Roßwein in alten Ansichten Band 4

Roßwein in alten Ansichten Band 4

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6423-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 4'

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29 Hans Lieschke, geboren am 24. Oktober 1911, gut bekannt als 'Pantoffel-Lieschke', wurde am 6. Juli 1991 von seiner Heimatstadt mit der Ehrenbürgerwürde bedacht. Nicht nur in Roßwein, sondern auch in weiten Teilen unseres Sachsenlandes, ist er ein geschätztes und beliebtes Original, das mit seinem Humor über fünfzig Jahre den Menschen Freude und Entspannung brachte. Gerade in schwierigen Zeiten konnte so mancher durch ihn mit einem befreienden Lachen den Ärger des Alltags vergessen. Der Name 'Pantoffel-Lieschke' hat seine Wurzeln in dem von seinem Vater vererbten Gewerbe der Pantoffelherstellung, das Hans nach Kriegsende weiterführte. Er mußte jedoch bald erkennen, daß trotz größten Fleißes das Handwerk keinen ' goldenen Boden' mehr hatte, deshalb hängte er den Pantoffel an den 'berühmten Nagel'. Damit begann seine 'Feierabend-Karriere' als Komiker, nur der Name blieb als sein Markenzeichen erhalten. Noch im Alter von 85 Jahren trat er zu Familienfeiern und Betriebs-

festen auf, um mit seinen Vorträgen Frohsinn zu bereiten. Eine Glanznummer war stets die von Oskar Junghähnel erdachte 'Thekla' (ein sogenannter Tournüren-Ritt), die mit ihrer Komik über 100 JahreTriumphe feiern konnte. (Tournüren waren um 1880 in der Damenmode übliche Gesäßpolster. )

3 0 Die Roßweiner Freiwillige Feuerwehr hatte sich 1938 vor dem Magirus-Löschfahrzeug zu einem Gruppenbild im Schulhof versammelt. Das von der Fa. Magirus/Ulm hergestellte Fahrzeug, für das die Firma 'Spritzen-MülIer' Döbeln den Oberbau lieferte, zählte zu den modernsten dieser Zeit. Die Autospritze, die 1 200 Liter Wasser in der Minute auswarf, und die angehängte Motorspritze, die ebenfalls 8 0 0 Liter schaffte, erreichten also zusammen mit 2 000 Liter pro Minute eine beachtliche Leistung. Außerdem konnte der Strahl vierfach gegabelt werden. Neu war an dem Wagen aber auch der geschlossene Aufbau, bei dem durch eine Allwetterplane der Raum für acht Feuerwehrleute geschützt wurde. Ein 65 PS Motor trieb das 6 Meter lange Fahrzeug an und am Einsatzort die Pumpe, die in einemAluminiumgehäuse vor dem Kühler un-

tergebracht war. 1936 war eine Neugliederung der Feuerwehr erfolgt. Die Einteilung in Steiger-, Absperr- und Motorspritzenzug fiel weg. Jeder Feuerwehrmann wurde universell ausgebildet. Auch in der Kleiderordnung än-

derte sich einiges. Wie auf dem Foto zu sehen, wurden einheitliche Stahlhelme und Schulterriemen eingeführt, dazu Hoheitsabzeichen an den Mützen und Ärmeln der Uniform. Viele der Wehrmänner sind uns noch be-

kannt, so Kurt Seidel, Kurt Hager, Theodor Schwerdtfeger, Fritz Hancke, Arno Hegner, Arno Fischer und weitere.

31 Zusammen mit den Gruppen aus Döbeln, Meißen, Nassen, Riesa und Rüsseina nahm die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Roßwein, die wir auf dem Foto sehen, am 10. Juni 1928 an der Bezirks-Inspektions-Übung in Riesa teil. Als Übungsobjekt war die Hübler-Mühle am Elbkai gewählt worden. Der angenommenen Explosion und dem Brande ging bald nach der Meldung die Riesaer Feuerwehr mit zwei Schiebeleitern, zwei Motorspritzen und Schlauchleitungen zu Leibe. Die Sanitäter hatten die Bergung der Rauchvergifteten und Verunglückten zu übernehmen. Dazu benutzten sie Rettungsschlauch, Sprungtuch und Trogtasche, die am Gebäude herabgelassen wurde. Mit Rauchmasken ausgerüstete Sanitäter brachten die Scheinopfer auf die nahegelegene Wiese, wo man Verbände anlegte und mit dem Sauerstoffapparat arbeitete. Der

weitere Abtransport erfolgte mit einem Krankenauto und zwei dafür hergerichteten Lastwagen. Die Riesaer Wasserabteilung unterstützte die Übung von einem Elbkahn aus und brachte Verletzte an Land. Auch die Bevölkerung nahm regen Anteil. In der Beur-

teilung des Einsatzes lobte Inspizient Dr. Zimmermann aus Meißen das exakte Arbeiten im großen Verband. Mit der Vorführung eines Rettungsapparates für Starkstromunfälle wurde die Übung nach vier Stunden beendet. Anschließend marschierten

die über zweihundertTeilnehmer mit Musik durch die Stadt zu 'Hópfuers Festsälen', wo noch Konzert und Festball stattfanden.

32 Café und Konditorei

Schmidt Roßwein im August 1934. Die Roßweiner Bäckerfamilie Schmidt gehörte zu den ältesten hier ansässigen Geschlechtern und genoß großes Ansehen. Am 27. März 1880 kaufte Konditormeister Gustav Schmidt vom Posamentierer Niernetz das Haus Döbelner Straße 15, das er zur Konditorei umbaute. Bereits am 1. Oktober 1880 inserierte er, daß er seine 'Neuzeitlich eingerichtete Konditorei mit Kaffee-, Bayrisch- und Lagerbierausschank empfiehlt und auch Damenbrettspiele, Domino und Schach unentgeltlich zur Verfügung stelle'. 1907 übergab Gustav Schmidt das Geschäft seinem Sohn Wilhelm, der sich leider nur wenige Jahre an seiner schönen, gut florierenden Konditorei erfreuen konnte. Schon bald nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges fiel Wilhelm Schmidt und hinterließ seine Frau mit dem damals dreijährigen Söhnchen Herbert. Seine Witwe führte das Geschäft weiter, bis Ende der dreißiger Jahre Herbert die Konditorei übernahm. Er genoß den Ruf eines ausgezeichneten Konditors.

Da er auch musikalisch sehr begabt war, unterhielt er manchmal in freien Minuten seine Gäste am Flügel. Seine junge Frau Gerti stand ihm im Geschäft hilfreich zur Seite. Als nach 1955 die kommunistische Kollektivierungskampagne gegen die Bauern, Handwerker und Gewerbetreibenden begann, übersiedelte die Familie Schmidt nach Westdeutschland. Durch sein ausgezeichnetes Können gelang es Herbert Schmidt, wieder eine Existenz aufzubauen, und auch die drei Söhne gründeten Geschäfte. Herbert Schmidt starb am 12.Juli 1988 in Burggen,

wo seine Gattin Gertrud heute noch lebt.

33 'Überall da christliche Liebe entfalten, wo Not ist' , so steht es in den Statuten des Christlichen Frauenvereins. In Roßwein hatten sich 1852 einige Frauen unter diesem Motto zusammengefunden und machten sich die ehrenamtliche Betreuung der ersten hiesigen Kinderbewahranstalt, die gerade eingerichtet worden war, zur Aufgabe. Auch ermöglichten sie durch ihre Beiträge und Sp endensammlung en Weihnachtsfeiern mit Bescherungen für bedürftige Kinder. Im Krieg 187017 1 betreute man verwundete Soldaten. Nach dem Ersten Weltkrieg galt die Fürsorge vor allem Alten, Kranken und wirtschaftlich Schwachen, den Wöchnerinnen und Säuglingen. DerVerein war rasch angewachsen und bildete 1928 mit 800 Mitgliedern aus allen Schichten der Bevölkerung den größten und segensreichsten Verein in Roßwein. Seiner Vorsteherin, Ber-

ta Börner, wurden für ihre 40jährige selbstlose Tätigkeit die Ehrenbürgerwürde unserer Stadt und der Königlich-Sächsische Carola-Orden verliehen. Die Mitglieder fanden in monatlichen Versammlungen Geselligkeit bei Vorträgen, musikalischen Darbietungen und Filmabenden. Das

Stadtgebiet war in 22 Bezirke eingeteilt, in denen je eine Helferin die Hilfsbedürftigen betreute. Auf dem Foto von 1934 sehen wir die Helferinnen, sitzend von links die Frauen: Michaelis, Hartwig, ?, Klut, Petzold, Schwester Else Rüdrich, ReicheI, ?, Hager und Bretschneider. Stehend von

links: Beyer, Wolf, ?, ?, Illgen, Thümer, Bauch, Zachau, Uhle, ?, Hoffarth, Wachs und ?

34 Ein idyllisches Bild hat Fotograf Willy Hanisch um 1925 festgehalten. Drei junge Mädchen stehen am Aufgang vom 'Stollen' zur Wunderburg. Sie sind im Gespräch vertieft. Ihre Zöpfe haben sie zum Kranz um den Kopf gesteckt, über den Kleidern tragen sie Schürzen, wie es damals Sitte war. Drei kleine Buben, vielleicht ihre Brüder, sitzen derweil am Straßenrand und lassen sich kaum in ihrem Spiel stören. Steil steigt der Weg zur Wunderburg hinauf, starke Stützmauern geben den Häusern Halt. Wir schauen in den ältesten malerischen Winkel Roßweins, in dem sich hauptsächlich Tuchmacher angesiedelt hatten. Die Häuschen, in denen einst die Webstühle klapperten, stehen zum Teil heute noch, allerdings modernisiert und ausgebaut. Das Schild am linken Bildrand, das an der verbrochenen Hausecke der Fleischerei Hahnheißer angebracht

ist, weist auf das Haus Wunderburg Nr. 9 hin, wo Frau Ernestine Franz als Stellenvermittlerin zu finden ist. Sie ersetzte damals das Arbeitsamt. Der Gebäudeteil rechts im Bild gehört zum Haus von Materialwarenhändler Albert Patzschke.

35 Die Firma Erfurth & Co konnte 1937 ihr 1 Ojähriges Betriebsjubiläum begehen, zu dem sich Arno Erfurth mit seinen langjährigen Mitarbeiterinnen fotografieren ließ. Er sitzt in der Mitte rechts neben seinem Kompagnon Fritz Schonert, hinter ihnen steht Meister Gruner sen. Arno Erfurth hatte sich auf die Herstellung von Kinder-StrickKleidung spezialisiert und die Geschäftsentwicklung gab ihm recht. Bald genoß der Markenname 'Eknit' - entstanden aus 'E' (Erfurth) und 'knit' (englisch: stricken) - im In- undAusland einen ausgezeichneten Ruf Ende der dreißiger Jahre fanden bei 'Eknit' bereits 780 Beschäftigte Arbeit und Lohn, zum Teil in Heimarbeit. Am 12. Ianuar 1946 gründete Arno Erfurth mit sieben Gesellschaftern die Tochter-Gesellschaft 'Kiddy' GmbH. Sie stellte im gleichen Gebäude, Goldbornstraße 5, Kinderkleidung aus

Stoffen her, dagegen fertigte die Firma 'Eknit' gestrickte Kinderkleidung an. Wirtschaftspolitische Probleme veranlaßten Erfurth nach Düsseldorf überzusiedeln. Seine Töchter Jutta und Ursula hatten hier einen kleinen Betrieb errichtet, den er nun zielstrebig ausbaute, und in

dem er bald 360 Arbeiter und Angestellte beschäftigte. Der Roßweiner Betrieb 'Bknit' wurde am 6. Mai 1953 wegen 'Westflucht der Gesellschafter' unter die Verwaltung des VEB EKO Oschatz gestellt, während sich aus der 'Kiddy' später der VEB (K) Jugendmode entwickelte.

36 Der Betrieb VEB Jugendmode war in Roßwein für die Frauen der größte Arbeitgeber. Entstanden aus der 1946 gegründeten 'Kiddy' GmbH, wurde er 1955 zum VEB Kinderbekleidung und 1959 zum VEB Jugendmode umbenannt. 1961 erfuhr der Betrieb eine wesentliche Vergrößerung durch den Beitritt der ehemaligen 'Mechanischen Bekleidungswerkstätten' , gegründet 1945 von Richard Herrmann in der Gersdorfer Straße. Damit stieg die Zahl der Beschäftigten auf 40 9, und zu den 1958 gepachteten Grundstücken in der Wehrstraße wurden weitere Gebäude von der ehemaligen Zschocheschen Fabrik gemietet. Auf dem Foto von 1959 schauen wir in den Nähsaal, wo die Brigade 1 am doppelreihigen hochmodernen Varion-Band Kleider in großen Stückzahlen fertigt. Neben dem Verkaufim Inland wurde ein hoher Anteil der Produktion exportiert, wobei

die Sowjetunion Hauptabnehmer war. Auch westdeutsche Versandhäuser zeigten reges Interesse an der erstklassigen 'Billigware' aus der DDR. Der Bedarf stieg derart an, daß die hiesigen Arbeitskräfte und die aus mehreren Zweigbetrieben in Sachsen nicht mehr ausreichten. Deshalb holte man

in den achtziger Jahren junge Frauen aus Vietnam, die im Betrieb ausgebildet wurden und dann fleißig am Band nähten. Nach der Wende mußte auch dieser Betrieb schließen. Alle erfahrenen, hochqualifizierten Textilarbeiterinnen wurden entlas-

sen.

37 Die Brigade 1 unter Marthel Staude und 'Trudchen' Sziegel hat sich im August 1959 in der Mittagspause zu einem Gruppenbild für das Brigadetagebuch eingefunden. Die jungen Frauen, die uns lächelnd anschauen, heißen (sitzend van links): Dubais, Juranek, ?, Hocke, Hambsch, Herzog, Engelmann und Franz. Stehend van links: Müller, Berger, Gera, Rein, Richter, Wehner, Sziegel, EisaId, Claus, ? und Staude. Für die Beschäftigten der Jugendmode waren gute soziale Einrichtungen geschaffen worden. Ein Krankenbehandlungszimmer mit Ruheraum, wo eine Betriebsschwester arbeitete, diente der Gesundheit der Frauen. Die Werksküche, mit modernen Herden und Maschinen ausgestattet, sorgte für das leibliche Wohl,

und eine HO- Verkaufsstelle erleichterte den Einkauf Eine Betriebsbücherei stand zur Verfü-

gung, auch Theaterbesuche wurden gefördert und bezuschußt. Für Festlichkeiten, auch familiärer Art, konnte der Kulturraum genutzt werden. In Ferienlagern wurden den Kindern der Betriebsangehörigen erholsame Ferienzeiten geboten. Lehrgänge gaben den Frauen Gelegenheit, sich zu

qualifizieren. Dies alles war nur mit staatlicher Unterstützung möglich.

38 Die 'Erste Roßweiner Süßmost-Kelterei' errichtete Friedrich Ernst Sohr Unter den Linden 3. Zunächst hatte er das Haus Weststraße Nr. 8 gekauft, wo er im Waschhaus mit der Süßmostherstellung begann. Bald mußten aber größere, geeignetere Räume gesucht werden, die in der ehemaligen Gutmacherschen Fabrik Unter den Linden gefunden wurden. Trotz der schweren Zeit der Weltwirtschaftskrise war es ein aufstrebendes Unternehmen, denn im N ovem ber 1 934 konnte der Betrieb bereits zehn Arbeitskräfte beschäftigen, wie das Gruppenfoto zeigt. In der ersten Reihe sitzen Ernst Sohr und seine Ehefrau Rosa, daneben ihreTochter Gertrud, die spätere Frau Hirschberger. 1936 erwarb Ernst Sohr die Mühle in Neugreußnig und baute sie zu einer erstklassigen Kelterei aus. Sein Markenzeichen auf den Etiketten war ein großes S mit einem Ohr darin. Nach seinemAusscheiden übernahm Schwiegersohn Heinrich Hirschberger den Betrieb. Neben der Obstanlieferung von Sammelstellen herrschte stets ein reger Betrieb durch Kleinerzeuger,

die mit Handwagen undAutos ihre Gartenernte zum Lohnmosten brachten. 1972 wurde die damals größte und modernste Lohnmosterei der DDR verstaat-

licht. Nach der 'Wende' erfolgte die Reprivatisierung zur 'Hirsch berger GmbH', die später in die 'Sachsenobst-GmbH' überging. Geschäftsführer der Kelterei mit

19 Beschäftigten ist Wolfram Oertel, der Schwiegersohn von Heinrich Hirschberger.

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