Roßwein in alten Ansichten Band 6

Roßwein in alten Ansichten Band 6

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6703-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 6'

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VEB RoBweiner Achsen-, Federnund Schmiedewerke .Herrncnn Malern"

9. Bei vielen Arbeitsgängen wurden technologische Verbesserungen eingeführt. So lief 1962/63 die Achsenmontage als Fließreihe an. Diese sollte die Arbeit erleichtern und die Produktivität erhöhen. Leider konnte in der Praxis die Automatik nur teilweise genutzt werden, da die Anlieferung und Bereitstellung der Zubehör-Kleinteile oft nicht klappten und dadurch die Montage nicht vollendet werden konnte. Arbeitsgänge mussten vorgezogen und der automatische Betrieb ausgesetzt werden. Trotzdem erlangte das Roßweiner Schmiedewerk große Bedeutung in der DDR und im RGW (Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe ) des Ostblockes. Im Bereich Blattfedern für Straßenfahrzeuge war das Schmiedewerk alleiniger Hersteller in der DDR.

10. Im [ahre 1963 hat sich die Brigade 'Freundschaft' von Schichtführer Michael Haag vor der Schmiede zum Gruppenbild aufgestellt. Auch Meister Helmut Becker und der 'Pate' der Brigade, Werkleiter Dr. Klingner, sind dabei. Es konnten alle Namen ermittelt werden, die nachstehend aufgeführt sind. Untere Reihe, von links: Hans Liesche, Kurt Böhme, Manfred Hippe, Fritz Rößger, Günter Wuttke, Heinz Kastner und Rudi Teichert. Stehend, von links: Meister Helmut Becker, Emil Vogel, Günter Eilrich, Alfred Franke, Schichtführer Michael Haag, Heinz Iohn, Werkleiter Dr. Klingner, Alfred Stephan, [ohann Frucht, Hans Eydam, Rudi Kulka, Wolfgang Bischatta, Hermann Seifert, Adolf Kuche und Richard Bartsch. Obere Reihe, von links: Heinz Höfchen, Richard Langer und Peter Arnhold. 19 dieser 2S Kollegen waren bis zum Februar 2001 verstorben.

11. Bei den Aufnahmen für Kataloge oder Prospekte für das Schmiedewerk assistierte mir Kollege Erich Trager, der dabei auch sachlich und fachlich half. In einer 'Drehpause' entstand aus Iux diese Aufnahme. Heute könnte man aber dazu wohl sagen: 'Kollege Trager denkt wehmütig un das Ende der Achsenfertigung der Roßweiner Gesenkschmiede'. Wieder stehen heute, wie nach der Demontage, Hallen leer (s. Bild 2), oder sind gleich ganz abgerissen worden. Oft waren es für die Menschen schwer verständliche Maßnahmen, wie der Verkauf der besten Maschinen oder von Ersatzteilen für diese. Alles erweckte bei den Arbeitern den Eindruck, dass die Treuhand einen lästigen Konkurrenten für die Industrie der alten Bundesländer ausschalten wollte. Dies bedeutete 1990 das Ende der Achsenproduktion und 1992 das 'Aus' der Federn-Produktion. Statt der 'blühenden Landschaften'wurden Industriebrachen und Ruinen geschaffen. Nur das 'Filetstück', die Halle mit der Fließreihe für die Pleuelstangenfertigung blieb für die Produktion erhalten.

12. Eine neue Halle errichtete das Schmiedewerk 1987, in der eine moderne Fließreihe zur Fertigung von Pleuelstangen und Kleinschmiedeteilen aufgestellt wurde. Der Fertigungsweg beginnt mit dem Zerkleinern der Rohlinge auf einer Schere. Über einen Beschicker werden die Rohlinge zum Vibrator transportiert, dieser bringt sie über eine Förderrinne zur Induktionsanlage der Firma BBC, wo sie auf 1 2000 C erwärmt werden. Über einen Rollengang gelangt der Rohling zur Reckwalze mit Manipulator und wird in vier Walzstichen zum Pleuelrohling vorgeformt. Rechts im Vordergrund sieht man einen Teil der Induktionsanlage und den Schaltschrank der Reckwalze. Auf der 1 000 t Kurbelpresse EUMUCO wird der Rohling in drei Pressenhüben zum Pleuel geschmiedet. Über eine Fotozelle wird der Sprühmanipulator eingeschaltet, der die Schmiedegesenke mit Wagraslösung schmiert. Der gesamte Schmiedeprozess und das Schmieren der Gesenke dauern etwa 6 Sekunden. Über ein Transportband gelangt das Pleuel zur 250 t - EUMUCO Abgratpresse, wird dort abgegratet und gelocht. Ein Abkühlband leitet das Pleuel in eine Transportkiste. Schichtleistung 3 600 Stück. Im hinteren Teil der Halle wird eine zweite Schmiedefließreihe der Fa. SMERAL mit einer 1 500 t Presse und einer 315 tAbgratpressse installiert. Links steht eine EUMUCO Kalibrierpresse mit 600 t Presskraft, auf der Schmiederohteile in kaltem Zustand aufMaß geprägt werden.

13. In der neuen FließreihenHalle auf der Goldbornstraße wurden in der Presslinie 1 000 t Pleuelstangen für VW und Lenkteile für Opel gefertigt, in der Presslinie 1 500 t Baggerzähne, Radnaben für Audi und Federbüchsen. Folgende Arbeitsgänge wurden ausgeführt: Zerkleinern, Erwärmen, Walzen, Schmieden, Abgraten, Sandstrahlen, Kalibrieren, Rissprüfen. 1992 haben sich in der Mittagspause die Kollegen in der Halle zum Gruppenbild aufgestellt.

Es sind, 1. Reihe von links: 1. Wehner, P. Rehbein, Fr. Bönning, D. Windßus, Fr. Schleinitz, Al. Hermann, G. Dittrich, H. Scholz, U. Vanslow, Kl.-.P. Hawerda und]. Seipt. In den Reihen dahinter, von rechts: H.W Reichelt, P. Haase, 1. Mesics, M. Lange, E. Scholz, St. Gühne, W Büchner, Marek, H. Lindner, H. Rudolph, K.H. Vogler, Schumann, M. Berger, H. Liebe, A. Döpp,]. Schmieder, G. Klotsche, B. Hänsel, H. Schröder, U. Breitkopf, W Uhlig, E. Lohmann, A. Bartsch, R. Martin, W Brendel, W Stelzig, G. Berger und H. Grübler. Als die nach der Wende gegründete Schmiedewerk GmbH (Wiehring & Böhme) Insolvenz anmelden musste, übernahm das Press- und Schmiedewerk Brand-Erbisdorf 1997 den Betrieb. Nur ein Teil der Arbeiter konnte vom neuen Besitzer übernommen werden. Die Roßweiner erhofften sich nun wieder eine positive Entwicklung des Industriestandortes in der Goldbornstraße.

14. Die Glücksgöttin Fortuna brachte am 11. April 1865 das große Los nach Roßwein. Wie ein Lauffeuer eilte die Nachricht durch die Straßen der Stadt, dass der verehrte Gerichtsamtswachtmeister Kienast in der Königlich-sächsischen Landeslotterie den Haupttreffer erzielt habe. Er hatte ein Viertel des Hauptgewinnes und damit die ansehnliche Summe von 31 684 Talern gewonnen. Kienast war für seinen Edelsinn und seine Mildtätigkeit bekannt. Im Garten des Amtsgerichtes, das damals noch in der Dresdener Straße 8 war, erfolgte eine große Brotverteilung an die Armen der Stadt, bei der er nahezu 700 zehnpfündige Brote verteilen ließ. Viele Bedürftige wurden mit Geldspenden bedacht. Für die Honoratioren der Stadt veranstaltete er im Gasthof Etzdorf einen Speiseball. Mit dem Geld des Gewinnes kaufte er ein Baugelände an der Neuen Döbelner Straße, die erst 1855-1859 mit dem Bau der Muldentalstraße von Döbeln nach Roßwein entstanden war. Auf seinem Gelände Döbelner Straße / Ecke Obere Weinbergstraße ließ der Herr Wachtmeister ein stattliches Gebäude errichten, dessen Fassade die Göttin Fortuna krönte. Er selbst zog jedoch nicht in das schöne Haus, sondern vermietete es. Nach dem Tod von Herrn Kienast kaufte der Ratskellerpächter Carl Wilhelm Fischer das Haus und richtete ein Restaurant mit Weinstube ein.

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15. Wilhelm Fischer trug seinen Namen zu Recht. Durch den Eisenbahnbau erfolgte eine Verlegung des Muldenbettes. Der Rest des einstigen MuIdenbogens blieb als separates Gewässer bestehen. Fischer pachtete es und setzte Fische ein, um mit seinen Freunden Angelsport zu betreiben. Nach ihm wurde das Gewässer 'Fischers Teich' genannt. Zum Baden war es wegen des schlammigen Grundes nicht geeignet, dagegen diente der Teich mit seiner spiegelglatten, von Schilf eingefassten Eisf1äche um 1900 den Roßweinern zum Schlittschuhlaufen. Der Milchhändler Böhme pachtete die Eisf1äche und half beim Anschnallen der Schlittschuhe. An Sonntagen bot der Wirt der 'Grûnen Aue' für wenig Geld heißen Grog an; auch der Brezelmann Hübsch brachte seine 'warmen weechen Brezeln' zur Schlittschuhbahn hinunter. Zu besonderen Festtagen veranstaltete die Stadtkapelle auf einer kleinen Insel Eiskonzerte. Fischer starb 1883, seine Frau führte die Gaststätte in der Döbelner Straße weiter. Im Mai 1888 erwarb Franz Fuchs das Restaurant, nannte es 'Stadt Leipzig' und machte es zu einer führenden Gaststätte mit Hotel. Später pachtete es Herbert Gruner, 1950 übernahm das Ehepaar Mehner 'Stadr Leipzig', ihm folgten 1962 das Ehepaar Kellner und 1978 das Ehepaar Grolp. Sie konnten es 1990 erwerben und zu einem Schmuckstück ausbauen. Leider hat der 'Zahn der Zeit' die Figur der 'Fortuna' zerstört.

16. Ein historisches Gebäude ist das Haus Döbelner Straße 36. Es war das Bahnhofsgebäude, das 1868 zur Eröffnung der Eisenbahnlinie Leipzig-Döbeln-Dresden in Roßwein erbaut wurde. Bei Inbetriebnahme der Strecke Roßwein-HainichenChemnitz entstand 1874 das Bahnhofsgebäude in heutiger Form. Das alte Gebäude wurde abgerissen und sofort am jetzigen Standort Döbelner Straße wiedererrichtet. Viele [ahre gehörte das Haus der Witwe des Gastwirtes C.W Fischer, um 1914 dem Baumeister Clemens Koch und um 1925 Direktor Menschner von der RüMAG, RoßweinerTextilmaschinenfabrik. 1935 übernahm es die Stadt Roßwein, die darin das Städtische Betriebsamt einrichtete mit Geschäftsstelle für Wasser-, Gas-, Elektrizitätswerk und Verwaltung des Stadtbades. Die im Mai 1945 einmarschierten russischen Truppen wurden in der Volksschule untergebracht; dazu beschlagnahmte man die Häuser Döbelner Straße 28 bis 36, sperrte das Gelände ab und sicherte es mit Posten. NachAbzug der Truppen befand sich im Haus Döbelner Straße 36 zunächst das Arbeitsamt, das 1949 in die Poststraße (heute AüK) verlegt wurde. Nun zog das Gesundheitsamt ein. FürTuberkulosekranke stand ein Röntgenapparat zurVerfügung. Nach Verlegung des Ambulatoriums richtete Frau Ruffhier ihre Zahnarztpraxis ein. Danach dienten die Räumlichkeiten der Volkssolidarität als Rentnertreff. Heute ist das Haus in Privatbesitz.

17. Das Haus Niederstadtgraben Nr. 2 war eines der ältesten Häuser Roßweins. Einst wohnten darin die Feldhüter. Die Stadtmauer verlief durchgehend vom Döbelschen Tor bis zum Brückentor, die innere Döbelner Straße endete am Grundstück des späteren Postamtes als Sackgasse. Vor der Stadtmauer nach Westen waren die Stadtgärten. Erst mit dem Bau derTalstraße Döbeln-Roßwein setzte die Bebauung ein, sodass von den Feld- und Gartenflächen nur die Gärtnerei Richter blieb. Feldhüter wurden nicht mehr benötigt und so ging das Haus an den Tuchmacher Johannes Dinger über. Seine Tochter heiratete Emil Salcher, einen ehemaligen Schlosserschüler. Er baute eine kleine Schlosserwerkstatt an. Als Zunftzeichen hing ein großer, geschmiedeter Schlüssel über der Eingangstür. 1863 wurde das Haus zum Streitobjekt, ragte es doch mit seinem Standort in die nunmehr neuerrichtete Döbelner Straße hinein. Bürgermeister Herrmann baute sich daneben ein schönes großes Haus. Da er voraussah, dass die neue Straße sehr verkehrsreich werden würde, ließ er die Bauflucht weit zurücksetzen. Das vorstehende Salcher'sche Haus störte seine Stadtgestaltungspläne. Man wollte es zu gerne abbrechen und den Grund und Boden für den Straßenteil durch den Staat übernehmen lassen. Der Staatsfiskus lehnte dies jedoch ab. Nach 1997 wurde das Häuschen dann doch abgerissen.

18. Das Feilenhauerhandwerk war in Roßwein bereits seit früher Zeit angesiedelt und beinahe hundert [ahre mit dem Namen Carl Ziegs verbunden. Schon im Einwohnerbuch von 1883 wird ein Carl Erdmann Ziegs in der Nossener Straße 8 als Feilenhauer genannt. Noch früher wird aber im Roßweiner Tageblatt erwähnt, dass er immer zur Weihnachtszeit eine 'Landschaft en miniorurc' mit Bergwerk, Schäferei, Eisenbahn, Schloss und Kirche, also einem Kunstwerk, welches durch Mechanismus bewegliche Figuren, Gruppen ete. enthält, in der kleinen SaaIstube des Rathauses ausstellte. Die dabei eingehenden Spenden kamen notleidenden Roßweinern zugute. Bereits 1888 verlegte er Wohnsitz und Werkstatt in die Mittelstraße 16, wo er noch 1902 im Einwohnerbuch geführt wird. 1914 wird im Roßweiner Einwohnerbuch ein Carl Emil Ziegs als Feilenhauer in der Gartenstraße 52 aufgeführt. Im Iahre 1925 betrieb er mit seinem Sohn, dem Gesellen Walter Ziegs, sein Gewerbe in der Mittelstraße 17. Später zog er in das gegenüberliegende Haus Nr. 16, in dem bereits Carl Erdmann Ziegs gewirkt hatte. Auf dem Foto von 1958 ist der Feilenhauer Carl Emil Ziegs, geboren am 20. Dezember 1872 in Chemnitz, im Alter von 86 [ahren bei seiner Arbeit im Bild festgehalten. Am 16. März 1962 im Alter von fast 90 [ahren verstarb er.

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