Roßwein in alten Ansichten Band 7

Roßwein in alten Ansichten Band 7

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6730-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 7'

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29. Handwerksmeister übten auch in Roßwein ihren Beruf oft bis ins hohe Alter aus. In der Querstraße 7 war es der Stellmacher Hermann Olbrich, der außer Wagenbau auch Wintersportgeräte herstellte und reparierte. Hermann Olbrich stammte aus der Lausitz und wurde am 18. Juli 1881 in Großschönau geboren. Er war auch in Roßwein seinem Dialekt mit 'dem Rrradel im Hals' treu geblieben. Im Jahre 1907 hatte er das Geschäft von Paul Rüdiger übernommen. Die Aufnahme wurde um 1958 gemacht, wo er im Alter von 76 Jahren noch in der Werkstatt stand und seinem Beruf nachging. Er war ein liebenswürdiger alter Handwerksmeister. Seine beiden Söhne sind im zweiten Weltkrieg gefallen. SeineTochter war Ärztin in Berlin, wo sie 2003 im hohenAlter von 92 Jahren noch lebt. Er selbst starb am 17. Ianuar 1964.

30. Am 13. Juni 1899 gab Tischlermeister Otto Ziegenbalg im 'RoßweinerTageblatt' bekannt, dass er in der Dresdener Straße 23 eine Bau- und Möbeltischlerei eröffnet habe und die geehrte Einwohnerschaft bittet, ihn bei Bedarf gütigst unterstützen zu wollen. Sein Bestreben wird sein, stets erstklassige und dauerhafte Arbeit zu leisten. Später ver!egte er seinen Betrieb in die Gartenstraße 10. Durch Qualitätsarbeit hatte er sich bereits einen guten Ruf erworben. Gediegen waren die Ladeneinrichtungen, die er auch für ältere Räume nach Maß anfertigte. Bei Restaurants standen seine Arbeiten den Neubauten in größeren Städten kaum nach. Noch heute kann man ein Zeugnis seiner guten Arbeit im Restaurant 'Zur Geige' bewundern. Die mit Eichenfüllung verblendeten Wände mit dem künstlerischen Schmuck ergeben einen harmonischen Gesamteindruck, der sich bis in unsere Zeit erhalten hat. Auf dem Foto um 1958 sehen wir Meister Otto Ziegenbalg noch im hohem Alter von 83 Jahren in seiner Werkstatt. Er war am 4. März 1875 in Marbach geboren und starb am 11. September 1961. Sein Sohn Kar!, der einmal den Betrieb übernehmen sollte, kam aus einem russischen Lager nicht zurück.

31. Am 4. Juni 1875 eröffnete der ehemalige Postbote Wilhelm Kirchbach im elterlichen Haus in der Gartenstraße 11 eine Gaststätte. Die Straße hieß damals noch Mühlweg. Da er sehr musikliebend war, nannte er die Gaststätte 'Geige' und seine Geige hing dekorativan der Wand. Die Eröffnung gab er 1875 im 'RoßweinerTageblatt' mit folgendem Gedicht Zur gütigen Beachtung bekannt: Hört Leutchen, nichts für unqut, wenn ich 's wage, und als das Allerneueste Euch sage:Auch mir ward Konzession erteilt zum Schonk, dem Stadtrat sag' ich dafür meinen Dank. Drum Freunde, macht Euch auf die Beine: denn wenn ich trinken müßt das Bier alleine Und auch den Bmnntewein - oh Iiebe Zeit - da wär ich "pfutsch", noch eh' es wieder schneit. Und wen einmal die Grillen plagen, dern will ich sie im Augenblick verjagen. Ich spiele ihm ein lustig Stücklein auf, das hilft gewiß, ich geb mein Wort darauf. Wie sonst Herrn Stange, den noch viele kannten, wie anders nie, als den "fidelen"nannten. So sei auch mein Lokal zu jeder Zeit ein Ort der ungetrübten Heiterkeit!Wilhelm Kirchbach, Mühlweg. Noch heute ist die 'Geige' die 'Kleine Kneipe in unserer Straße' (s. auch Bd. 2 Bild 72).

32. Die 'Geige' war für die Gartenstraße aber auch derTreffpunkt der Straßengemeinschaft, besonders zur Schulfestzeit. Die bevorstehende Schmückung der Straße musste besprochen und organisiert werden. War das Fest vorbei und der Abbau geschafft, wurde noch ein Gruppenfoto gemacht, wie hier im Jahre 192 9 und dann gefeiert. Mancher kann vielleicht noch seine Eltern oder Großeltern erkennen. So steht ganz links der Wirt Richard Kirchbach, neben ihm Kar! Franke, Prokurist von Car! Bauch. Im rechten Bildteil Schuhmacher Otto Lange und Frau und so manches bekannte Gesicht lacht in die Kamera.

33. Auch zum SchuIfest 1934 hatte die Gartenstraße hervorragend geschmückt. Trotz schlechter Zeit undArbeitslosigkeit waren die 'Gartensträßler' voll dabei. In diesem Iahr hatte das Blumengeschäft von Elise und Karl Köhler sich wieder mit einer großen Glocke aus echten Blumen selbst übertroffen. Auf einer Seite war das Roßweiner Wappen und auf der anderen das damals übliche Hakenkreuz. Die Glocke hatte enormes Gewicht und mehrere starke Männer waren zum Befestigen und Abnehmen von der Ehrenpforte nötig. Viele Personen sind noch bekannt, z.B. Walter Grützner, Bäcker Richard RendIer, Kar! Köhler, Artur Wagner, Willy Backofen, Schirrschmidt, Kar! Wegert, Max Hofmann mit dem Bandoneon und Frau Kürschner. Auch den vielen Kindern, unter anderen Gottfried Wegert, Mittinger, Rentsch und Heinz Backofen, macht es Spaß. Nach dem gelungenen Fest strahlen beim Abbau die Gesichter der Straßenbewohner.

34. Hoch auf dem Berg, an der Chaussee von Roßwein nach Haß!au, mit einem schönen Blick auf die Stadt im MuIdental, lag die Gaststätte 'Goldne Höhe'. Sie entstand etwa Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Soldaten der Roßweiner Garnison kehrten gern mit ihren Mädchen dort ein, ebenso die Burschen aus der Stadt. Deshalb kam es oft zu deftigen Keilereien zwischen 'Papsern und buntem Tuch'. Ein Gedenkstein erinnert an August BebeI, der 1866 in der Gaststätte eine Rede hielt. Am 29. Oktober 1869 zeigte A. Schulze dem geehrten Publikum die Eröffnung seiner Restauration 'Goldne Höhe' an und bat um Zuspruch. Ein spätererWirt, H. Müller, lud für den 22. August 1878 zu einem 'Großen Extra-Concert' mit Ball ein, wozu die Stadtkapelle unter Julius Poschardt aufspielte. Dazu versprach er Böhmisches Bier und bei eintretender Dunkelheit brillante Beleuchtung. Ab 1885 erfolgte die Bewirtschaftung der 'Goldnen Höhe' nur noch als Sommerrestaurant. Nach 1900 wird sie nicht mehr als Gastwirtschaft crwàhnt.Lv z l kaufte Oswald Otto das Anwesen und trieb pferdehandel. Seine Tochter Gertrud heiratete Hans Stein, der ebenfalls pferde und Mietställe unterhielt. Nach dem Tod der Steins verfielen die Gebäude und wurden 2002 abgerissen.

35. In den zwanziger Jahren fanden sich in Roßwein Freunde des Pferdesports zusammen. Im dunklen Anzug und mit Zylinder ritten sie bei Festlichkeiten oft im Festzug mit. Aus solchem Anlass wurde das Gruppenbild auf dem Scheunenplatz aufgenommen. Leider ist von den Reitern nur Artur Tendis (Kino), zweiter von rechts, namentlich bekannt. Weitere Reitsportler waren in Roßwein: Arno Krumbiegel und Tochter Renate, Herbert Heft, Seifersdorf; Schmied Scharfe und Sohn, Johannes Stein 'Goldne Höhe' und Dr. Graff, Rüderstraße. Links sehen wir ein Haus der Weststraße, in der Mitte 'Vogels Weinstube', rechts dieTurnhalle. Im Jahre 1928 kam es zur Vereinsgründung. Am 10. September 192 8 veranstaltete der Verein ein Herbst-Jagdreiten mit 16 Teilnehmern. Start war auf der großen Stoppel des Wilsdorf'schen Gutes. Arno Krumbiegel ritt der Jagd als Master voran. Es begann mit einem Spring reit en, dem folgte die schwierige Geländeprüfung: den Berg hinab, zweimal durch die Mulde und über Goldborn-, Bahnhofstraße den steilen Hasensprung hinauf Das anschließende Rennen über 700 Meter gewann Scharfe sen., 2. Saupe Döbeln, 3. Grübler Gertitzsch.

36. Das Foto soll uns an Max Kürbis (geboren am 22. Juni 1885, gestorben am 14.Juni 1965) erinnern. Als gelernter Metalldreher hatte er sich in der Firma Carl Bauch bis zum Werkmeister hochgearbeitet. 1908 heiratete er seine Frau GIga, geborene Behrenz, die Zigarrenarbeiterin war. Sein Leben hatte er jedoch dem Theaterspiel verschrieben, davon kam er nie los. Zunächst wurde er Mitglied in dem 1882 gegründeten '20er Klub', der mit musikalischen und humoristischen Auftritten in Roßwein für Unterhaltung und Geselligkeit sorgte. Hier erhielt Max Kürbis die Grundlage für sein Kommödiantentum. Dieser Klub war nach dem Vorbild der berühmten 'Roßweiner Muldentaler Sänger' ins Leben gerufen worden. Theaterbegeisterte Roßweiner gründeten 1912 unter Leitung von Max Kürbis die "Thalia ' , die mit ihren Theateraufführungen das Publikum erfreute. Im Ianuar 1919 inserierte Max Kürbis als Direktor des "Thalia' -Volkstheaters, dass er einen Tanzkursus abzuhalten gedenke. Am 4. Mai 1922 eröffnete er eine Buchhandlung in der Nossener Straße 6.Jedoch hielt ihn weiterhin das Theaterspielen gefangen. MitAufführungen derThalia' sorgte er zu Feierlichkeiten von Vereinen für gute Unterhaltung. Auch Märchenspiele vor dem Weihnachtsfest brachten den mitwirkenden Kindern und dem Publikum Freude. Dafür hatte Max Kürbis eine Mädchengruppe für 'Gymnastik und rhythmische Bewegungsspiele' gegründet.

37. Nach dem Krieg dauerte es bis zum Mai 1946, ehe Zulassungen fürTheater, Konzert- und Kleinkunstdarbietungen beantragt werden konnten. Nun durfte Max Kürbis wieder in seinem Element wirken und er sammelte Theaterfreunde um sich. Für musikalische Aufführungen waren Rudi Oehme und Kantor Helbig, für das Bühnenbild Malermeister PaulAhnert und Heinz Kürbis zuständig. Als 'sprechendes' oder 'singendes' Personal motivierte Max Kürbis zunächst seine Familie, seine Frau Olga, die auch als Souffieuse wirkte, die Töchter Margot und Charlotte und Schwiegersohn Kurt Helm. Dazu fanden sich Willi Eschenberg, Kurt Seifert, Bruno HaschIar und weitere junge Leute zusammen, die Spaß am Theater hatten, besonders als bei der Aufführung einer Operette der Kantor am Klavier den Einsatz verpennte oder er bei einer auswärtigen Aufführung die falschen Noten mitgenommen hatte. Das Repertoire vergrößerte sich in kurzer Zeit enorm. 'Das Weiße Rössl', 'Waldvögelein', 'Die schöne Postmeisterin' , 'Die Mühle im Schwarzwald', 'Zaungäste der Liebe' sind als musikalische Singspiele noch bekannt, als Lustspiele 'Zwei Brüder', 'Die Ehefrau wider Willen', 'Der liebe Onkel' und 'Susi' . Von dieser Aufführung Ostern 1949 im Schützenhaus stammt das Szenenfoto.

38. Zum kulturellen Leben in Roßwein gehörte die Stadtkapelle. Zu Festlichkeiten, Vergnügen und beim Empfang hoher Persönlichkeiten trat sie in Aktion. Bereits 1864 lud das Stadtmusikchor zum Konzert in den Ratskeller ein. Am 2. Oktober 1868 erhielt Julius Clemens Poschardt aus Marienberg die Stelle des Stadtmusikdirektors. 36 Jahre leitete er mit großem Erfolg das Musikchor. Nach Rudolf Maier und Ewald Philipp übernahm Hermann Schakau die Leitung. Die Inflation brachte das Ende. Die Vereine sagten Vergnügen ab, und die Konzerte waren erbärmlich besucht. Erst 1927 erfolgte eine Neugründung und 1928 wurde der Musiker und Kaufmann Max Keyn zum Stadtmusikdirektor ernannt. Keyn betrieb in der Döbelner Straße 43 einen Feinkostladen. Einige Mitglieder der Stadtkapelle sind noch bekannt, so die Schuhmacher Otto Lange und Otto Lieschke, Hermann Schakau, Stadtmaurer Arno Hanisch. Die Musik war also ihr zweiter Beruf Am 9. September 192 7 fand mit 22 Mann unter Leitung von Keyn wieder das erste Platzkonzert auf dem Marktplatz statt. Moritz Schramm vom Tageblatt schrieb darüber: 'Es trat aber auch gleich die alte Unsitte auf, das Andrängen des Publikums an die Kapelle. Die Musiker können sich dabei kaum rühren. Es ist nicht ersichtlich, was diese Hockerei für einen Zweck haben soll. In die Noten schauen braucht den Spielenden niemand, sie blasen schon richtig und auch so laut, dass man es auf dem ganzen Marktplatz hört.' Die Aufnahme vom 1. Mai 1933 zeigt die Stadtkapelle auf der mit dem 'Bisernen Kreuz' gepflasterten Marktmitte, allerdings nun in gebührendenAbstand.

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