Schlitz in alten Ansichten

Schlitz in alten Ansichten

Auteur
:   Emil Vollet
Gemeente
:   Schlitz
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2423-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Schlitz in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Im Herzen Deutschlands, eingebettet zwischen Vogelsberg, Knüll und Rhön, liegt das Städtchen Schlitz. Urkundlich erstmals erwähnt wurde Schlitz mit der Einweihung der Kirche am 20. September 812 als 'Slitese ', ein Wort aus dem Altdeutschen, das langsam dahingeleiten bedeutet, benannt nach dem Flüßchen gleichen Namens.

Einstmals Residenz der Herren von Schlitz, genannt von Görtz, gehörten zu ihrem Herrschaftsbereich auch die 16 umliegenden Dörfer des Schlitzer1andes, die auch heute noch wie in der Vergangenheit eine wirtschaftliche und politische Einheit bilden. Die Herren von Schlitz, früher Lehnsherren der Reichsabtei Fulda, errichteten ihre die Stadt heute noch überragenden Burgen zum Schutz der Kirche und der Stadt. Die vier Burgen, auch heute noch alle bewohnt, dienten den verschiedenen Linien derer Familien von Görtz und beherbergen eine Jugendherberge, das gräfliche Altersheim und in der Vorderburg neben einigen Familien und Verwaltungsräumen auch das Schlitzer Heimatmuseum, das 1926 gegründet wurde und mit vielen Exponaten ein anschauliches Bild aus der Schlitzer Geschichte bietet.

Schlitz besitzt seit etwa 1350 die Stadtrechte. Hier lebten im 16. Jahrhundert über 3000 Einwohner. Der Hauptgrund für die hohe Bevölkerungszahl lag in der besonderen Bedeutung der Hausweberei und den damit verbundenen Handel mit den Erzeugnissen. Daß Schlitz auch keine arme Stadt war, geht aus der Tatsache hervor daß während des Dreißigjährigen Krieges sehr hohe Kriegsabgaben zu leisten waren. Wenn

gerade in dieser und der folgenden Zeit eine enorme Bautätigkeit zu beobachten ist, so zeugt das vom Fleiß der Bewohner und auch der Qualität ihrer Erzeugnisse. Hinzu kommt, daß gerade in dieser Zeit einige Herren von Schlitz einflußreiche Stellungen einnehmen konnten. Der seit 1677 Reichsfreiherr Friedrich Wilhelm von Schlitz genannt von Görtz war bis zu seinem Tode 1728 als Premierminister in Hannover tätig. Sein Vetter, Georg Heinrich von Schlitz, genannt von Görtz, war Minister des Königs Karl XII. von Schweden. Nach dem Tode des Königs wurde er 1719 von politischen Gegnern verurteilt und hingerichtet.

Im Jahre 1726 wurde den Herren von Schlitz die Reichsgrafen eigen schaft verliehen und damit wurde aus dem Schlitzer1and eines jener in dieser Zeit so zahlreichen Staatengebilde mit insgesamt etwa 6 600 Einwohnern. Die folgenden Jahrzehnte brachten jedoch wieder einige Beschwernisse, so vor allem der Siebenjährige Krieg. So waren über 160000 Soldaten und Offiziere mit ihren Zug- und Reittieren von den Bewohnern der Grafschaft zu beherbergen und zu verköstigen. Außerdem waren noch Kriegskontributionen an Bargeld zu leisten. Daß dies zu vielen Beschwernissen führte, ist wohl zu verstehen, da als weitere Folge der Kriegszustände auch die Erzeugnisse der Weber nicht zu den Handelsplätzen, zum Beispiel Frankfurt, gebracht werden konnten. Infolge dessen begarm bereits sehr früh eine Auswanderung. Die Bewohner nahmen sich zunächst die aufstrebenden Orte im Bergischen Land zum Ziel. Die Einführung der mechanischen

Weberei und die damit zusammenhängenden Unruhen haben auch in Schlitz ihre Spuren hinterlassen. Als Beispiel möchte ich nur die Familie Dieffenbach nennen. Georg Christian Dieffenbach ist als Dichter vieler Kirchenlieder und Kinderlieder im ganzen deutschen Sprachraum bekannt geworden. Auch unser Schlitzer Heimatlied wurde von ihm verfaßt.

Als nach den Befreiungskriegen das Ende der Leibeigenschaft kam und damit auch mehr Grundbesitz von den Bürgern erworben werden konnte, entwickelte sich neben der industriellen Fertigung der nach wie vor dominierenden Leinenerzeugnisse, die Landwirtschaft zu einem beachtlichen Erwerbszweig. Ein weiterer Zweig der Weberei mit besonderer Bedeutung war die Herstellung von Bildgeweben in Schlitz. Diese Erzeugnisse hatten auf den Weltausstellungen erfolgreiche Werbung für die Schlitzer Webereien zu verzeichnen. Mit dem Einzug der Mechanisierung hat sich dann in der neueren Zeit auch einiges in der Stadt geändert, so daß vieles von dem, was auf den Bildern noch zu sehen ist, inzwischen Vergangenheit wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sehr viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge aus dem Osten unseres Landes hier eine neue Heimat gefunden. Es entstand hierbei, durch die Not geboren, eine wirtschaftliche Entwicklung, die alles vorherige weit übertraf und natürlich auch am Aussehen unserer Stadt nicht spurlos vorüberging. Wenn [edoch das Stadtbild manche Veränderung aufzuweisen hat, ist es doch noch unser altes, vertrautes, von Burgen überragtes heimatliches Schlitz. Wenn bei uns alle zwei Jahre das Heirnat- und Trachtenfest stattfindet, erklingt zur Eröffnung dieses Festes das Schlitzer Lied von Georg Christian Dieffenbach.

Schlitzer Lied

Im weiten deutschen Reiche da liegt ein Städtlein

klein, im Ring von grijnen Bergen ein heller Edel-

stein. Ein klarer Fluß umspielet des trauten Städtleins Fuß, und seine Höhe sendet dem Himmel frommen Gruß.

Refrain:

Du Stadt, die uns geboren, dir sei ein Gruß geweiht. 0 mögst du lieblicn grijnen und blûhen allezeit!

Nicht weltberûhmten Namen das kleine Städtlein trägt, nicht breite stolze Straßen die Mauer dort um-

hegt: der Fluß trägt keine Schiffe, kein Dampfzug kreuzt das Tal, doch lieblich ist's zu schauen im hellen Sonnenstrahl:

Refrain:

Vier alte Burgen zeugen von längst vergangnet

Zeit: drei Türme stattlicn ragen, man sieht sie weit und breit. Dran kann es leicht erkennen, wer nur das Städtlein sieht; wir grüßen es mit Freuden, ihm gilt dies Ehrenlied.

Refrain:

Und zu dem Städtlein ziehen die Herzen stets zu-

rück, dort stand ja unsre Wiege, dort lacht der Kindheit Glück. Dort ruhen unsre Toten im heimatlichen

Sand - wir wollen's treulich pflegen und tieben unverwandt.

Refrain:

1. Dieses Bild zeigt eine der ältesten Ansichten der Burgenstadt Schlitz. Im Vordergrund das Schlitztal rnit dem Schloßpark und dem Schloß Hallenburg. Im Hintergrund die Altstadt mit der Kirche und den Burgen. Die alte Hallenbrücke links über die Schlitz wurde 1813 in dieser Form gebaut. Links hinter der Hallenbrücke das Atelier des Schlitzer Grafen, der sich als Bildhauer betätigte. An dieser Stelle befindet sich heute das Limnologische Institut der Max-Planck-Gesellschaft. Im Vordergrund die früher für Schlitz typische Wiesenbleiche, die die zu beiden Seiten des Flusses gelegenen Wiesenf1ächen mit einem weithin sichtbaren Weiß überzogen.

2. Rasenbleiche in Schlitz, Einer der bedeutendsten Erwerbszweige für die Bewohner der Grafschaft der Herren von Schlitz und den dazu gehörenden 16 Dörfern war die Leinenweberei. Da man aber nicht nur naturfarbenes Leinen verkaufen wollte, wurden die Leinenstücke gebleicht, um dann als Weißleinen einen höheren Gewinn zu erzielen. Da sich die A uen an den Ufern des Flüßchens Schlitz dazu besonders gut eigneten, boten diese mit ihrem weithin leuchtenden Weiß einen imposanten Rahmen für die im Hintergrund aufragenden Türme der Kirche und der Burgen. Es gibt aber im Verlauf eines Jahres nicht nur Sonnenschein, sondern oftmals auch Unwetter mit dem darauf felgendem Hochwasser und der hierdurch entstehenden Gefahr für das ausgelegte Leinen. Bei dem Auftreten solcher Gefahren für die Ware, mußten dann die Bleichereiarbeiter oftmals nachts und an Sonn- und Feiertagen an ihren Arbeitsplatz eilen, um das Leinen vor dem Wasser zu schützen.

3. Bei der Betrachtung dieses Bildes aus der Zeit vor 1900, erkennt man aufwelchem verhältnismäßig geringen Raum die Wohn- und Wirtschaftsgebäude der rund 3 000 Einwohner standen. Zu dieser Zeit führt noch keine Eisenbahn durch das Schlitzerland. Im Vordergrund rechts die Gebäude der Hohmühle. Davor die Feldflur, an deren Bearbeitungszustand man erkennen kann, daß die Parzellen meist nur schmale Streifen waren, denn der Grundbesitz der bäuerlichen Bevölkerung war gering. Da man aber möglichst unterschiedliche Bodenarten bewirtschaften wollte, um Ertragsschwankungen vorzubeugen, wurde der Grundbesitz über die ganze Gerneindeflur gestreut erworben.

4. Die Hohmühle, ein großzügiger Gebäudekomplex, nutzte früher die Wasserkraft der Schlitz mit zwei großen Mühlrädern. Ein Dokument von 1706 besagt, daß die Erben des Müllers Rupprecht Streng die Hohmühle für 2550 Gulden an die Stadt Schlitz verkauften. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Mühle dann von mehreren Pächtern betrieben. Die Pachtverträge zwischen der Stadt und den Pächtern führte jedoch zu manchen Rechtsstreitigkeiten. Bei der Rechtslage und den unterschiedlichen Zuständigkeiten der Obrigkeit in der Zeit vor 1800 sind solche Streitigkeiten meist sehr langwierig. Da man zu dieser Zeit von einer deutschen Zentralregierung nicht sprechen kann, lagen die Hoheitsrechte bei den jeweiligen Landesherren. Hier bei den Freiherren von Schlitz, genannt von Görtz.

5. Diese Ansicht von der Südseite zeigt die Hinterburg mit dem Hinterturm. Der Turm trägt hier noch das im Jahre 1907 abgerissene Wächterhäuschen. Der Bau des Turmes geht auf das frühe 13. Jahrhundert zurück, Der Zugang zum Turm erfolgte über eine kleine Brücke vom Dachboden, des unrnittelbar am Turm stehenden Gebäudes, Dieses wurde im Jahre 1553 erbaut. Das lange Gebäude im Vordergrund war der alte Eiskeller, in welchem das auf den Eisteichen gewonnene Natureis für den Sommer zur Bierkühlung gelagert wurde. Der alte Eiskeller gehört zur Brauerei. An gleicher Stelle befand sich vorher das Badehäuschen der Schlitzer Heilquelle.

6. Betritt man vom übertor kommend den inneren Burgenring, erblickt man als erstes das Benderhaus, in dessen Untergeschoß die Faßbender (Küfer) ihr Domizil hatten. In den oberen Teil wurden die Naturalien aufgenommen, die an die Landesherren als Abgabe zu entrichten waren. Auch im Keller, der aus einem dickem Sandsteinmauerwerk mit einer gewölbten Decke besteht, konnten entsprechende Vorräte eingelagert werden. Mit der davor liegenden Dungstätte des nebenan wohnenden Landwirts Heil bot sich dieses Bild jedern, der den Burgenring durch das Obertor betrat. Während die linke Straße zum Markt führt, geht man auf der rechten am Stadtpfarrhaus vorbei zur Kirche.

7. Das Bild zeigt die Vorderburg von der Burghofseite, Zu sehen sind hier noch die beiden in das Burggebäude führenden Eingänge seitlich des Turmes, Während das schöne Sandsteinportal mit den kostbaren Steinmetzarbeiten als alleiniger Eingang in die Turmmauer verlegt wurde, ist der an der linken Mauer sichtbare Eingang ganz verschwunden. Der weit geöffnete Keltereingang führte in den großen, gewölbten Vorratskeller. Hier wurde dann bei dem seit 1927 stattfindenden Heirnat- und Trachtenfest ein Bierausschank eingerichtet. Eine besondere Kostbarkeit ist der alte Ziehbrunnen mit dem Brunnenhaus und den früher davor stehenden Sandsteintrögen.

8. Geht man an der rechts abgrenzenden Mauer von der Vorderburg und an dem links stehenden Benderhaus vorbei, so kommt man geradewegs zum Marktplatz. Das im Vordergrand stehende Fachwerkhaus mit den grünen Ranken und dem kleinen Vorgärtchen istdas alte Stadtpfarrhaus. Als im Jahre 1912, anläßlich der Feier zum 1100jährigen Kirchenfest, hochgestellte Persönlichkeiten als Gäste erwartet wurden, stand die Jugend natürlich am Straßenrand, um die hohe Gäste zu bestaunen. Die hierbei gewonnenen Eindrücke boten dann für lange Zeit Gesprächsstoff.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek