Roßwein in alten Ansichten Band 6

Roßwein in alten Ansichten Band 6

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6703-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 6'

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Vorwort

Nachdem auch der 5. Band wieder ein solch gutes Echo fand, entschlossen wir uns die Buchreihe fortzuführen. Ein Großteil des Inhaltes ist der Roßweiner Industrie gewidmet, daneben wieder Begebenheiten, die das Leben in unserer Stadt widerspiegeln. Angesichts der vielen 'Industriebrachen' erscheint es uns wichtig, die Vielfalt der Roßweiner Industrie, einst Grundlage für den Wohlstand unserer Stadt, für weitere Generationen dokumentarisch zu erhalten. Wir versuchen, dies so umfassend wie nötig und wie möglich zu tun, trotz des begrenzten Raumes. Einige Betriebe konnten deshalb noch nicht vorgestellt werden. Schauen wir in die Vergangenheit unserer Heimatstadt zurück, stellen wir fest, dass es auch früher bereits Strukturveränderungen gegeben hat. Einige Beispiele seien angeführt. Der Silberbergbau 'Segen Gottes Erbstolln' des Gersdorfer Reviers hatte um 1852 in seiner Blütezeit fast 500 Beschäftigte. Die nachlassende Fündigkeit, vor allem aber die billigen Silberimporte aus Amerika führten 1885 zur Schließung. Die Haupterwerbsquelle für die Roßweiner bildete einst jedoch die Tuchmacherei. Um 1830 war fast die Hälfte der etwa 4 000 Einwohner direkt oder indirekt damit beschäftigt. Auch die Bewohner der umliegenden Dörfer fanden mit derWolleaufbereitung und dem Spinnen für die RoßweinerTuchmacher ihr Einkommen. Bis 1840 klapperte fast in jedem Haus der Webstuhl eines Meisters. Allmählich begann der Übergang zur maschinellen Fertigung. Da die Betriebe sehr gute Qualität lieferten, setzte bald ein lohnendes Exportgeschäft ein. Für Amerika galten bis 1860 erleichterte Absatzbedingungen. Dies änderte sich nach der Niederlage der Südstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg

schlagartig, denn die dann geltenden strengen Zollbestimmungen brachten den Export fast zum Erliegen und die Tuchfabriken in große Schwierigkeiten. Neue Industrien siedelten sich nun in Roßwein an. Zigarren-, Strumpfwaren-, Filzwaren-, Schuh-, Metall-, Blechwaren-, Achsen- und Wagenfederfabriken entstanden. Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg wurden die größten Metall verarbeitenden Werke demontiert. Sogar die Glasmanufaktur C. Hey wurde restlos ausgeräumt, zu Unrecht, wie man später zugab. Die Betriebe fingen wieder bei Null an und in den folgenden Jahrzehnten entwickelten sie sich, auch Dank des Fleißcs der Menschen, wieder zu leistungsstarken Produktionsstätten. Mit der friedlichen Revolution und der Wende kam 1990 die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Belebung unserer Heimatstadt. Leider hat sich in dieser Hinsicht nicht viel getan. Natürlich waren die osteuropäischen Märkte weggebrochen und die Subventionen für Lieferungen ins nichtsozialistische Ausland fielen weg. Sicher wäre es aber bei besseren Entscheidungen der Treuhand möglich gewesen, mehr Arbeitsplätze zu erhalten. So bleibt der Eindruck, dass lästige Konkurrenzunternehmen ausgeschaltet werden sollten. Aus den blühenden Landschaften in Roßwein wurde nichts, jetzt 'zieren' Industriebrachen unsere Heimatstadt.

Wir möchten auch wieder allen danken, die uns mit Überlieferungen aus früheren Zeiten unterstützten und insbesondere fachliche Beratung gaben. Willkommen sind auch weiterhin alte Fotos von Ereignissen in Roßwein und mündliche oder schriftliche Berichte.

Günther und Roswitha Hanisch

Zum Titelbild:

Im Iahre 1936 schauen wir vom 'Hasensprung' aufRoßwein.lm Vordergrund sehen wir die Achsenfabrik Carl Wolf. Links erkennen wir das Materiallager, das bereits einen Gleisanschluss besaß, dahinter ein Stück von der Strickwarenfabrik Otto Lindnero Im Mittelteil des Bildes sind die Häuserrückseiten der Bahnhofstraße zu sehen. Die Hintergebäude zeugen davon, dass sich hier viele kleinere Gewerbebetriebe ange-siedelt hatten, so die Zigarrenfabrikation von Traugott Wegert und Paul Uhlrich, Stuhlbauer Krumbiegel, Böttcherei Paul Kand-ler, Schmied Fritzsche und Stellmacherei Reiche. Weit dehnen sich hinter diesen Häusern noch Gärten und Felder, die später alle mit Gebäuden und Hallen bebaut wurden. In einem großen Bogen zieht sich die Eisenbahnlinie durch das Bild, um im östlichen Muidental unseren Blicken zu entschwinden. Oberhalb der Bahnhofsgebäude sehen wir die Gersdorfer Straße mit den Villen von Rudalf und Oskar Bauch, der Eisengießerei Sternkopf & Kluge und der Prägeanstalt EO. Naupert. In der Bildmitte überwölbt die Mühlbrücke die Freiberger Mulde, links die schöne weiße Stadtmühle. Darüber schauen über dem kleinen Wäldchen die Gebäude der 'Sorge' heraus. Links am Horizont sind die Häuser von Seifersdorf zu erkennen. Der weite Blick stromaufwärts der Mulde zeigt, wie schön unsere Heimat ist.

1. Carl Friedrich Wolf, geboren am 6. Juni 1827 in Liptitz bei Wermsdorf, ließ sich 1852 als Schmied in Roßwein nieder, wo er in der Nossener Straße eine Schmiede pachtete und Kutschwagenbau betrieb. Jeder Auftrag, auch Hufbeschlag, wurde ausgeführt, sodass 1860 ein eigenes Grundstück in der Querstraße erworben werden konnte. Die starke Nachfrage nach Achsen veranlasste c.F. Wolf, den Kutschwagenbau aufzugeben und nur noch Achsen zu produzieren. Bald schafften 13 Mann in der Werkstatt, die eine Dampfanlage und einen Dampfhammer erhielt. 1862 wurde die erste Drehbank in Betrieb genommen, damals noch mit Schwungrad und Menschenkraft angetrieben. Als 1865 eine zweite Drehbank hinzukam, pachtete Carl Friedrich Wolf einen Raum in der Roßweiner Stadtmühle und konnte den Antrieb mit Wasserkraft vornehmen. 1876 kaufte er das Grundstück in der Bahnhofstraße 393 N. Übrigens baute Carl Wolf hier auch einen Leichenwagen, der bei Bedarf gemietet werden konnte und am 7. September 1 879 erstmals zum Einsatz kam. 1 887 übergab er die Schmiede seinem Sohn Carl Moritz Wolf. Dieser ließ 1898 auf dem Gelände die große Schmiedehalle erbauen.

2. Im Iahre 1917 übernahm sein Sohn, Dipl.- Ing. Dr. Carl Wolf, das Werk und nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft trat 1920 dessen Bruder Carl Moritz Wolf in die Firma ein. Am S. August 1936 wurde das gesamte Schmiedegebäude nach der Explosion eines Ölofens durch einen verheerenden Brand vernichtet (s. Bd. 2 Bild 61). Bereits 1937 zum 75 - jährigen Betriebsjubiläum war die Schmiede größer und moderner wieder aufgebaut. Aus Anlass dieses Jubiläums am 4. September widmete die gesamte Belegschaft ihren Chefs eine prachtvolle Bronzefigur, die vor dem Direktionsgebäude enthüllt wurde. Ein bärtiger Schmied steht mit seinen Hämmern am Amboss, seine fleißigen Hände ruhen und sinnend gleitet sein Blick über das Werk. Eine Tafel nennt die Namen der bisherigen Betriebsleiter seit der Gründung. Diese schöne Figur stand lange [ahre noch vor dem Werkseingang, später im neuen Verwaltungsgebäude der Schmiede ('TETEX', ehemals Metzler & Pilz). Im Dezember 1996 verschwand sie von dort. Die Skulptur ist ein Denkmal der Roßweiner Industriegeschichte und ein Gedenken an die fleißigen Roßweiner Schmiede. Sie sollte von demjenigen, der sie 'sichergestellt' hat, doch dem Heimatmuseum übergeben werden.

3. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem damit verbundenen Zusammenbruch wurden durch den Befehl Nr. 124 des Obersten Chefs der Sowjetischen Militäradministration SMA unter anderem die Fa. Carl Wolf und die Fa. Kadner & Co enteignet, die Demontage der Maschinen und die Verpackung in Kisten angeordnet. Traktoren schleppten die aufStahlplatten stehenden tonnenschweren Kisten funkenstiebend über die gepflasterten Straßen zum Roßweiner Güterbahnhof, wo sie bis zur Ankunft eines Leerzuges auf den Abtransport warteten. (Siehe Bd. 2 Bild 62.) Der Volksmund nannte deshalb die SMA hinter vorgehaltener Hand: 'Soufen - Mausen - Abmontieren!' Die Kommunisten hatten einige Erklärungsprobleme gegenüber der Bevölkerung. Dass es eine Wiedergutmachung für die Kriegsschäden sein sollte, war ja verständlich, aber dass (laut Festschrift des Schmiedewerkes von 1962) damit die Voraussetzung für den Wiederaufbau unserer Wirtschaft geschaffen würde, konnte sicher niemand begreifen. Ein russischer Soldat steht am Tor einer leergeräumten Fabrikhalle auf Posten und träumt vielleicht von zu Hause.

4. Auf Grund des Befehls der Sowj etischen Militäradministration in Deutschland wurden die Betriebsvermögen der Firma Carl Wolf und der Firma Kadner & Co. beschlagnahmt. Am 1. Juli 1948 verfügte die Landesregierung Sachsen die Enteignung der Achsenfabrik Carl Wolf. Mit sechzig Arbeitern versuchte man den demontierten Betrieb wieder aufzubauen. Zunächst mussten Aufträge der Besatzungsmacht erfüllt werden. Die erste Produktion bestand aus der Fertigung von Portalkränen. Vom sowjetischen Einsatzstab im Schmiedewerk erhielt ich den Auftrag, einen Portalkran auf dem Starbacher Bahnhof zu fotografieren. Dies war eine abenteuerliche Sache. In einem russischen Armee-LKV!, der nur noch Reste von Fenstern hatte, fuhr ich mit einem Russen nach Starbach. Es war ein eisiger Wintertag, etwa 15 bis 20 Grad minus, der Wind pfiff durch das Führerhaus und erinnerte mich an Kriegsberichte vom Winter 1944. Auf dem Bahnhof versuchte ich meine Plattenkamera - eine Kleinbildkamera hatte ich nicht mehr - aufzubauen, konnte aber in der eisigen Kälte die Kamera kaum bedienen. Aller paar Minuten musste ich in die Wärmestube rennen, die Hände aufwärmen, um die Kamera weiter einzustellen. Auch auf dem BahnhofStarbach stapelten sich die Kisten demontierter Maschinen. Im Schmiedewerk begann man später wieder komplette LKW-Anhänger mit 2 t und 3 tTragkraft zu bauen. Da sich die Autoindustrie langsam wieder entwickelte, erfolgte auch die serienmäßige Herstellung von Rollenlagerachsen, Kugelgelenkkränzen, Scheuerblattfedern und Gesenkschmiedestücken.

5. Schwerste körperliche Arbeit hatten die Männer in der Halle 12 der Schmiede zu leisten. Hitze, besonders an heißen Sommertagen, und Lärm verlangten von den Männern alles ab. Auf dem Foto schmiedet Kollege Otto Niklaus (links) mit seinem Hammerführer eine 02er Achse. Unter dem größten Vorschmiedehammer Nr. 531 wurden auch die 04-Achshälften mit etwa 84 kg pro Stück ausgeschmiedet. Das bedeutete, dass ein Schmied mit zwei Schmiedehelfern in einer 8-Stunden-Schicht 2,6 Tonnen abschmiedete. Die Schmiedetemperatur betrug 1200° C und endete bei 850° C. Der Oberdruckhammerwurde mit Luftdruck betrieben, vorher benutzte man Dampf zum Antrieb.

6. Um die Arbeitsgänge produktiver zu gestalten und von der Einzelfertigung zur Grup-

penfertigung übergehen zu können, wurde 1953 die Gasgeneratorenstation erbaut, die eine rationellere Fertigung durch Maschinenfließreihen ermöglichte. Für die hier beschäftigten Arbeiter war es eine stark gesundheitsschädigende Tätigkeit, die sie eigentlich nur 4 bis 5 [ahre ausüben sollten, was aber meist nicht der Fall war. Die angelieferten Briketts oder die kostengünstigere Rohkohle wurden verkokt und so das erforderliche Gas für die Öfen der Produktion gewonnen. Hier war die 'rollende Woche' eingeführt, es wurde also rund um die Uhr gearbeitet. Auf dem Foto sehen wir vorn das Gebläsehaus, wo sich Gebläse für die Misch- und Schwelgaserzeugung befanden. Dahinter steht die Generatorenanlage für die Gaserzeugung. Der Generator besaß einen Wassermantel, der mit den Kühlturm und den davorliegenden Kühlteichen verbunden war. Das Gas wurde in Leitungen zu den Wärmeöfen geführt. Oben arn Dach des Generatorenhauses befand sich eine Einrichtung, mit der bei entstehendem Überdruck Gas abgefackelt werden konnte.

7. Während früher die Schmiedekollegen zur Erwärmung der Schmiedestücke Koksöfen und Öfen mit Kohlenstaubfeuerung bedienen mussten, wurde durch die im [ahre 1953 errichtete Gasgeneratorenanlage die Umstellung auf Gaskammeröfen ermöglicht. Diese gewährleisteten mittels einer Regelanlage konstante Temperaturen. Die Schmiedeöfen wurden wärmeisoliert und die Türen mit Pressluftöffnungs- und -schließeinrichtungen versehen. 1961/62 wurde die erste Induktionserwärmungsanlage eingesetzt. Kollege Alfons Bartsch schiebt Rohlinge in den Glühofen um diese zu erwärmen. Welche Erleichterungen diese Gaskammeröfen für die Arbeiter der Schmiede brachten, zeigt der Bericht über die Arbeit an den Koksöfen. Der Koksofen musste je 8-Stunden-Schicht zweimal entschlackt werden. Der verbrannte Koks setzte sich auf dem Ofenrost ab und bildete eine feste Schicht, die mit einer bis zu 3 m langen und 40 mm starken Brechstange herausgeholt werden musste. Der glühende Koks im Ofen hatte eine Temperatur von 1250° C und musste im Ofen bleiben. Damit wurde erreicht, dass die Aufwärmphase nach dem Beschicken durch neuen Koks so schnell wie möglich wieder erreicht wurde. Man stelle sich vor: In der Schmiede: Il. Schicht 13 bis 21 Uhr, im Sommer Außentemperaturen 28° bis 32° C, im Schmiedeofen 1250° C, die Brechstange etwa 30 kg schwer, die Entfernung beim Entschlacken 1,50 m vor der Ofenöffnung und der Zeitaufwand etwa 20-25 Minuten. Es war die Hölle! Oft setzte durch die hohe Belastung Nasenbluten ein. Nach dem Entschlacken wurde die durchgeschwitzte Arbeitskleidung gewechselt und das normale Schmieden bei 1200° C ging weiter. Vor dem Schichtwechsel musste das Entschlacken wiederholt werden, es gehörte zur Schichtübergabe. Bei der Schichtübergabe wurde der ausgeschlackte Ofen von der neuen Besatzung gründlich geprüft und, wenn erforderlich, eine Nachbesserung gefordert.

8. Das Vorschmieden wurde in früheren]ahren unter Dampf- oder mit Federhämmern ausgeführt. Bei der Umstellung aufLufthammerbetrieb wurden diese gleich neben die Fallhämmer gesetzt und so konnte zur Gruppenfertigung übergegangen werden. Die erwärmten Zuschnitte wurden in Halle 12 oder 17 unter dem Lufthammer vorgeschmiedet und dann im Gesenkhammer fertig geschmiedet. Wir sehen die Fertigung der Pleuelstangen fürTrabant. Aus dem Glühofen am rechten Bildrand wird mit der sichtbaren Stange der erwärmte Zuschnitt aus dem Glühofen gezogen. Links ist der Schmied Kurt Budruss beim Vorschmieden zu sehen, am Gesenkhammer rechts steht der Kollege Zieger. Die Schichtleistung war mit 665 Stück angesetzt.

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