Saarlouis in alten Ansichten

Saarlouis in alten Ansichten

Auteur
:   Hans Jörg Schu
Gemeente
:   Saarlouis
Provincie
:   Saarland
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1059-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Saarlouis in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Viele jener Iiebenswerten Bauwerke und Straßenzüge, die uns auf alten Ansichtskarten aus dem Saarlouis vergangener Tage überliefert sind, haben den Bedrohungen des 'Fortschritts' nicht standhalten können und sind 'zeitgemäßeren' Bauten gewichen. Vor allem in den beiden Jahrzehnten vor und nach der Jahrhundertwende hatten die 'Forderungen der Zeit' radikal ihren Tribut gefordert und ein Zetstörungswerk betrieben, das sich dann in den Bombennächten des Zweiten Weltkrieges in verheerendem Ausmaße wiederholte.

Dennoch blieb in Saarlouis trotz aller Zerstörungen der Bezug zwischen Vergangenheit und Gegenwart lebendig, denn bis heute wirkt der Festungscharakter in der Struktur des Stadtkerns fort. Die großzügigen Ringstraßen zeichnen den Verlauf der Wallgräben nach, und auch die übrigen Straßenzüge erinnern in ihrer rechtwinkligen, gradlinigen Anordnung weiterhin an die Festungszeit. Die innerstädtischen Parks markieren bis heute die Lage der Glacis, die einst als Schußfelder für die Batterien aufgeschüttet wurden. Noch immer vollziehen einige Kasernen in ihrer Bauflucht den sternförmigen Festungsgrundriß nach, und auch der Große Markt, einst Paradeplatz der Garnison, beherrscht noch immer das Stadtzentrum.

So hält die Wirklichkeit in Saarlouis ein Koordinatennetz vor, in das sich leicht all jene Bauwerke und Anlagen projizieren lassen, die nur noch in Ansichtskarten fortleben. Dabei setzen die historischen

Bauten, die der Zerstörung entgingen und heute wieder zu lebendigen Bestandteilen der Stadt geworden sind, weitere Orientierungspunkte. Man denke nur an die Contregarde Vauban, jenes Außenwerk im Saarlauf, das die Festung auf der Unterstromseite sichern sollte, man denke an die wiedererschlossenen Festungsmauern am Saaraltarm mit den Bastionen I und VI, der Schleusenbrücke und dem Fort Reduit, an die Kasematten, die liebevoll restauriert wurden, und nicht zuletzt an die ehemalige Kommandantur, die man· am Großen Markt im ursprünglichen Stil wiedererrichtet hat. Auch einige alte Bürgerhäuser haben bisher allen Bedrohungen widerstanden, unter ihnen das Geburtshaus des Marschall Michel Ney, den Napoleon 'Ie brave des braves' nannte.

Zum Teil stellen die vorliegenden Ansichtskarten nicht nur Momentaufnahmen einer bestimmten historischen Situation dar, sondern haben darüber hinaus auch jenen entscheidenden Veränderungsprozeß im Bilde aufgezeichnet, der 1889 mit der Entfestigung rigoros einsetzte. Hier trafen die Anfänge der Fotografie mit dem Ende einer militärischen Epoche zusamrnen, an dem die Bürger den Festungsgürtel sprengten, der Saarlouis so lange in seiner städtebaulichen und wirtschaftlichen Entwicklung benachteiligt hatte. Am abschreckenden Beispiel vergangener Tage werden uns so die Fehler sichtbar, in die wir heute immer noch allzu gerne im Übereifer 'optimaler Lösungen' verfallen. Damals ging man mit

aller Gründlichkeit zu Werke, und daß man sich beim Schleifen der Festung keinerlei Zurückhaltung auferlegte, mag sich aus den ersten zweihundert Jahren der Stadtgeschichte erklären, die - durch Wallgräben räumlich festgeschrieben - städtebaulich eher statisch verlaufen waren.

Saarlouis ist nicht wie die meisten Städte in J ahrhunderten gewachsen; Saarlouis geschah plötzlich und auf BefehL Befohlen hatte 1680 der französische König Louis XIV, der seine linksrheinischen Neuerwerbungen strategisch zu sichern gedachte. Als Teil dieser Strategie entstand nach den Plänen Vaubans die Festung, bei deren Anblick der Sonnenkönig entsetzt gefragt haben soll: 'Ist das alles für meine Millionen?' Sehr ernst gemeint war sie wohl nicht, diese Frage, falls sie überhaupt jemals gestellt wurde, denn der 'Roi-Soleil' setzte seiner jungen Stadt nicht nur die Sonne und die Bourbonenlilien ins Wappen, sondern verlieh ihr auch gnädigst seinen königlichen Namen.

Die großen Erwartungen, die sich zunächst mit der 'königlichen Stadt' verbunden hatten, erfüllten sich jedoch höchstens im militärischen Bereich. Bereits im Frieden von Rysswick verlor sie 1697 fast ihr gesamtes Hinterland. Der wirtschaftliche Niedergang war unaufhaltsam geworden und erzeugte ein Klima der Unzufriedenheit, das die Bürger knapp einhundert Jahre später für die Ideen der Revolution so empfänglich machen sollte.

Als Saarlouis schließlich nach erfolgloser Belagerung

im zweiten Pariser Frieden 1815 unerobert an Preußen fiel, vollzog sich der Übergang ohne Bruch. Auch stieß sich niemand daran, daß der erste preußische Bürgermeister Michel Reneauld einst französischer Revolutionsgeneral war und schon bald den Lilienorden, das Kreuz der Ehrenlegion und den preußischen roten Adlerorden dritter Klasse einträchtig auf seiner Brust vereinigte. Dies vertrug sich, wie sich auch sonst in Saarlouis die französische Vergangenheit mit der preußischen Gegenwart vertrug. Die Preußen nahmen die Stadt in Besitz, verstärkten und ergänzten hier und da die Festungswerke, bauten auch einige neue Kasernen, all dies aber in einer so unaufdringlichen Weise, daß Einheit und Harmonie des Stadtbildes unbeeinträchtigt blieben. Die Wirtschaftslage aber änderte sich auch jetzt nicht wesentlich. Der Mauergürtel nahm der Stadt jede Ausdehnungsmöglichkeit, die Eisenbahnlinie wurde an der Festung vorbeigeführt, und die erste Industrialisierungsphase ging an Saarlouis spurlos vorüber. Als dann 1889 der Befehl zur Entfestigung erging, tat man ganze Arbeit.

'Alles hat seinen Preis' sagt ein zynisches Wort. Saarlouis hat längst den Anschluß an die wirtschaftliche Entwicklung gefunden und dabei vielfach sogar seine Nachbarstädte überflügelt. Was in diesem Anpassungsprozeß jedoch an historischer Bausubstanz verloren ging, das machen uns die alten Ansichtskarten schmerzlich bewußt.

1. Bis zur Entwicklung der modernen Artillerie galt die Festung Saarlouis als uneinnehmbar. Dreimal war sie im Laufe ihrer Geschichte belagert, aber niemals erobert worden. Ihr innerer Verteidigungsring bestand aus sechs hohen Bastionen, die durch starke Wälle (Kurtinen) verbunden waren. Davor lagen der Hauptgraben, die fünf Ravelins und kleinere Befestigungswerke. Der äußere Verteidigungsgürtel war durch einen Vorgraben gesichert, hinter dem acht Lunetten (Redouten) als Abschreckungsschanzen angelegt waren. Das rechte Saarufer wurde schließlich durch ein Homwerk gedeckt, das im Aufbausystem der Gesamtfestung entsprach und unter anderem mit zwei Halbbastionen und einem Ravelin befestigt war.

2. Der Schleusenbrücke, die zwischen Stadtkern und Homwerk über die Saar führte, fiel im Verteidigungssystem der Festung eine entscheidende Aufgabe zu. Von hier aus konnten nicht nur die Festungsgräben geflutet, sondern auch die gesamte Saaraue unter Wasser gesetzt werden. Jenseits der Brücke befand sich das Garnisonslazarett und spätere Gertrudenstift, das in den .Jahren der Stadtgründung erbaut worden war. SalIe St. Jean, salie St. Louis und salle Ste. Reine hießen seine Stockwerke in französischer Zeit. In seinem Innenhof waren einst gepflegte Promenaden angelegt. 1960 mußte das Gebäude, das lange Zeit zu den schönsten Bauwerken der Stadt gezählt hatte, dem Neubau des Knabengymnasiums weichen.

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3. Als eines der schönsten und eindruckvollsten Festungsbauwerke galt das Deutsche Tor, das vor der Schleusenbrücke in die Saarkurtine eingefügt war. Hell hob es sich mit seinen weißen Sandsteinmauern von den Kasematten ab, die sich zu beiden Seiten anschlossen. Zwischen Tor und Saar verlief ein mächtiges Fallgitter, das mit spitzen Eisenstäben bewehrt war, und flußabwärts führte eine Löschtreppe zur Saar hinab, über die bei Bränden das Löschwasser hochbefördert wurde. An den Flaggenmast auf dem Kasemattenwall erinnert bis heute die Pavillonstraße, die seinerzeit von jenem Fahnenstock (Pavillon) ihren Namen erhielt. 1896 wurde das Deutsche Tor geschleift.

4. Hauptaufgabe des Centregarde Vauban war es, die Schleusenbrücke auf der besenders gefährdeten Unterstromseite zu sichern. Das Außenwerk lag etwa 200 Meter flußabwärts im Saarlauf und war nur mit Booten erreichbar, für die eigens eine Anlegestelle bestand (im Bild rechts). Seinen Namen aber hatte der Schleusen-Contregarde nicht etwa in französischer, sondern erst in preußischer Zeit erhalten. Bei seinem ersten Besuch in Saarlouis hatte Preußenkönig Friedrich Wilhelm lIL angeordnet, auf der Insel zum ehrenden Gedachtnis an den Erbauer der Festung den Namen Vauban anzubringen. Heute ist das kriegerische Bauwerk durch zwei Brücken erschlossen und friedlicher Mittelpunkt eines reizvollen Naherholungsgebietes.

5. Auf dem 'Halwen Mond' vergaßen 1815 die abrückenden Franzosen den kleinen Grenadier Lacroix, der dort ahnungslos weiter seine Wache schob. Verängstigt und halb verschmachtet fanden ihn am nächsten Tag die Preußen, die ihn verpflegten und dann den vergeßlichen Kameraden nachschickten. Bis heute ist seine Geschichte in Saarlouis lebendig geblieben, und noch immer kann man die Redensart hören: 'Der schteht do wie de Lacroix off de Halwe Mond!' Was aber könnte über die Mentalität der Saarlouiser mehr Aufschluß geben als die Tatsache, daß sie ihrem liebenswerten Antihelden auf dem 'Halwen Mond' ein Denkmal setzten.

6. Heutigen Ansprüchen würde diese Badeanstalt vielleicht nicht mehr genügen können, obwohl sie damals schon fließendes Wasser bot. 1903 hatte man diese Schwimmidylle am unteren Ende des 'Halwen Monds' in die Saar gebaut. Zur Stadtseite hin wurde der Zugang durch einen Fährbetrieb geregelt, und auch innerbetrieblich hatte alles seine Ordnung. Da gab es ein Schwimmer- und ein Nichtschwimmerbassin, auch ein Sprungbrett wurde errichtet, und die öffentliche Moral war durch Umkleidekabinen und getrennte Badezeiten gesichert, Wer sich aber ins offene Gewässer hinaus wagte, fand notfalls bei 'Großmama' Halt, einem Floß, das zwischen Insel und Stadtgarten in der Saar trieb.

7. Für eine Garnison, in der noch zu Beginn des Ersten Weltkrieges fast 1 900 Pferde lagen, war eine geeignete Pferdeschwernme unerläßlich. In Saarlouis gab es damit keine Schwierigkeit, bot doch die Saar zum Baden der Tiere hinreichende Möglichkeiten. So hatte man auf dem rechten Saarufer im Mauerwerk einen Durchlaß freigehalten, durch den die Tiere vom Hornwerk aus in den Fluß getrieben werden konnten. Dieser Mauerdurchbruch ist heute noch in Höhe des Gaswerkweges erkennbar.

8. Zu den kleinen Festungswerken zählten die Ravelins, die wegen ihrer Form auch 'Derni-lune' (Halbmonde) genannt wurden. Sie waren den Kurtinen vorgelagert und nur über eine Grabenbrücke mit dem inneren Verteidigungsring verbunden. Die Festung Saarlouis besaß sechs dieser Ravelins, in deren Gewölben jeweils 180000 Pfund Pulver in Fässern gelagert werden konnten. In Friedenszeiten waren diese Magazine zwar selten voll belegt, doch boten sie immerhin die Möglichkeit, das gefährliche Zeug ein wenig zu verteilen. So hatte man nicht gar zu sehr das Gefühl, auf einem Pulverfaß zu leben.

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