Roßwein in alten Ansichten Band 4

Roßwein in alten Ansichten Band 4

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6423-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 4'

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Vorwort

Mit dem 4. Band wollen wir unsere Arbeit an der Reihe 'Roßwein in alten Ansichten' zunächst beenden. Wir haben uns bemüht, in vier Büchern mit mehr als dreihundert Bildern zu schildern, wie das Leben in unserer Heimatstadt von 1880 bis in die Mitte dieses Jahrhunderts verlief, wie es das Anliegen des Verlag es ist.

Es soll keine Chronik im eigentlichen Sinne sein, sondern vielmehr die Beschreibung historischer Begebenheiten, Vereine, Persönlichkeiten, ehemaliger Betriebe und des Lebens der Menschen bei ihrer Arbeit und in ihrer Freizeit.

Die Grundlage dafür sind Fotos, die zum größten Teil aus dem umfangreichen Archiv meines Vaters Willy Hanisch und von mir stammen.

In dem vorgegebenen Raum für die Texte versuchen wir, möglichst viel Wissenswertes zu erzählen. Die Informationen stammen aus alten Quellen und Zeitungen, Berichten von Zeitgenossen und eigenem Erleben.

Sicher wird mancher etwas vermissen, was ihn interessiert, aber dazu möchten wir erwähnen, daß wir nurThemen bringen können, von denen uns Fotos zur Verfügung stehen. Gern würden wir bei Gruppenbildern noch weitere Namen nennen, doch der begrenzte Platz für den Text läßt dies nicht zu.

Unser Dank gilt den lieben Roßweinern, die uns mit Informationen unterstützten oder Bilder zur Verfügung stellten. Wir hoffen, daß auch in diesem Buch etwas dabei ist, an das Sie sich erinnern können, das Ihnen gefällt und worüber Sie sich freuen.

Günther und Roswitha Hanisch

Zum Titelbild:

Wie schön kann ein Fluß das Stadtbild beleben! Das Titelfoto aus den dreißiger [ahren läßt uns von der Muldenbrücke in Richtung Stadtmühle blicken. Hoch ragt über der Freiberger Mulde der dichtbewaldete Hartenberg mit den Villen von Oskar und Rudolf Bauch. An beiden Seiten des Ufers führen beliebte Spazierwege entlang, die von Linden gesäumt sind. Von jeher war das strömende Muldenwasser für die Menschen von großem Nutzen. Es trieb die Mühlen an, half dem Bergbau, ermöglichte Holzf1ößerei aus den Wäldern des Erzgebirges und brachte den Fischern reichen Fang. Für Handwerk und Gewerbe war es ebenso unentbehrlich wie später für die Industrie, die sich an den Ufern ansiedelte.

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Die oben abgebildete Zeichnung, die unsere Heimatstadt ums [ahr 1830 darstellt, schuf der Kunstgewerbler Felix Uhlig, über den wir in diesem Buch mehr berichten. Sehr gut sieht man darauf den Verlauf der Mulde und die altertümliche 'Katzenbuckelbrücke' .

1 Friedrich Wilhelm Herrmann, am 1 3. März 1 822 in Roßwein geboren, studierte Jura in Leipzig und war dort als Anwalt tätig, bis er am 1. September 1853 zur Übernahme des Bürgermeisteramtes in Roßwein berufen wurde. Herrmann war eine stattliche, respekteinflößende Erscheinung, meist etwas bärbeißig und kein Freund vielen Redens. Einst erwiderte er im Restaurant einen Gruß, als ihm kurz darauf ein Bissen in die 'unrechte Kehle' kam, brummte er unwirsch: 'Das kommt vom vielen Reden.' Eine der wenigen Personen, die mit ihm aufDu und Du standen, war Ernestine Böhme, die hinter den Scheunen wohnte und ein rechtes Original war. Gewiß kannte sie Herrmann aus der Kinderzeit. Wenn sie ihn in der Stadt traf, war ihre Rede im Roßweiner Dialekt: 'Du, Friedersch, ich muß darr mal was nahn pfeifen.' WoraufHerrmann antwortete: 'Na, schiss los Ärnstine.' JedenAbend 18 Uhr spazierte Herrmann von seiner Wohnung, Döbelner Straße 29, über das weiße Brückchen zum 'Schûtzcnhaus', wo er zum Dämmerschoppen eine Portion

Bemmchen verzehrte. Dabei teilte er seineAbendzigarre mit dem Messer. Die eine Hälfte wurde geraucht, die andere hob er sich für den 'Ratskeller ' auf Um 21 Uhr schritt das Stadtoberhaupt gewichtig über den Marktplatz, um im 'Ratskeller' am 'Ministerstammtisch' Platz zu nehmen. Dieser war den Honoratioren, wie Stadtrat Gumpert, Dr. Schwarz und anderen, vorbehalten. Auch hier galt 'Schweigen ist Gold'. Man studierte die Zeitungen, wobei Herrmann den Kneifer weit vor auf die Nasenspitze schob. Bürgermeister Herrmann stellte nach 34jährigerTätigkeit 1887 sein Amt zur Verfügung und war noch bis zu seinem Tode am 16. Februar 1897 als Anwalt tätig. Die Stadt ehrte ihn, indem sie einer Straße seinen Namen gab.

2 In der Amtszeit von Bürgermeister Herrmann erfolgten für unsere Stadt wesentliche Verbesserungen im Verkehrswesen. Die Verbindungsstraße im MuIdental nach Döbeln wurde 1862 fertiggestellt, die Eisenbahnstrecke Leipzig - Döbeln -Roßwein - Dresden 1868 gebaut. Beides war für die aufstrebende Wirtschaft von größter Wichtigkeit. Die steile, schon 1420 erwähnte Roßweiner Muldenbrücke mit ihren vier Bögen wurde im Mai 1868 gesprengt. Sie war so schmal gewesen, daß jeweils nur ein Fahrzeug passieren konnte, und die Steigung so gewaltig, daß schwerbeladene Fuhrwerke einen Vorspann benötigten. Anstelle dieser 'Katzenbuckelbrücke' , die das Foto im Abriß zeigt, wurde eine breite und wesentlich flachere errichtet. Im Hintergrund sehen wir den Hartenberg noch unbewaldet und in kleine Felder aufgeteilt. Es war die Zeit des wirt-

schaftlichen Umbruchs und der Industrialisierung. Besonders hart traf es dasTuchmacher- und Schuhmacherhandwerk. In Roßwein gaben 22 0 Tuchmacher- und 30 Schuhmachermeister ihre Selbständigkeit auf, da sie sich nicht mehr davon ernähren konnten. Unter Bürgermeister Hermanns umsichtiger Amtsführung und Förderung gelang die Ansiedlung neuer Fabri-

ken, so von Zigarrenfabriken, Betrieben der Metallbranche und der Glasmanufaktur. Doch erlitt die hoffnungsvolle Entwicklung einen vernichtenden Rückschlag durch den Zusammenbruch des 'Vorschußvereins' , einer Art Genossenschaftsbank, wodurch viele Roßweiner in finanziellen Ruin getrieben wurden.

3 Ein bedeutenderTag für unsere Stadt war die feierliche Amtseinführung von Bürgermeister Dr. Rüder am 30. April 1887. Zugleich fand die ehrenvolle Verabschiedung des scheidenden Bürgermeisters Herrmann statt, der nach 34 Jahren in den verdienten Ruhestand trat. Die Roßweiner waren der Aufforderung nachgekommen und hatten ihre Häuser geschmückt. Auf dem Foto sehen wir das Rathaus ebenfalls mit Girlanden, Fahnen und Wappen dekoriert. Die Stadträte, das Stadtverordnetenkollegium, die Honoratioren und die Polizei mit ihren Pickelhauben haben sich zur Begrüßung aufgestellt. Während links die Formation der Feuerwehr zum Empfang angetreten ist, schwingen rechts einige Mädchenklassen in weißen Festkleidern ihre Schulfestbänderstäbe. Dicht gedrängt stehen Schaulustige im 'Brautloch' . Die Amtseinführung übernahm der

Geheime Regierungsrat Gumprecht aus Leipzig.

4 Dr. CarlAugust RudolfRüder wurde am 31. Mai 1852 als Sohn des Polizeidirektors Dr. jur. c.F. RudolfRüder in Leipzig geboren. Nach Besuch des Thomasgymnasiums und der Universität war er Auditor eines höheren Gerichtshofes in Schmölln und von 1882 bis 1887 Bürgermeister zu Ehrenfriedersdorf, bevor er am 1. Mai 1887 das Bürgermeisteramt in Roßwein antrat. Trotz mancher Schwierigkeiten hat er mit großerTatkraft und unermüdlicher Ausdauer stets zum Besten für das Gemeinwohl gewirkt. Alles, was durch sein Streben und seine Umsicht gelang, war von größter Bedeutung für die gesamte Entwicklung unserer Stadt. In seiner Amtszeit wurde die Schlosserschule gegründet, entstanden die schönen Hartenberganlagen, der Bau des Stadtbades (das erste Hallenbad in einer Kleinstadt unter la 000 Einwohnern in Deutschland), das Postamt, das Elektrizitätswerk, der Schlachthof, die Grafeschule, das Krankenhaus sowie geordnete Zustände im Straßenbau und der Wasserversorgung. Rüder war allgemein beliebt und geachtet we-

gen seiner humanen Gesinnung, Volksverbundenheit und Gerechtigkeit.Von 1893 bis 1905 war Herr Bürgermeister Dr. Rüder als Vertreter des 7. sächsischen Wahlkreises (Roßwein-Meißen) im Landtag tätig. Seine Verdienste als Sekretär der 2. Ständekammer ehrte der Landesherr durch Verleihung des Ritterkreuzes vom Albrechts-Orden. Die Stadt Roßwein benannte eine Straße nach ihm und schuf an seinem Lieblingsplatz auf dem Hartenberg ein Rondell mit einem Obelisken, auf dem eine Bronzeplatte mit der Aufschrift 'Rûderplatz' angebracht war. Leider wurde dieses kleine Denkmal zu SEDZeiten zerstört.

5 Am 14. März 1912 erlag Bürgermeister Dr. RudolfRüder, erst 60 Jahre alt, einem Herzleiden. Wie ein Lauffeuer durchlief diese Nachricht Roßwein. 25 Jahre hatte er an der Spitze unserer Stadt gestanden. In einem Nachruf würdigte ihn das Roßweiner Tageblatt: 'Ein anArbeiten und Verdiensten reiches Leben ist damit zu Ende gegangen, das Leben eines Mannes, der ein Vater der Stadt war in des Wortes treuestern Sinne!' In der Rüderschen Villa fand am Sonnabend eine Gedächtnisfeier statt und am Vormittag des darauffolgenden Tages bewegte

sich ein langer Trauerzug durch die Roßweiner Straßen, der den Verstorbenen von seinem Haus

in der Rüderstraße zum Bahnhof geleitete, von wo die Überführung nach Leipzig zur Beisetzung erfolgte. Vertreter aller Kollegien und Vereine mit ihren Fahnen gaben ihm unter großer Anteilnahme der Bevölkerung

das Geleit. Auf dem Foto vom 17. März 1 9 1 2 sehen wir die zahlreichen Menschen, die ihrem verehrten Bürgermeister Rüder am Bahnhof zum Abschied die letzte Ehre erweisen. Die Vereine haben Spalier gebildet und senken in Trauer ihre Fahnen.

6 In den zwanziger Jahren, als die Wettinhöhe noch zu Recht 'Balkon Roßweins' genannt wurde, eröffnete sich von hier ein umfassender, reizvoller Blick auf die zu Füßen liegende Stadt, wie das Foto zeigt. Die Achsenfabrik von Carl Wolf, die sich im Vordergrund parallel der Eisenbahnlinie erstreckt, ist noch kein Großbetrieb. Sie umschließt die kleine Landmaschinenfabrik 'Köhler & Haller'. Von der Rückseite der Bahnhofstraße dehnen sich Gärten hinter den Betrieben weit nach Westen aus, große unbebaute Wiesenflächen schließen sich an. Im Mittelteil des Bildes,

rechts neben dem hohen Schornstein, sehen wir die großen Gebäude der Strickwarenfabrik Julius Nestler am Brückenplatz. Darüber ragen Rathaus und Kirche als Wahrzeichen unserer Stadt empor. Links dahinter die beiden Ziegeleien mit ihren Schornsteinen und das helle

Band der Haßlauer Straße, die zur 'Goldenen Höhe' führt. Im linken Bildteil fallen uns der große Block derVolksschule, die Häuserreihe der Gartenstraße und die Schuhfabrik Herlt ins Auge. Über ihr liegt, noch von Feldern umgeben, die Schrebergartenkolonie

desWeinberges. Über der Kirchturmspitze sehen wir am Horizont den 'Neidhardt' und rechts davon die Häuser von Seifersdorf

7 Auch nach Osten gewährte uns Mitte der zwanziger Jahre die 'Wettinhöhe' eine prachtvolle Aussicht, diesmal ins MuIdental. Viele Schornsteine zeugen vom Gewerbefleiß der Roßweiner Bevölkerung. Wuchtig stehen im Vordergrund die Gebäude der Brauerei 'Zum FelsenkeIler' , in der aber bereits seit 1922 nicht mehr gebraut wurde. Darüber sehen wir am rechten Bildrand die 'Haupt' -Schuhfabrik Schulze & Ulbricht, dazwischen liegt der Brauereiteich. Links neben der Schuhfabrik stehen die Gebäude der Gasanstalt, über diesen die Firma Johrisch, später BHG, das große Gebäude des Fuhrgeschäfts Zetzsche und die prachtvolle Villa von Carl Fuchs jun. Das Zentrum des Bildes füllen die Gleisanlagen der Eisenbahn mit Bahnstation und Güterbahnhof aus. Links neben der Bahnstrecke sehen wir die Gebäude der 'Stadler' -Schuhfabrik, dahinter die Teppichfabrik

von Traugott Bauch und den Betrieb von C.A. Zschoche, die spätere 'Jugendmode' . Links neben dem großen Brauereischornstein erkennen wir den Bogen der

Mühlbrücke und die Stadtmühle, darüber den Felsen der 'Wunderburg'. Nach rechts führt uns der Rundblick über die Höhen zum Bauerngut der 'Sorge', dem Krel-

lerberg und über den Talein schnitt zu den Höhen des GersdorferWaldes und des Hartenberges.

8 Wir schauen in den Hof der Roßweiner 'Brauerei zum Felsenkeller' . Unter ihrem Besitzer Louis Frohberg hatte die Brauerei um die Jahrhundertwende großen Aufschwung genommen und eine moderne technische Ausrüstung erhalten. Herr Frohberg ließ Ende des vergangenen Jahrhunderts seinen Betrieb im Foto festhalten. Die Firmenleitung mit dem Braumeister steht vor dem Eingang zum Kontor, in den oberen Etagen des Gebäudes befindet sich der Mälzboden. Vor den Fässern haben sich die Arbeiter aufgestellt, einer reitet auf einem großen Faß. Das Gebäude links mit dem Schornstein ist das Sudhaus, vor dem eine große Anzahl Fässer aufgestapelt ist. Im Vordergrund sehen wir den 'Fuhrpark', hinter dem die pferdeställe liegen. An der Ostseite des Hofes, dem Standort des Fotografen, stand das Wohnhaus. Hinter diesem befand sich der von Bergleu-

ten in den Hang der Wettinhöhe vorgetriebene große und tiefe Keller. In kalten Wintern schnitt man auf dem Brauereiteich Eisblöcke und lagerte sie in dem Keller ein. In extrem frostigen Wintern waren bis zu drei 'Iirnten' möglich. Die Arnsdorfer 'Schloßbrauerei' Max Nitzsche

erwarb 1921 die Roßweiner Brauerei, braute jedoch hier nur einjahr lang und nutzte die Räume dann als Lager. NachAbriß der Gebäude, Ende der fünfziger Jahre, bebaute die 'Terra' -Schuhfabrik das Gelände.

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