Sebnitz in alten Ansichten

Sebnitz in alten Ansichten

Auteur
:   Manfred Schober
Gemeente
:   Sebnitz
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5141-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Sebnitz in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Sebnitz liegt etwa 50 km von der sächsischen Landeshauptstadt Dresden entfernt an der Grenze zur Tschechoslowakei. Es ist eines der Eingangstore zur Sächsischen Schweiz, einer weithin bekarmten Felsenlandschaft. Die im 12. Jahrhundert von deutschen Bauern aus der Gegend von Bamberg und Würzburg gegründete Stadt hatte bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein ländlich-dörfliches Aussehen. Die Bürger betrieben vielfach neben einem Handwerk noch Ackerbau und hielten für den Eigenbedarf Vieh. Im Jahre 1854 vernichtete ein Großbrand die Häuser des Stadtzentrums.

Der nachstehend durch alte Ansichten beleuchtete Zeitraum von etwa 1880 bis 1930 war in der mehr als 750jährigen Geschichte von Sebnitz außerordentlich bedeutsam. In diesen fünf Jahrzehnten verwandelte sich das entlegene und um 1850 nur rund 4 000 Einwohner zählende Städtchen in einen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannten Industrieort. Nachdem um 1834 und danach die ersten Kunstblumenmacher aus Nordböhmen hier ansässig geworden waren, gewann die Herstellung von künstlichen Blumen in Seb-

nitz und den umliegenden sächsischen Grenzorten rasch an Bedeutung. Um die Jahrhundertwende bestanden hier mehr als 200 Firmen dieser Branche. Sie beschäftigten etwa 10 000 Menschen. Mit dieser Konzentration von Kunstblumenfabriken war Sebnitz das Zentrum dieses Erwerbszweiges im Deutschen Reich. Die sächsischen Kunstblumenfabriken deckten aber auch einen bedeutenden Teil des Weltmarktbedarfs. Hauptabnehmer waren damals die USA, England, die Niederlande, Frankreich, Spanien, Belgien und Italien.

Neben den Kunstblumenfabriken waren im 19. Jahrhundert in Sebnitz eine leistungsfähige Papierfabrik (die erste Maschinenpapierfabrik Sachsens), ein Betrieb für die Herstellung von Petroleumlampen und drei mechanische Webereien entstanden. Da jedoch der überwiegende Teil der Einwohnerschaft von der Kunstblumenfertigung lebte , war die Entwicklung der Stadt und das Wohl und Wehe seiner Bevölkerung bis in die Gegenwart von der von Modeschwankungen und Wirtschaftskrisen sehr abhängigen Kunstblumenindustrie geprägt.

Der neue Erwerbszweig veränderte auch die so-

ziale Zusammensetzung der Einwohnerschaft und das Stadtbild. Da sich die Einwohnerzahl durch den Zuzug vieler Blumenarbeiter in wenigen Jahrzehnten verdoppelte und außerdem viel Raum für die Fabrikation benötigt wurde , setzte eine rege Bautätigkeit ein. Ganze Straßenzüge und Stadtviertel entstanden neu, und viele Felder und Wiesen der einstigen Ackerbürger wurden zu begehrten Bauplätzen.

Durch den Bau der Eisenbahnstrecke aus dem Elbtal bei Bad Schandau über Sebnitz nach der Oberlausitz in den Jahren 1874-1877 erhielt Sebnitz Anschluß an das moderne Verkehrsnetz. Zu der alten in der Nähe des Marktplatzes gelegenen evangelischen Stadtkirche gesellte sich die von 1890 bis 1892 im neugotischen Stil erbaute katholische Kirche. Weitere bauliche Dominanten im Stadtbild bildeten der hohe Eisenbahnviadukt am Knöchel, die Blumenfabrik von Mey & Co und die neuen Schulgebäude an der Weber- und Bergstraße. Hier an der Bergstraße , an der Obergasse und am Rosenberg waren aber auch noch viele hölzerne Umgebindehäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert anzutreffen. Einige .von ihnen sind bis heute erhalten

geblieben und stehen unter Denkmalschutz.

Das gesellige Leben prägten zahlreiche Vereine. Neben der Geselligkeit wurden in ihnen solche Anliegen, wie die Förderung von Handel und Gewerbe, die Verbesserung der Volksbildung, die Pflege von Musik und Kunst, die Wohltätigkeit und die Verschönerung des Ortsbildes verfolgt. Der im Jahre 1901 gegründete Sebnitzer Spar- und Bauverein ließ seit 1904 auf dem sogenannten Knöchel eine Siedlung errichten. In ihr fanden vor allem Arbeiter Wohnungen.

Die zwanziger Jahre mit ihren mannigfaltigen politischen und wirtschaftlichen Veränderungen blieben für Sebnitz nicht ohne Folgen. In den Jahren der Inflation verloren große Teile der Bevölkerung ihre Ersparnisse. Da die Reichsbank mit dem Druck des immer wertloser werdenden Geldes nicht nachkam, erhielt auch Sebnitz das Recht, eigenes Geld drucken zu lassen. Als sich im Herbst 1928 die Weltwirtschaftskrise ankündigte, ging der Kunstblumenexport schlagartig zurück. Über Jahre hinweg, bis in die Hitlerzeit, herrschte Arbeitslosigkeit.

1. Diese 1899 geschriebene Postkarte wurde offenbar auf Veranlassung des Wirts vom Restaurant 'Zur neuen Post' gedruckt. Dieses hatte sich so benannt, nachdem 1893 an der Schandauer Straße das neue Postgebäude fertiggestellt worden war. Die Karte stellt dem Betrachter vor, was nach damaligem Geschmack die Stadt an Sehenswürdigkeiten besaß. Dazu zählte natürlich auch der im Jahre 1875 erbaute Eisenbahnviadukt. Das Ehepaar in der oberen linken Kartenecke deutet an, daß die Stadt um diese Zeit gerne von Wanderern und Sommerfrischlern besucht wurde. Sie kamen mit der Eisenbahn an und wanderten von hier entweder in die Hintere Sächsische Schweiz oder ins Böhmische Mittelgebirge.

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Cruss aus Sebnitz i. Sa.

2. Um die Jahrhundertwende harte man vom Neidberg, dern niederen Ausläufer des Finkenbergcs. diesen Ausblick auf die im Tal liegende Stadt. Im Vordergrund sind das Schützenhaus und die Gleisarilagen des Bahnhofs sichtbar. Hier am Finkenberg und am Knöchel lagen die Feldstreifen, in Sebnitz 'Erben' genannt, die von den etwa 24 Siedlertamilien bei der Gründung der Stadt in Besitz genommen und im Laufe der Zeit gerodet worden waren.

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3. Als nach 1900 einige Häuser um den Marktplatz aufgestockt wurden, verloren sie das schlichte Aussehen, das sie beim Wiederaufbau nach dem Stadtbrand von 1854 erhalten hatten. Über die niedrigen Häuser, das belegt die obige Postkarte, hatte man Ausblicke, die heute nicht mehr möglich sind. Vom Markt war die Finkenbaude zu sehen. Das links im Bild sichtbare Gebäude mit dem Türmchen war die um 1880 an der Stelle des ehemaligen Rittergutes Neidberg errichtete Villa des Kommerzienrates Bernhard Mey, der zu den führenden Persönlichkeiten der sächsischen Kunstblumenindustrie gehörte.

4. So sah vor neunzig Jahren die Kirchstraße aus. Die Häuser zeigten damals noch den Fassadenschrnuck aus der Zeit ihrer Erbauung 1855/56. Den Straßenverkehr beherrschten Fuhrwerke , Karren und Handwagen. Ein nennenswerter Autoverkehr setzte erst in den zwanziger und dreißiger Jahren ein. Zum Straßenbild gehörten aber auch Frauen und Kinder mit Tragekörben und Kartons auf dem Rücken. Auf diese Weise lieferten sie die fertige Kunstblumenheimarbeit in den Fabriken ab bezichungsweise holten neue Arbeitsaufträge.

Illarktplatz

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5. Von 1714 bis 1854 hatte auf der Mitte des knapp einen Hektar großen Marktes das Rathaus gestanden. Etwa an der gleichen Stelle ließ im Jahre 1903 ein hier bestehender Verein von Bismarckverehrern ein Denkmal des Reichskanzlers mit einer Brunnenanlage errichten. Es zeigt ihn bei der Verkündung der Kaiserproklamation im Spiegelsaal von VersailIes 1871. Im ganz rechts auf der Karte sichtbaren Haus befand sich damals das Textilgeschäft der jüdischen Familie Lubranitzki. Vorher hatte es dem Bäckermeister Moritz Endier gehört. Er war Stadtrat und seit 1876 der erste Standesbeamte von Sebnitz.

6. Am 31. Juli 1897 verursachten wolkenbruchartige Regengüsse überall in Sachsen Überschwemmungen. Auch der Sebnitzbach trat über seine Ufer und setzte die niederen Stockwerke der Häuser im Stadtzentrum unter Wasser. Die Maletin Ilse ühnesorge (1866-1937) malte damals das hier wiedergegebene Aquarell. Ähnliche Überschwernmungen werden in der Scbnitzer Chronik auch aus früherer Zeit verzeichnet, so unter anderem in den Jahren 1714 und 1804. Bei der durch einen Wolkenbruch am 22. Juni 1714 hervorgerufenen Überschwernmung des Stadtzentrums wurden 62 Wohnhäuser und Scheunen sowie 9 Brücken vollständig zerstört.

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(Sächs Schweiz.) Markt

7. Die Südwestecke des Marktplatzes. Vor dem rechts im Bild sichtbaren Hotel 'Stadt Dresden' hält eine Postkutsche. Bis zur Eröffnung der Eisenbahnverbindung Sebnitz-Niedereinsiedel-Rumburg am 15. Juni 1905 erfolgte der Postbetrieb zwischen Sebnitz und dem nordböhmischen Zipfel noch mit der Postkutsche. Auf der Anhöhe, dem 'Köchel', sind die ersten Häuser des seit 1904 hier bauenden Sebnitzer Spar- und Bauvereins sichtbar. Früher waren von der höchsten Erhebung, der 'Lärmstange ' , in Kriegszeiten Feuerzeichen gegeben worden, um die Bevölkerung der Stadt und ihrer Umgebung über heranrückende feindliche Truppen zu informieren.

8. Nachdem beim Stadtbrand von 1854 das auf dem Marktplatz stehende Rathaus ein Opfer der Flammen geworden war, hatte die Stadtverwaltung über drei Jahrzehnte keine eigene Unterkunft. Das Bürgermeisteramt wurde bis 1871 ehrenamtlich ausgeübt. Die Ratsexpedition arbeitete in gemieteten Räumen. Erst im Frühjahr 1885 konnte unter der Leitung des Baumeisters Emil Hesse mit dem Bau eines neuen Rathauses unterhalb der Weinleite an der Rosenstraße begonnen werden. Im Herbst 1886 wurde es bezogen und hat von da an bis zum Mai 1945 die Stadtverwaltung beherbergt. In den Erdgeschoßräumen war die Berufsschule untergebracht.

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