Schorndorf in alten Ansichten Band 1

Schorndorf in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Reinhold Zeyher
Gemeente
:   Schorndorf
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2497-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Schorndorf in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Das alte, verträumte Landstädtchen Schorndorf mit seinem malerischen Marktplatz, der hochgotischen Stadtkirche und den hochragenden Fachwerkhäusern, scheint die Anhänger der neuen naturalist-realistischen Bildkunst, der Fotografie, schon in deren Kindertagen um 1860 angezogen zu haben. Einer ihrer Vertreter, Sebastian Huss, der seine 'Photographische Anstalt' in einem alten Haus am Marktplatz eingerichtet hatte, war mit seinem 'Photografenkasten' voll Eifer unterwegs, um die schönsten Motive in und um Schorndorf auf die Platte zu bannen. Er machte aber nicht nur sehenswerte Außenaufnahmen, sondern war ebenso Meister in der Porträtfotografie. Gestoehen scharf sind seine Bilder von jungen Damen, Schülern mit Pennälermütze, jungen Herren mit Silberstöckchen und Honoratioren mit Schirmstock und Melone. Leider wurde dieser befähigte Fotograf allzufrüh ein Opfer dieses damals noch durchaus ge-

fährlichen Berufes. Bei den frühen Entwicklungsmethoden wurde in den Dunkelkammern vielfach hochprozentiges Zyankali verwendet. Sebastian Huss, oft tagelang in seinem Labor beschäftigt, muß sich dort eine Vergiftung zugezogen haben und ist nach qualvollen Leidenstagen als Opfer seines Berufes gestorben. Gottseidank fand er in Georg Wahl einen gleichwertigen Nachfolger. Wahl hat uns viele, ausgezeichnete Ansichten aus dem Innenstadtbereich hinterlassen, die Rückblick auf längst völlig veränderte Straßenzüge, Plätze, Gebäude und schon vor dem ersten Weltkrieg aus dem Stadtbild verschwundene, öffentliche Anstalten gewähren. Immer wieder ist der Verfasser bei Bürgern der Stadt auf solche 'Kunstwerke' von Huss und Wahl, aber auch von anderen gestoßen, die aber in verstärktem Maße bei Haushaltauflösungen oder aus Unverständnis unwiederbringlich verloren zu gehen drohen. Die Stadt-

verwaltung selber, der in hohem Maß daran gelegen ist, sich und der Bürgerschaft die Erinnerung an AltSchorndorf zu bewahren, hatte bisher leider nur ein sehr bescheidenes Archivaufzuweisen. So blieb nur ein Weg zur Rettung. Es galt Originale bei vielen Besuchen aufzuspüren, auszuleihen und sie im Reproduktionsverfahren auf Dia-Positiven festzuhalten. Auf diesem Wege ist es gelungen bis jetzt über 400 Bilder vor dem eventuellen Totalverlust zu bewahren.

Dieses Büchlein zeigt eine Auswahl aus der Schatzkammer der alten Fotografien. Es wurde bei der Zusammenstellung Wert darauf gelegt einen möglichst breitgestreuten Überblick für die Zeit zwischen 1870 und 1925 zu geben, wo noch manches geruhsam und gemütlich erscheint und wo die Menschen von ganz anderen Lebenserwartungen geprägt waren als wir heutigen. Um dem Betrachter da und dort ein wenig Hilfestellung zu geben, ist jede einzelne Aufnahme mit

einer Unterschrift versehen, die aber keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit erhebt oder von eigener Betrachtungsweise abhalten soll.

Wenn sich Verlag und Verfasser der alten Fotografien und Kunstpostkarten angenommen haben, um die weithin vergessenen einer breiteren Öffentlichkeit in Erinnerung zu bringen, so ist dies ein Akt der Bewunderung und Wertschätzung Ihrer Urheber, die mit großer Begeisterung und viel persönlichem Einsatz, oft unter den primitivsten Verhältnissen Werke geschaffen und hinterlassen haben, die es verdienen, der Nachwelt überliefert zu werden.

In diesem Sinne will dieses Buch verstanden sein und soll dem einheimischen und auswärtigen Betrachter den Bliek öffnen für die Reize und Besonderheiten einer alten schwäbischen Landstadt und ihrer Bewohner.

1. Der Schorndorfer Luftbildpionier Paul Strähle hat die charakteristischen Grundrißmerkmale eines frühen, aus kleinen Anfängen herausgewachsenen Gemeinwesens mit ursprünglich zwei Besiedlungskernen in einem Luftbild aus den Kindertagen der Luftbildnerei meisterhaft festgehalten. Mittelpunkt der im 14. Jahrhundert zu einer Gesamtanlage zusammengewachsenen Stadt; der großzügige Marktplatz mit seinem Rathaus im Stile des Rokoko. Noch im Zentrumsbereich die stolze, hochgotische Stadtkirche und das massige Burgschloß. Aber an der Peripherie werden die Zeichen des Hinausdrängens aus der alten, festungsbedingten Enge deutlich. Neue Straßenzüge zeichnen sich ab, die Bahnanlagen haben die Festungswälle verdrängt, Industriebetriebe fordern Raum, Im Süden ist ein Schulbereich mit Mädchenschule, Realschule und Knabenschule entstanden.

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2. Typisch für eine württ. Amtsstadt an der Schwelle zum 20. Jahrhundert ist dieses Postkartenpanorama, das der tüchtige und rührige Fotograf Wahl im Jahre 1900 herausgegeben hat. Es zeigt Einblicke in altvertraute Winkel der Gassen, so die Höllgasse mit ihren hochragenden Fachwerkgiebeln und dem holprigen Kopfsteinpflaster, aber auch der alten Bretzelwirtschaft zum Pfauen, in der die Vorfahren des größten Sohnes der Stadt, Gottlieb Daimler, jahrhundertelang gewirtschaftet haben. Symbolisiert ist das Ganze durch die Pferdekutsche. In ein solches Gefährt baute Daimier seinen schnellaufenden Motor ein. Altvertraut auch die Gaststätte zum Bären in der Kirchgasse, wo mancher Handwerksmeister nach getaner Arbeit sein Viertele schlotzte. Daneben aber auch hier die neue Zeit, mit Bahnanlagen, begradigten Straßenzügen, Trottoiren mit Alleebäumchen und dem Backsteingemäuer der Gründerzeit.

3. Weithin bekannt, ja beinahe berührnt, ist die alte Festung durch ihren Marktplatz, den das Rathaus mit seinem schmucken Uhrtürmchen in eine obere und untere Hälfte aufteilt. Umrahmt ist der Verwaltungsmittelpunkt von stolzen Patrizierhäusern, wie der Palm'schen und der Gaupp'schen Apotheke, die beide schon im ausgehenden 17. Jahrhundert mit dem Apotheken-Privilegium begabt sind, vom Haus der Künkelin mit der alten Polizeiwache, vom Hotel Krone und der Eisenhandlung K.M. Mayer, die ebenfalls schon seit dem 18. Jahrhundert im Familienbesitz ist. Den oberen Teil des Marktplatzes ziert der gußeiserne Marktbrunnen im Rokokostil, gegossen in der württ. Eisenhütte zu Königsbronn - 1773 - und zu allen Zeiten Treffpunkt der Schuljugend. Nicht unerwähnt bleiben darf der gestrenge Amtsdiener, der sich mit aufs Bild gebracht hat,

4. Dieser Bliek auf das Rathaus greift zurück in die Frühzeit der Fotografierkunst und zwar vor die Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Seit dessen Erbauung im Jahre 1726 sind gerade hundertvierzig Jahre vergangen und das Gebäude zeigt noch ziemlich unverfálscht die gestalterischen Absichten seines Erbauers, des fürstlichen Baumeisters Georg Friedrich Mayer, Man erkennt streng gegliederte Fensterreihen mit Holzläden versehen, das säulengeschmückte Eingangsportal mit Balkon und Baldachin und das schlanke Uhrtürmchen mit dem ursprünglichen Zifferblatt und der barocken Zwiebelhaube. Bemerkenswert sind auch die Untergeschosse der angrenzenden Geschäftshäuser, die noch ganz die Züge der alten Verkaufsgewölbe tragen.

5. Nicht wesentlich jünger ist dieser Bildausschnitt vom Oberen Marktplatz. Nach dem Marktbrunnen erhebt sich, hinter kugeligen Akazienbäumchen versteekt, das malerische Oktogon des barocken N achtwächterhäuschens mit seinen so typischen Stilelementen. Im Erdgeschoß befand sich übrigens das Eichamt, wo ein gestrenger Beamter sorgfältig über rechtem Maß und Gewicht wachte. Neben der altehrwürdigen Gaupp'schen Apotheke, die bis in unsere Zeit ihr äußeres Erscheinungsbild bewahrt hat, befand sich damals die Färberei Volz, wo auch im putzig kleinen 'Lädle' hinter einem gewichtig breiten Ladentisch Weiß- und Kurzwaren angeboten wurden. Malerisch ins Bild passt die Petroleumlaterne, die oft dem 'Spätheimkehrer' aus einer der nahegelegenen Weinstuben heimleuchtete.

6. Die Zeit ist inzwischen vorgerückt bis ins Jahr 1900. Das Oktogon der Nachtwächter ist bereits vom Abbruch bedroht, so leid uns das heute sein mag. Aber auf einigen der Häuserfassaden stehen Firrnennamen, die teilweise heute noch existent sind und Bedeutung haben. So die C.W. Mayer'sche Buchdrukkerei. Hier gab seit 1836 C.W. Mayer die erste Schorndorfer Zeitung das 'Intelligenzblatt' heraus. Sein Nachfolger J. Rösler machte daraus eine Tageszeitung den 'Schorndorfer Anzeiger'. Links daneben hatte der Glaser Gunsser seine Werkstatt und neben ihm reparierte G. Bacher Uhren. Interessant auch die Aufschrift Carl Breuninger, denn er wurde einer der Mitbegründer der bedeutenden Kaufhausgesellschaft Breuninger in Stuttgart. Nicht mehr vorhanden die Buch- und Papierhandlung des Paul Rösler, der uns aber historisch wertvolle Bildpostkarten hinterlassen hat.

7. Noch einmal führt uns eine Bildeinstellung auf den Oberen Marktplatz. Die Zeit ist inzwischen noch schnellebiger geworden, obwohl wieder erst zwanzig Jahre vergangen sind, Ein verlorener Weltkrieg hatte auch den Schorndorfern schwere Jahre und bittere Schicksale gebracht. Die Zeit war über so manchen tuchtigen Geschäftsmann gerade auch des Zentrums hinweggegangen. So hatte der Uhrmacher Bacher ein Geschäftshaus in der Neuen Straße erworben, an seine Stelle trat der Bürstenmacher Kaiser. Im Hause Breuninger hatte Metzgermeister Friedrich Jud eine Metzgerei eingerichtet, der Mann, der dann gegen Ende des zweiten Weltkrieges bei einem Brandeinsatz in Stuttgart sein Leben lassen mußte. Auch bei Buchhändler Rösler war längst eine Veränderung eingetreten. In diesern Haus werkte jetzt der Sattlermeister Karl Braun.

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8. Pulsader einer Stadt war seit alters die Hauptstraße. Begrenzt durch die Stadttore, mufste sich auf ihr der gesamte Durchgangsverkehr abwickeln. Dort befand sich die Postmeisterei (Haus Nummer 34), eine Geldwechselstube und vor allen Dingen eine Anzahl von Schildwirtschaften und Herbergen für die Fuhrleute, Reisende die mit der Postkutsche ankamen, reisende Händler und fahrende Handwerksgesellen. Unser Bild bietet einen Einblick in die Untere Hauptstraße mit den Gaststätten Adler und Elefanten. Ganz in der Ferne ist noch die Linde zu erkennen.

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