Roßwein in alten Ansichten Band 3

Roßwein in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6248-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 3'

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49 Das Ende des Zweiten Weltkrieges mit dem völligen Zusammenbruch hinterließ unsägliches Elend für Millionen von Vertriebenen und Menschen, die durch Bombenangriffe all ihr Hab und Gut verloren hatten. Besonders hart traf es die Älteren, Rentner und Behinderten. Sie brauchten dringend Hilfe, um zu überleben. Deshalb wurde am 24. Oktober 1945 die Organisation der 'Volkssolidaritát' ins Leben genlfen. Wärmestuben und ein warmes Essen für die Bedürftigen sowie Unterstützung bei Beschaffung von Kleidung, Schuhen, aber auch Mobilar waren vordringliche Aufgaben. Da sich im Roßweiner Rathaus die russische Kommandantur eingerichtet hatte, mußte die Sradtverwaltung in das ehemalige Hotel 'Zur Post', Döbelner Straße 20, ziehen. Hier war auch die Verwaltung der 'Volkssolidarität' untergebracht. In der Küche des 'Schûtzenhauses', dem späteren 'Lindenhof" , wurde täglich das Essen zuberei-

tet und im Vereinszimmer ausgegeben. Hier erfolgte auch die Verteilung von Kleidung und Schuhen. Im Juni 195 ° zog die 'Volkssohdaritàt' in das Haus Nossener Straße 30 (Haus Meckenstock), das wir auf dem Foto sehen. Damit konnten die Arbeitsbedingungen wesentlich verbessert werden.

50 Eine Küche wurde eingerichter, und auch die Ausgabe der Essenportionen erfolgte hier. Auf dem Bild aus dem Iahre 1950 sehen wir Frau Tschöpe beim Zubereiten der Speisen. In der neuen Geschäftsstelle wurden ebenfalls Textilien, Schuhe, Betten und Tische an Bedürftige vcrreilt. Unter dem Leitwort 'Volkssolidarität heißt Aufbauarbeit im Geist des Friedens und wahrer Menschlichkeit' fanden Straßensammhmgen start, deren Geldbeträge mithalfen, die humanitären Aufgaben zu lösen. Neben der materiellen Hilfeleistung setzte sich die "volkssolidarität' auch für die kulturelle Betreuung der älteren Menschen ein. Unter dem Motto' Auf in den Lindenhof' lud der Ortsausschuß zu einem Tanzabend mit der Kapelle Ramm ein. Der Hauptschlager des Abends war die Tombola. J. Preis: eine Flasche Likör. 2. Preis: ein Huhn. 3. Preis: eine Wurst (ein Pfund) .

4. Preis: ein Stück Butter. 5. Preis: ein Streuselkuchen. 6. bis 10. Preis: je eine Schachtel Zigaretten.

51 Die Weilmachtsfeier im 'Lindenhof" , zu sehen auf dem Foto von 1950, fand im [ahre des fünfjährigen jubiläums der 'Volkssolidarität' statt. Eine Spendensammelaktion unter dem Leitwort 'Weihnachtsfreude für die Ärrnsten' und die Mithilfe vieler freiwilliger Helferinnen ermöglichten es, den Rentnern Freude zu bereiten. Im lichterglanz derWeihnachtsbäume saBen sie an langen Kaffeetafeln. Ein Orchester in großer Besetzung mit vielen RoBweiner Musikern und der hiesige Frauenund Männerchor sorgten für Unterhaltung und weihnachtliche Stimmung.

52 Gehen wir den Fußweg vom Hohenlauft nach Grunau hinab, bieter sich uns ein reizender Bliek ins Striegistal. In die Landschaft eingebettet liegt die Kartonfabrik van Franz Reinelt. Die Eisenbahnlinie Roßwein Chemnitz verläuft entlang des Betriebes. Auf dem Anschlußgleis stehen Güterwagen, die Altpapier für die Kartonherstellung bringen. Entstanden ist der Betrieb aus einer früheren Walkmühle. Die am 27. [anuar 1 9 12 gegründete Firma 'Iunghanß & Reinelt' trug ab ] 913 den Namen 'Kartonfabrik Franz Reinelt'. Der Betrieb entwickelte sich zu einem führenden Unternehmen der sächsischen Kartonherstellung. Als ] 937 das 25 jährige Betriebsjubiläum gefeiert werden konnte, wurden als Jubilare die Mitarbeiter ausgezeichnet, die der Firma seit der Gründung ange-

hörten. Es waren HolländermülIer Hugo Schlimper, Maschinengehilfe Otto Tischendorf und Sortiererin Ida Schulze. Außerdem wurde die Stiftung eines Sozialfonds bekanntgegeben, durch die jedes Gefolgschaftsmitglied einer Lebensversicherung angehörte. Bei Erreichung des 65. Ge-

burtstages oder bei früherem Tod sollte diese Versicherung ] 000 Mark auszahlen.

53 In der Firma Franz Reinelt stand eine 60 Meter lange Kartonmaschine, die über viele Iahrzehnte treu ihren Dienst versah. Oft wurde sie modernisiert oder umgerüstet, denn der Bedarf forderte häufig Veränderungen und Erweiterungen in der Produktpalette. Am Anfang fertigte man Chromoersatzkarton sowie Duplex- und Triplexkarton. Das waren aus zwei oder drei Stoffen und in allen Farben und Qualitäten hergestellte Maschinen- und Maschinenholzpappen. Bis 1956 produzierte der Betrieb unter anderem Fahrkartenkarton, später auch Wellpappe. Um 1954 entstand dieses Foto. Vor der Maschine stehen von links: Artur Frenzel, Franz Fehrebauer, der Chef Franz Reinelt, Werner Schmidt, HerrVoigtländer und Ernst jäschke. Der Betrieb wurde 1 959 'halbstaatlich' und später 'volkseigen'. Als Franz Reinelt keine Perspektive für die Zukunft

erkennen konnte, blieb er während eines Besuches bei seinem Bruder in Westdeutschland. Der Betrieb mußte 1991 schließen; die große Kartonmaschine wurde nach Ägypten verkauft. So endete ein einstmals blühendes Unternehmen unserer Region.

54 Das Betriebsklima war vorbildlich, und auch für die Gemeinde erwies sich Franz Reinelts Wirken segensreich. Viele Grunauer fanden in der KartonfabrikArbeit und Brot. Wahre Höhepunkte bildeten die großartigen Betriebsvergnügen, an die sich gewiß noch mancher Betriebsangehörige gern erinnert. Im Frühjahr 1953 stand das Fest unter dem Motto 'Eine Nacht im Hamburger Hafen'. Dazu wurde eine Werkshalle vollständig mit Karton ausgeschlagen. Der Roßweiner Malermeister Paul Ahnert gestaltete mit seinen Gesellen eine wunderbare Dekoration. Der Festraum glich einer riesigen Veranda mit großen Fenstern. die einen Blick auf den Hamburger Hafen gewährten. Eigentlich schade, daß diese prachtvolle Dekoration in der folgenden Arbeitswoche wieder ins Altpapier wanderte.

SS Als unterhaltsame Überraschung und musikalischer 'Nachtisch' zur Mittagspause fand 1937 für die Belegschaft der Fa. Erfurth & Co. ein Platzkonzert statt. Man sieht den Beschäftigten die Freude darüber an, Es spielt das Musikkorps des InfanterieRegiments 101 aus Döbeln unter Obermusikmeister Ernst Herrmann auf. Hinter der Kapelle ist die Betriebsleitung mit Arno Erfurth und Prokurist Georg Liebscher zu sehen, rechts am Fabrikgebäude lehnt Strickmeister AIfred Gruner.Auch unter den Zuhörern sind viele bekannte Gesichter zu entdecken. 1927 hatte Arno Erfurth mit neun Beschäftigten im Grundstück Kreuzstraße 8 die Strickwarenfabrik gegründet. Bald wurden die Räumlichkeiten zu eng, und so siedelte der Betrieb 1930 in das Gebäude der einstigen Schuhfabrik von

Carl Fuchs, Goldbornstraße 5, über. Im Hintergrund erkennen wir das von Georg Zöllner 1924erbaute Fabrikgebäude, das später die Fa. Carl Bauch und danach die Schmiedewerke nutzten. Am linken Bildrand steht ein großes Wohnhaus, das 1913 erbaut wurde, aber schon 1939 dem

Neubau der Metallwarenfabrik Carl Bauch weichen mußte.

S6 Auf zur Probefahrt. Das Autorriobil harte run 1910 auch in Roßwein Einzug gehalten. Mit dem Werbespruch 'Ein pferd frißt immer, einAuto nur im Betrieb' nahm die Technik den Konkurrenzkampf gegen den pferdewagen auf Das Foto zeigt uns Herrn Alfred Nestler, Inhaber der Roßweiner Strickwarenfabrik Iulius Nestler, Dresdener Straße 35, am Steuer des von Maybach konstruierten 3S PS Mercedes. Neben ihm sitzt sein Schwager Carl Wolf von der Roßweiner Patentachsenfabrik. Ob es nur eine 'Spritztour' übers Land werden soll, oder ob Carl Wolf an einem Autokauf interessiert ist? Alfred Nestler wird 1914 im Einwohnerbuch auch als Automobilhändler aufgeführt. Jedenfalls harte er großes Interesse am technischen Fortschritt. Seine besondere Liebe galt der Ballonluftfahrt.Am 14. März

1 910 startere er mit seiner Frau Elisabeth und dem Prokunsten

Alexander Bauch van DresdenReick aus zu einer Ballonfahrt, die ihn bis Krotochin bei Posen (im heutigen Polen) fûhrte.

57 Mit dem Ballon 'Zeppelin' gehtAlfred Nestler (auf dem Foto im Korb rechts mit Fernglas) Ostern 191 0 beim ' Sächsischen Luftschiffertag' in Dresden-Reick erneut an den Start. Diesmal führt die Reise bis St. Pölten in Österreich. Das gefahrvollste Erlebnis begann für Alfred Nestler aber am 9. Oktober 1910.Anläßlieh des 'Deutschen Luftschiffertages' stieg er mit dem Chernnitzer Fritz Bertram in die Lüfte. Die Fahrt führte über Kamenz in óstliche Richtung. Nach der Nachtfahrt überquerten sie das schlesische Industriegebiet. Der Wind trieb sie in 500 m Hóhe gen Osten znr russischen Grenze. Als plötzlich Schüsse fielen, warfen sie Ballast ab nnd stiegen auf 1800 m. Nach zwei Stunden wähnten sie sich sicher, gingen auf 40 m herunter und erfrenten sich an der schönen Herbstfärbung des Laubwaldes. Unvermittelt stürzten jedoch Soldaten aus

dem Wald heraus und zwangen mit angelegten Gewehren den Ballon zur Landnng. Trotz Legitimierung mit russischen Pässen wurden die Reisenden inhaftiert und in einer siebenstündigen Troikafahrt im ungefederten Wagen aufkatastrophalen Wegen nach Olkusz gebracht. Nach Ver-

handlungen des 'Deutschen Luftschiffervereins' mit der russischen Botschaft durften die mutigen Ballonfahrer samt Ausrüstung am 13. Oktober 1910 die Heimreise per Bahn antreten.

58 Bereits 1914 bestand die 'Kartonagen- und Spie1warenfabrik', wie sie sich damals nannte, von Friedrich Georg Zöllner. Zunächst befanden sich die Fabrikräume in einem Hintergebäude der Mühlstraße 14. Anfang der zwanziger Jahre konnte das schöne neue Gebäude in der Goldbomstraße bezogen werden. (zuletzt Betriebsberufsschule des Roßweiner Schmiedewerkes ). Hergestellt wurden Stickkästen für Kinder in vielseitiger und schmucker Ausführung, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Für das Gruppenbild, das 1935 entstand, hat sich die überwiegend aus Frauen bestehende Belegschaft aufgestellt. Über allen 'thront' der Betriebsleiter Herr Larson.

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