Sankt Mauritz in alten Ansichten

Sankt Mauritz in alten Ansichten

Auteur
:   Gottfried Schäfers
Gemeente
:   Sankt Mauritz
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5340-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Sankt Mauritz in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Sankt Mauritz. Das war jahrhundertelang das weitab vor den Toren der Stadt Münster gelegene Stift mit der wuchtigen Kirche im Mittelpunkt, gegründet vom Bischof Friedrich von Meißen, der seit 1064 die Diözese des heiligen Liudger leitete; sein Grab ist in der Mauritzkirche. Er war zuvor Kanonikus und Domprobst zu Magdeburg und deutscher Kanzler des späteren Kaisers Heinrich IV. gewesen. Erpho , unmittelbarer Nachfolger auf dem münstersehen Bischofsthron, gilt als der zweite Gründer von Sankt Mauritz.

Stift und Kirche bildeten eine Immunität, ein Gebiet, das im Sonderfrieden und unter dem besonderen Schutz des Königs stand. Asylsuchende, damals vor allem von Verfolgung bedrohte straffällige Kleriker und desertierte Soldaten, galten hier sicher vor staatlichen und städtischen Beamten. Der Immunitätsbezirk war mit einem breiten Wassergraben, mit Erdwällen und einem Palisadenzaun umgeben, zwei mit Zugbrücken versehene Tore erlaubten den Zugang vom Osten (am Mauritz-Lindenweg) und vom Westen (am Hohenzollernring). Die 'Pilöre' , die aus Ziegeln erbauten Pfeiler des Osttores, stehen heute noch.

Im Stift Sankt Mauritz lebten anfangs neun, später zehn oder elf Kanoniker, das waren Geistliche verschiedener Weihestufen, die dem niederen Adel des Münsterlandes, aber auch den münstersehen Erbmännergeschlechtern und der wohlhabenden Handwerkerschaft entstammten. Ihre Zahl richtete sich nach den vorhandenen Pfründen, den allgemeinen Einkünften der Kleriker. Das sittliche und religiöse Leben im Stift soll allerdings nicht immer gut gewesen sein. Ein besonderes Ärgernis war das Verhältnis zu Frauen. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts klagte ein Chronist, daß 'alhir aldus des Matronen regeren', und die Vikare

zu Sankt Mauritz wurden ermahnt, 'keine Konkubine zu halten und Trunkenheit zu vermeiden.'

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts brachten nicht nur Seuchen, sondern vor allem die Wiedertäuferunruhen mit der Belagerung und der Eroberung Münsters den stadtnahen Gebieten des Kirchspiels Sankt Mauritz viel Leid und Not, Bei einem Sturm der Wiedertäufer auf die Kirchen wurde 1534 auch die Mauritzkirche nicht verschont, ein Teil der Kirche, die Gewölbe des Kreuzgangs, ein großer Teil der Altäre , Bildwerke und Gemälde zerstört und die Kanonikerhäuser geplündert.

Auch im Dreißigjährigen Krieg mußte Sankt Mauritz leiden. Söldner des 'tollen Christian', des Herzogs Christian von Braunschweig, raubten in Stift und Kirchspiel und setzten Häuser und eine Windmühle in Brand. Und selbst als Münster und Umgebung seit 1643 als Kongreßstadt für Friedensverhandlungen auserwählt waren und als Kriegsschauplatz ausschieden, gingen die Raubzüge der Söldner weiter. Hessen und Schweden suchten diese Gegend heim. Sankt Mauritz war auch Pfarrkirche. Ihr Bezirk umfaßte seit altersher die Bauerschaften Kemper, Werse , Laer , Gelmer und Coerde, diente aber auch der Seelsorge für den östlichen Teil der Dompfarre und reichte insofern bis in die Stadt hinein.

Münsters Einwohnerzahl von etwa 10 000 bis 12 000 hatte sich im Mittelalter fast nicht verandert. Erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die engen Grenzen der mittelaltertichen Stadt, durch den Ring der Promenade gekerinzeichnet, sichtbar gesprengt. Die Bevölkerung wuchs von 16206 im Jahre 1820 auf 24826 im Jahre 1871. Die Bautätigkeit griff in das Vorgelände hinaus, wo ehedem nur die Gär-

ten der münstersehen Bürger lagen. Sie war im Osten, im Kirchspiel Sankt Mauritz, besonders umfangreich und zog sich entlang der Warendorfer Chaussee. Es war also konsequent, daß ab 1875 große Bereiche des Vorlandes in die Stadt Münster eingemeindet wurden, Münster also die Mauritzkirche einschloß und bis zum Dortmund-Ems-Kanal reichte; eine abermalige Stadterweiterung zum 1. April 1903 sollte die Stadtgrenze bis zur Mondstraße ausdehnen.

Im neuen Stadtviertel Sankt Mauritz stieg die Zahl der Häuser seit 1875 schnell an. An der Warendorfer Chaussee, der Hauptstraße des Stadtviertels, kamen um die lahrhundertwende auch die ersten hohen Häuser hinzu. Der Ausbau von Seitenstraßen wurde notwendig. So gab es ab 1888 die Fürstenbergstraße. Überhaupt läßt sich von dem Zeitpunkt, in dem bestimmte Straßen, eventuell auch mit ihrem früheren Namen, erstmals auftreten, zurückschließen auf Umfang und Ausdehnung der Bebauung: bereits 1875 gab es den Schiffahrter Damm, die Piusallee, den Bohlweg, die Gartenstraße, den Hohen Heckenweg, die Staufenstraße, die Brüderstraße; bis 1880 kamen Enkingweg, Friedensstraße, Hörsterplatz, Prozessionsweg hinzu; bis 1890 Kaiser-Wilhelm-Ring, Erphostraße , Overbergstraße; bis 1900 Adolfstraße, Wiener Straße, Havichhorststraße; zwischen 1901 und 1903 kamen Burehardstraße, Dechaneistraße, Gereonstraße hinzu.

Der weitere Sicdlungs- und Straßenausbau ließ von 1904 bis 1910 Beckhofstraße, Gutenbergstraße, Lortzingstraße, Mozartstraße, Hohenzollernring und Zumsandestraße entstehen, von 1911 bis 1920: Albertstraße, Auf der Horst, EIbestraße , Emsstraße, Lahnstraße , Moselstraße , Rheinstraße, Weserstraße; von 1921 bis 1930: Dyckburgstraße, Flens-

burger Straße, Holsteiner Straße, Im Drostebusch, Kapitelstraße, Lönsstraße, Maikottenweg, Mauritzheide, Mondstraße, Niedersachsenring, Probsteistraße, Schleswiger Straße, Schnorrenburg.

Neben den Wohnhäusern, die auch einzelnen Geschaften einen Platz boten, entstanden auf Mauritz auch Behördenbauten und andere Zweckgebäude. So entstand 1883 bis 1885 der städtische Schlachthof auf dem Gelände der früheren Enkingmühle. An der Fürstenbergstraße/Ecke Bohlweg wurde 1887 das preußische Staatsarchiv mit dem hohen Stufengiebel errichtet, an der Warendorfer Straße vor dem Mauritztor 1898 bis 1901 in Anlehnung an die niederländische Renaissance das Landeshaus, 1900 am Eingang der Wolbecker Straße die Reichsbahndirektion, 1908 bis 1910 an der Friedrichstraße die Landesbank. An der Warendorfer Straße/Ecke Zumsandestraße erhielt die Provinzial-Feuersozietät ihre Gebäude. Es entstanden zahlreiche Handwerks- und Gewerbebetriebe, Gastwirtschaften. Von der Stadt aus war Sankt Mauritz mit der gelben Linie der Straßenbahn zu erreichen; sie verlief von der Hammer Chaussee aus über die Stadtrnitte bis hin zur Danziger Freiheit.

Straßenbahn, Anschluß an das städtische Elektrizitätswerk, an die allgemeine Wasser- und Gasversorgung, Abwasserentsorgung über das Hauptpumpwerk an der Gartenstraße durch die Rieselfelder ließen Sankt Mauritz zu einem gleichberechtigten Stadtviertel Münsters werden. Es galten die, die auf Mauritz, auf Simmeris oder Sümmeris wohnten, als besenders privilegiert und vom Schicksal verwöhnt.

Gottfried Schäfers

1. Das alte Münster war nach der Chronik des Hauptzollamtes noch um das Jahr 1850 von acht ehemaligen Torkontrollen mit dazugehörenden Torhäusern umgeben. Sie waren eingebunden in den lindenbestandenen Promenadenring, den der Minister Fürstenberg anstelle der mittelalterlichen Stadtbefestigung hatte errichten lassen. Durch das Mauritztor, hier im Bild, gclangte der Reisende in Richtung Osten über die Warendorfer Chaussee nach Bielefeld, Hannover und Berling.

2. Unmittelbar hinter dem Mauritztor, links ist die Giebelfront eines der Torhäuser zu sehen, wurde zwischen 1898 und 1901 das Landeshaus für die preußische Provinzialverwaltung errichtet, Als Ständehaus war diese vorher im späteren Landesmuseum am Domplatz urnergebracht. Der Neubau vor dem Mauritztor entstand im Stil der niederländischen Renaissance. Der Turm mit dern Glockenspiel ist, wenn auch in modernerem Baustil, in unsere Zeit hinübergerettet worden.

MONSTER,

MAURITZTOR.

3. Der Bliek zurück über das Natursteinpflaster der Warendorfer Straße auf das Mauritztor hin und auf die dahinterliegende Stadt Münster kann an dem himmelwärtszeigenden Turm der Rats- und Marktkirche St. Lamberti nicht vorbei, Vorn im Bild sind das linke und das rechte Mauritz-Torhaus zu sehen. Sie wurden beide etwa 1880 von einem Vertreter der Berliner Klassizistenschule geschaffen.

4. Ein weiterer Bliek zurück aus anderer Perspektive , etwa aus einem Fenster der Engelapotheke an der Ecke der Piusallee, läßt erheblich mehr von der Stadt Münster erkennen: neben dem Turm von Sankt Lamberti sind die Türme des Paulus-Dames und der Dorninikanerkirche zu sehen. Ganz vorn im Bild steht das Denkmal für den westfälischen Bauernführer Freiherr von Scharlemer-Alst, 1902 ausgeführt van B. Heising,

5. Wir gehen weiter stadtauswärts, auf Sankt Mauritz zu. Ein letzter Bliek zurück, von der Eisenbahnbrücke aus fotografiert, mag symbolhaft erscheinen. Da protzen die reichen Bürgerhäuser irn Schmuck ihrer Fassaden, während die Türme der alten Stadt kaum noch in Erscheinung treten. Auch die Straßenbahn der gelben Linie, die bis zur Danziger Freiheit fährt, wirkt klein und bescheiden.

6. An der Warendorfer Straße/Ecke Friedensstraße lagen die drei Gebäude der Westfälischen Provinzial-Feuersozietät und der Provinzial-Lebensversicherungsanstalt von Westfalen mit den Hausnummern 22,24 und 26. Die ersten Anfänge der Feuersozietät werden auf das Jahr 1722 zurückgeführt, die der Lebensversicherung auf das Jahr 1914. Aus diesen kleinen Anfängen, mit denen die Praxis der mittelalterlichen Brand-Bettelbriefe von kleinen Leuten abgeschafft wurde, ist inzwischen die größte Versicherung für Westfalen geworden. Für die damaligen Landesherren ging es auch darum, die Steuerpflichtigen zahlungsfähig zu erhalten.

7. Die Polieen der Provinzial-Lebensversicherungsanstalt von Westfalen waren im Gegensatz zu den Polieen vieler anderer Lebensversicherungsgesellschaften schon in den Anfangsjahren mit der Schreibmaschine ausgefüllt. Dazu gab es in dem Gebäude an der Warendorfer Straße neben der Hauptkanzlei viele kleine Schreibbüros, deren eigenwilliger Charme in ihrer sachlichen und einfachen Ausstattung lag. Die besondere Sozial- und Wirtschaftsstruktur Westfalens erzwang im übrigen ein eigenes Werbekonzept, bei dem die Sparkassen einbezogen wurden.

8. An der Warendorfer Straße/Ecke Brüderstraße war das Obstgeschäft Füllen in dem Haus im Mittelpunkt des Bildes mit dem turmartigen Vorbau und dem hohen Dach. Die am Straßenrand stehenden gußeisernen Masten trugen die Obcrleitung der Straßenbahn. Besonders idyllisch auf diesem Bild ist die Gruppe der vornehm irn Sonntagsstaat gekleideten Spaziergänger an der Einmündung zur Friedensstraße.

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