Saarlouis in alten Ansichten

Saarlouis in alten Ansichten

Auteur
:   Hans Jörg Schu
Gemeente
:   Saarlouis
Provincie
:   Saarland
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1059-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Saarlouis in alten Ansichten'

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19. In den Jahren vor der Iahrhundertwende war in Saarlouis vieles im Umbruch, und auch am Großen Markt hatte sich in der kurzen Zeitspanne, die zwischen den beiden Aufnahmen liegt, manches verändert. Das kleine Eckhaus an der Deutschen Straße ist zu drei Stockwerken aufgeschossen und trägt nun 'klassische' Fassade. Die Straßenlaternen haben ihr Modell gewechselt, und die alten Linden sind mittlerweile durch junge Platanen ersetzt. Der Tordurchlaß des Proviantmagazins ist gefallen, und durch die Achsenstraße verlaufen nun die Gleise, auf denen tagtäglich der 'feurige Elias' verkehrt. Schließlich hat sich auf dem Marktplatz auch eine Verkaufsbude niedergelassen - bescheidener Vorläufer eines späteren Massengeschäfts,

Grosset Markt

20. Zur Wasserversorgung der Bevölkerung dienten einst die vier Eckbrunnen des Großen Marktes, die in den Diagonalen zugleich auch die vier Haupthimmelsrichtungen anzeigten. Das Wasser war 1685 auf Kosten des Sonnenkönigs aus dem Picarder Tal in die Festung geleitet worden. Ursprünglich hatte nur eine große Fontaine in der Mitte des Platzes gestanden, an der die Kavallerie ihre Pferde zu tränken pflegte. Dieser Vorgang aber mißfiel der Bevölkerung so sehr, daß sie schlißlich die Beseitigung des Brunnens durchsetzte. An seine Stelle traten die vier Steinobelisken an den Marktecken.

21. In krassem Gegensatz zu den prunkvollen Staatsgebäuden jener Zeit stand der schrnucklose Funktionsbarock der Saarlouiser Kommandantur, in die 1686 Graf Thomas de Choisy als erster Festungsgouverneur einzog, Die Fassade des Bauwerkes, die fast 45 Meter maïs, verzichtete auf alle barocke Ornamentik und war nur durch Mittelrisalit, Bossenwerke, Tür- und Fenstergewände gegliedert. Nicht zuletzt war auch das hohe Mansardendach für den typisch französischen Eindruck des Gebäudes mitbestimmend. Bis heute ist das Bauwerk, das in den letzten Jahren irn ursprünglichen Stil wiedererrichtet wurde, neben Pfarrkirche und Rathaus das beherrschende Gebäude des Großen Marktes geblieben.

22. Durch zwei Jahrhunderte war der Barockturm von St. Ludwig das einzige Bauwerk, das über die FestungswäJJe der Stadt hinausragte. 1685 hatte Graf Choisy im Namen des Sonnenkönigs den Grundstein gelegt, und bereits zwei Jahre später war die Kirche vollendet. Dreiecksgiebel und Pilaster hatten eine strenge Gliederung der Fassade bewirkt, wie überhaupt barocke Schnörkel in der Außenarchitektur fast ganz fehlten. Zu beiden Seiten des Eingangsportals waren Mauernischen ausgespart, in denen zwei hohe Steinfiguren der Apostelfürsten Petrus und Paulus standen. Bis heute tragen die beiden Seitengäßchen deren Namen.

23. Im Gegensatz zur schlichten Fassade der Kirche hatte sich im Innern von St. Ludwig eine reiche Barockkunst entfaltet, die in ihrer Ornamentik aber stets ausgewogen blieb. Das Kirchenschiff wirkte unter dem mächtigen Tonnengewölbe sehr weiträumig und öffnete sich seitlich zu zwei Kapellennischen, die der Heiligen Jungfrau und dem heiligen Antonius von Padua geweiht waren. Neben dem Marienaltar war zwischen eisenverklammerten Steinen das Herz des ersten Festungsgouverneurs, Graf Thomas de Choisy, in einem herzförrnigen Bleigefäß beigesetzt. Heute ruht die Kapsel im Chorraum der neuen Pfarrkirche hinter einer Gedenkplatte. Von den Schätzen des alten Kirchenschiffs aber sind nur noch zwei riesige Ölgemälde und eine vergoldete Altarpredella erhalten.

24. Im Jahre 1880 begingen die Bürger die Zweihundertjahrfeier ihrer Stadt, und am Abend des 7. August sollten die Festlichkeiten ihren glänzenden Höhepunkt erreichen. Der Große Markt glich einem Lichtermeer, und auch die Fassade der Pfarrkirche trug festlichen Kerzenschmuck, Plötzlich stand der Turm in Flammen. Das Dach- und Turmgebä1k bot dem Feuer reiche Nahrung, die Gleeken schmolzen zu flüssigern Erz, und schließlich barsten in der Hitze auch die Mauern. Der Jahrhundertfeier war ein schlimmes Ende gesetzt.

25. Zwischen den Pilastern des Eingangsportals steht noch die Jahreszahl, die der alten Barockkirche zum Verhängnis werden sollte. Erst der nächste Morgen hatte das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar gemacht: Der Barockturm der Pfarrkirche war zu einer abbruchreifen Ruine geworden. Danach wurde sehr lange prozessiert, und die Prozeßakten füllen Bände. Die Schuldfrage aber wurde letztlich nie geklärt.

26. Staunen erregte einst dieses gigantische Holzgerüst, das 1883 beim Bau des neuen Kirchturms von St. Ludwig aufgestellt wurde. Das Bauwerk selbst folgte in seiner Architektur gotischen Stilforrnen, nachdem das barocke Langhaus bereits zwanzig Jahre zuvor durch eine dreischiffige neugotische Kirche ersetzt worden war. Dort hatte damals das Erdreich nachgegeben und einen Abbruch des Kirchenschiffs unumgänglich gemacht. Beim Turmbau nutzte man nun diese Erfahrungen und nahm hier eine völlig neue Pfahlgründung vor. Die alten Eichenpfähle aber, die nach dem Absinken des Grundwasserspiegels zu vermorsehen drohten, wurden entfernt und öffentlich versteigert. Bis heute finden sich in Saarlouis Möbel, die aus ihrem Holz gefertigt sind,

27. Obgleich das alte Rathaus zu den eindrucksvollsten Bauwerken der Stadt zählte, stand es doch stets im Schatten der Ludwigskirche, die von jeher unangefochten diese Marktseite beherrschte. Hatte dies schon für die bescheidenere Barockkirche gegolten, so verstärkte sich dieser Eindruck später noch beim neugotischen Turm mit seinen Seitenwerken, deren Monumentalität nun wesentlich aufdringlicher die Aufmerksamkeit herausforderte. Von der Anmut der alten Barockkirche war nichts geblieben. Lediglich die beiden Eckhäuser wurden als Erbe übernommen - und der Grundstein aus dem Jahre 1685, der bis heute im rechten Turmeingang zu sehen ist.

28. Mit dem kühlen Äußeren der Pfarrkirche konnte das neugotische Kirchenschiff ein wenig versöhnen, das bei aller Distanziertheit des Stils sehr viel Wärme ausstrahlte. 1864 war es an Stelle des barocken Langhauses errichtet worden, von dem es aber nur die beiden seitlichen Kapellennischen als Gliederungselernente übernahm. Doch das Schicksal ihrer Vorgängerin mußte die Kirche schließlich teilen. Noch einmal hatte das Erdreich nachgegeben, so daß das Bauwerk 1964 abgetragen werden mußte. Nur der Turrn, den man seinerzeit fest gegründet hatte, blieb erhalten.

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