Schongau in alten Ansichten Band 1

Schongau in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Georg Gmelch
Gemeente
:   Schongau
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2897-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Schongau in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Auf einem sogenannten Umlaufberg, den der Lech vor Jahrtausenden geformt hat, steht, umklammert von einer Mauer, das alte Welfenstädtchen Schongau. Reich an historischer Vergangenheit und kulturellem Erbe wird es vielfach als die Perle des Bayerischen Alpenvorlandes, und mit Mauer und Wehrgang, Giebeln und Gassen als Muster und Modell einer schwäbischen Stadt bezeichnet.

Ein Poet - Hans Pfeuffer - beginnt seinen Beitrag in der Festschrift zum 700. Geburtstag der Stadt so: Sie ist wie eine Mutter, unsere kleine Stadt, wie alle Städte der Welt Mütter sind, die in ihren steinernen Leibern das Schicksal so vieler Söhne und Töchter tragen, mit ihrem eigenen Geschick verkettet durch Jahrhunderte.

Die Geschichte weiß zu berichten von vielen Kriegsfehden, drei großen Bränden, Belagerungen und Pestjahren, aber auch von Zeiten des Wohlstandes und der Blüte. Die Stadtgeschichte reicht zurück bis in das Jahr 1253, die Stadt selbst ist aber als Siedlung viel älter.

Dem Geschichtsinteressierten ist nicht viel an Literatur geboten. Außer an sich guten Kurzfassungen und heimatkundlichen Einzelberichten existiert ein kleines Büchlein 'Geschichte und Denkwürdigkeiten der Stadt Schongau' , über dessen Autor gerätselt wird. Das Büchlein wurde erstmals 1852 gedruckt und erzählt zusammenfassend und gedrängt von der Früh-

zeit bis Anfang des 19. Jahrhunderts. Im Verlag der Schongauer Nachrichten ist 1969 das Büchlein in neuer Auflage erschienen. Wenn auch einiges in diesern Büchlein inzwischen angezweifelt und bestritten wird, so vermittelt es doch ein recht lebendiges, oft zu lebendiges Bild der Schongauer Vergangenheit.

Im vorliegenden Bändchen wollen wir nicht in der Geschichte bohren und nicht einmal tief in Schongans Vergangenheit graben, sondern lediglich die oberste Schicht da und dort ankratzen und uns an den achtlos liegengelassenen Kleinigkeiten erfreuen, die für Historiker und Heimatforscher unbedeutend und wertlos sind. Mögen uns Bilder mit knappen Erläuterungen helfen, jüngst Vergangenes wieder aufleben und einen Bliek tun zu lassen in die Gassen und Plätze, wo unsere Großväter lebten, als noch die Hähne recht vorzeitig den Tag ankrähten und die hellen Hammerschläge auf dem Amboß der nahen Schmiede, ein vorbeirumpelnder, eisenbereifter Wagen, das rhytmische Schlagen der Dreschflegel aus der Tenne von gegenüber und die Ladenglocke des Krämers von nebenan die Geräuschkulisse ausmachten.

Eine Auswahl alter Postkarten und Fotos aus fünf Jahrzehnten, etwa zwischen 1880 und 1930, soll zurückführen in die 'gute alte Zeit', wie man so schön sagt. Eine Zeit friedlichen, gönnerhaften Nebeneinanders von Handwerkern, Bauern und kleinen Kaufleuten. Nur drüben auf der gegenüberliegenden

Seite des Lechs, auf dem Platz der alten Mühlen, zeichnete sich urn die Jahrhundertwende die Entstehung einer Industrieanlage ab, die in den dann folgenden Jahrzehnten einen entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der Stadt haben sollte.

Aber nicht immer war diese Zeit 'die gute alte'. Noch vielen Schongauern liegen die Augusttage 1914 mit den Aushebungen von Soldaten und Pferden noch gut in Erinnerung. Der Erste Weltkrieg mit all seinen Folgen hatte begonnen. Der Währungsverfall danach erreichte im November 1923 einen phantastischen Höhepunkt. Ein Dollar war gleich 4,2 Billionen Mark und eine Semrnel kostete 50 Milliarden Mark. Nach der Währungsreform brachte die Wirtschaftskrise bis hinein in die dreißiger Jahre eine Arbeitslosenzahl von sechs Millionen im Lande. Die Unterstützung betrug drei bis fünf Mark/Woche. Weitere drei Mark mußte sich der Betroffene bei Notstandsarbeiten an einern Tag dazuverdienen. Nach der letzten wohl größten Katastrophe 1945 wurde das bis dahin unbedeutende Landstädtchen aus seinem mehrere Jahrzehnte dauernden Dornröschenschlaf geweckt - aber nicht zo zärtlich wie im Märchen - und brutal gezwungen zum Wachsen. Die Einwohnerzahl vervierfachte sich und die bebaute Fläche dehnte sich auf das Sechsfache aus. Alles in lächerlichen 40 Jahren. Eine fast beangstigende Entwicklung.

Dieser Wandel wird deutlich sichtbar in den nun fol-

genden Bildern und wird manchen Betrachter tief beeindrucken. Besenders der alte Mensch, für den die Zukunft nur noch einen geringen Stellenwert hat, wird genüßlich in dieser Vergangenheit blättern und da und dort entzückt und vielleicht mit etwas Wehmut gesprächig werden, hat er doch sein Thema gefunden. Er wird viel dazu zu sagen haben und manches zu berichtigen wissen. Großvater und Großmutter werden womöglich in ein Streitgespräch geraten. Der ehemalige Schongauer, der in der Ferne lebt, wird abrupt für ein Weilchen in seine damals verlassene Heimat zurückgebracht. Der junge Schongauer aber wird staunen über die liebenswerte Rückständigkeit seines Städtchens vor noch nicht zu langer Zeit und es noch mehr lieben lernen.

In den ausschließlich fotografischen Aufnahmen fällt auf, daß nichts eine Bewegung verrät. Die Technik der Fotografie ließ damals keine Momentaufnahmen zu. Der Fotograf mit dem großen hölzernen Balgengerät auf schwerem Stativ und dem schwarzen Tuch über dem Kopf mußte die Leute in seinem Motivbereich urn einen Augenblick des Stillhaltens bitten, um zu belichten. Dies geschah durch ein gefühlsmäßig kurzes Abnehmen des Objektivdeckels. Dieses Experiment erforderte Erfahrung und etwas Glück. Daß der Fotograf eine noch wenig belebte Tageszeit wählte, liegt auf der Hand. Es ist gut, wenn sich der Betrachter ein bißchen mehr Leben in die Bilder hineindenkt.

1. Diese wohl erste Luftaufnahme von Schongau wurde 1918 gemacht. Zu diesem Bild braucht nicht viel gesagt zu werden, es spricht für sich. Das Städtchen zeigt sich hierin im wahrsten Sinne des Wortes als richtiges Nest auf seinem Hügel, hübsch eingerahmt und wohlbehütet von einer Mauer. Was war damals außerhalb dieser Mauer oder besser, was war noch nicht? Sieht man von der Papierfabrik rechts unten ab, erscheinen die wenigen, willkürlich verstreuten Häuser wie aus dern Nest gefallene Krümel.

2. Das Lechtor war eine der drei möglichen Zugänge in die Stadt. Bedauerlicherweise wurde dieses Tor 1877 abgetragen und mit ihrn auf beiden Seiten auch größere Teile der damals noch lückenlosen Stadtmauer. Im Band dieser schützenden Mauer war gleichsam der Verschluß zerbrochen. Die Aufnahme wurde wohl kurz vor dem Abbruch gemacht. Sie verrnittelt noch einen Bliek in die mittelalterliche Zeit, Wer wohnte wohl hinter den kleinen Fenstern? Sicherlich der Torwächter, dessen Federbett auf dem Fenstersims gerade gelüftet wird. Wer waren die Soldaten oder Wehrmänner die aus den Scharten und Lucken spähten? Was könnten sie erzählen?

3. Stadtauswärts gesehen bot das Lechtor dieses malerische Bild. Im Durchblick ist der Lech und das Hirschbauerhaus zu erkennen. Die Enge des Tores soll der Grund zum Abbruch gewesen sein. Es sollte eine weitere Zufahrt zur Stadt geschaffen werden, denn damals hatte das heutige Stadttor bei der Münze noch nicht bestanden. Eine höchst originelle und historische Ecke der alten Stadt war für alle Zeiten verloren.

4. Der Polizeidienerturm im Hintergrund begrenzt den Lindenplatz und damit auch die Altstadt im Süden. Der Brunnen, um 1905 noch mitten im Platz, dürfte schon im nächsten Jahrzehnt verschwunden sein. Links das Kaufhaus Steinberger (heute Wieser) besteht noch so. Dagegen hat sich die rechte Häuserreihe erheblich verändert. Der Platz selbst, gleichsam ein Spielplatz für Kinder, kaum gestört, es sei denn durch ein Pferd, das zum Hufschmied Barnsteiner - im Bild nicht zu sehen - geführt wurde. Heute ein vollgestopfter Parkplatz.

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5. Die alte Brauerei und Gastwirtschaft 'Zur Sonne' erwarb 1901 der Brauer und Königlich Bayerische Posthalter Wilhelm Köhler und ist seit dieser Zeit im Besitz dieser Familie. Das Bild dürfte nur wenig später entstanden sein. Im rückwärtigen Gebäudeteil war die große Landwirtschaft mit den Stallungen, in denen auch die Postpferde gehalten wurden. Die Postkutsche und dahinter der Postbote mit seinem Postkarren erinnern so recht an die damalige gemütliche Zeit. So sehr lange ist es gar nicht her, daß der gelbe Wagen die Straßen nach Burggen-Bernbeuren und Peiting-Steingaden befuhr - ganze 70 Jahre, ein einziges Menschenalter.

6. Welche Ruhe auf dem Marienplatz um 1900, für junge Leute kaum vorstellbar. Lediglich ein paar abgestellte Botenwagen am Ballenhaus. Die Fuhrleute sitzen wohl noch beim Frühstück im Gasthof 'Zum Stern' (Bach) und die Pferde stehen noch in dessem Stall. Das Ballenhaus war als Feuerhaus und im ersten Stock als Knabenschule genutzt, wo die Lehrer Benno Hayd und Aubele gewirkt haben. Links die beiden Giebel der Brauerei Schrimpf und Hotel 'Zum Bayerischen Löwen'. Als Spezialität gab es dort den Welfenbock, ein deftiges Gebräu, So manches Räuschlein wurde da herausgetragen. Die ältere Generation erinnert sich noch mit Vergnügen an die rauschenden Ballnächte im Schrimpfsaal, die immer etwas Besonderes waren. Manch lustige Begebenheit kursiert noch heute in der Bevölkerung.

7. Diese Stille auf dem Marienplatz ist schon verwunderlich. Dem Betrachter drängt sich die Frage auf, war dies um 1910 norrnal, oder war der Fotograf am Werk, als die Stadt noch schlief? Wenn man aber das Bild analysiert, stellt man .fest, daß die Tür- und Fensterladen der Geschäfte bereits geöffnet sind. Die Frau an der Ecke der Spenglerei Schäffler ist wohl im Begriff, ihre zwei Kleinen in die Kinderbewahransta1t (Kindergarten) im nahen Kloster zu bringen, die um acht Uhr öffnet. Demnach doch nicht eine so sehr schlaftrunkene Zeit. Die größeren Kinder könnten noch in der Kirche bei der täglichen Schuimesse sein, um nachher in Zweierreihen ungefährdet über den Platz zur Schule zu marschieren.

8. Diese Ansicht der Münzstraße um 1895 fasziniert wohl jeden Schongauer. Ins Auge springt im Vordergrund das alte Kriegerdenkmal. Das Blumenbeet davor und die kleine Grüninsel mit den jungen Bäumen waren geschützt mit niedrigen Eisengittern, denn die noch zahlreichen Landwirte trieben im Spätsommer ihre meist kleinen Viehherden in der einen oder anderen Richtung täglich durch die Straßen der Stadt zu den Weiden. Die krummen Fahrspuren verraten die Ochsengespanne. Alles Wasser mußte aus den öffentlichen Brunnen geholt werden, deren fünf auf dieser Straße verteilt waren. Urn diese Brunnen herum hatten Kinder mit den Schuhabsätzen kleine Mulden gerieben, denn es war der geeignete Platz zum 'Kluckern' (Murmelspiel). Die Identifizierung der einzelnen Häuser dürfte dem Beschauer Vergnügen bereiten und sei ihm überlassen.

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