Roßwein in alten Ansichten Band 4

Roßwein in alten Ansichten Band 4

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6423-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 4'

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191mFrühjahr 1897fandsich in Roßwein eine Gruppe Musikfreunde zusammen, die den 'KonzertinaKlub Roßwein' gründeten. Leiter war Herr L. Vogel, der beim ersten öffentlichen Konzert im Schützenhaussaal die Kapelle dirigierte und mit einem Solovortrag großen Beifall erntete. Der Erlös der Veranstaltung kam hilfsbedürftigen Konfirmanden zugute. Für Roßwein waren Darbietungen auf diesen Instrumenten etwas Neues. Konzertinas und Bandoneons waren im Klub vertreten und harmonierten ausgezeichnet. Das Erlernen des Konzertinaspiels ist gar nicht so leicht. Auch hatten die meisten Mitglieder in ihrem Beruf schwere körperliche Arbeit zu verrichten, was für die Beherrschung des Instrumentes nicht förderlich war. Vielseitig waren die Einsätze, in voller Besetzung bei Konzerten

und Festzügen, aber auch als Duos und Trios bei kleineren Feiern. Höhepunkte bildeten die Stiftungsfeste, zu denen befreundete Klubs eingeladen wurden, zum Beispiel die von Riesa, Meißen, Hartha, Radebeul, Dresden. Vor 7 00 Zuhörern wetteiferten sie einerseits untereinander,

boten aber auch im Gruppenkonzert mit bis zu 85 Mitwirkenden imponierende Leistungen. Besonders gefeiert wurde Arno Seifert aus Wetterwitz, der am

20. Dezember 1934 auch im Rundfunk als Solist auftrat. Das Foto vom 1. Mai 1924 zeigt eindrucksvoll den Konzertina-Klub.

Viele sind uns noch bekannt, so Willi Koch, Otto Zschockelt, Arno Werner und die drei Seiferts aus Wetterwitz. Vereinslokal war die Centralhalle in der Kirchstraße.

20 Im]ahre1898begingSachsen mit großen Festlichkeiten den 70. Geburtstag und das

25 jährige Regierungsjubiläum

Sr. Maj. des Königs Albert von Sachsen. In Roßwein begann der 23. April mit Böllerschießen und Weckruf durch die Schützengesellschaft und den Militärverein. Am Festakt in der Turnhalle, an Platzkonzerten, am Fackelzug durch die ganze Stadt und am Kirchgang beteiligten sich die zahlreichen Vereine. Die Deutsche Schlosserschule hatte für das Regierungsjubiläum nach dem Entwurf des Lehrers Gräßler die kunstvolle Widmungstafel angefertigt, die wir auf dem Foto sehen. Sie zeigt in der Mitte den königlichen Namenszug mit der Krone, flankiert von einem Lorbeer- und einem Eichenbaum mit plastischen Wurzeln, Ästen und Blättern. Den Untergrund bildet eine patinierte Kupfertafel mit derWidmung. Dieses Mei-

sterstück wurde am 20. September Seiner Majestät im Residenzschloß Dresden von Herrn Naupert, Direktor Beil und Lehrer Gräßler überreicht. Gleichzeitig brachte man den Dank der Schule für die Förderung durch die Regierung zum Ausdruck. Der König zeigte sich sichtlich erfreut und verriet im Gespräch mit den Deputationsmitgliedern überraschende Sachkenntnis in der Kunstschlosserei.

21 Die Firma Köhler & Haller in Roßwein konnte 1947 ihr 25jähriges Jubiläum feiern. Der Betrieb reparierte landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, Traktoren der Fabrikate Zettelmayer, Deutz und Kramer, aber auch Pflüge, Grasmähmaschinen, Selbstbinder und Dreschmaschinen. Um unter der BeschäftigtenHöchstgrenze für Handwerksbetriebe zu bleiben, trennte man sich in den fünfziger Jahren. Trotzdem kam man aber nicht um die Bildung von Produktionsgenossenschaften herum. Die Firma Karl Köhler schloß sich mitWilli Wegert undAuto-Naumann 1959 zur'PGHKFZund Maschinenbau' zusammen und errichtete in der Goldbornstraße einen Neubau. Neben Serviceleistungen für Elektrokarren reparierte man KraftfahrzeugeTrabant, Wartburg und andere Typen, bis 1991 der Betrieb aufgelöst wurde. Der andere Partner,

Horst Haller, hatte mit der Fa. Heinz Pietzsch die 'PGH Maschinen- und Stahlbau Roßwein' gegründet, die 1973 verstaatlicht wurde zum 'VEB Stahlkonstruktion Roßwein' und später in der Firma 'VEB Stahlbau Lüttewitz/ Roßwein' aufging. Nach der Wende erfolgte die Privatisierung

in eine GmbH.Auf demJubiläumsgruppenbild von 1947 sitzen die beiden Inhaber in der Mitte, links Horst Haller und rechts Karl Köhler, umgeben von ihren Mitarbeitern. Den prächtigen Blumenschmuck haben die zahlreichen Gratulanten gebracht.

22 Der Schuhmachermeister Wilhelm Göhler betrieb in der Dresdener Straße 19 (später Zigarrengeschäft Voigt, dann Baade, jetzt Meinecks Gaststätte) sein Schuhgeschäft. In Inseraten brachte er der geehrten Kundenschaft 'sein umfangreiches Schuhwarenlager mit großer Auswahl zu civilen Preisen in empfehlende Erinnerung'. Zum Beispiel bietet er rindslederne Schaftstiefel für 7 bis 9 Mark, kalbslederne Herrenstiefeletten für 8 bis 9 Mark, KnabenSchaftstiefel für 4 bis 7 Mark, feine Stulpenstiefel mit Quasten für 5 bis 8 Mark, desgleichen Damen- und Kinder-Stiefeletten in dauerhafter und geschmackvoller Arbeit an. Auch offeriert er die Anfertigung nach Maß in solider und dauerhafter Ausführung. Auf dem Foto, das um 1900 entstand, steht der Meister Wilhelm Göhler mit seiner Frau in der Ladentür seines Geschäftes und

prüft einen Schuh. Meister Göhler war in Roßwein ein angesehener Bürger und 1879

Schöffe am hiesigen Amtsgericht.

23 Mit einer Hutmacherfirma fing es an, die Kar! Friedrich Schwerdtfeger am 5. Juni 1837 in der Roßweiner Mittelstraße gründete. 1850 erwarb er das Grundstück Querstraße 6. Nun wurden hier die Dreieckigen-Generals-Paradehüte, die der Hoflieferant in Dresden verkaufte, und hohe Bergmanns-Paradehüte hergestellt. Daneben fertigte man auch Filz- und Walkfilzschuhe. Diese wurden im eigenen Laden, größtenteils aber aufMärkten, verkauft, so in Wilsdruffund Dresden. Im März 1878 übernahm August Theodor Schwerdtfeger den Betrieb, später führten seine Söhne Ewald und Erich das Familienunternehmen weiter. Zum 10 Ojährigen Betriebsjubiläum 1937 haben sich die Inhaber und ihre Mitarbeiter zur Erinnnerung an diesen festlichen Tag fotografieren lassen. In der Bildmitte sitzen die beiden

Chefs, links Erich und rechts

Ewald Schwerdtfeger, vor ihnen ihre Söhne Dieter und HansGünter, ganz links, mit langen Zöpfen, Erichs Tochter Christa, daneben ihre Tante Elia Schwerdtfeger. Am 3 1. Dezember 1938 verlegten die Inhaber die Hausschuhfabrik nach Nassen, wo sie ein großes Fabrikgebäude erwor-

ben hatten. Auch dieser Privatbetrieb wurde 1972 verstaatlicht, mit anderen Firmen zusammengeschlossen und nach der 'Wende' aufgelöst.

24 Unsere Stadt war schon im vorigenjahrhundert in Sachsen bestens bekannt als Ort der Schuhmacher, die besonders gute Leder- und Filzschuhe herstellten. Neben der SchwerdtfegerFilzschuhfabrik und einigen kleineren Betrieben gab es eine weitere, größere dieser Art. Ihr Ursprung lag in einer kleinen Fabrikation von Stumpen für Filzhüte mit der sich der gelernte Hutmacher Ferdinand Herlt in Roßwein seßhaft machte. Er erwarb 1895 das Grundstück Auf dem Werder Nr. 2, wo hauptsächlich Filzschuhe und Pantoffeln hergestellt wurden. Sie fanden gutenAbsatz, besonders auf Märkten in Sachsen. 1905 machte sich ein Erweiterungsbau erforderlich, wie wir ihn auf dem Foto sehen. Zwei Jahre später erfolgte die Aufstockung des Gebäudes zur heutigen Größe. Leider verstarb Ferdinand Her lt

noch im gleichen Iahr, seine Frau Anna mit fünfKindern hinterlassend. Mit bewundernswerter Energie und großem Geschick gelang es ihr, das Unternehmen weiterzuführen, bis 1 9 1 2 ihr Sohn Feodor und Schwiegersohn Max Henneberg in die Firma eintraten und sie erfolgreich ausbauten.

Der Erste Weltkrieg und die folgende Wirtschaftskrise hemmten die Entwicklung, bis Anfang der dreißiger Jahre die Produktion wieder anstieg. Deshalb war es günstig, daß das große Fabrikgebäude der ehemaligen Hellerschen Schuhfabrik in der Oberen Weinbergerstraße Nr. 11 er-

worben und bezogen werden konnte.

25 Die große Belegschaft der Firma Herlt hat sich am 25. April 1955 zum 60jährigen Betriebsjubiläum vor dem Fabrikgebäude für ein Gruppenbild versammelt. In der Mitte sitzt Feodor Herlt, links neben ihm seine Frau und sein Sohn Wolfgang, der ebenfalls seit 1946 in der Firma tätig ist. Zur Rechten hat Frau Henneberg, Schwester von Feodor Herlt, mit ihrem Mann Platz genommen. In den neuen Räumen wurden mit modernen Maschinen gediegene Hausschuhe und leichte Sommerschuhe gefertigt. 1938/39 belief sich die Tagesproduktion auf 1 000 Paar. Auch im Zweiten Weltkrieg arbeitete man trotz großer Schwierigkeiten weiter. Nicht leichter, aber stetig ansteigend' gestaltete sich die Produktion nach Kriegsende, wo man zunächst Material aus aufgetrennten Uniformen verwendete. Auch mußte Ersatzschuhwerk aus Leinen und Kunstleder mit Holz-

sohlen fabriziert werden. Die Mitbegründerin der Firma, Frau Anna Herlt, verstarb im April

195 0, hatte aber noch die positive Entwicklung des Wiederbeginns erleben können. Die Kollektion bot formschöne, bequeme Damenhausschuhe und modische Pantoffeln in bester

Qualität, für die dasWarenzeichen 'Giraffe' bürgte. Nach der erzwungenen staatlichen Beteiligung erfolgte 1972 die Enteignung, die Feodor Herlt noch miterleben mußte, ehe er 1973 verstarb. Nach der Wende wurde der Betrieb reprivatisiert, doch die Treuhand unterband die Be-

strebungen eines Neubeginns und ordnete die Schließung des Betriebes an.

26 Ein Blumengeschäft mit Kranzbinderei betrieb Frau Elise Köhler in der Gartenstraße 27. Gern kaufte man bei ihr, jedoch wurde zu den SchuIfesten ihr kleiner Laden zum besonderen Anziehungspunkt für Einheimische und Gäste. Es war ja bekannt, daß die Gartenstraße mit ihren Ehrenpforten stets auffallend schön geschmückt war. Was aber Frau Köhler mit ihrer Familie jedesmal 'auf die Beine stellte', war bewundernswert und blieb bis zuletzt eine Überra schung. Auf dem Foto von 1929 können wir ein Riesen-Füllhorn oben an der Ehrenpforte bewundern, das ein Blumenmeer auszuschütten scheint. Tausende von lebenden Blumen sind darin verarbeitet, und auch das Horn wurde mit Blüten besteckt. FünfJahre später hing eine große Blumenglocke herab, auf der aus Blüten das Roßweiner Stadtwappen gestaltet war.

27 Zum hundertjährigenJubiläum des Schulfestes 1937 hatten Köhlers wieder einen besonderen Einfall. Die Jahreszahlen 1837 und 1937 waren in ovalen Kränzen mit Blumen gesteckt und in der Mitte prangte ein herrlicher Blumenkorb. Damit hatten sie die drei Ehrenpforten vor ihrem Haus geschmückt. Das Foto zeigt das ebenfalls sehr schön dekorierte Schaufenster. Das große Füllhorn, das mit einer Länge von drei Metern fast den ganzen Laden einnimmt, hat

Frau Köhler noch einmal mit Blumen gefüllt. Die Bildtafeln mit Fotos früherer Schulfestschmückungen zeugen vom großen Können und Geschick

der Blumenbinderin. Hinter der üppigen Dekoration steht Frau Elise Köhler mit ihrem Mann und Tochter Irmgard. Im gleichen Haus befand sich seit 1903 der kleine Kolonialwarenladen von

Frau Marie Grützner, den Frau Köhler oft nebenbei betreute.

28 Ein Knüller im Schulfestumzug von 1959 war der 'Muidenschreck'. Der Dekorateur Helmut Pietzschmann hatte mit viel Mühe und Geschick einen Kleinwagen verkleidet und in ein Schiff verwandelt. Lieschken'Pansch' undJunghans-'Kaddel' begrüßten von der Kommandobrücke durch das Schiebedach die jubelnden Zuschauer des Festzuges. Durch das schmale Fenster der Frontscheibe schauend, steuerte Gerhard Hellriegel das Schiff sicher durch die geschmückten Straßen. Zum SchuIfest 1959 konnte die Wasserlei tung von Simselwitz nach Roßwein eingeweiht und damit die große Wasserknappheit in unserer Stadt beseitigt werden. Der 'Muldenschreck' zeigte die Freude der Roßweiner über das köstliche Wasser, denn am Heck stand: 'Wenn Roßwein Simselwitz er Wasser hat, ist die Freiber-

ger Mulde schiffbar.' Allerdings wäre aus diesem Festzugsspaß beinahe nichts geworden, denn das Schiffbekam keine Starterlaubnis. Doch selbst die zu erwartenden Repressalien konnten die Schiffsbesatzung nicht abhalten, sich in den Festzug einzurei-

hen, zur Freude aller Roßweiner und der vielen Gäste.

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