Roßwein in alten Ansichten Band 4

Roßwein in alten Ansichten Band 4

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6423-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 4'

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9 Bekannt war in unserer Gegend das Arnsdorfer NitzscheBier. 1860 betrieb Emil Nitzsche in Krögis eine Brauerei und Schankwirtschaft und pachtete 1867 die Gersdorfer Rittergutsbrauerei, deren Einfach- und Doppelbier in den Halsbrücker Hütten, den Dresdener Gruben und auf den Feldern der Döbelner Pflege sehr begehrt war.

1883 kaufte Nitzsche die Arnsdorfer Brauerei, die 1894 sein Sohn Max übernahm.

Durch die gute Wasserqualität des tiefen Brunnens hatte das Bier einen ausgezeichneten Geschmack, der dem des Wernesgrüner Bieres ähnelte. Max Nitzsche kaufte 1921 die stillgelegte 'Roßweiner Felsenkellerbrauerei', nutzte die Räumlichkeiten jedoch lediglich zur Lagerung von Bier. Nach dem Zweiten Weltkrieg traten immer mehr Rohstoffprobleme auf, statt Gerste mußte Reis zum Brauen verwendet werden. 1958 ging

der Betrieb in Konkurs, ein Treuhänder wurde eingesetzt, und mit der Schließung der Arnsdorfer Brauerei endete ein Familienunternehmen mit großerTradition. Auf dem Foto von 1921 im Hof der Brauerei in Arnsdorf stehen vor dem Lastwagen von links Sohn Georg Nitzsche,

Senior Max Nitzsche und die Söhne Walter und Max jun. Dahinter sehen wir von links das Brauhaus, das Kontor mitVorbau, rechts den Lagerraum für Flaschenbier und die Rampe zum Verladen der Fässer.

la Bis zumjahre 1899 hatte Gleisberg bei der 'Burgmühle'

ein interessantes Bauwerk, das in heutiger Zeit sicher unter Denkmalschutz stünde, die überdachte schindelgedeckte Holzbrücke über die Mulde. Wann die Brücke erbaut wurde, konnte selbst Heimatforscher Oberlehrer Hiller trotz intensiver Forschungen nicht feststellen. Die ältesten Akten über die Brücke im Staatsarchiv Dresden stammen von 1847, die vom Wasserbauamt DöbelnausdemJahre 1867.Der Standort war östlicher als der jetzige, etwa zwischen dem Fabrikgebäude und der Villa des 'Burgmüllers'. Das große Hochwasser von 1897 hatte am Widerlager der Brücke ziemlichen Schaden angerichtet, weshalb sie gesperrt werden mußte. Die Domäne Kummersheim und das Klostergut Zella waren dadurch sehr betroffen, hatten sie doch viele Frachten, wie Zuckerrüben und

Kartoffeln, zum Gleisberger Bahnhofzu bringen. Deshalb drängte man auf eine baldige Wiederherstellung. Zunächst errichtete BaumeisterThomas eine Behelfsbrücke 38 m lang und 3,5 m breit für eine Belastung von 60 Zentnern. Gleichzeitig begann die Planung für eine

neue, massive Brücke bei veränderter Straßenführung. Auf dem Foto von 1898 hat der Fotograf die alte Holzbrücke für die Nachwelt im Bild festgehalten. Die Behelfsbrücke ist bereits errichtet und wird von Fußgängern und Fuhrwerken benutzt. Die alte Holzbrückewurde 1899 für450

Mark auf Abbruch verkauft, die 11 000 Mark Reparaturkosten wären zu teuer geworden.

11 Am Abend des 1. Mai 1898 vernichtete ein Großbrand die Pappenfabrik Brodmeyer &Junghans in Gleisberg. Die 'BurgmühIe', wie sie nach dem gegenüberliegenden Berg genannt wurde, bot ein schaurig-faszinierendes Bild. Das Feuer war auf dem Trockenboden des Fabrikgebäudes ausgebrochen und breitete sich rasend schnell aus. Etwa 600 Zentner Pappen boten dem Feuer reichlich Nahrung; wie Raketen stiegen die brennenden Pappen in den Abendhimmel. Aus den im Fabrikgebäude befindlichen Wohnungen des Buchhalters, des Werkführers und des Kutschers konnte kaum etwas gerettet werden. Der Kutscher, der in treuer Pflichterfüllung bei den ihm anvertrauten pferden geblieben

war, verlor all' seine Habe. Auch gelang es den zahlreichen zu Hilfe geeilten Feuerwehren nicht, das danebenliegende Wohngebäude zu erhalten. Doch wurden

wenigstens die Geschäftsbücher und der Tresor des HerrnJunghans dem Feuer entrissen. Die Maschinen bildeten jedoch nur noch ein wirres Chaos. Glücklicherweise war kein Menschenleben zu beklagen. Das Foto von 1898 zeigt einen Blick über das Muldenwehr auf die ausgebrann-

ten Ruinen von Fabrik- und Wohngebäude. Am linken Bildrand ist noch die überdachte Holzbrücke zu sehen, die einjahr später abgerissen wurde.

12 Ein weithin sichtbares Bauwerk ist der Aussichtsturm bei Böhrigen. Der Inhaber der Böhrigener Webwarenfabrik Carl Gustav Leonhardt ließ 1890/91 den Turm auf seine Kosten bauen, stellte Bänke auf und legte bequeme Wege für Spaziergänger an. Auch im Gemeinde- und Schulrat zu Böhrigen war Herr Leonhardt verdienstvoll tätig. Am 8. September 1903 starb er in Böhrigen und wurde auf dem Friedhof zu Etzdorf begraben. Entwurf und Ausführung des Turmbaues lagen in den Händen der erfahrenen Baufirma Clemens Koch, Roßwein. Die Maurerpoliere waren Jäpel und Bielitz. DerTurm ist mit der Brüstung 27.15 m hoch und die Fahnenstange ragte 9 mempor. Die Plattform liegt 324 m über NN. Man mußte 142 Stufen zu ihr hinaufsteigen. Von hier oben hatte man eine ausgezeichnete Fernsicht bis zum Völker-

schlachtdenkmal, Collmberg und zu den Höhen des Erzgebirges. Leider ist der Aufstieg zum Turm seit Jahrzehnten nicht mehr möglich, weil die Treppe total marode ist und baupolizeilich gesperrt wurde. Eine Sanierung würde der Gemeindeverband gerne durchführen, sie scheitert jedoch an den fehlenden Geldmitteln.

13 Max Wackwitz war ein Flieger aus Leidenschaft. Geboren am 19.Dezember 189üinDittersdorf, zogen die Eltern bald nach Greifendorf, wo sie eine Käserei betrieben. Hier verlebte Max seine Kindheit. In Roßwein absolvierte er eine kaufmännische Lehre, 19 11 kaufte er sich ein Motorrad mit Keilriemenantrieb. Dies war entscheidend, denn als er Anfang des Ersten Weltkrieges zur Infanterie einrückte und man dort für die Fliegerei warb, wurde er als Einziger seiner Truppe angenommen, mit der Begründung, daß er ein Motorrad und damit Kenntnisse von einem Benzinmotor hatte. Damit waren die Weichen für sein späteres Leben gestellt. Auch nach dem Krieg ließ ihn die Fliegerei nicht los. Er erhielt eine Anstellung als Reklameflieger für die Zigarettenmarke 'Bulgaria Sport', später für 'Reerntsma R 6'. Neben seiner Fliegerleidenschaft hing

sein Herz sehr an Böhrigen, wo er seßhaft wurde. Zu Festlichkeiten erfreute er die Böhrigener mit Kunstflügen, machte auch schnell mal einen Besuch zuhause mit einer 'Notlandung' im Kleefeld. Auf dem Foto um 1924 steht er mit seiner Frau vor dem Flieger. Die in Dresden-Hellerau

stationierte Staffel der Reklameflieger kam oft bei Flugtagen zum Einsatz. Wackwitz's 'Glanz nummer' war, mehrere Loopings hintereinander zu drehen und mit dem letzten zu landen. Verwegen flog er in Dresden unter Brückenbögen hindurch, wofür ihm aber bereits bei der Landung

von der Polizei 25 Mark Strafe abgeknöpft wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ er sein geliebtes Böhrigen und verstarb 1971 in Troisdorfbei Köln.

14 Am 27. Oktober 1926 kündigte das 'RoßweinerTageblatt' eine Sensation an: 'Der schienenlose Zug der amerikanischen Metro-Goldwyn - Mayer- Filmgesellschaft kommt auf seiner Reise um die Welt auch durch Roßwein.' Der Zug hatte bereits Amerika von Kanada bis Mexiko, von Los Angeles bis NewYork durchquert. Nach Europa übergesetzt, durchfuhr er ganz England, Holland, Belgien und setzte seine Rundreise in Deutschland fort. Aachen, Stettin, Breslau und Dresden, überall wurde er von einer mehrtausendköpfigen Menschenmenge bestaunt und bejubelt. Selbst ein Unfall bei Glatteis konnte ihn nicht an der Weiterfahrt hindern. Am 31. Oktober hatten sich über tausend Neugierige vor den 'CasinoLichtspielen' (später 'Deli') eingefunden, um den kuriosen Reklame-Gag nicht zu versäumen. Endlich kam der' schienenlose

Zug' von Etzdorfher, bestehend aus Lokomotive, Tender und Salonwagen. Die Lokomotive pfiff und klingelte ganz echt, dennoch war es kein Zug im eigentlichen Sinne. Das Gefährt wurde von zwei 90-PS-Motoren bewegt. Der Salonwagen enthielt Wohnräume und einen Speiseraum. Beleuch-

tung und Belüftung wurden elektrisch betrieben, fließend warmes und kaltes Wasser und eine Radioanlage zur Unterhaltung standen der Begleitmannschaft zur Verfügung. Alles drängte im Moment des Anhaltens um den Zug, doch bald fuhr er wieder los, eine Menge Reklamezet-

tel zurücklassend. Er setzte seine Fahrt fort und nahm Kurs auf Frankreich, Spanien und Italien.

15 Im August 192 6 erfolgte die feierliche Einweihung der Autobuslinie Döbeln-Roßwein. Damit war eine wichtige Verkehrsverbindung hergestellt. Bei der damaligen Beschaffenheit der Straßen wirbelten die Autos dermaßen viel Staub in die Höhe, daß die Fußgänger und Radfahrer sehr belästigt wurden. So erfolgte durch ministerielle Verfügung für verschiedene Straßen ein Sonntag-Fahrverbot für Autos. Dies betraf auch die Muldentalstraße Roßwein -Niederstriegis-Döbeln. Eine Ausnahmegenehmigung erhielt lediglich die neueAutobuslinie der Döbelner Straßenbahn A. G. Am 19. August 1926 trafen die Döbelner Vertreter der Stadt, der Straßenbahn A. G. und der Buslieferfirma VOMAG mit dem schön geschmückten Bus in Roßwein ein, herzlich empfangen vom Bürgermeister Dr. Wild und den Stadt-

räten. Nach der Eröffnungsfeier im Rathaussaal unternahmen die Roßweiner Herren eine Probefahrt nach Döbeln. Die Döbelner Abordnung besichtigte inzwischen das Roßweiner Stadtbad. Sie war ebenso von der Schönheit der Anlagen begeistert, wie die Roßweiner Delegation von

der ruhigen und doch schnellen Fahrweise des Autobusses. Bald war der Bus eine bekannte Erscheinung in unserem Straßenleben. Bereits am Ton seiner Hupe erkannten ihn die Roßweinero Auch die Haltestellen in Ullrichsberg, Niederstriegis, Mahlitzsch und Neugreußnig

brachten für die Anwohner eine große Verbesserung.

16 Gustav Felix Uhlig schuf mit seinen Zeichnungen, Holz- und Linolschnitten von Roßweiner Motiven einen wertvollen Schatz heimatkundlicher Dokumentationen. Er wurde am 24. Juli 1883 in Dresden geboren. Die Familie zog nach Roßwein, wo Felix 1899 in der Sächsischen Glasmanufaktur C. Hey eine Lehre als Zeichner begann. Bald erkannte man seine Begabung und förderte das große Talent, indem man ihn aufKosten der Firma zu einem Studium an die Dresdener Kunstakademie, Abteilung Kunstgewerbe, schickte. Hier erhielt er eine hervorragende Ausbildung. Neben seinem Können im Zeichnen und Skizzieren beherrschte er nun auch alle anderen Maltechniken, wie Aquarelle, Rötelzeichnungen und Ölgemälde, auch Schnitzereien und Modellierungen, Figuren, Marionetten und Puppenköpfe entstanden. Holz- und Linolschnitte zog er selbst ab. Er experimentierte viel, bemalte Stoffe und machte Vorlagen für Stickereien. Die Glasmanufaktur hatte mit ihm einen hervorragenden Designer für die hochkünstlerischen Glasleuch-

ten, Spezialgläser für Beleuchtungsanlagen sowie die Facettund Möbelgläser, die sich weit über Deutschlands Grenzen eines guten Rufes erfreuten. Auch die Fertigung von Grab- und Firmenplatten mit Inschriften gehörte zum Lieferprogramm. 45 Jahre lang galt sein künstlerisches Gestalten der Glasmanufaktur Fa. C. Hey, wo er sein Wissen und seine Erfahrung auch an viele talentierte junge Menschen weitergeben und sie fördern konnte. So gingen unter anderen die großen Maler Richard Heymann und Frieder Wegert nach der Ausbildung bei der Fa. C. Hey zum Studium nach München. Zu Kriegsende übersiedelte Felix Uhlig nach Ochtrupp/Westfalen, wo er im Alter von fast 90 Jahren starb. Mit seinen schönen Zeichnungen von unserer Heimatstadt hat er sich selbst ein bleibendes Denkmal gesetzt.

1 7 Eine in unserer Stadt bekannte und geschätzte Pianistin war Frau Helene Weymann, die in der Kreuzstraße Nr. 1 wohnte. Frau Weymann, geborene Hübsch, hatte ihre musikalische Ausbildung an einem Konservatorium erworben. Ihr Mann, Bürgerschullehrer Oskar KurtWeymann, war früh verstorben, und so lebte sie von einer kleinen Pension, dazu erteilte sie Klavierunterricht. Mit ihren Schülern gab sie oft kleine Konzerte, die den Besuchern, wie auch den jungen 'Kûnstlern ', viel Freude bereiteten. Zu Veranstaltungen begleitete sie sehr einfühlsam die Gesangssolisten, wie Frau Dr. Buse beim Christlichen Frauenverein, oder zu Liederabenden die Solistin Christa FengIer, geborene Petzold. Das Foto aus dem Jahre 1947 zeigt Frau Weymann beim Musizieren an ihrem Flügel, während der Kunstmaler Fischer-Derenburg, mit dem sie

gut befreundet war, ihrem Spiel lauscht. Friedrich Wilhelm Fischer-Derenburg, 1882 in Derenburg/Harz geboren, hatte an den Kunstakademien in Dresden und Berlin studiert. Nach Studienrei-

sen in Europa nahm er an der Leo-Frobenius-Expedition teil, die ihn nach Nordafrika, in das Atlasgebirge und in die Sahara führte. Sein künstlerisches Schaffen galt der Landschafts-, Stil-

leb en- und Blumenmalerei sowie Bildnissen. Im hohen Alter übersiedelte er zu Verwandten nach Südafrika.

18 Das Musikleben unserer Stadt wurde durch einen Zitherklub bereichert. Die Freude am gemeinsamen Musizieren hatte Musikfreunde zusammengeführt, die 1894 den Roßweiner Zitherklub gründeten. Auf dem Foto, das 1905 entstand, sehen wir den Vorsitzenden Ferdinand Herlt in der Mitte der Gruppe stehen. Der Klub veranstaltete jährlich meist nur ein großes öffentliches Konzert. Die instrumentale Besetzung war zeitweise recht bemerkenswert; 1929 verfügte dieses Orchester über 16 Zither-, vier Gitarren-, drei GeigenspieIer und einen Cellisten. Dadurch war auch das Programm sehr vielseitig. Neben Stücken für den gesamten Chor, der exaktes Zusammenspiel zeigte, wurden Duette und Terzette, aber auch Gesangsvorträge mit Zitherbegleitung geboten. Nach dem Konzert folgte zumeist ein oberbayerisches Theaterstück, da-

nach spielte das Stadtorchester zum Ball auf Es fanden aber in Roßwein auch Großveranstaltungen statt, zu denen der Zitherklub andere Vereine einlud, so aus Mittweida, Leisnig und Döbeln. Später konnten namhafte Solisten, wie Anton Günther, für

die Konzerte gewonnen werden. Gemeinsam mit dem Erzgebirgsverein fand 1933 eine Veranstaltung statt, auf welcher der erzgebirgische Heimatdichter Max Wenzel auftrat. Auch in benach barten Städten gab der Zitherklub Konzerte.

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