Rund um Mainz in alten Ansichten

Rund um Mainz in alten Ansichten

Auteur
:   Ernst Klug
Gemeente
:   Mainz, Rund um
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-0195-0
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Rund um Mainz in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Rund um Mainz finden wir die nachstehend aufgeführten Orte, die an sechs strahlenförmig auf Mainz führenden Landstraßen liegen. Es sind dies: Weisenau, Hechtsheim, Bretzenheim, Marienborn, Ober-Olm, Drais, Finthen, Budenheim, Mombach und Gonsenheim.

Dies waren früher selbständige Orte, die teils durch die Nähe des Absatzmarktes, teils durch die Nähe der Arbeitsstätte zur Stadt profitierten. Zu diesen Vorteilen kommt noch die Nachbarschaft des Rheins. So konnte sich hier leichter eine eigene Industrie entwickeln. Andererseits hatten aber diese Dörfer auch bei den wiederholten Stadtbelagerungen viel zu leiden. Zu diesen Orten kommen noch die auf der rechten Rheinseite gelegenen Orte Kastel und Kostheim. Sie bildeten den Mainzer Brückenkopf.

Zunächst nun zu Weisertau. Der Ort war schon zur Römerzeit bewohnt. Eine Rörnerstraße, die Mainz mit Worms verband, führte oberhalb des Dorfes vorbei. Im Mittelalter befand sich hier ein wichtiger Rheinübergang, der allerdings seine Bedeutung verlor, als der Kurfürst Philipp von Schönborn 1661 die Mainzer Schiffsbrücke erbauen ließ. Bei der Belagerung von Mainz 1793 wurden außer der Kirche und der Schule noch zweiundsiebzig Häuser durch Brand zerstört. Bei den nachfolgenden Belagerungen wurden die restlichen Häuser abgerissen. So sahen sich alle Einwohner genötigt den Ort zu verlassen. Der Steinbruch bei Weisenau war der erste Industriebetrieb des Ortes, Er wird schon 1772 genannt. Hier wurden die Steine, die zum Bahnbau 1849 benötigt wurden, gebrochen. Später fand man heraus, daß sich aus diesen Kalksteinen in Verbindung mit den leicht auf dem Rhein herbeizuschaffenden Zusatzmaterialien, wie der Kohle, billig Zement herstellen ließ.

Es folgt Hechtsheirn. Hier entstanden große Backsteinbrennereien, denen der hier abgebaute Lehm und die Nähe zur Stadt sehr zugute kamen. Bei der regen Bautätigkeit vor dem Ersten

Weltkrieg waren die Hechtsheimer Backsteine sehr gefragt, Trotz der heute hier ansässigen Industrie ist Hechtsheim mit einer der größten Gemarkung in Rheinhessen ein bäuerlicher Ort geblieben. Die Süddeutsche Eisenbahngesellschaft baute eine Bahnlinie von Mainz über Zahlbach und Bretzenheim nach Hechtsheim. Damit war der Ort an die Stadt angeschlossen, Die Stadt übernahm später diese Bahn. Obwohl Hechtsheim vier öffentliche Laufbrunnen hatte und zirka dreißig private Brunnen, mußte bei einem Brand das benötigte Wasser mit Fässern aus dem Rhein geholt werden.

Wir kommen zu Bretzenheim. Es gehört wie Hechtsheim, Marienborn, Drais und Finthen zum 'Mainzer Land'. Die leichten Böden und die tiefen Lagen bringen es mit sich, daß hier das Getreide zwei bis drei Wochen früher reif wird, als in der höher gelegenen Pfalz. In Bretzenheim hat sich keine Industrie angesiedelt. Die Bretzenheimer verlegten sich auf Viehzucht und belieferten früher die Stadt mit frischer Milch, die sie täglich in die Stadt fuhren. Bretzenheim hatte auch in den Jahren 1794/1795 viel zu leiden, da bei dieser Belagerung der Stadt einhundertvierunddreißig Häuser eingerissen und der Ort geplündert wurde.

Unweit von Bretzenheim liegt Marienborn. Bekannt geworden durch Goethe, der hier im Chausseehaus während der Belagerung von Mainz wohnte. Marienborn ist heute ein bekannter Wallfahrtsort. Zu dem hier auf dem Altar stehenden Gnadenbild wird alljährlich gewallfahrt. Marienborn liegt an der von Napoleon gebauten, sogenannten Kaiserstraße, Von Marienborn sieht man die Hochhäuser des Lerchenbergs, einer Satelittenstadt von Mainz. Sie liegt im Ober-Olm er Wald. Hier hatten die Mainzer Kurfürsten ihr Jagdrevier. Damals erbauten sie auch das Forsthaus, in dem sie Feste abhielten. Der Erbauer, Kurfürst Emmanuel Josef', ließ eine Schneise durch den Wald hauen, um seinen Dom auch von hier aus sehen zu können.

Über Drais, das zwischen Marienborn und Finthen liegt, ist nicht viel zu sagen. Es ist ein kleiner Ort mit einer kleinen Gemarkung (1 380 Morgen). Drais gehörte früher zum Kurstaat. Interessant ist vielleicht, daß seine Bewohner früher das Recht hatten einmal in der Woche in den kurfürstlichen Waldungen sich mit Holz zu versehen.

Es folgt Finthen. Auch die Bewohner Finthens ernährten sich durch die Landwirtschaft. Nur eine Brauerei hatte sich am Königsborn bei Finthen ansässig gemacht. Von hier aus bauten die Römer eine Wasserleitung zu ihrem Lager nach Mainz. Über fünfhundert Pfeiler mußten sie errichten, um die Taleinschnitte zu überbrücken. Nach Gonsenheim zu, steht das Hessendenkmal, das zur Erinnerung an die Hessen errichtet wurde, die 1794/1795 an der Belagerung von Mainz teilnahmen.

Das folgende Budenheim liegt am Rhein. Das hatte den Nachteil, so 1784, daß bei der damals eingetretenen Überschwemmung der Ort überflutet und der Verkehr im Ort durch Kähne ausgeführt wurde. Diese Lage hatte aber auch den Vorteil den Rhein als Wasserstraße benutzen zu können. Budenheim besitzt mächtige Kalksteinlager, Die hier gebroehenen Kalksteine verlud man gleich in Schiffe, um sie stromabwärts zu transportieren. Die Steine wurden aber auch teilweise im Ort selbst durch eine Zementfabrik verwertet, die damals einen fünfundsiebzig Meter hohen Schornstein, den höchsten von Rheinhessen, besaß. Eine Statistik aus dem Jahre 1910 besagt, daß allein vier Millionen Zentner Kalkstein hier in Schiffe eingeladen und 500 000 Zentner Kohlen ausgeladen wurden. Vor der industriellen Ausbeutung der Steinbrüche hatten viele Budenheimer Familien hier ihre eigenen 'Stein Kauthen'. Der feste Kalkstein wurde zum Hausbau benutzt. Große Teile der Mainzer Altstadt sind aus den Budenheirner Steinen gebaut. Sie hatten auch ihren Platz in den Bastionen der Mainzer Festungswerke gefunden, selbst in den Wänden

des Doms finden wir ihn. Auch brannten die Budenheimer diese Steine selbst zu Kalk. So soll es 1790 hier schon sechs Kalköfen gegeben haben, die vor der gewerblichen Herstellung des Kalks gute Gewinne abgeworfen haben sollen. Eine Sektglasfabrik, die heutige Glasfabrik, und eine chemische Fabrik entstanden, die die günstige Lage des Ortes zum Rhein ausnutzten.

Unweit von Mainz entfernt liegt Mombach. 1824 wird schon von einer Schaftenfabrik berichtet. 1860 kam eine Wagenfabrik und eine, die chemische Präparate herstellt, dazu. Um 1900 steht die Industrie schon in hoher Blüte. Eine Waggonfabrik, sie hatte sich aus der Wagenfabrik entwickelt, beschäftigte damals schon sechshundert Arbeiter. Sie war der Hauptarbeitgeber weit und breit. Da die Mombacher Einwohner hauptsächlich Gemüse und Obstbau betrieben, hatten sich hier auch noch zwei Konservenfabriken angesiedelt. Übrigens muß der Obstbau hier schon seit langen Zeiten betrieben worden sein, denn die Gemeinde war früher verpflichtet einen Kirschenzehnten abzugeben.

Als letzer Ort folgt Gortsenheim. Gonsenheim mit Budenheim und Mombach liegen in der wärmsten Gegend Deutschlands, da sie durch den Gebirgswall des Taunus geschützt sind. Der fruchtbare Boden mit seinen Spargelfeldern und Gemüseländereien gleicht einem einzigen großen Garten. Außer der Belieferung der Städte Mainz und Wiesbaden mit Frischgemüse, werden noch Konserven hergestellt, die in alle Teile Deutschlands verschickt werden. Die Felder werden gewöhnlich zweimal, öfters auch dreimal jährlich bestellt.

Zwischen Gonsenheim, Mombach, Bodenheim und Heidesheim liegen große Waldgebiete, die sich über eine Fläche von mehr als 5 000 Morgen erstrecken. Hier waren die Schießstände und Exerzierplätze der in Mainz und seiner Umgegend stationierten Truppen. In unmittelbarer Nähe dieser Stätten liegt das Wirtshaus 'Zur Krimm'. Hier hielt der Kaiser früher

die Paraden seiner Truppen ab. Auf dem Lenneberg, einer Erhöhung irn Wald, erbaute sich der Baron von Waldthausen ein riesiges Schloß. In dem Wald stehen verschiedene kleine Kapellen, so die Wendelinuskapelle, die 1777 anläßlich eines großen Viehsterbens, zur Abwendung desselben, errichtet wurde. Dort habe auch ein Einsiedler gewohnt, der den Kapellenbesuchern gute Ratschläge zur Behandlung ihres Viehs gegeben habe. Auch die St.-Georgskapelle ist zu nennen, zu der am St.-Georgstag (23. April) gewallfahrt wurde. Im Volksmund wurde diese Wallfahrt die 'Käsebrotwallfahrt' genannt. Es wurde symbolisch Käse und Brot verteilt, um diese Spelsen das ganze Jahr über vor Schimmel und Fäulnis zu bewahren,

Doch nun zu den Orten auf der rechten Rheinseite. Hier wollen wir zuerst Kastel betrachten. Kastels Geschichte reicht bis in die Römerzeit zurück. Diese errichteten hier gegenüber von Mainz, zum Schutze ihrer Siedlung, ein Kastell, das sie mit einer festen Brücke mit Mainz verbanden. In der Völkerwanderungszeit zerstört, wurde sie unter Karl dem Großen wieder aufgebaut. Diese hölzerne Brücke hielt aber nicht lange. Dann dauerte es bis 1885 bis wieder eine feste Brücke beide Städte rniteinander verband. Vorher wurde der Verkehr über eine Schiffsbrücke abgewickelt, die jedesmal auseinander gefahren werden mußte, wenn ein Schiff passieren wollte. Schon bald nach ihrer Erbauung führte ein Pferdebahn über sie. Um 1904 kam eine elektrische Bahn dazu, die Mainz mit Biebrich verband. Als einen großen Nachteil wurde es in Kastel empfunden, daß diese Bahn nicht durch die Stadt, sondern an der Rheinseite an ihr vorbeigeführt wurde. 'Es sei bedauerlich,' hieß es damals, 'daß zu gunsten einer Privatgesellschaft entschieden wurde.' Gebaut und unterhalten wurde damals diese Strecke von der Süddeutsche Eisenbahngesellsohaft. Da Kastel als Brückenkopf besonders für Mainz wichtig war, wurden hier dauernd Soldaten stationiert, Hier

waren um 1900 ungefähr eintausend Mann kaserniert, Kastel war ein Teil der Mainzer Festungsanlagen, 1824 waren fünfhundert Morgen Land mit Festungswerken verbaut. Erst im Jahre 1903 durfte auf eine kaiserliche Verfügung ein Teil der Festungsanlagen niedergelegt werden, worauf die Stadt sich erweitern konnte.

Amöneburg liegt in der Gemarkung von Kastel und ist eine Schöpfung der Neuzelt. In einer Beschreibung von 1905 liest man: Der Vorort von Kastel, Amöneburg, sei von einer 'amerikanisch' zu nennenden Entwicklung gekennzeichnet. 1858 habe sich hier die chemische Fabrik von Albert niedergelassen. bei denen heute etwa 2 600 Mann beschäftigt seien. Dann käme noch die 1864 gegründete Portland-ZementFabrik von Dykerhoff & Sohne, bei der 1 200 Mann lohnende Beschdftigung fänden. Außerdem hätte sicb zwischen Kastel und Amöneburg die größte existierende Binnenschiffswerft fiir den Bau von Flußschiffen niedergelassen. Gegründet von Christopb Ruthof. der zuerst nur den Holzschiffbau betrieben habe. Hier werden 450 Arbeiter beschäftigt.

Als letzter zu Mainz gehörender Ort ist noch Kostheim zu nennen. Seit dem 16. Jahrhundert gehörte Kostheim zu Kurmainz. Die schlirnmsten Zeiten für Kostheim waren auch die Jahre 1793, 1795 und 1813. Jedesmal wurde es total zerstört. Der Weinbau in Kostheim ist beträchtlich. Der Kostheimer Wein ist mit dem von Hochheim zu vergleichen, Beide Gematkungen grenzen aneinander, ihre Weinbergslagen liegen an südlichen Hängen. In Kostheim hat sich eine beachtliche Industrie niedergelassen, Eine Eisenbahnhaltestelle ist nicht vorhanden, dafür aber eine Schiffsverbindung mit Mainz. So war es zur Zeit dieser Postkarten.

Gruß aus Weisenau a. Rhein

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1. Ansicht von Weisenau. Zur Zeit dieser Postkarte hatte Weisenau 5 760 Einwohner, Die Israeliten hatten hier eine Synagoge. 1 034 Kinder wurden in sechzehn Klassen unterrichtet, sodaß auf den einzelnen Lehrer vierundsechzig Kinder kamen.

2. Bliek auf Weisenau. Abbildung der Brauerei und Wirtschaft 'Zum Schwarzen Bären'. Schon vor dem Aufschwung Weisenaus zur Industriestadt gab es einige kleine Brauereien, die unter Ausnutzung des guten Weisenauer Quellwassers ihr Bier brauten und es hauptsächlich in Mainz absetzten. 1840 werden die Brauereien 'Zum Karpfen' und 'Zum Löwen' genannt.

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Totalansicht

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Weiseoau bei Maioz

3. Bliek auf Weisenau. Abbildung des Gasthauses 'Zum Schwanen'. Demian sagt 1822 in seiner 'Beschreibung des Großherzogthums Hessen': Die vorzüglichsten Nahrungsquellen fiir Weisenau sind Acker- und Weinbau, Viehzucht und Schiffahrt. Heute sind sechzig Prozent der Weisenauer Ackerfläche verschwunden und sind nichtlandwirtschaftlicher Nutzung zugeführt worden. Während es 1889 noch 1941andwirtschaftliche Betriebe gab, sind es heute nur noch 10.

Ansichl yonWeisenau.

4. Weisenau mit dem Restaurant 'Rhein-Aussicht'. Johann Wolfgang von Goethe nahm 1793 an der Belagerung von Mainz teil. Bei dieser Gelegenheit kam er auch nach Weisenau und nahm angesichts der Totengebeine des Weisenauer Beinhauses die Gelegenheit wahr, nach krankhaft deformierten Knochen zu suchen, da er sich mit anatomischen Studien befaßte.

5. Karte mit Abbildungen verschiedener Weisenauer Gebäude, Weisenau hatte um 1900 schon ungefähr sechstausend Einwohner. Es war eine aufstrebende Gemeinde. deren Einwohnerzahl sich bis heute verdoppelt hat. Nach Mainz fuhr schon um 1900 alle neun Minuten eine Straßenbahn. Damals wurden all die abgebildeten Häuser gebaut. Die vor dem Postgebäude haltende Postkutsche soll wohl noch an die alten Zeiten erinnern.

6. Überschwemmung in Weisenau. Auf der Rückseite der Karte wurde vermerkt: Zur Erinnerung an den 20. Januar 1920. Damals überschwemmte der Rhein die tiefgelegenen Ortsteile von Weisenau.

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7. Links: Die katholische Pfarrkirche in Weisenau. Diese Kirche wurde 1793 zerstört, 1825 wieder aufgebaut und später erweitert. So sah die Kirche vor ihrer Zerstörung durch Bombenam 27. Februar 1945 aus.

Rechts: Auf dieser Weisenauer Karte ist außer der katholischen Kirche noch die Hohlstraße zu sehen, in der sich mehrere Wirtschaften befanden. Arbeiten in den Zementwerken machte durstig und so konnten die Weisenauer Wirtschaften gut bestehen.

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