Roßwein in alten Ansichten Band 3

Roßwein in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6248-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 3'

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39 Auch das Innere des Gebäudes ist neu gestalter worden. Es beherbergt nun die StadtbankStadtgirokasse und die Städtische Sparkasse. Auf dem Foto von 1938 sehen wir den großzügig. hell und übersichtlich angelegten Kassenraum der Girokasse. Viel Platz für die Kunden und Bankangestellten bietet die lange Schaltertheke. An ihrem Ende befinden sich die Kassenschalter. die durch Sichtblenden aus Mattglas voneinander getrennt sind. In dem sich an der Döbelner Straße erstreckenden Gebäudeteil wurde ein gleicher moderner Raum für die Städtische Sparkasse eingerichtet. Große Verdienste bei der Gestaltung des neuen Sparkassenkomplexes harte Stadtbankdirektor Ernil Bretschneider. Am 15. Mai 1 91 5 wurde er als Sparkassenkassierer verpflichtet und 1925 zum Direktor der Stadtbank Roßwein berufen. Während seiner jahrzehntelangen Dienstzeit nahm die Entwicklung des bargeldlosen Ver-

kehrs in Roßwein starken Aufschwung. Auch heute bietet das wieder nach neuesten Gestehtspunkten umgebaute Geldinstitut einen umfassenden Service für seine Kunden.

40 Dem Saarland, das durch den Vertrag von Versailles unter französische Besatzung geraten war, gestand man 1934, also nach 16 Iahren, ein Referendum zu, sich für Deutschland oder Frankreich zu entscheiden. Ab stimmungsberechtigt waren

auch die im Deutschen Reichsgebiet arbeitenden Saarländer. Um die Menschen für das Ereignis zu mobilisieren, errichtete man am 23. November 1934 auch im Durchgang des Roßweiner Rathauses ein Mahnmal in der Form eines Obelisken. Darauf stand: 'Nur noch 50Tage bis zur Saarabstimmung.' Jeden Tag vor Mitternacht zog ein Trupp in bralmen Uniformen zum Marktplatz. Nachdem die Rathausuhr 12 geschlagen hatte, wechselte der Führer des Trupps das Zahlenschild der verbleibenden Tage. Am 10. Ianuar 1935 war der Abreisetag für die Abstimmungsberechtigten gekommen. Eine gro-

Be Menschenmenge und Spielmannszüge begleiteten sie zum Roßweiner Bahnhof, wo sie in den fahrplanmäßigen Zug nach Leipzig stiegen. Von da brachte ein Sonderzug die sechshundert Stimmberechtigten unseres Krei ses ins Saarland. Aus ganz Deutschland waren fünfzig solcher Züge zur gleichen Zeit auf der Reise.Am 13. Januar 1935 stimmten die Saarländer mit

90,5 Prozent fÜT die Rückkehr zu Deutschland. Mit großem Jubel wurde das Ergebnis irn ganzen Land begrüßt.

41 Im April 1940 har sich eine große Anzahl Männer vor dem Klosterkellerportal zum Gruppenbild aufgestellt. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung, denn der Jahrgang 1905 ist zur Musterung aufgerufen worden. Einige, die dem Spielmannszug angehören, haben Trommel, Querpfeifen und sogar ein Bandoneon mitgebracht. DieTruppe hat einen Umzug durch die Stadt zum Musterungslokal veranstaltet. Die meisten glauben nach den bisherigen Siegesmeldungen sicherlich nicht, daß auch sie noch zum Kriegseinsatz einberufen werden. Voran tragen sie ein Schild mit der Aufschrift: 'Die unbekannte Waffe des Führers, Jahrgang 1905.' Es sind viele dabei, an die wir uns noch heute erinnern können, zum Beispiel Hans Beyer mit Hut und weißer Blume am Revers, Walter Kron-

dorf Kurt PappeJbaum und Willi Donath vom Spielmannszug und weitere.

42 Wir haben das Kriegsjahr 1944. Benzin ist knapp geworden, auch die Post bekommt keins mehr. Deshalb müssen die Roßweiner Fuhrwerksbesitzer wie in früherer Zeit mit Pferdekraft die Pakete ausfahren. Nicht nur das Stadtgebiet, sondern auch die umliegenden Dörfer sind zu betreuen. Auf dem Foto von 1944 bringt ein kleiner Einspännerplanwagen der Fa. Curt ClauB die Pakere zur GartenstraBe. Auf dem Bock sitzt ein älterer Mann, der die Zügel des Pferdchens in der Hand hält. Davor steht der Postangestellte Artur Köhler mit einem Paket, das er zustellen wird. Die zwei Taschen mit den Papieren und dem Geld hat er sich kreuzweise umgehängt. Lange Iahre versah Artur Köhler noch seinen Dienst in der Paketpost.

43 Die Düngerabfuhr war frûher in Roßwein eine recht 'anrüchige' Sache. Zunächst hatten die Landwitte mit Iauchenwagen für die Räumung der Gruben gesorgt. Dies enrwickelre sich immer mehr zu uurragbaren Zuständen für Bauern und Städter, so daß die Stadt im Oktober 1928 allein der Firma Friedrich Brinkmann in der Mühlstraße die Düngerabfuhr übertrug. In unserer Kindheit bedeutete die Iauchenabfuhr noch ein interessantes Ereignis. Wie die Glieder einer Kette waren die einzelnen Anhänger aneinander gekoppelt. Zuerst kam das Zugfahrzeug, an ihm eine Art Lokomobile, die für den 'Saugeffekt' sorgte, daran zwei Wagen mit den Schläuchen, die an den Längsseiten wie in einem Regallagen, und zuletzt der Kesselwagen. Es war verblüffend, wie sich diese 'Hänger-Schlange' durch die winkligen Straßen und Gassen wand. Mit der Zeit wurde

das 'Fuhrgeschäft' moderner. Das Foto aus dem Iahre 1940 zeigt das Jauchenauto mit zwei Hàngern auf der Gartenstraße. Der Fahrer Paul Hellriegel steht mit seinem Sohn Gerhard vor dem Fahrzeug.

Stolz hatte der kleine Gerhard zu seinen Spielkameraden gesagt:

'Mein Vater ist Hauptmann bei der Jauchenpumpenkompanie.' Über diesen Kinderausspruch kann man auch heute noch schmunzeln.

44 Am 22. Oktober 1934 begann in Roßwein eine Reihe von Lehrgängen zur Mütterschulung, die für junge Frauen und künftige Muttis sicherlich interessant und lehrreich waren. Der erste Kursus war der 'Ehe, Mutterschaft und Säuglingspflege' gewidmet. Auf dem Foto vom 8. Dezember 1934, das im Hotel Stadt Leipzig aufgenommen wurde, stand die Säuglingspflege auf dem Unterrichtsplan. Es wurde gelehrt, wie Babys (Puppen) gewogen, gebadet und gewickelt werden. Die Themen der vier weiteren Kurse waren 'Kindererziehung' , die 'Gesunde Familie, Krankenpflege und Krankenkost', 'Gesunde Ernährung, Kochen und Servieren' und 'Kleidung, Plätten usw.'. Der Roßweiner Stadtrat stellte die Räumlichkeiten zur Verfügung und unterstützte diese Schulungsreihe mit einhundert Mark.

4S Die jungen Mädchen erhielten in der Roßweiner Berufsschule auch eine Ausbildung in Säuglings- und Kinderpflege; Handarbeitsstunden gab Fräulein Junker. Kochunterricht, wie wir ihn auf dem Foto von 193 S sehen, erteilte Fräulein Straube. Frau Bäuchler, geborene Rósner, etwas verdeckt von der Lehrerin am rechten Fenster stehend, erinnert sich noch gern daran. Benutzt wurden die Küchenräume in der Grafeschule, wo man bereits seit 1898 Kochunterricht

für die Mädchen der 8. Klasse eingeführt harte. Damit war Roßwein sehr fortschrittlich, denn diese Möglichkeit gab es für Volksschülerinnen seinerzeit nur in Chemnitz, Freiberg, Zwickau und Plauen (bei Dresden) .

46 Die Iahre der Weltwirt schaftskrise um 1 930 brachten auch für unsere Heimatstadt unglaublich bedrückende Verhältnisse. 1932 zählte man in Roßwein 3 003 Arbeitslose und

I OOOWohlfahrtsempfanger, die die Stadt zu versorgen hatte. Allein im Dezember mußte sie dafür 27 300 Mark aufbringen. Viele Menschen lebten damals in bitterster Armnt. Es gab Langzeitarbeitslose, die überhaupt keine Beihilfen mehr erhielten und ihr Leben nur mit Unterstützung durch ihre Kinder oder Eltern fristeten, Aber auch die Kassen der Gemeinden selbst waren leer. Um die Not zu bekämpfen, rief man 1933 das Winterhilfswerk 'WHW' ins Leben. Es wurde an die Opferbereitschaft derjenigen appelliert, die keine Not litten. Jeder ersten Sonntag im Monat wurde zum 'Eintopfsonntag' er-

klärt, an dem alle erwas einfacher essen und dafür dem WHW eine kleine Geldspende geben sollten. Auch wurde die 'Pfundspende' eingeführt. Freiwillige Helferinnen gingen von Tür zu Tür, um Spenden von Mehl, Zucker, Grieß, Reis usw. in Pfundpackungen zu erbitten. Auf dem Foto se-

hen wir Frauen in der Sammelstelle beim Verpacken der Lebensmittel.

47 Durch die Sammlungen des WHWs konnten den Notleidenden aber auch Schuhe, Decken und andere lebenswichtige Dinge gegeben werden. Außerdem war es im Ianuar 1934 möglich, 2 400 Gutscheine zum Einkauf von Lebensmitteln und 2 260 Gutscheine zum Bezug von Kohlen zu verteilen. Die Chronik berichtet auch von einer 'Iägerspendc', durch die sich bedürftige Einwohner für die Weihnachtsfeiertage einen Hasen oder ein Stück Reh im Schlachthof abholen konnten. Auf unserern Foto sehen wir die Geschäftsstelle des Winterhilfswerkes, in der die Spenden ausgegeben werden. Die Ornis mit ihren Enkeln freuen sich über diese Hilfe, die den kargen Unterhalt aufbessert. Mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und dringendenAppellen an die Arbeitgeber versuchte man

1934, die Erwerbslosigkeit zu verringern.

48 Lotterien waren schon von jeher eine beliebte Möglichkeit zur Geldbeschaffung. Ob zum Bau des Völkerschlaclndenkrnals oder anderer Projekte, ob privat oder staatlich, stets wurde versucht, damit die Finanzi.erung zu sichern. Im Krieg gab es die Reichslotterie für 'Nationale Arbeit', die sicherlich beitragen sollte, die enormen Rüstungskosten zu decken. Irn Winterhalbjahr wurden Lose für das WHW (Winterhilfswerk) verkauft. Altere Roßweiner kennen gewiß noch Herrn Richard Stephan, der als Losrnann mit einem Bauchladen auf den Straßen und in Gaststatten die Lose anbot. So wie er gehörten zur damaligen Zeit die 'Glûcksmànner' in ihren hellgrauen Umhängen und dunkelroten Schirmmützen überall zum Straßenbild. Wie die Zeitung berichtete, konnte Herr Stephan, der in den Winterhalbjahren durchschnittlich 6 000 Lose ver-

kauft hatte, im jahre 1941 mit 18 000 Losen den dreifachen Umsatz erzielen.

Auch in späteren Iahren waren Lotterien aktuell, so zum Beispiel die 'Zwingerlotterie' zum Wiederaufbau des Dresdener Zwingers und die Lotterie des' N ationalen Aufbauwerkes' .

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