Schönwald im Schwarzwald in alten Ansichten

Schönwald im Schwarzwald in alten Ansichten

Auteur
:   Günther Kopfmann
Gemeente
:   Schönwald im Schwarzwald
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6295-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Schönwald im Schwarzwald in alten Ansichten'

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21 Uhrenträger

Um das [ahr 1720 begarm in Schönwald die Kunst des Uhrenmachens sich zum Hausgewerbe und bald zu einem bedeurenden Industriezweig zu entwickeln. Uhrenträger und Uhrenhändler zogen in fast alle Länder und eroberten der Schwarzwälderuhr einen weltweiten Markt. Der Uhrenhandel erschloß nicht nur neue Absatzmärkte, auch sorgte sie für die Weiterentwicklung der am Anfang doch recht bescheidenen Schwarzwälder Holzuhr. Erst die reiche Entfaltung der individuellen Eigenschaften verleiht der Schwarzwälder Industrie des 18. Jahrhunderts ihr eigenartiges Interesse. Sie zeigt vor allem, daß die herrschenden Richtungen der Schwarzwälder Kultur im 18. [ahrhundert sich noch in den entlegensten Täler des Schwarzwaldes geltend machten. Zu dem konnten die ersten Uhrmacher auf ein durch die Glasträger perfekt organisiertes Handelssystem zurückgreifen. Diese schlossen sich schon 1 720 zur genossenschaftlichen 'Großen Companie' zusammen und nahmen die Uhr gerne in ihr reichhaltiges Sortiment. So wurden die ersten Uhren aus Schönwald durch die Glasträger vertrieben. Nachdem die Glasträger das Vier-bis Fünffache des Einkaufspreises erzielten, wollte man natürlich die selbstgefertigten Uhren auch selbst überall verkaufen, so wurde der Uhrenträger geboren.

Den Uhrenträger erkannte man an seiner Kniebundhose, der roten Weste, dem Tuchkittel und an den schafwollenen Strümpfen.

Ein Halstuch, genagelte Stiefel und ein runder schwarzer Bauernhut vervollständigten seine Kleidung. Auf dem Rücken trug er mit vielen Uhrwerken und Schildern beladene Krätze. Mit ihren hochbepackten Krätzen, 'hölzerne Traggestelle' , und dem Wanderstab in der Hand zogen sie zu Fuß hinaus ins Land. Sie waren oft weehen- und monatelang unterwegs, einige blieben jahrelang weg und kamen als gut betuchte Leute wieder zurück. Die Handelsgeschäfte der Uhrenträger in der zweiten Hälfte des 18. [ahrhunderts führten bis nach England, Frankreich, Rußland, in die Tûrkei und nachAmerika. Der Beruf des Uhrenhändlers wurde zu einem eigenständigen Berufszweig.

Einer der ersten Uhrenhändler in Schönwald dürfte vielleicht Anton Kienzier sein, des '[ocelis Doni', Uhrenträger im Hölltal, genannt 'Uhrentoni'.

Viel Zeit ging verloren mit den weiten Reisewegen, die ja zu Fuß gemacht werden mußten. Es soll einer 17mal zu Fuß in Paris mit der Uhrenkrätze, so erzählte man, gewesen sein. Oft wurden für den Heimweg Kanarienvögel und andere Artikel mitgenommen und diese Unterwegs wieder verkauft. So machten die Uhrenhändler doppelten Profit.

22 'ZUDl Ochsen'

Eine interessante Vergangenheit hat das Ochsenwirtshaus. Bis zum jahre 1826 führte die Wirtschaft diesen Namen im Weißenbach. Dort ist erstmals 1791 der Name 'Oxen ' genannt, was jedoch nicht beweist, daß dieser Name nicht schon vorher üblich war. 1826 verkaufte der Besitzer die Schildgerechtigkeit zum Ochsen. Später, 1883, kam diese Gerechtigkeit an Blasius Martin, Uhrenhändler, der dann in der Kirnacherstraße (heute Ludwig-Uhland-Straße) das Gasthaus 'Zum Ochsen' begründete. Die Wirtschaft im Weißenbach wurde 1920 abgebrochen, und rnit dem Holz die 'Landpost' im Dorf vergrößert. Zum Besitz des Gasthauses Ochsen war noch ein Brauereigebäude errichtet worden, da Blasius gelernter Bierbrauer war. Er gab 1906 das ganze Gut an seinen Sohn Adolf Martin weiter, der bis zum Ersten Weltkrieg noch die Brauerei betrieb.

Früher gab es fast in jedem Ort eine Brauerei. In Schönwald war das der Ochsen in der Kirnacherstraße. Die Bauern gönnten sich diesen Genuß nur selten, denn sie hatten ihren Most.

Die Kunst und Technik fehlten gewiß auch beim Bierbrauen nicht. Lange Zeit galt der vergorene Gerstensaft als wertvolles, flüssiges Nahrungsmittel, das die Menschen bei Kräften und bei Laune hielt und dem übermäßigen Genuß hochprozentiger Getränke entgegenwirkte. So bot auch das Gasthaus Ochsen ihr eigenes Hausgebräu feil, und betrieb erfolgreich das Geschäft mit demDurst.

Bier konnte damals nicht an jedem Ort gebraut werden. Die wichtigste Voraussetzung war eine starke, saubere Quelle mit weichern Wasser. Es bestimmte zusammen mit der Bierwürze, der Hopfenbeigabe und dem handwerklichen Können des Braumeisters den Wohlgeschmack des Bieres. Der selbstbrauende Wirt stellte im [ahr meist wenige Tausend Liter Bier her. Entsprechend klein fielen seine technischen Einrichtungen aus, was jedoch nicht, wenn Sorgfalt und Können die Arbeit begleiteten, zum Nachteil seines Gebräus führte. Rezepturen mit gelegentlich sonderbaren Zutaten wurden in der Familie sorgsam gehütet und weitervererbt.

Das heutige HotelOchsen ist nach Modernisierungsmaßnahmen das erste Haus arn Platz unter der Führung von Familie Horst Martin.

23 Die Tracht

Der Schwarzwald pflegt die Erhaltung eigener Gebräuche und Sitten, Die Kleidung seiner Bewohner ist trotz vieler Verschiedenheiten an der Landschaft angepaßt. Bäuerliche Bekleidungssitten werden gemeinhin mit dem BegriffTracht zusammengefaßt. Unsere schönen und interessanten Trachten waren leider schon seit Iahrzehnten von der Bildfläche verschwunden, der Fremdenverkehr und die Industrie haben die selben verdrängt, nur einige Gemälde und Fotografien sind uns noch erhalten geblieben. Das Wiederaufleben der Tracht durch den Heirnat- und Gewerbeverein ist sehr zu begrüßen. Die Tracht fällt gerade bei der Frauentracht mit anderen Kopfbedeckungen der Strohzylinder in Schönwald auf Die Höhe der Kopfbedeckung war von Ort zu Ort verschieden, auch in den Farben. Durch die Strohflechterei, die in Schönwald stark heimisch war, verwendete man das Stroh zur Kopfbedeckung, besonders bei den Frauen. Die Tracht kennzeichnet die Zugehörigkeit zu einem Ort, einer Talschaft, einer Region.

Es kann nicht geklärt werden, wann und wie die Trachten entstanden sind. Sie haben sich wie jede Kleidung immer verändert, modernisiert und Zeitströmungen angepaßt. Die immer wieder beschworene Vielfalt lokaler Ausprägungen und Besonderheiten rührten aus der Aufwertung der oft als rückständig und unzeitgemäß charakterisierten Trachtenträger. Man zieht sich mit der Tracht weniger eine Kleidung an, als Werte und

eine Weltanschauung. Die ländlichen Hauswebereien lieferten die Grundstoffe zurTrachtenkleidung. Stilbildend har die 1748 erlassene Kleiderortnung der HerrschaftTriberg gewirkt, die zum Vorbild für andere Herrschaftsgebiete wurde und so fast den gesamten Schwarzwald erfaßt hat.

Alles har bei der Tracht eine vorgeschriebene Form, seinen festen Platz. Die Schönwälder Frauentracht bestand aus einem weißleinenen Hemd rnit kurzen Puffärmeln bis zum Ellenbogen, einen wollenen, dunkelgrünen Unterrock, darüber der Rock (Hippe) aus schwerem schwarzemTuch in Hunderte von Falten gelegt, um den Hals eine Halsbinde (Halsmäntele) aus schwarzem Tuch, auf der Brust ein Mieder mit farbiger Setdenstickerei (Lade oder Vorstecker genannt), über dem Rock eine Schürze aus schwerem, farbigem Seidenstoff (Vortuch), um den Leib einen Gürtel (Kräbelegürtel), um den Hals ein großes, farbig-seidenes Tuch mit langen Seidenfransen (Foulard oder Halstuch genannt), auf dem Kopf ein leichtes, schwarzseidenes Häubchen (Hüble), über dem Häubchen ein hoher Hut aus weißem Strohgeflecht oder auch orangegelb lackiert, das mit schwarzseidenen Bändern (Klafter genannt) um den Hals festgebunden wurde.An den Füßen trugen sie schwarz-wollene Strümpfe und niedrige Schuhe mit breiten Bändern. Die Haare wurden in zwei Zöpfen eng und fest geflochten. In die Zöpfe wurden jeweils schöne farbige Seitenbänder mit eingeflochten.

24 Heulöchle

Heulöchle im Hölltal nach einem Gemälde des Schwarzwaldmalers [ohann Papa aus Schönwald. Hofgut 'in der niederen Gutach' im Hölltal. Der Name stammt von seiner Lage tief unterhalb des Dorfmittelpunktes. Zunächst dem Bauernhaus steht das Hölltalhäusle, die sogenannte Höll. 1 72 2 kaufte Thomas Dold vom Hofbauer eine Hofstatt und erbaute darauf ein Hàuslein, das 'Heulöchle', das folgende Inschrift trägt:

DO AS Do = Tho-mas Dold Anno

1723

BA + FE Barbara Fehrenbach (Ehefrau)

Er muß wohl ein Maurer gewesen sein, der Thomas Dold; Johann Petrus Pfarr, der 'Heulöchlepeter, war sein Schwiegersohn. Dessen Vater Johannes muß im Haus gewohnt haben, während sein BruderThomas pfaff nachher Priester wurde, und um 1737 als Vikar in Schonach wirkte, ab 1751 dann in Nußbach tätig war.

Agathe Dold heiratete 1785 den Tabakpfeifenmacher Anton Martin, er gehörte zu den wenigen seines Gewerbes, die um die Wende des 19. Jahrhunderts Pfeifeköpfe verfertigten und ins Ausland trugen. Der 'Heulöchletoni' starb leider viel zu früh, seine Witwe heiratete 1805 ein zweites Mal. 1812 übergab sie

dem Sohn Isidor, Pfeifenmacher und Drechsler, das Heulöchle. Um 1800 lebte im Baslertal der 'Pfeifenhans' Johannes Dorer, dessen Sohn die 'sogenannte Schäfferpfeifen in Buchs mit Messing beschlagen' fabrizierte. In Schönwald war das Pfeifenmaehen genauso Zuhause wie das Uhrenmachen. Das Pfeifenmachergewerbe ist völlig verschwunden aus dem Schwarzwald, und doch zählte es einst mehrere Vertreter auf den Gewerbsgütem unseres Dorfes oder auf den Höfen, die - zu klein an Bodenfläche, urn ihre Besitzer zu ernähren - der Heimindustrie zugetan waren.

Heute wissen selbst die ältesten Männer nichts mehr von diesem Gewerbe, und doch brachte es einmal Arbeit und Brot in den sparsamen Haushalt unserer Väter, denn die Pfeifenmacher betrieben vor und um 1800 ein einträgliches Handwerk.

Die Heimat der Pfeifenmacher aus Schönwald, dem Heulöchle wie auf dem Gemälde zu sehen, ist heute im Besitz von Franz Hirt.

25 Schlachtfest

Der ReinerToni (Kuner) beim Metzgen um 1900, daneben Hettich Lukas. Die Hausschlachtung war für die ganze Familie ein wichtiges Ereignis. Groß und klein fanden sich am Schlachttag ein. Die Vorfreude über die nichtalltäglichen Fleisch- und Wurstgenüsse stand den Kindern ins Gesicht geschrieben. Nach jeder Schlachtung fanden sich alle zur Metzgete ein.

Zweimal im [ahr, um Fastnacht und Martini, ging es den fettgemästeten Hausschweinen ans Leben. Stand ein großes Fest ins Haus, wurden zusätzliche Schweine zur Bereicherung der Tafel herangezüchtet. Ein Schlachttag brachte harte Arbeit und selten Sinnesfreuden. Kesself1eisch, Brat-, Blut- und Leberwürste wußte der Hausrnetzger nach erprobten und oft geheimgehaltenen Rezepten zuzubereiten. Ein Teil der Fleischstücke wurde durch pökeln konserviert. Schinken, Schmalseiten und Würste wurden in den Rauchfang der Küche gehängt.

Zum Schlachtfest gehört auch das althergebrachte, heute schon vergessene, Säcklestrecken. Wurde irgendwo in der Nachbarschaft geschlachtet, dann machten sich bei der Dämmerung die jungen Burschen auf zum Säcklestrecken. Ein Säckchen wurde an eine lange Stange gebunden. Mit dieser klopfen sie an das Fenster der Stube, in der sich gerade die Bauersleute am frischgeschlachteten laben. Bevor das Fenster geöffnet wurde, waren die Burschen schon verschwunden. Das Säckle wurde mit Kes-

self1eisch und Brat-, Blut- und Leberwurst gefüllt. Dann wurde es wieder an die Stange gebunden. Nun legten sich die Bauersleute auf die Lauer, um die Säcklestrecker beimAbholen zu erwischen, Wurde der Säcklestrecker erwischt, dann wurden ihm die Hände auf den Rücken gebunden, und er mußte die Metzgete ohne Hände essen, was eine große Gaudi ist. Zur Schande hatte der Säcklestrecker dann nicht nur den Spott sondern auch ein fettverschmiertes Gesicht.

So wußte sich das Volk zur Unterhaltung für die Mühsal zu entschädigen. Auch trug dieses Ereignis des Metzgens zur beiderseitigen Zufriedenheit bei.

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