Ruhla im Thüringer Wald in alten Ansichten Band 1

Ruhla im Thüringer Wald in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Lotar Köllner
Gemeente
:   Ruhla
Provincie
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5348-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2 - 3 werkdagen (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Ruhla im Thüringer Wald in alten Ansichten Band 1'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

'Das alte Fabrikdörfchen die Ruhl' nannte Joharm Wolfgang von Goethe vor 200 Jahren den Ort im engen Erbstromtal wegen dessen ausgedehnten und weitbekannten Tabakpfeifengewerbes. Er pries aber auch die Landschaft. kam zur Kur und zu verschiedenen weiteren Besuchen nach Ruhla.

Die landschaftliche Lage, das Eingebettetsein in die umgebenden Berge waren dann die meistverwendeten Ansichtenmotive. Die wahrscheinlich früheste Ruhlaer Ansicht ist die Einzelansicht vom 1791 erweiterten und zum Kurhaus umgebauten herzoglich-weimarischen Forsthaus im Bermbachtal mit seinen Gartenanlagen (veröffentlicht im Buch von W.H.S. Buchholtz 'Das Bad zu Ruhla', Eisenach 1795). Obwohl eisen- und kohlensäurehaltige Mineralquellen (die erste bereits 1737 entdeckt) genutzt wurden und Ruhla neben seiner gewerblich-industriellen Entwicklung für eine geraume Zeit auch den Weg eines Badeortes ging, gibt es weitere, veröffentlichte Ansichten erst aus der Zeit ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Porzellanmaler, die offensichtlich zeichnerisch wenig ausgebildet waren, versuchten sich zwar schon früher mit bildlichen Darstellungen von Orts- und Teilansichten in Aquarellen, erzielten aber wegen der perspektivischen Mängel keine befriedigenden Ergebnisse , nach denen hätte gestoehen und gedruckt werden können. Einige von diesen Ansichten zeigt das Heimatmuseum.

Mit der Wiederbelebungsphase des Bades ab 1853 wurde die reizvolle Tallage des Ortes von mehreren Zeichnern dargestellt. Es entstanden verschiedene Stiche rnit Blieken vom Ringberg, vom Bermberg, Engestieg und Breitenberg. hergestellt in auswärtigen lithographischen Anstalten (vgl. Bilder 1 und 2). Blicke von den Bergen zeigt später mindestens jede zweite Ansichtskarte. Vor 1870 druckte man aber auch schon Straßenansichten (vgl. Bild 4).

Als frühest zu datierende fotografische Aufnahme Ruhlas muß die eines Blickes vom Bermberg auf den mittleren Ortsteil gelten (Bild 3), auf der ein 1864 errichtetes Teilgebäude der 'Landgrafenschmiede' als gerade rohbaufertig feststellbar ist. Der Bildautor ist nicht bekannt. Einen Fotografen gab es damals in Ruhla noch nicht. Der erste war wahrscheinlich C.Fr. Schönborn ab etwa 1890. Er scheint aber mehr Atelieraufnahmen gemacht zu haben, denn nur wenige Ansichten gehen auf ihn zurück.

Mehrere gute, auch auf Ansichtskarten verwandte fotografische Aufnahmen - Gesamtblicke und Details - schufen im Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg der Pfarrer der Concordiakirche Lothar Koch und der Drogist Kurt Rottwitt. Danach war Eugen Rohn gewerblicher Ruhlaer Fotograf. Er etablierte sich mit einem Atelier in der Marienstraße (heute Fotohaus Westphalen) und war dort bis 1942 ansässig. Von ihm sind viele stadtgeschichtlich wertvolle Aufnahmen erhalten. Auch für Ansichtskarten lieferte er Vorlagen, meist wieder Blicke auf den Ort. Weiter sollen noch genannt werden: Paul Wolff, ein Fotograf aus Dresden, der hier tätig war und u.a. einen kleinen Ruhla-Bildband mit Kupfertiefdrucktafeln und heimatgeschichtlichem Text schut, sowie Fritz Rolapp, ein Ruhlaer, der ab etwa 1930 Stadt- und Landschaftsansichten auf Platte und Film bannte und Ansichtspostkarten herausgab. Die anderen beiden wichtigsten Ansichtskartenverlage am Ort waren die Tabakwarenhandlung Julius Engelmann und die Buchhandlung Bruno Eppelin. Die Vereinigung 'Alt-Ruhla' gab Postkarten mit heimatgeschichtlicher Thematik heraus (vgl. Bilder 22,62, 65,69). Verbreitet sind in Ruhla noch farbige Kunstdruckpostkarten einer zwanzig- und einer zwölfteiligen Serie zweier Gothaer Verlage aus der Zeit vor dem Ersten

Weltkrieg vorhanden. Vier Ansichten davon wurden aufgenommen (Bilder 23, 27, 28, 30).

Aus der Zeichenfeder von Hanns Bock, von 1908 bis 1924 Lehrer in Ruhla, stammen viele künstlerische Darstellungen von Teilansichten. Etliche davon wurden, einzeln oder in einem Heft zusammengefaßt, veröffentlicht, einige erschienen auch auf Postkarten (vg!. Bilder 44 und 45). Auch andere Grafiker und Maler schufen Zeichnungen und Aquarelle , die verwendet wurden (vg!. Bilder26, 42, 60).

Das vorliegende Buch zeigt sechsundsiebzig Ruhlaer Ansichten aus der Zeit von 1855 bis 1933. Damit soll ein Teil einer knapp achtzigjährigen Entwicklung, hauptsächlich auf das Stadtbild bezogen, dokumentiert werden. Vieles auf den Ansichten noch Schaubare verschwand, vieles ist neu entstanden. Straßen wurden verbreitert, begradigt, angelegt. Dem mußte eine Vielzahl alter, zum Teil noch solider, Häuser weichen, mußten alt-kleinstädtische Winkel geopfert werden. Der einst offen fließende Erbstrom wurde im dargestellten Zeitraum bis auf wenige hundert Meter seines Laufes durch die Stadt eingetunnelt. Auch die Nebenbäche wurden teilweise verrohrt. Mühlgräben verschwanden. Ganze Straßenbereiche wurden durch diese Maßnahmen umgestaltet.

Solches, was nicht mehr ist oder nicht mehr so ist wie einst, sollte vorrangig gezeigt werden. Die einstigen Gegebenheiten und die Veränderungen konnten aber im Rahmen dieses Bändchens nicht alle vor Augen geführt werden. Manches blieb unberücksichtigt. Sicher besitzen Sammler noch weitere schöne alte Ansichten von Ruhla. Auch die Zahl der Bilder , die hier aufgenommen werden konnten, war begrenzt.

An die Blicke auf Ruhla, an die Straßen- und Gebäudean-

sichten wurden noch fünfzehn Bilder (Nrn. 62 bis 76) angefügt, die kulturelles und sportliches Leben, auch Ruhlaer Bürgcr der Vergangenheit zeigen. Sie vermitteln Eindrücke von der Tätigkeit der Vereine und Vereinigungen und damit einen Eindruck von der Zeit. Von diesen Aufnahmen kann nur eine kleine Auswahl geboten werden.

Der größte Teil der wiedergegebenen Ansichten und Abbildungen stammt aus dem Bildteil der Stadtchroniksammlung und der Privatsammlung des Autors. Außerdem stellten aus ihren Sammlungen Bilder zur Verfügung: Klaus Böttner, Walter Krauss, Horst Stein, Hartmut Heß, Horst Rödger, Volker Böttinger und Helmut Koch. Ihnen ist dafür zu danken.

Teilweise wurden bei den Bilderläuterungen passende alte TextsteIlen und Bezeichnungen verwandt, um die historischen Aufnahmen und Darstellungen entsprechend zu ergänzen.

Die alten Ruhlaer Ansichten regen sicher manch Einheimischen oder auch Fremden zu Vergleichen an. Die Ergebnisse werden nicht immer zugunsten der Gegenwart ausfallen. Alteingesessene erinnern sich vielleicht noch: 'Ja, so hat das damals ausgesehen' oder 'Das war doch das Haus von .. .' oder auch 'Das ist doch der und der'. Viele, besonders die Jüngeren, werden sich nicht mehr erinnern können. Dann bieten die alten Ansichten die Möglichkeit, sich über das frühere Ruhla zu informieren. Möge das Interesse dafür bei weiteren Kreisen geweckt werden. Man wird sich, auch mit Hilfe der Erklärungen, ein Bild machen können, wie das Heutige aus dem Gestrigen hervorgegangen ist. Wenn dieses oder jenes dem Bändchen gelingt, dann hat es seinen Zweck erfüllt.

1. Dieser Stich mit dem Bliek vom unteren Engestieg über beide Kirchen erschien 1854/55 und sollte auf Ruhla aufmerksammachen. Eine 1853 gegründete Bade-Aktiengesellschaft betrieb die Wiederbelebung des Kur- und Badebetriebes auf der Basis der 'Stahlwasser-Ouellen und der reizvollen Lage des Gebirgsortes. Links am Berge sieht man das ebenfalls 1853 neu entstandene Berggasthaus 'Bellevue'. Die beiden Kirchen sind ein Wahrzeichen Ruhlas. Sie erinnern an die unselige Teilung des Ortes, der von Anbeginn zwei unterschiedlichen Ämtern und ab 1640 bis 1921 zwei Ländern, dem Herzogtum Sachsen-Gotha und dem Herzogtum Sachsen-Weimar/Eisenach, angehörte. Die Winkelkirche im Vordergrund fällt besonders ins Auge. Es gibt nur drei solcher Art in Deutschland.

2. Die Ansicht vom Ringberg gab der Schriftsteller und großzügige Förderer seiner Vaterstadt, Hofrat Dr. Alexander ZiegIer, seinem Buch 'Das Thüringerwalddorf Ruhla .. .' (Dresden 1867) bei. Obwohl der untere und obere Teil des Haupttales und die Seitentäler nicht zu sehen sind, vermittelt der Stich einen guten Gesamteindruck von der Tallage. Den Horizont bildet das Rennsteiggebiet mit dem 728 m hohen Gerberstein. Rechts im Bild ist das erweiterte Gasthaus 'Bellevue' zu erkennen. ZiegIer fand den Ringbergbliek 'entzückend' und schwärrnte: 'Man schaut in eins der reizendsten Bilder des ganzen Gebirges ... und ein unbeschreiblich schöner Kranz von Wäldern, Fluren, Bergen in den schönsten Formen urnkränzt uns ... '

3. Auf das Jahr 1864, also relativ früh, ist diese wahrscheinlich erste fotografische Aufnahme einer Ruhla-Ansicht zu datieren, ein Bliek vom unteren Bermberg über die Ortsmitte zum Breitenberg, ein Motiv, das später noch oft aufgenommen wurde und auf Postkarten erschien. Obwohl die Vorlage verständlicherweise nicht mehr von guter Qualität ist, wurde sie wegen ihrer Priorität mit aufgenommen. Man kann noch deutlich erkennen, was die Datierung möglich machte: Das, wie man weiß, im Jahre 1864 errichtete Erweiterungsgebäude der 'Landgrafenschmiede' (siehe Bild 7) ist in der Ausbauphase abgebildet. Es sind noch keine Fenster eingesetzt (siehe Bildmitte ).

4. Die Ruhlaer Fabrikanten Zie gIer und der Meininger Kaufmann Reiße hatten 1842 im besonders engen Ruhlaer Grund, wo bis dahin noch Reste alter Eisen- bzw. Zainhämmer und eine Messerschleifkote vorhanden waren, ein Fabrikgebäude für eine Wollspinnerei bauen lassen, in dem Reiße aber dann bis 1870 eine Filz- und Plüschwarenfabrik betrieb. Nachdem noch drei Jahre eine 'Naturheilanstalt' darin untergebracht war, kaufte Christian Thiel 1873 das Reiße'sche Anwesen und richtete mit seinen Brüdern die Kinderspieluhrenfabrik dort ein. Unsere Ansicht stammt etwa aus dem Jahre 1865. In der Bildmitte ist der unbefestigte Weg der 'Grundhohle' zu sehen. Schon wenige Jahre später sind Fabrikanlage und Gelände nicht wiederzuerkennen. Zu Werbezwecken angefertigte Darstellungen sind aber übertrieben und wurden deswegen hier nicht aufgenommen.

5. Diese Ruhlaer Grußpostkarte ist aus dem Jahre 1889. Es war eine der ersten Ortsansichtskarten oder überhaupt die erste, gedruckt nach einer gezeichneten Vorlage. Herausgeber war das Hennig'sche Hotel und Restaurant 'Zur Traube', dessen Anlage im rückwärtigen Bereich auch etwas vorteilhafter dargestellt ist. 1882 wurde es in diesem Hause eingerichtet. Bis dahin befand sich der alte Gasthof 'Blaue Traube' im Haus gegenüber (vgl. Bild 42). Der Platz vor beiden Häusern war der alte Ruhlaer Markt- und HauptKirmesplatz, auf dem bis um 1848 eine große Linde stand, die 'Untere Linde'. Die Kübelbäume vor dem Hotel deuten auf den sommerlichen Straßenrestaurantbetrieb. Im Bliek gegen den Bermberg fällt wieder das Berghotel 'Bellevue' (vgl. Bild 1) auf.

6. Das Hotel 'Belle-Vue' wurde als Berggasthaus im Jahre 1853 am Bermberg erbaut. Die Ruhlaer gaben ihm zunächst keine Erfolgschancen. Es wurde aber beliebt und durch Erweiterungsbauten (1861 einen Saal, links, 1866 den Mittcltrakt und einen rückwärtigen Flügel) entwickelte es sich zu einem größeren Hotel. 'Durch seine herrliche Lage, durch die gediegene Bedienung und freundliche Behandlung, die man daselbst erfährt , ist 'Bellevue" für die hiesigen Bewohner und für die Tausende von Fremden, die alljährlich unser romantisches Tal besuchen, ein Lieblingsplatz, ja gleichsam ein Wallfahrtsort.' Der Werbetext stammt aus der Zeit um 1880, die Ansichtskarte gab es 1892/93. Am 3. März 1913 brannte das Hotel nieder. Der Besitzer, Albin Nordmann, ließ es größer und schöner wiederaufbauen. Das Haus links auf der Karte ist Hofrat Zieglers Villa 'Ursomontana' (Bärenberg).

Ankunft des La.ndgrafen Ludwlg In der Schmiede

7. Dieser Gebäudekomplex bekam im vorigen Jahrhundert den Namen 'Landgrafenschmiede' in Anlehnung an die Sage vom 'Schrnied von Ruhla und den hartgeschmiedeten Landgrafen'. Es waren Überreste des einst dort vorhandenen Eisenhammers, Eisenbroeken und Schlacke gefunden worden. Auch die den ganzen Ortsteil betreffende Bezeichnung 'Junkerort' sah man als Berechtigung dafür an. An den 1864 errichteten Erweiterungsbau ließ der Besitzer Dreiß die zwei vom Leiter der Ruhlaer Zeichenschule Tobias Weiß geschaffenen Reliefbilder mit Sagenszenen anbringen. Den größten gefundenen Eisenbroeken, erschmolzene Luppe aus einem Stückofen, stellte man als 'Amboß des Schmiedes von Ruhla' im Garten zur Schau. Die 'Landgrafenschmiedc' gibt es seit Jahren nicht mehr. Sie mußte dem Kaufhausund Straßenbau weichen. Teile der Reliefs und das Luppenstück befinden sich im Heimatmuseum.

8. Das Gasthaus 'Zur Rose' wurde 1830 vom Braumeister des zum Amt Tenneberg (Waltershausen) gehörenden Ruhlaer Ortsteiles als 'gcräumigcr, reinlicher Gasthof für gehobene Ansprüche und Honoratioren' mit Ställen für 12 Pferde , Rernisen, einer Brauerei und einem Gartenlokal eingerichtet. Es war über Jahre das größte und beste Gast- und Logierhaus. Der Saalanbau (links) erfolgte aber erst später. Ehe es der Braumeister Johannes Köllner kaufte, war es herzoglich gothaisches Forsthaus. Die Werbung für den Gasthof ist verbunden mit der für den Ort durch den dargestellten Bliek vom 1897 neu in Eisenkonstruktion auf dem Ringberg errichteten Aussichtsturrn, dem Carl-Alexander-Turrn, der auch als Zeichnung auf der Karte von 1897/98 erscheint. Diese ist die älteste colorierte, die zur Verfügungstand.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek