Roßwein in alten Ansichten Band 7

Roßwein in alten Ansichten Band 7

Auteur
:   Günther und Roswitha Hanisch
Gemeente
:   Roßwein
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6730-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Roßwein in alten Ansichten Band 7'

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39. Schützenfest! Für jede Kleinstadt war dies wohl ein bes onder er Tag zum Feiern. Die Roßweiner Schützengilde hatte sich für ihr Fest im August 1938 etwas N eues einfallen lassen. Am Sonntagvormittag stand eine 'Puppenwagenparade' auf dem Programm. Von Menschen dicht umsäumt zogen etwa achtzig festlich gekleidete Mädchen mit ihren blumengeschmückten Puppenwagen zum Marktplatz. In den Gesichtern der Kinder spiegelte sich der Stolz auf den Schmuck ihrer Wagen und die Erwachsenen waren begeistert über das Bild, das dieser Corso darbot. Auch an die Zeit von anno dazumal wurde erinnert, indem man ein uraltesVehikel vom Boden geholt und die Puppenmutter zeitgemäß gekleidet hatte. Dies alles fand Beifall bei Groß und Klein. Zu den Klängen der Stadtkapelle unter Leitung von Max Keyn drehten die Mädchen ihre Runden auf dem Marktplatz. 1933 war die Stadtkapelle mit der 'Stahlhelmkapelle' vereint worden und im September 1933 spielte sie unter Keyns Leitung zum ersten Mal im Mitteldeutschen Rundfunk, allerdings im Döbelner Schützenhaus, da es von Roßwein noch keine direkte Fernsprechleitung nach Leipzig gab. Der Auftritt fand sehr großen Beifall. Im Jahre 1936 wurde aus der Kapelle der Musikzug des NSKK (Natlonal Sozialistisches Kraftfahrzeugkorps) . Ein neuer Name, aber immer noch die gleichen Roßweiner 'Feierabendmusiker' .

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...! -.04.. 40. Die Federzeichnung unseres Heimatzeichners Felix Uhlig zeigt uns das Brückentor, wie es um 1830 ausgesehen haben mag. Um 1293 begann der Bau der Stadtmauer. Jeder Bürger, dessen Grundstück an die Mauer angrenzte, hatte seinen Teil zu errichten, 9 Ellen hoch und 2 Ellen stark. Auch musste er für die Instandhaltung sorgen. Ein Stadtbrand im Iahre 1420 vernichtete graße Teile der Innenstadt. Wie Oberlehrer Karl Löbel schreibt, führte die Stadttangende erst vom Döbelschen Tor geradlinig über den Markt die Enggasse (Mittelstraße) hinab. Nach dem Brand änderten sich die Bebauung und Straßenführung. Wie heute verläuft sie den Schuhmarkt (Innere Döbelner Straße), Weitegasse (Dresden er Straße) hinab. Hier hatte man die Stadtmauer durchbrachen und ein neues Stadttor, das Brückentor, errichtet. Als einziges der Roßweiner Tore besaß es einen Turm. Nun lief der Verkehr von der Inneren Döbelner Straße und Dresdener Straße gradlinig durch das Tor und über die Brücke. Beim Stadtbrand von 1806 trugen die brennenden Torhäuser Mitschuld am Chaos. Um Eigentum und Menschen zu retten mussten die Helfer damals über die Stadtmauer klettern. Die Tore behinderten immer mehr den zunehmenden Verkehr, deshalb wurde auch 1835 das Brückentor abgetragen.

Ansicht des alten Ro13weiner Brückentores.

41. Wir schauen um 1933 die Dresdener Straße hinab nach der Muldenbrücke. Sie ist gerade verbreitert worden, um den immer stärker gewordenen Verkehr bewältigen zu können. Die Fahrbahn ist um die bisherigen Gehwege verbreitert und neue Fußgangbahnen sind balkonartig angesetzt worden. Sehr anschaulich ist zu sehen, wie sich die Dresdener Straße an ihrem Ende wie ein Nadelöhr verengt. Ein großes Haus ragt in die Straße hinein. Es war das einstige Zollhaus, das sich an das Brückentor anschloss. In dem Gebäude hatte Fleischermeister Martin Lauenstein, der Vater vom Heimatforscher Hans Lauenstein, seine Fleischerei. Das Geschäft lag recht tief, einige Stufen gingen in den Laden hinab. Das kam daher, dass das Niveau der Straße hier einst fast einen Meter tiefer lag, was die Auffahrt zur alten 'Katzenbuckelbrücke' noch steiler machte. Die Fuhrwerke brauchten zur Bewältigung dafür oft Vorspann. Unter den Fuhrleuten galt der Spruch: 'Die Roßweiner Brücke ist ein Graus, da geht Mensch und Tier die Puste aus.' Die Straße ist beim Lauenstein'schen Haus später auf das jetzige Niveau erhöht worden. Auf dem Foto sieht man es daran, dass die Fensterbänke fast ebenerdig sind. Nach 1933 erfolgte der Abriss des Hauses, um von der Dresdener Straße freie Sicht auf die Brücke zu schaffen.

42. Die Firma Carl Iulius Nestler, Strick- und WirkwarenAG Dresdener Straße 35, beging 1942 das 1 OO-jährige Betriebsjubiläum. Bescheiden war der Beginn. In seinem Haus Nossener Straße 5 stellte Carl Julius Nestler 1842 fünfWirkstühle auf 1849 vergrößerte er den Betrieb, als er ihn in die Mühlstraße 13 verlegte. Nach seinem frühen Tod 1863 führte seine Witwe mit Sohn Franz Hermann den Betrieb weiter. Nach dem Roßweiner Bankkrach 1879 kaufte sie vom Fabrikanten Petzold die Gebäude Dresdener Straße 35. Neuartige Strickmaschinen wurden angeschafft, wodurch vermehrt auch FrauenArbeit erhalten konnten. Der Jahrmarktsverkauf fiel weg, Reisevertreter wurden eingestellt, der Kundenkreis verbreitete sich über ganz Deutschland. Ein florierender Export, selbst bis in die Mongolei, setzte ein. 1904 übernahm der Sohn Franz Alfred Nestler den Betrieb und stellte aufihn auf elektrischen Strom um. Links im Bild sehen wir das 1768 erbaute Nestler'sche Wohnhaus, das einen direkten Zugang zum Betrieb hatte. Es wurde nach der Hochwasserflut 2002 abgerissen. Am rechten Bildrand ist das Betriebsgebäude 'Auf dem Werder' zu erkennen, das 1911 abbrannte. Es hatte einst vier Stockwerke, wurde aber nach dem Brand nur dreigeschossig wieder aufgebaut.

43. Die Belegschaft der Fa. Carl Julius Nestler hat sich im November 1942 im Aufenthaltsraum zusammengesetzt um gemeinsam Weihnachtsgeschenke zu basteln. Zur Kriegsweihnacht wurden in vielen Betrieben von den Arbeitern und Arbeiterinnen Spielsachen hergestellt, um den Kindern, deren Väter im Krieg waren, oder von Bedürftigen eine Freude zu bereiten. Die Namen einiger Kolleginnen konnten noch ermittelt werden, so in der linken Reihe: Frau Mann, Frieda Rockstroh, Frau Sandner ?; in der Mitte Frau Wiegand, Frau Springefeld ?, hinten Reinhard Uhlig und am rechten Tisch Anneliese Saupe. Ein Spruch an der Wand des Raumes könnte heute wieder aktuell sein: 'Arbeit ist eine Ehre, Arbeit schaffen eine deutsche pflicht.'

44. Als nach dem Ersten Weltkrieg Franz Alfred Nestler gestorben war, heiratete seine Witwe Kar! Gustav Schilling. Der Betrieb wurde in eine Kommandit-Gesellschaft umgebildet, deren Direktor Alfred Nestlers Sohn, Bernd Nestler, wurde. Die 'NERO' -Strickkleidung (Nestler Roßwein) hatte wegen ihrer guten Qualität auch im Ausland einen ausgezeichneten Ruf Noch in den Kriegsjahren bereiste Frau Schilling die skandinavischen Länder zu Verkaufsverhandlungen. Im Jahre 1946 wurde die Firma Nestler durch die Landesregierung Sachsen enteignet. Interventionen der Miteigentümer, die parteilos gewesen waren, nützten nichts, auch das spätere Eingeständnis der Behörden von fehlerhaften Entscheidungen brachte keine Änderung. Nach der Wende stellte der Alteigentümer Klaus Schilling, Sohn des ehemaligen Besitzerehepaares, den Antrag auf Rückkauf des Betriebsgeländes. Dieser wurde jedoch abgelehnt.

45. Der Schuhmacher Martin Hennig, geboren am 5. Oktober 1888, wohnte viele Jahre in der Gartenstraße 46. Er war Inhaber der Schuhfabrik Richard Krumbiegel & Martin Hennig. Nachdem die Filzwarenfabrik Theodor Schwertfeger aus der Querstraße 6 nach Nassen übergesiedelt war, zog er mit seiner Firma in diese Räume ein. Hier hatte bereits die Fa. Schwertfeger einen Durchbruch zum Nestler'schen Fabrikgebäude, Dresdener Straße 35, gemacht, wo sie auch Arbeitsräume hatte. Auch Hennig nutzte diese Räume. Beide Häuser waren jeweils an die Stadtmauer gebaut, also Rücken an Rücken. Die Firmenadresse war Dresdener Straße 35. Das Bild von Martin Hennig ist 1958 aufgenommen, als er noch mit 70 Jahren in der Werkstatt arbeitete. Er starb 1980 im wohlverdienten Ruhestand. Sein Sohn Alfred, geboren am 3. November 1915, hatte Kaufmann gelernt und den kleinen Betrieb übernommen, aus dem die Produktionsgenossenschaft (PGH) 'Morgenrot' hervorging. Hergestellt wurden Hausschuhe, Turnschuhe und Kinderhausschuhe aus Kamelhaar. Alfred Hennig, der die PGH leitete, starb jedoch schon 1969 im Alter von erst 44 Jahren.

Helene Decker KG.

Strickwarenfabrik. Roßwein

46. Die Firma Helene Decker KG Strickwarenfabrik wurde 1924 gegründet. Zunächst hatte sie ihren Standort Gersdorfer Straße 1, (ehemals Fo. N aupert), dann Querstraße 6 und danach in der Stadtbadstraße (hinter der Wäscherei). Von dort erfolgte der Umzug in das einstige N estler'sche Fabrikgebäude Auf dem Werder. Hergestellt wurden Kinderpullover, Mädchenkleider, Knabenanzüge und Gamaschenhosen. 1959 wurde Staatliche Beteiligung aufgenommen, 1972 der Betrieb in 'VEB Strickkleidung' umgewandelt und 1980 an die 'EKO' (VEB Erstlings- und Kinderbekleidung Oschatz) angegliedert. 1991 erfolgte die Auflösung. Zur Erinnerung ein Einblick in die Produktion des kleinen Strickereibetriebes. Um 1965 schauen wir in die Spulerei mit Anneliese Korn an der Spulmaschine. Das Garn wird in Weifen (Stranggarn) oben auf die Maschine gesteckt und aufKopse gespult. Die Kopse waren aus Holz, Hartpappe oder Plaste. Mittels Paraffin wurde der Faden geschmeidig gemacht und durch ein Messer geführt, um Ungleichheiten (große Knoten und Dickstellen) abzufangen. Für die damalige Zeit war die Maschine ganz modern. Die Kopse mit dem Garn kamen dann in die Strickerei, wo auflachkartengesteuerten Strickmaschinen Teile oder Meterstücke hergestellt wurden.

47. Die Strickware kommt nun in die Zuschneiderei, wo sie mit Hilfe von Schablonen zugeschnitten und gebündelt wird. Dann gelangt sie zum Interlockieren in die Näherei. Hier hat jede Kollegin ihre spezielle Aufgabe, nach deren Ausführung der Artikel zur weiteren Bearbeitung zur nächsten Näherin geführt wird. Am Ende des Bandes findet eine stichprobenartige Qualitätskontrolle statt, der sich die EndkontrolIe und Legerei anschließt. Von da geht die Ware zum Versand. Die Kolleginnen am rechten Band von vorn nach hinten sind Gisela Pannasch, Annelies Girbig, Rosemarie Tisch und Ursula Vater; hinten stehend Inge Iahn. Am linken Band von hinten nach vorn: Ingrid Kurth, Ilse Niedenführ und Annelies Schubert.

48. Um 1935 unternahm die Technische Vereinigung' Allemania' der Schlosserschule Roßwein eine Exkursion nach Meißen, bei der auch die Porzellanmanufaktur besucht wurde. Zum nächsten Vergnügen, das die 'Allemania' im Bergrestaurant 'Wettinhähe' abhielt, hatte man sich als Überraschung eine reizende Darbietung einfallen lassen. Unter der Leitung von Magdalene Schellenberger geborene Hanisch war das Singspiel 'Meißner Porzellan' einstudiert worden. In Kostümen vom DresdenerTheater tanzten und sangen als 'Meißner Figuren' die Mädchen Fräulein Elfriede Zachau (Tochter vom Schlosserschuldozenten Ing. Wilhelm Zachau) und als Kavalier Fräulein Marianne Hofmann (Tochter vom KonditormeisterTheodor Hofmann), am Klavier von Frau Schellenberger begleitet. Mit dem Lied: 'Schaut uns an, wir sind aus echtem Meißner Porzellan' ernteten sie großen Beifall.

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