Roßwein in alten Ansichten Band 5

Roßwein in alten Ansichten Band 5

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6600-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 5'

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Vorwort

Zum 5. Band der Bücherreihe 'Roßwein in alten Ansichten'

Nun sind wir doch den vielen Nachfragen und Bitten unserer heimatinteressierten Roßweiner nachgekommen und haben wieder einen Band zusammengestellt. Auch diesmal hoffen wir für jeden etwas Interessantes zu bringen.

Es ist oft nicht leicht, das Anliegen des Verlages 'wie unsere Großeltern von 1880 bis 1930 lebten und schafften', das wir bereits bis 1950-1960 erweitern konnten, und die Suche nach interessanten Fotos aus dieser Zeit und noch lebenden Zeitzeugen, die darüber etwas erzählen können, in Einklang zu bringen. Wie wir bereits bei der Herausgabe des vierten Bandes betonten, kann unsere Arbeit keine Chronik sein, dazu sind die zur Verfügung stehenden Themen zu unterschiedlich, auch im Zeitablauf. Das vorhandene Bildmaterial soll möglichst in einem chronologischen Ablauf erscheinen, deshalb zeigen wir auch einige historische Fotos aus der Hitler-Ära, die es ja nun einmal gab. Auch dieses Mal sind Straßenbilder, Gebäude und Einrichtungen beschrieben, die zum Teil nicht mehr existieren. Wir versuchen möglichst viel Wissenswertes zu vermitteln, soweit es der vorgegebene Textumfang zulässt.

Bei allen, die uns mit alten Fotos oder interessanten Berichten helfend zur Seite standen, möchten wir uns herzlich bedanken. Wir freuen uns auch weiterhin, wenn wir Überlieferungen von Ereignissen - ob ernst oder heiter - aus früherer Zeit erhalten, oder über jedes Foto, auch wenn Sie es uns nur leihweise zur Verfügung stellen. Vielleicht können wir gerade damit dazu beitragen, nicht zu vergessen, 'wie unsere Eltern und Großeltern lebten'.

Günther und Roswitha Hanisch

Zum Titelbild:

Ein schöner Blick ins Muidental bietet sich uns vom Roßweiner Weinberg. Einstiger Weinanbau ist nicht verbürgt. Bis 1946/47 war der Westhang des Berges noch mit Fichten bewachsen. Die Not und Kälte des extrem kalten Winters trieb die Menschen dazu, sich nachts das Teuerholz' zu holen. Ich kann mich noch besinnen, dass der Nadelwald auf terrassenähnlichen Absätzen wuchs. Der nachgewachsene Laubwald lässt diese kaum noch erkennen, behindert aber durch seinen starken Wuchs die herrliche Aussicht. Die Winteransicht auf dem Foto aus der Zeit um 1925 bietet noch einen freien Blick auf die Freiberger Mulde und die Straße nach Döbeln. Letztere führt an der Gaststätte 'Grûne Aue' vorüber, die bereits 1569 erwähnt wird. Links der Straße sehen wir die Pappenfabrik, die sich lange [ahre im Besitz von Hans Sack befand. Als Spinn- und Krempelfabrik wurde sie 1830 von einem Chemnitzer namens Richter erbaut, der sie wenige [ahre später an die RoßweinerTuchmachermeister Reichel und Straube sowie an Baumeister Voigtländer verkaufte. Fabrikant Reichel galt lange [ahre als einer der reichsten Männer in Roßwein. Dem allgemeinen Rückgang des Tuchmachergewerbes fiel auch 1865 die Fa. Christian Friedrich Reichel zum Opfer. Um die Jahrhundertwende betrieb die Fa. Teller eine Lederpappenfabrikation. Tellers Erben werden noch 192 5 im Ein-

wohnerbuch erwähnt. Nächster Besitzer war Hans Sack. Im Vordergrund erkennen wir den Mühlgraben, der das vom Wehr angestaute Muidenwasser dem Betrieb zuführte. Die Fläche links neben der Fabrik war einst geebnet worden als Reitplatz für die Ulanen. Zum Schuifest 1861 befand sich hier der Festplatz. Die Mulde floss zu dieser Zeit noch in einem großen Bogen nach links, erst als der Nonnenberg ihr den Weg versperrte, wechselte sie die Richtung wieder nach rechts. Beim Eisenbahnbau 1867/68 hätte dies drei Brücken erfordert. Kostengünstiger war eine Verlegung des Flussbettes, die zwei Brücken einsparte. Der abgetrennte Muidenarm blieb uns unter dem Namen 'Eischcrs Teich' erhalten. Die Talstraße nach Döbeln wurde in den [ahren 1855/58 erbaut und verbesserte wesentlich die Verbindung nach Döbeln, die bis dahin über Haßlau-Naußlitz führte.

1 Indenjahren 1937/38 begann mit der Weinbergbebauung ein städtebaulicher Abschnitt. Unterhalb der Schrebergartenanlage erfolgte der Ausbau der Schrebergartenstraße und der Straße' An der Laute'. Beide trafen sich im Nordwesten in der 'Avus-Kurvc'. Der Name 'An der Laute' bezieht sich auf das Flurstück 'Die Laute' , aus dem mittelhochdeutschen 'Leire' , da sich das Gelände neigte, also lehnte. Am schönsten Punkt dieser Kurve ließen die Stadtväter einen kleinen Platz anlegen, der eine herrliche Aussicht ins Muldental bietet. Er erhielt vom Roßweiner Erzgebirgsverein zur Erinnerung an unseren Heimatdichter den Namen Anton- Günther-Stätte. Eine schön geschnitzte Gedenktafel wurde angebracht, zwei Bänke wurden aufgestellt und 'Vuglbeerbäume' gepflanzt. Auf dem

Bild von 1940 schaut Heimatforscher Oberlehrer Robert Hiller ins Muldental. Rechts auf dem Berge sehen wir das FreigutTroischau, das als Herrensitz wahrscheinlich bereits im 8. [ahrhundert entstand. Germanische und slawische

es LPG, Landwirtschaftliche Produktionsg enossenschaft. Jetzt hat sich DetlefSchlegel, ein gebürtiger Roßweiner, zum Ziel gesetzt, wieder Leben in das ehrwürdige Bauwerk zu bringen.

Scherben wurden am Hohen Rain und am Klingbach gefunden. Ernst Schubart aus Dresden kaufte 1825 das Freigut und über Generationen hinweg blieb es bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Familienbesitz. 1955 wurde

2 Drei Roßweiner Heimatforscher, denen unsere Stadt unendlich viel zu danken hat. Ohne ihre Liebe zur Heimat und ihren unendlichen Fleiß wäre unser Wissen um das Geschehen in Roßwein minimal. Der sitzende alte Herr ist CarlEdlich (1847-1936), der uns in seinen Schilderungen das Leben in der kleinen sächsischen Stadt hautnah erleben lässt. Wegen seiner feinen Erzählkunst wird er der 'Wilhelm Raabe' unserer Heimat genannt. Er übte den Lehrerberuf und später das Amt des Kirchners aus. Links im Bild sehen wir Oberlehrer Robert Hiller (1860-1941), der viele [ahre ein angesehener Lehrer und 1919 auch Schulleiter war. Seine besondere Neigung galt der Natur- und Heimatkunde. Viele Aufsätze über Vogel-, Insekten- und Pflanzenkunde in Fachzeitschriften brachten ihm hohe Anerken-

nung ein. Besonders bei den Schmetterlingssammlern in Sachsen galt er als Experte. Sein Lebenswerk, eine großartige Schmetterlingssammlung, wird im Roßweiner Heimatmuseum aufbewahrt.

schrieben hatte. Er hinterließ uns fundiertes Wissen über die Roßweiner Geschichte. Zusammen mit Oberlehrer Hiller war er maßgeblich am Aufbau des Heimatmuseums beteiligt.

In seinen heimatkundlichen Artikeln überlieferte er großes Wissen über unsere Stadt.

Der Herr rechts ist Oberlehrer CarlLöbel (1878-1945),der wohl wie kein anderer sich der Heimatforschung ver-

3 Ende 1897 regte der Buchhändler Stange aus Frankenberg, ein gebürtiger Roßweiner, an, ein Heimatfest zu veranstalten und somit allen 'auswärts lebenden Roßweineru' ein Wiedersehen zu ermöglichen. Er war für die Auswärtigen der Ansprechpartner, während dies in Roßwein die Fa. ].H. Pflugbeil übernahm. Viele Roßweiner mit ihren Familien sagten begeistert zu. Die Vorstände aller Vereine konnten dafür gewonnen werden und unter städtischer Leitung wurde ein Festausschuss gebildet, den wir im Foto sehen. Viele verdienstvolle Bürger waren dabei. Stehend von links: 1. Schulleiter Rieß, 4. Dr. med. Börner, S. Bürgermeister

Rüder. Sitzend von links: 2. Tertius Eichler, 3. Geheimrat und Ehrenbürger Victor Böhmert,S. Rechtsanwalt Waldemar Böhmert, 6. Stadtrat Gumpert und 7. Pfarrer Arnold. Das Heimatfest, das al-

lerdings kein SchuIfest war, gelang bestens. Die Säle des Schützenhauses und der Wettinhöhe konnten die zu tausenden zählenden Festtagsteilnehmer kaum fassen. Nach einem Frühschoppenkonzert

auf dem Roßweiner Marktplatz erfolgte ein musikalischer Spaziergang über das Talbad nach Gersdorf und Etzdorf, an dem sich über

1 000 Personen beteiligten.

4 Zum Gedächtnis an den Altreichskanzler Fürst Otto van Bismarck, der am 1. April 1895 zum Ehrenbürger Roßweins ernannt worden war, beschloss der Roßweiner Stadtrat im Herbst 1898, durch Pflanzung von zweihundert Linden auf dem Hartenberg einen Bismarck-Hain anzulegen. Diese schöne Anlage und der große Erfolg des Heimatfestes 1898 beflügelten Roßweiner Bürger, am

2. September 1900 auf dem Hartenberg ein Waldparkfest zu veranstalten. Ein Festkomitee wurde gebildet, die Roßweiner Gesangsvereine 'Liederkranz' und 'Ation ' sowie die Turnvereine sagten ihre Mitwirkung zu. Da erreichte das Komitee überraschend der Brief einer Zigeunertruppe mit der Bitte am Fest teilnehmen zu dürfen. Sie wollten auch Musik machen, vorausgesetzt man erlaube

ihnen, auf dem Berge ihr Nachtlager abzuhalten. Und da der Zigeunerhauptmann versprach 'nicht zu gripsen und zu grapsen', wurde es ihnen gestattet. Punkt 14 Uhr sammelte sich der Festzug auf dem Marktplatz, um die im 'Rheinischen Hof' eingekehrte Zigeunergesellschaft abzu-

holen. Mit dem Stadtmusikchor an der Spitze zog die Menschenmenge zum Hartenberg hinauf. Auf einem runden Platz befanden sich fahnengeschmückte Stände, in denen man Erfrischungen aller Art, Ansichtskarten, Sträußchen und andere kleine Andenken an das Fest ver-

kaufte. In einer erhöhten Bude konnte man mittels einer Camera obskura das buntbewegte Leben und Treiben beobachten. Die Eintrittskarten für das Parkfest steckten sich die Männer an den Hut.

5 Auch die Roßweiner Landsmannschaften aus Dresden und Leipzig hatten sich eingefunden, um die feierliche Einweihung des 'Rûderplatzes' mitzuerleben, die im Rahmen des Waldparkfestes erfolgte. In den Festreden wurde Herrn Bürgermeister Rüder für seinen nimmermüden Einsatz bei der Gestaltung des schönen Volksparks Hartenberg gedankt und ein schlichter Obelisk mit der Bronzetafel 'Rüderplatz' enthüllt. Das Programm setzte sich nach der Festrede mit dem Konzert des Stadtmusikchores und mit turnerischen Übungen fort, danach folgten Gesangsvorträge von 'Liederkranz' und 'Arlon' . Oberhalb des Rüderplatzes hatte sich auf der angrenzenden 'Schafwiese' die Zigeunergesellschaft etabliert, die aus Männern, Frauen, rassigen Mädchen und Kindern bestand.

Sie besaß zwei schmucke Pferdegespanne, die auf eine gewisse Wohlhabenheit schließen ließen. In ihrem fremdländischen Festtagsputz sahen die Zigeuner recht adrett und interessant aus, so-

dass sie auf die nach tausenden zählende Menschenmenge große Anziehungskraft ausübten. Mit Esels- und Ziegenbockgespannen sowie einem Affen boten sie allerlei Kurzweil. Das Ende des Festes

bildete der Abmarsch zur Stadt unter flotter Marschmusik der Stadtkapelle, die durch Pfeifer- und Trommlerknaben verstärkt wurde.

6 Der Rüderplatz auf dem Hartenberg im Iahre 1938. Mit seiner Errichtung ehrten und dankten die Roßweiner Bürger ihrem so erfolgreichen Bürgermeister Dr. Carl August Rüder. In seiner Amtszeit entstanden nicht nur das große Volksschulgebäude, die Post, der Schlachthof und das Stadtbad, er setzte auch die Umgestaltung des Hartenberges in einen Volkspark durch. Einst war der Hartenberg ein mit Büschen bestandenes Ödland, das zunächst den Roßweinern als Weide für ihr Vieh diente, später parzelliert und als kleine Felder verpachtet wurde. Als das Interesse dafür nachließ, wurde der Beschluss zur Aufforstung gefasst, mit der um 1880 begonnen wurde. Der so nah der Stadt liegende Waldpark sollte durch die gute Waldluft den in der Industrie arbeitenden Menschen zur Erholung

dienen. Der kleine runde Platz nahe der Schafwiese mit Bänken und einem einfachen Obelisken mit einer Bronzetafel 'Rûderplatz' wurde zum Waldparkfest 1900 eingeweiht. Leider zerschlugen

Ende der fünfziger [ahre SEDGenossen wie in einem 'Bildcrsturm' den Obelisken, ebenso die Gedenktafeln für den Stifter der 'Grafeschule' (Volksschule) , Carl August Grafe, und den verdienstvol-

len LehrerTertius Eichler. So dankte man Menschen, die nur zum Wohl der Stadt gewirkt hatten.

7 Auf dem Bild von 1908 haben Herr Oskar Bauch von der Teppichfabrik Traugott Bauch und seine Gattin einen Sonntagsspaziergang zum Hartenberg unternommen. Eine herrliche Aussicht hatte man vom Bismarckplatz (heute Goetheplatz), der um die Jahrhundertwende im Bismarckhain angelegt worden war. Wie von einem Balkon schaute man auf die Stadt und weit ins Muldental. ein Blick von einmaliger Schönheit. Für die Roßweiner war es immer wieder ein Erlebnis, die wunderschöne Aussicht auf ihre Heimatstadt genießen zu können.

Heute verhindern leider die hochgewachsenen Bäume jegliche Aussicht.

8 Geht man vom Roßweiner Markt die Nossener Straße entlang, zweigt nach rechts die Frohngasse ab, früher Zipfelgasse genannt. Das erste Haus auf der rechten Seite war die 'Frohnleste'. im Volksmund die 'Bûttclci' genannt. Hier wurden die vom einzigen Roßweiner Polizisten aufgegriffenen Spitzbuben arretiert. Er hieß Bauch und wohnte in dem Gebäude. Er hatte ein schweres Amt, denn der gestrenge Bürgermeister Herrmann hielt sehr auf Ordnung und ahndete schon kleinere Vergehen, so das unbeleuchtete Abstellen von Pferdewagen des Nachts auf den Straßen, das freie Herumlaufen von Hühnern, Enten und Gänsen auf Straßen und öffentlichen Plätzen, das Rauchen im Rathaus, das 'Poltern' bei Hochzeiten und nicht zuletzt das Lärmen der Kinder bei ihren lebhaften Spielen.

Der Bürgermeister schickte dann seinen Ordnungshüter Bauch, der damit restlos überfordert war. Die Jugend nann-

te ihn respektlos den 'Bûttcl Bauch'. Noch bis 1962 stand dieses Haus als Zeuge des einstigen Strafvollzugs. Die

Aufnahmen entstanden um 1955.

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