Saarlouis in alten Ansichten

Saarlouis in alten Ansichten

Auteur
:   Hans Jörg Schu
Gemeente
:   Saarlouis
Provincie
:   Saarland
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1059-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Saarlouis in alten Ansichten'

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39. Etwas ungastlich mögen die Dreizehner Jager zunächst ihre Garnisonsstadt empfunden haben. Schließlich war bei ihrem Einzug die Jägerkaserne noch nicht fertiggestellt, so daß man sich gezwungen sah, zunächst einmal zwischen Saar und Wallerfanger Straße in Baracken zu kampieren. Ungastlich zeigte sich in dieser Zeit auch die Saar, die beim Hochwasser über die Ufer trat und das Regiment aus seinen Unterkünften vertrieb. Die Dreizehner Jager sind dennoch sehr schnell in Saarlouis heimisch geworden und haben noch viele Jahrzehnte Kontakt zu ihrer alten Garnisonsstadt gehalten.

40. Zu einem Tag des Grauens sollte der 14. September 1916 für Saarlouis werden, als auf dem Gelande zwischen Trainkaserne und Saarufer (dem heutigen Choisy) ein Pulvermagazin mit belgisoher Beutemunition in die Luft flog. In weitem Umkreis richtete die Explosion, deren Ursachen nie geklärt werden konnten, schreckliche Verwüstungen an. Sechsundneunzig Tote und ebensoviele Schwerverletzte ergab die traurige Bilanz. Panik ergriff die Bevölkerung, die aus der Stadt flüchtete und erst zurückkehrte, als keine weiteren Detonationen mehr zu befürchten waren.

41. Den toten Kameraden erwies die Garnison drei Tage später mit militärischem Zeremoniell die letzte Ehre. Ihre Anteilnahme bezeugten auch die vielen Bürger, die - wie hier in der Französischen Straße - den Trauerzug säumten, Von den Opfern des Explosionsunglücks fanden siebenunddreißig auf dem Saarlouiser Ehrenfriedhof ihre letzte Ruhe. Die übrigen Toten wurden mit einern Sonderzug nach Metz überführt und von dort zur Beisetzung in ihre Heimatorte gebracht. Bis heute erinnern das Grabmal auf dem Garnisonsfriedhof und der Gedenkstein auf dem Choisygelände an den Tag, der zu den dunkelsten der Stadtgeschichte zählt.

42. Zum Aufrnarschplatz der Besatzungstruppen wurde der Große Markt am 23. November 1918, als französische Einheiten in Saarlouis einrückten und das linke Saarufer besetzten. Zu Verwicklungen aber wäre es beinahe gekommen, als die deutsche Nachhut einer halben Schwadron französischer Dragoner unter Hinweis auf das Waffenstillstandsabkommen das Überschreiten der Saar verwehrte. Als man sich schließlich einigte, bot sich auf der Saarbrücke ein ungewöhnliches Schauspiel: Ein französischer und ein deutscher Posten patrouillierten einen Tag lang gemeinsam an der Brückenmitte.

43. Zu einem festlichen Ereignis, an dem Bevölkerung und Besatzungstruppen gleichermaßen teilhaben sollten, wurde im Nachkriegsjahr 1919 der Tag des heiligen Ludwig. Auf dem Kleinen Markt paradierte die französische Garnison, ein Militärorchester gab ein großes Platzkonzert, in St Ludwig wurden zwei Festgottesdienste zelebriert, und auf dem Großen Markt war anschließend viel Kirmestrubel geboten. Die ganze Stadt war auf den Beinen. Dabei entstand in der Deutschen Straße diese Aufnahme, die das Zeitkolorit und die Atmosphäre jener Tage lebendig eingefangen hat.

44. Oben: die jahrtausendealte Geschichte der mittleren Saargegend wurde noch einmal lebendig, als im Oktober 1927 dieser 'Historische Festzug' durch die Kreisstadt führte. Wie hier in der Wallstraße säumten an diesem Tage viele Tausende die Straßen, und aus dem ganzen Kreisgebiet waren Gruppen und Wagen nach Saarlouis gekommen, um ihren örtlichen Geschichtsbeitrag zu liefern. Kelten, Rörner, Franken, Raubritter, Landsknechte und weiteres Kriegsvolk erinnerten im Festzug an die kriegerisch-bewegte Vergangenheit dieses Landstrichs, und die Wandlungen des bäuerlichen und gewerblichen Lebens gewannen hier ebenso Ausdruck wie die Entwicklung von Bergbau und Industrie. Für uns ist mittlerweile auch der örtliche Rahmen Geschichte geworden. Keines dieser Gebäude ist heute mehr erhalten.

Unten: mehr als die wechselvollen Tage der Vergangenheit beschäftigten Saarlouis damals die Probleme der Gegenwart. So zielte 1930 auch die '2SG-Jahr-Feier' der Stadt weniger auf geschichtliche Erinnerung als auf Dokumentation wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, Für diese Jubiläumsausstellung boten die Wiesen an der Wallerfanger Straße ein ideales Gelände, auf dem sich nicht nur dieser Vergnügungspark ausbrettete, sondern auch eine Vielzahl von Ausstellern aus Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft eindrucksvoll über ihre Erzeugnisse und Produktionsweisen inforrnierten. Einen Massenansturm erlebte Saarlouis in diesen Tagen. Aber auch die Polizei durfte zufrieden sein: Trotz aller Besucherrekorde war in der Ausstellungswoche nur ein einziger Unfall zu verzeichnen.

45. Oben: einst galt die Holtzendorffkaserne als eine der freundlichsten Mannschaftsunterkünfte der Garnison. Als sie schließlich im Jahre 1960/61 abgerissen wurde, genoß sie den übelsten Ruf im ganzen Stadtgebiet. 1895/97 war der Gebäudekomplex auf dem Hornwerk rechts der Saar für das Feldartillerieregiment von Holtzendorff Nummer 8 errichtet worden, das seit seiner Gründung im Jahre 1816 stets mit mehreren Truppenteilen in Saarlouis gelegen hatte und 1888 endgültig mit allen vier Abteilungen in der Kreisstadt Quartier nahm. Das Ende des Weltkrieges brachte auch das Ende des Regiments. In der Holtzendorffkaserne aber hatten sich nach 1918 französische Besatzungstruppen einquartiert. Dann war auch für jene die Zeit militärischer Aufgaben vorbei.

Unten: mit seinen spitzen Ecktürmchen und seiner freundlich-verspielten Fassade mutete einst das Artilleriekasino wie ein rornantisches Landschlößchen an. Es lag auf dem Hornwerk jenseits der Saar, eben dort, wo in Höhe des Stadtgartens die Brücke über jenen Festungsgraben führte, den man auch die 'kleine Saar' nannte. Als Pächter gab hier Bertram Hermes, der später eines der angesehensten Speiserestaurants der Stadt betrieb, sein gastronomisches Debüt in Saarlouis. Beim Abbruch der Holtzendorffkaserne wurde 1960/61 auch das Kasino niedergelegt, das damals bereits außerordentlich heruntergekommen war.

46. In der langen Reihe bedeutender Militärs, die aus der Garnisonsstadt Saarlouis hervorgegangen sind, ist Michel Ney, der spätere Herzog von Elchingen und Fürst von der Moskowa, der berühmteste und zugleich schillerndste. 1769 wurde er in der 'Biergass Nummer 13' geboren, einem bescheidenen Haus, an dessen Fassade bis heute eine Gedenktafel an seine Geburt erinnert. Mit achtzehn Jahren war der Küfersohn in ein Metzer Husarenregiment eingetreten und hatte es mit dreiundzwanzig bereits zum Revolutionsgeneral gebracht. 1804 wurde er Marschall Napoleons, der ihn wegen seiner Tollkühnheit 'Ie brave des braven' nannte. 1815 starb der 'Allertapferste' im Jardin du Luxembourg unter dem Feuer eines Hinrichtungspelotons.

47. Einst hatte es viele dieser Hansmarken in Saarlouis gegeben. Mit dem 'Grand Cardinal', der an der Ecke Sonnen-jWeißkreuzstraße in einer Mauernische stand, ist nun auch die letzte dieser Eekfiguren aus dem Straßenbild verschwunden. 98 Zentimeter war diese Holzschnitzarbeit hoch, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts geschaffen wurde. Der schmiedeeiserne Bischofsstab mit dem Lothringer Kreuz stammte dagegen aus späterer Zeit. Die Bedeutung des 'Grand Cardinal' müßte sich auf eine Gastwirtschaft bezogen haben. Hierauf deuten wenigstens vier Verse hin, die aus dem Jahre 1905 überliefert sind:

Da Cardinal en Grande tenue den sieht ma off dem Bildehe hie, L 'eau de vie dat preisst er sehr, Es dat e AbstinenzeIer?

48. Eines der vielen Hauszeichen, an denen Saarlouis einst so reich gewesen ist, hat der Silberherzstraße ihren liebenswerten Namen gegeben, Schon in französischer Zeit hatte er sich gegen die alte Bezeichnung 'rue Meuse' durchgesetzt. Im Straßenbild bewirkten hohe Mansardendächer und schwere Fensterläden jenen einzigartigen Charakter, der an nordfranzösische Kleinstadtidyllen erinnert. In einem dieser Häuser, dem Anwesen Nummer 16, ist 1870 General Paul von Lettow-Vorbeck geboren, dessen geniale Verteidigung Deutsch-Ostafrikas Geschichte geworden ist. Unversehrt haben die beiden Häuserzeilen den Zweiten Weltkrieg überdauert, doch mit den Jahren ist die Bausubstanz brüchig geworden. An der Sanierung aber scheiden sich die Geister.

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