Singen in alten Ansichten Band 1

Singen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Dr. H. Berner
Gemeente
:   Singen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2498-0
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Singen in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Als vor Jahresfrist der Verlag Europäische Bibliothek - Zaltbommel (Niederlande) an uns herantrat mit der Bitte, einen Bildband Singen und Hohentwiel mit alten Postkarten zusammenzustellen, bezweifelten wir zunächst die Möglichkeit des Zustandekommens. Singen erhielt erst 1899 bei einer Einwohnerzahl von kaum viertausend Seelen die Stadtrechte. Die Eisenbahnbauten 1863 ff. hatten innerhalb weniger Jahrzehnte bewirkt, daß sich das am Fuße des Hohentwiel gelegene Hegauer Bauerndorf in eine junge, auch in den folgenden Jahrzehnten kraftvoll, gelegentlich geradezu ungestüm aufstrebende Stadt verwandelte, die schon in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts mit dem Titel eines oberbadischen Wirtschaftszentrums bedacht wurde, Der Eisenbahnknotenpunkt Singen also steht am Beginn der städtischen Entwicklung. Darauf erfolgen aus zollpolitischen Gründen die Niederlassungen dreier bedeutender schweizerischer Firmen: 1887 eröffnete Julius Maggi eine Abfüllstation seiner Suppenwürze - heute die 'größte Küche Europas'; 1894 errichtete der Schaffhauser Großbetrieb Georg Fischer in Singen ein Zweigwerk - heute einer der größten deutschen Tempergußproduzenten; 1912 kamen von Neuhausen am Rheinfall die Aluminium-Walzwerke Singen - heute ebenfalls einer der Spitzenbetriebe dieser Branche. Die drei Großbetriebe beherrschten bis in die fünfziger Jahre hinein das wirtschaftliche Leben und Schicksal von Stadt und Bevölkerung.

Das alte Dorf lag um die Jahrhundertwende noch gänzlich unberührt östlich der Aach etwa zwischen Schloß und Walburgishof, dem heutigen Elektrizitätswerk, sowie der Kirche St. Peter und Paul am Dorfrand; die Ekkehardstraße führte als Feldweg nach Osten, die Scheffelstraße wurde zwischen 1873 und 1874 angelegt. Nur wenige Häuser standen in der Freiheit-, Burg- und Hohenkrähenstraße, Remishof und Niederhof waren weitab vom Dorfkern liegende Weiler beziehungsweise Ortsteile. Ein großes Ackerfeld erstreckte sich von der Pfarrkirche bis zu dem 1866 erbauten Bahnhof auf freiem Feld. Zwischen 1862 und 1878 wurde die Gemarkung neu vermessen und in dem Zusammenhang mit einer Feldbereinigung eine Anzahl von Feldwegen angelegt aus denen später die Straßenzüge der Innenstadt entstanden: Erzberger-, August-Ruf-, Thurgauer- und Alpenstraße. Die rechtwinklich

geführten Querverbindungen (Ekkehard-, Schwarzwald-, Hadwig- und Hegaustraße) wurden erst um die Jahrhundertwende gebaut. So kam das quadratische Straßennetz der Innenstadt zustande. Die heutige August-Ruf-Straße war in ihrem unteren Teil vom Bahnhof bis zur Hegaustraße etwa mit den Bahnbauten 1866 fertiggestellt. Straßenbezeichnungen wurden erst 1901 eingeführt, wobei manche älteren und besseren Namen leider wegfielen wie zum Beispiel Steinerweg für den unteren Teil der Hauptstraße; die seelen- und phantasielosen Bezeichnungen Südstadt für die südlich der Bahnlinie und Nordstadt für die nördlich der Post- beziehungsweise der Freiheitstraße gelegenen Stadtteile sind wohl zwischen 1910 und 1920 Mode geworden.

Singen war seit den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine einzige Baustelle; der größte Teil der Häuser in der Innenstadt (bis zur August-Ruf-Straße) wurde zwischen 1880 und 1910 und dann wieder ab 1925 erbaut. Die älteren Häuser sind daher vom Jugendstil geprägt, Alte Gebäude sind in Singen die Pfarrkirche Peter und Paul (umgebaut 1781, modernisiert 1953), der Pfarrhof (1740) und das Gräfliche Schloß (1809/10) sowie einige Fachwerkhäuser (zum Beispiel Haus Helff, die Gasthäuser 'Zum Kreuz' und "Zur Sonne'), die frühestens der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts angehören, Weitere besonders große schöne oder architektonisch auffallende Gebäude beziehungsweise Denkmäler gibt es in Singen nicht.

Unter solohen Urnständen konnte man vermuten, daß die fotografische Ausbeute aus den Anfangsjahren der Stadt und damit auch das Postkartenangebot gering sein würde. Weit gefehlt! Man hat im Gegenteil den Eindruck, daß die Bürger jener Jahre von einem unbändigen Ehrgeiz besessen sich für ihre gewissermaßen auf dem grünen Feld geplante und unaufhaltsam wachsende Stadt mit aller Kraft und sichtlichem Stolz auf das jeweils Erreichte mühten und einsetzten. Vielleicht läßt sich auf solche Weise erklären, daß allein in Singen vierzehn Verlage, Buch- und Papierhandlungen und einige Firmen seit dem endenden 19. Jahrhundert Postkarten herstellten und vertrieben.

Die Ansichtspostkarte wurde 1872 in Nürnberg 'erfunden' und zum ersten Male hergestellt; bildlose Korrespondenzpost-

karten wurden 1869 in Österreich, 1870 im Bereich des Norddeutschen Bundes eingeführt beziehungsweise zugelassen. Um 1880 gab es bereits von siebzig deutschen Städten und vielbesuchten Gebirgsorten Ansichtspostkarten, die mit dem Weltpostvertrag vom 1. Juni 1875 ab in der ganzen Welt zugelassen waren. Im Jahre 1885 wurde in Deutschland und Österreich die Postkarte für die Privatindustrie freigegeben (nach Wilhelm Schlemmer, Nürnberg in alten Ansichten, 1976). Die ältesten Singener Ansichtspostkarten dürften um 1890 hergestellt worden sein, zuerst wahrscheinlich von der Firma Friedrich Dürrhammer (später Brödler & Cie). Darauf folgte um 1898 der Verlag von Eugen Müller. Etwa ab 1900 setzt die Produktion der Firma A1fred Weber (Verlag, Papierhandlung und Buchhandlung) ein, die mit großem Abstand die meisten Singener Postkarten (einschließlich Gelegenheitsund Scherzpostkarten) herausbrachte. Um die gleiche Zeit begann auch das 1866 begründete Photographische Atelier, Kunst- und Buchhandlung Josef Ott Ansichtspostkarten herzustellen. Weitere Postkartenhersteller waren der Verlag Becker und Beeser (Singener Nachrichten bis etwa 1910), J. Maier'sche Buchdruckerei (um 1909), Schneider's Buchhandlung und Buchdruckerei (etwa 1902 - 1911) und nach 1922 Verlag und Buchhandlung von Josef Kleibrink (1866 - 1961). Auch einzelne Geschäftsleute wie Karl Buchegger (Café und Konditorei, 1911), Adolf Humpert (1899), die Buch- und Papiergroßhandlung Kober und Losch (1918 ff.) und der Adlerwirt beim Bahnhof (A. Schröder, 1907) stellten einzelne Postkarten her. In dem Zusarnmenhang müssen ferner genannt werden der Fotomeister G. Stoffleth (gestorben 1947), der ausgezeichnete Vorlagen für Ansichtspostkarten lieferte (aber wohl nicht selbst herstellte) sowie der Architekt und Baumeister Ludwig Ehrlich (1880 - 1961), dessen F ederzeichnungen von Gebäuden sehr exakt und gefällig sind.

Ungefähr zwei Drittel der Singener Ansichtspostkarten entstanden also in Singen selbst. Der Rest stammt von achtzehn auswärtigen Verlagen, darunter zwei aus Staßburg (Bury & Co; Manias & Cie), drei aus Zürich (Artist Atelier Guggenheim & Co, F. Killinger und Photoglob & Co), einer aus St. Gallen (Lith, Geser & Co), einer aus Freiburg (Freiburger Druck- und Verlag Gesellschaft), einer aus Stuttgart (Verlag

Paul Mäkler), einer aus Mannheim (Verlag Emil Hartmann), zwei aus Leipzig (Louis Glaser; Dr. Trenkler & Co), und je einer aus Dortmund-Friedrichshafen (Cramers Kunstanstalt KG), Darmstadt (Kunstverlag Lautz), Konstanz (Wilhelm Meek's Buchhandlung), Lahr (Lithograf Anstalt Fr. Schmidt), Donaueschingen (Verlag Gebr. Simon), München (Vereinigte Kunstanstalten München-Zürich) und Karlsruhe (Geschwister Moos-Genf, die aus Randegg stammen).

Unser Band enthält hundertsechsundfunfzig alte Ansichten von Singen und dem Hohentwiel bis zum Jahre 1930, der weitaus größte Teil davon Ansichtspostkarten. Nur in begrundeten Ausnahmefällen wurden einige alte Fotografien verwendet, die Bilder (Postkarten) sind mit wenigen Ausnahmen Eigentum des Stadtarchivs (Bildarchiv) Singen und wurden erworben (durch Kauf oder Schenkung) von Willi Weber (1897-1973), Peter Oexle (1888-1956) und Ludwig Ehrlich (1880-1961). Bei der Ordnung und Inventarisierung unseres Bildarchivs haben insbesondere mitgewirkt die Herren Hans Maier sowie Otto Buchegger und Oskar Waibel; Hans Maier, Alois Mattes und Oskar Waibel machten sich ferner durch einschlägige stadtgeschichtliche Forsehungen und Veröffentlichungen verdient.

Die Motive der Singener Ansichtspostkarten konzentrieren sich bezeichnender Weise auf die neue Stadt zwischen Dorf und Bahnhof; Themen aus dem alten Dorf werden kaum verwendet. Beliebt sind dagegen Aachpartien, die alte Brücke (heute im Stadtgarten) sowie Panoramen des Städtchens mit dem HohentwieL Merkwürdigerweise tritt auch die Industrie - mit Ausnahme der Firma Maggi - wenig in Erscheinung. Ansichtskarten von Gaststätten oder Geschäftshäusern sind verhältnismäßig häufig, ebenso von der Ekkehardschule und den Kirchen. Weitere Schwerpunkte bilden die Hohentwielfestspiele und der Hohentwiel selbst; die Scherzpostkarten mit phantasievollen Zukunftsbildern beweisen im Grunde doch auch das starke und optimistische Selbstverständnis der Singener Bürgerschaft. Heute sind verhältnismäßig nur noch wenige Gebäude ausjenen Jahren erhalten. So ist dieses Buch mehr als nur ein schönes Bilderbuch, es ist in dieser Zusammenstellung zugleich eine aussagekräftige Dokumentation der städtebaulichen Entwicklung der ersten dreißig Jahre.

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1. Neujahrskarte vom 31. Dezember 1898, Das Sammelbild zeigt die Bahnhofspartie mit Güterhallen im Vordergrund. Darunter das Eugenstor (Eingang zur Festungsruine Hohentwiel), den Hohenkrähnen und die von der Aach und dem Bleichebach gebildete Insel (heute Stadtgarten),

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Erinnerung an die 'stadtfeier

am 8. October :1899.

2. Die zur Erinnerung an die Stadterhebungsfeier am 8. Oktober 1899 herausgegebene Postkarte zeigt in Gegenüberstellung eine Ansicht des Dorfes von Süden aus dem Jahre 1866: Die großen Gebäude am linken Bildrand sind die Bleiche (Haus Waibel) und die 1846 gegründete Baumwoll-Spinn und -Weberei Trötschler & Co; in der Mitte geht der Bliek ungehindert bis zur Peter-und-Paul-Kirche mit dem alten Turm (Laterne, zerstört durch Unwetter 1886). Das untere Bild von 1899 zeigt im Vordergrund die Aachinsel mit der herrschaftlichen Mühle an der 'Mühlibruck' (jetzt im Stadtgarten); die rauchenden Schlote der Firma Maggi und GF stehen am Stadtrand.

3. Singen um 1888. Die Scheffelstraße zwischen der Peter-und-Paul-Kirche und dem Bahngelände ist weitgehend unbebaut, die August-Ruf-Straße dahinter ist noch ein Feldweg. Bei der Kirche zieht ein Feldweg nach Osten - die heutige Ekkehardstraße.

4. Eine weitgehend frei gestaltete Ansicht von Singen. Die Häuser lassen sich nur in wenigen Fällen mit Sicherheit identifizieien: so die Peter-und-Paul-Kirche und die ehemalige evangelische Kirche mit niedrigem Turm (Freiheitstraße). Das untere Bild zeigt die Karlsbastion mit dem Rondell Augusta.

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5. Die Postkarte um 1890 zeigt links das Haus der damaligen Firma Dürrhammer (gegründet 10. Juli 1886), später Firma Brödler & Cie; um die Kirche Peter und Paul zieht sich noch der Friedhof. Rechts steht das Bauernhaus Wick (heute Café Schrempp in der Ekkehardstraße ).

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6. Panorama der Stadt um 1900, aufgenommen am Hohentwie1-Hang. Links neben der Peter-und-Paul-Kirche erkennt man die kleine evangelische Kirche in der Freiheitstraße; ganz rechts die Gebäude der Firma Maggi. Das weiße Haus am Bildrand rechts ist die Waibel'sche Bleiche.

7. Singen um 1907. Ganz rechts im Bild die Baumwoll-Spinn und -Weberei Trötschler & Co; oben neben der Firma Maggi die Gebäude der Fittingsfabrik Georg Fischer AG. Bei der Peter-und-Paul-Kirche steht die Ekkehardschule. Im Vordergrund sieht man die Aachinsel; der Weg aus der Stadt in Richtung Schaffhausen zieht über die Mühlibruk bei der Enzenbergischen Mühle am Gasthaus Mohren (Bahnübergang) vorbei. Das Gebäude am Zusammenfluß der beiden Aacharme am linken Aachufer ist die Hammerschmiede, die weißen Gebäude am rechten Bildrand sind die Bleiche.

8. Singen um 1902. Oben sieht man rechts am Bildrand hinter dem Bahnwärterhaus das Gasthaus 'Zum Mohren', der Zug fährt in Richtung Engen (Schwarzwaldbahn). Links im Vordergrund die 1901 von fünf Lehrern und vierhundertvierzig Schülern bezogene Ekkehardschu1e.

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