Simmern in alten Ansichten Band 2

Simmern in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Willi Wagner
Gemeente
:   Simmern
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6447-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Simmern in alten Ansichten Band 2'

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Einleitung

Die Ansichtskarten, Zeichnungen und Fotos, die unser Buch wiedergibt, entstanden in der Zeit, als die bürgerlich-städtische Kultur einen sichtbaren Aufstieg erlebte, was sich auf das städtische Gewerbe, das Handwerk, die Landwirtschaft und die städtebauliche Entwicklung besonders prägend auswirkte. Etwa mit dem eigentlichen Anbruch des Fotozeitalters in den achtziger [ahren des vorigen Jahrhunderts begann auch das Zeitalter der Künstlerpostkarten, zum Teil mit Entwürfen namhafter Künstler. Für die Stadt Simmern bringen 1897 der Simmerner Buchhändler W Winnen, die Böhmer'sche Druckerei und die Kreuznacher Verlage und Buchhändler R. Voigtländer und Buss & Kupfer die ersten Kunstpostkarten im Jugendstil heraus. Um 1910 erhalten die Simmerner Postkarten fotografische Abbildungen. Die Verbreitung guter mechanischer Reproduktionsverfahren hatte eine blühende Ansichtskartenindustrie ins Leben gerufen. Bereits 1887 waren in Simmern Fotografen tätig geworden. Es sind Karl und Wilhelm Adam, die in dem 'SpezialPhotohaus Menne' eine exzellente Nachfolgerwerkstatt finden. Auch sie treten als Verleger in Erscheinung. Nach dem Zweiten Weltkrieg kommen hinzu Gustav Usinger aus St. Goarshausen, Emil Marian, Karl Brenner, Gustav Hoevel und der FotografJeanAcht aus Simmern.

Die einzelnen Aufnahmen lassen viel Typisches aus jener bewegten Zeit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in unser

Jahrhundert hinein aufblitzen. Es gibt viele Gründe anzuführen, die den Aufschwung in der Entwicklung der Stadt nach 1 870 herbeiführten. Nach 1890 stieg die Einwohnerzahl Simmerns kontinuierlich. Der Fahrpostverkehr nahm zu, die Postkurse wurden verbessert, die dann wie ein Netz den ganzen Hunsrück überzogen. Mit der Reichsgründung 1871 wird die Post zur Reichspost, und noch vor der Jahrhundertwende entsteht am Simmerbach ein großzügig gebautes Postamt.

Das Verkehrsnetz erweiterte sich durch den Bau der Straßen. Die Strecke von ArgenthaI über die Gräfenbacher Hütte nach Kreuznach wurde gebaut, die Verbindung nach Oberwesel und durch das unwegsame Kellenbachtal zur Nahe geschaffen. Entscheidend gefördert aber wurde die wirtschaftliche Entwicklung durch den Bahnbau der preußischen Regierung. Für verschiedene Eisenbahnlinien wurde Simmern der Knotenpunkt.

Beachtlich waren damals die Anstrengungen auf kulturellem Gebiet. 1865 wurde eine Töchterschule gegründet, 1875 die staatliche Winterschule und im gleichen [ahr die staatliche Präparandenanstalt, eine Vorbereitungsschule für junge Lehrer, eingerichtet. 1908 erhielten die Kinder der evangelischen Volksschule einen Neubau, ebenso 1916 des Real-Progymnasium, das 1922 zur Vollanstalt ausgebaut wurde.

Auch auf dem sozialen Gebiet zeigte sich eine erfreuliche Ent-

wicklung. Neunzig Kinder wurden von zwei 'Kinderverwahranstalten' beaufsichtigt. Klosterschwestern betreiben im 'Klösterchen' imAuftrag der katholischen Pfarrgemeinde die Krankenpflege. Nach der Jahrhundertwende entstanden das evangelische und das katholische Krankenhaus.

Auch für die jüdische Bevölkerung war die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts durch eine beachtliche Aufwärtsentwicklung gekennzeichnet. Simmern wurde Zentrum einer jüdischen Kultusgemeinde, es gab über zwanzig Geschäfts- und Handelsunternehmen, die Zahl der jüdischen Einwohner betrug 102 im [ahre 1885. Zwischen 1933 und 1939 vollzog sich dann der Untergang der jüdischen Kultusgemeinde aus den uns bekannten Gründen. Die Synagoge fiel der Vernichtung durch Feuer zum Opfer.

Am augenfälligsten zeigt sich der Fortschritt aber in der baulichen Stadtentwicklung. Die Stadt hattte sich nach der nahezu totalen Zerstörung von 1689 wieder erholt. Sie war über den alten Stadtbering hinausgewachsen und um die Vorstadt (Koblenzer Straße) und Klapper- und Mühlengasse erweitert worden. In der Kirchberger Straße entstanden zwischen 1800 und 1830 die ersten drei Häuser. Der großer Schub setzte nach 1920 ein mit der Verlängerung der Bingener Straße, der Bebauung der Rottmannstraße, Friedrichstraße und des unteren Teils

der Riesweiler Hohl, des vorderen Teils der Ludwigstraße, der Altweidelbacher Straße, Schulstraße, 'Auf dem Füllkasten' und der Gartenstraße. In der Veränderung der Straßenbilder läßt sich am ehesten die Entwicklung zum modernen Simmern der Jetztzeit nachvollziehen.

Quellen aus dem privaten Bestand konnten zu diesem Bildband nur wenige erschlossen werden, daher war der Autor weitgehend auf den von ihm und Ernst Siegel im Hunsrückarchiv zusammengetragen Fundus angewiesen.

1 Simmern nach einer Zeichnung von 1852.

Nach den drei alten Stichen van Sebastian Münster, Matthäus Merian und Daniel Meißner aus dem 16. und 1 7. Jahrhundert ist dies die erste Wiedergabe im 19. [ahrhundert. Die stilisierte Zeichnung zeigt bereits die 'drei Häuser' in der Kirchberger Straße, die sonst noch unbebaut ist. Sie dürfte also kurz nach 1850 entstanden sein. Auffallend sind die Pappelreihen in der Kirchberger Straße, an der Bleiche, in der Gerbereistraße und oben an der Argenthaler Straße. Auf der Bleiche wird gerade exerziert. Die Häuser dahinter und die Senke im Gelände geben in etwa den

Verlauf der ehemaligen Stadtmauer wieder. Überragt wird die Stadt von den beiden Kirchen mit ihren barocken Hauben und dem 'Schinderhannesturm' ,dem ehemaligen Pulverturm. Die Klapper-

gasse ist von einigen Häusern bebaut. Im Thüringsberg sieht man drei Rundbogenfenster im Giebel, das 1852 umgebaute Hospital der Stadt.

2 Herzog]ohann 11. und Beatrix von Baden.

Im 16. [ahrhundert hat die kleine pfalzgräf1iche Residenz Simmern eine in der Kunstgeschichte nie wieder erreichte Glanzzeit erlebt. Herzog [ohann lI. ließ eine Münze betreiben, die künstlerisch wertvolle Stücke prägte. Seine durch Hyeronimus Rhodler geleitete Buchdruckerei nimmt in der Geschichte des frühen Buchdrucks eine hervorragende Stellung ein. Sein Bildhauer [ohann Trarbach gehört mit zu den bedeutendsten Meister der Renaissancezeit. Pfalzgraf [ohann lI. (1492-1557) ist der Vater von Kurfürst Friedrich lIl. von der pfalz. Das Grabmal in der Stephanskirche zeigt ihn mit seiner Gemahlin Beatrix von Baden. 'Ein« vornehme, hagere Erscheinung mit großem runden Schädel, tief

liegenden Augen und mächtigem Bart, selbst im Gebet von lässiger, doch selbstbewußter Haltung, ein Ritter altes Schlages' (Renard). Der Inschrift entnehmen wir: 'Er war der Gelehrten größter Mäzen, weshalb auch Namen, Ehre und Ruhm des Herzogs für immer bleiben werden.'

3 Der SimmernerWappenstein.

Ursprünglich bildete dieser heute vor dem Rathaus aufgestellte Wappenstein den Gesimsabschluß vom Obertor. Von hier kam er auf den Kaiser- Wilhelm-Platz, ein im vorigen [ahrhundert unbebautem Gelände, auf dem sich heute die Kreissparkasse befindet. Der Stein und ein Brunnenhaus und vielleicht noch einige Bäume gaben diesem historischen Platz ein wohl wenig kaiserliches Gepräge. Die Stadtverordneten wollten den Stein 1902 daher zwischen der Kaiserund der Bismarckeiche 'auf der Eich' aufgestellt wissen. Hier blieb er dann auch, bis man ihn beim Neubau des Rathauses in die Stadt brachte. Er trägt unter dem Kurfürstenhut drei Wappen, auf der linken Seite die Wappen von

Bayern, [ûlich, Kleve und Berg, auf der rechten Mörs, Veldenz, Mark und Ravensberg, in der Mitte das kurfürstliche Regalienschild, umschlossen von einer Kette mit dem goldenen Vlies, denn er verdankt seine Entstehung dem Simmerner Landesvater Karl Theodor von der Pfalz (1743-1799).

4 An der Simmer,

Diese erste bunte Ansichtskarte von 191 0 fertigte die F. Böhmer'sche Buchdruckerei und Buchhandlung in Simmem. Sie zeigt in der Mitte die Simmerbachbrücke. An der gleichen Stelle überquerte im Mittelalter eine zweibogige Steinbrücke den Bach, auf der sich der mittelalterliche Reiseverkehr abspielte. Denn es war im Stadtbezirk die einzige Brücke. Mit den beiden Wasserrädern, den vorgekragten Gebäudeteilen, mutet dieses Simmerbachidyll von 1910 fast noch mittelalterlich an. Auf der rechten Bildseite sehen wir die Druckerei Böhmer (vormals Verlag Maurer), dahinter

Haus Frank (vormals Firma OehI). Hinter der Brücke die Brückenschänke, 1836 erbaut von der Familie Maurer, die darin eine Bäckerei und Gastwirtschaft betrieb. Die beiden Wasserräder trieben eine

Ölmühle. Sie gehörte 1738 dem Ratsverwandten [ohann Wilhelm Kuhn. Anfangs unseres Jahrhunderts befand sich dort die Gerberei Scheve.

Simmem

An der Slrnrner

5 Brücke an der Kirchberger Straße.

Bis 1763 bestand die Kirchberger Straße nicht. Die alte Verbindung nach Kirchberg führte durch das Obertor über die Eich oder durch das Untertor über die Klappergasse und den 'Ftllkasten' . Die Schloßstraße endete im Schloßbezirk, die Stadtmauer hatte hier keinen Durchlaß. Mit dem Durchstich durch den 'Fillkasten' 1736 wurde auch der Bau einer Brücke erforderlich. Unsere Postkarte von 1910 zeigt im Hintergrund das Herzog-]ohannGymnasium (heute ist darin die Sonderschule untergebracht) .

ReaJprogymna51um,

6 Brandstätte nach dem Brand vom 8.0ktober 1887.

'Gestern abend gegen 6 Uhr ertönte der Schreckensruf "Feuer" durch die Straßen und schon nach wenigen Minuten loderten haushohe Flammengarben aus der Scheune der Witwe Bäcker Neuer, in der der Brand entstanden war, zum Himmel empor. Bei der engen Bauart der anliegenden Häuser und den großen Vorräten an brennbaren Stoffen, die in den Scheunen aufgespeichert waren, verbreitete sich das Feuer in Windeseile nach beiden Seiten und in wenig mehr als 3 Stunden war ein ganzer Häuserkomplex von 19 Wohnhäusern mit Scheu-

nen und Stallungen umfassend, in rauchende Trümmer verwandelt' , so berichtet die Hunsrücker Zeitung drei Tage später. Abgebrannt waren die Häuser zwischen der Koblenzer Straße, der Schloßstraße

und der Hunsgasse, die Anwesen der Geschwister Forster, Färber Hosp, Kaufmann Polty, Bäcker Neuer, Apotheker Kirchmayer, Witwe Seresse, ez. Götz,]. Huhn,

]. Giselli, Bäcker Hoffmann,

Buchbinder Winnen, Simon Schloß, Barbier linck, Metzger P. Faller, Bäcker Kölsch, M.]. Schloß, Wiesenbaumeister Weber, Schuhmacher Bender und Bierbrauer Kuhn.

7 Gruß aus Simmern, 21.April1897.

Unser Blick geht vom Thüringsberg über den Simmerbach und die Gerbereistraße hin zur Stadt. In der Mitte das 1885 errichtete Kaiserliche Postamt, das seine Existenz dem Besuch eines Staatssekretärs des Reichspostamtes verdankt. Das im 'Hunsrûck' untergebrachte Amt fand er unzulänglich und ordnete einen Neubau an. Als unsere Karte geschrieben wurde, gab es noch keine Telefonanschlüsse. Diese wurden 1901 für sieben Teilnehmer gelegt. Links oben ist das ehemalige 'Kreishaus' am Schloßplatz abgebildet (heute Kulturamt) . Erbaut wurde das

Kreishaus 1786 von dem Simmerner Hofrat [ohann Peter Weygold. Bis 1921 diente es als Landratsamt. Dann entstand auf der Hüll ein Neubau. Daher ist auch auf unserer Karte weder das

Kreishaus noch das 1909/10 errichtete katholische Krankenhaus auf der Hüll zu sehen.

8 GrußausSimmem,1897.

Die schöne Jugendstilkarte wurde vom Buchbinder W Winnen in Simmern verlegt und zeigt die Stadtansicht mit einem Blick zum damaligen Marktplatz (Kandelaber, links oben), in die Marktstraße (links unten) und auf das Schloß. Die Karte ist am 10. August 1897 geschrieben worden, zwei Tage später in Simmern abgestempelt und am gleichen Tag noch in Butzbach (Hessen) angekommen. Der Jugendstil, der eine Gegenbewegung zu dem das Kunstgewerbe bis dahin beherrschenden und nachahmenden historischen Stil war, nahm die pflanzen wieder als Grundlage ornamentalen

Schaffens, wie die stilisierten roten und blauen Blüten sowie die dekorative Umrandung es deutlich machen.

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