An einem sonnigen Frûhlingstag des Iahres 1931 ist eine Gruppe Schulkinder aus Roßwein durch den schönen Laubwald nach Gersdorf gewandert. Gleich nach dem Ortseingang erreichen sie die Schäferei des Rittergutes, von der heute nur noch Mauerreste übrig sind. Im großen Schafstall drängen sich neugierig dieTiere an einem mit Gatter verschlossenen Torbogen und begrüßen blökend die Besucher. Die Muttertiere sind mit ihren Làmmern in einem anderen Stall auf frisch gestreutem Stroh Ulltergebracht. Es ist ein Erlebnis für die Stadtkinder, ein kleines Lämmchen aus der Nähe betrachten und auch einmal ganz sanft streicheln zu dürfen. Dann zeigen ihnen die Schäfersleute einen blutroten Fleck an der Giebelseite des Schafstalles, der sonderbarerweise nicht wegzubringen ist und immer wieder erscheint, so oft man die Wand

auch frisch weißt. Die Sage berichter, daß dort der Teufel einst einen Schäfer umbrachte, der sich ihm verschrieben hatte. Die Mär läßt die Kinder mit einer Gänsehaut erschauern.

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