St. Gallen in alten Ansichten Band 2 / Die Stadt um die Mitte des 20. Jahrhunderts

St. Gallen in alten Ansichten Band 2 / Die Stadt um die Mitte des 20. Jahrhunderts

Auteur
:   Dr. Ernst Ziegler
Gemeente
:  
Provincie
:  
Land
:   Schweiz
ISBN13
:   978-90-288-6384-2
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'St. Gallen in alten Ansichten Band 2 / Die Stadt um die Mitte des 20. Jahrhunderts'

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In der Stadt St. Gallen und ihrer Umgebung bildete die Produktion von Textilien, zuerst von Leinwand-, dann von Baumwolltüchern, später von Stickereien, vom Mittelalter bis weit ins 20. Jahrhundert hinein den weitaus wichtigsten Wirtschaftszweig. 'Ihrn widmete man sich derart ausschliesslich, dass die Menschen völlig von der jeweiligen Konjunktur des Textilgeschäftes abhängig wurden.

In guten Zeiten erlangten sie dafür nicht nur im lokalen, sondern im schweizerischen Rahmen eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. So gehörten etwa im 16. und frühen 17. [ahrhundert die St. GalIer Leinwand sowie vor dem Ersten Weltkrieg die Stickereien zu den zu ihrer Zeit bedeutendsten Ausfuhrarti-

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keln der Eidgenossenschaft.'

Nach dem Ersten Weltkrieg liess ein Nachkriegsboom die Exportziffern für die Stickereien in den [ahren 1919/2 0 nochmals massivansteigen. Aber danach setzte in der sanktgallischen Hauptindustrie - eben der Stickerei - eine Depression ein, die ihren Tiefpunkt 1935 erreichte.' Ernst Ehrenzeller schreibt dazu in seiner 'Geschichte der Stadt St. Gallen': 'Abschliessend ist festzuhalten, dass die zweieinhalb [ahrzehnte Krisenzeit nicht blass einen tiefgreifenden volkswirtschaftlichen Umbruch und mancherlei soziale Not mit sich brachten. Sie haben darüber hinaus das Lebensgefühl einer ganzen Generation

geformt. Wer "den St. Galler" verstehen oder gar beschreiben will, ohne sich dabei mit oberflächlichen Verallgemeinerungen zu begnügen, wird jedenfalls zuerst immer fragen müssen, welche andere Schweizerstadt noch im 20. Jahrhundert einen ganzen Fünftel ihrer Bevölkerung einbûsste."

Ein allgemeiner Bevölkerungsverlust liess nämlich die Einwohnerzahl der Stadt St. Gallen zwischen 1910 und 1941 von rund

75 500 auf 62 345 absinken. Dazu beigetragen hatte seit 1914 auch die Abwanderung von Ausländern und zwar wegen Vollendung der Bahnbauten, Abflauens der Bautätigkeit und der Rückreise von wehrpflichtigen Männern in ihre Heimatländer. Zählte die Stadt 1920 noch rund 69 500 Einwohner, fiel die Zahl auf 64000 im Iahre 1930 und 63300 zehnjahre später. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Einwohnerschaft langsam wieder zu: 1950 waren es 68000, 1960 75 300, 1970

79 000; seit 1980 sank die Bevölkerungszahl der Stadt wieder stetig von 71 600 auf 70900 im Iahr 1990; heute zählt die Stadt St. Gallen 71 480 Einwohner (Stand September 1996).

Dieser Bevölkerungsrückgang hatte eine Verminderung der Steuereingänge zur Folge sowie einen Anstieg der leerstehenden Wohnungen.

Der Rückgang von Bauaufträgen und der Bautätigkeit sowie die

Stickereikrise liessen die Arbeitslosenzahlen ansteigen; dadurch stiegen die Fürsorgekosten und wuchs die Verschuldung der Stadt. Es war ein Teufelskreis! Die Krisenzeit wurde dann mehr oder weniger von der Kriegszeit abgelöst, und mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges stiegen die Preise der Lebensmittel und notwendigen Bedarfsartikel, was sich 1940 'in einem erhöhten Unterstützungsbedürfnis fühlbar' machte.

Während der beiden Weltkriege war die Bautätigkeit beinahe zum Stillstand gekommen. Eine Zusammenstellung von Daten zur Baugeschichte der Stadt St. Gallen von 1939 bis 1945 belegt, dass wenig bedeutende und grossartige Bauten errichtet wurden; viel 'Kleinktarn' entstand wie Brunnen, Parkanlagen, Schwimmeinrichtungen auf Dreilinden und dergleichen.' Später kamen zu den sogenannten Notstandsarbeiten Umbauten und Renovationen von Fassaden und Erkern.

Ein grosses Problem war lange Zeit auch die Wohnungsnot. Im 'Geschäftsbericht des Stadtrates St. Gallen' von 1944 steht: 'Infolge der bestehenden Wohnungsnot bleibt die vom Stadtrat am 11. Mai 1943 beschlossene Beschränkung der Freizügigkeit während des ganzen [ahres in Kraft.' Und noch 1945 heisst es:

"Trotz der bisherigen Bautätigkeit hat die Wohnungsnot eine weitere Verschärfung erfahren. Praktisch war am Schluss des

[ahres kein Leerwohnungsbestand mehr vorhanden. Gesucht sind vor allem billigere Wohnungen zu einem [ahreszlns bis zu 1000 Franken."

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann dann der Aufschwung. Der erwähnte Anstieg der Bevölkerung - Zunahme um 9 000 Einwohner von 1942 bis 1954 - wirkte sich auch im Bauwesen aus. Zudem stieg das 'Wohnraumbedürfnis je Familieneinheit' nach dem Krieg stark an. So entstanden zwischen 1943 und 1950 überall neue Wohnquartiere, die mit nahezu 5 Millionen Franken subventioniert worden waren. Für die wachsende Zahl schulpflichtiger Kinder brauchte es neue Schulhäuser (Buchwald, Engelwies, Tschudiwies USw.); daneben entstanden weitere und andere öffentliche Bauten.

Die private Bautätigkeit hatte ebenfalls Konjunktur: So gab der Neubau am Schibenertor dem 'westlichenAusgang des Marktplatzes ein ganz neues Gepräge', und der Bahnhofplatz erhielt angeblich' durch den grosszügigen Bau "Metropol" eine gepflegte städtebauliche Note.'. Neben alledem veränderten die Entwicklung des Verkehrs, unter anderem die Umstellung von derTrambahn auf Trolleybus, und der Strassenbau das Bild der Stadt, so dass die folgende Feststellung in einem Beitrag des damaligen Stadtammanns Emil Anderegg über 'Gestaltungs-

aufgaben im Bauwesen der Stadt St. Gallen' in der 'Gallusstadt' 1955, ohne Zweifel richtig ist: 'Ieder Besucher ist denn auch überrascht, wie sehr die Stadt St. Gallen im Zeitenablauf von nur wenigen [ahren ihr Antlitz vollständig geändert und wie sehr

St. Gallen ein neuzeitliches, modernes Gepräge erhalten hat.'

Im Iahr 1980 erschien im Verlag der Europäischen Bibliothek in Zaltbommel (Niederlande) der erste Band von 'St. Gallen in alten Ansichten'. 7 Das Büchlein enthält 151 Abbildungen der Stadt St. Gallen aus der Zeit von 1880 bis 1930. Im Einverständnis mit dem Verlag, der einen zweiten Band gewünscht hat, werden im folgenden neuere Photographien aus der Zeit von etwa 192 0/30 bis 1955 publiziert - eine Fortsetzung des ersten Bandes also und eine Darstellung der Stadt St. Gallen vor mehr oder weniger einem halben Jahrhundert.

An diese Stadt, an die abgebildeten Gassen, Strassen, Plätze, Gebäude usw. kann ich mich teilweise noch erinnern. Beim Durchsehen von Hunderten von Photos undAuswählen kam es mir vor, unsere Stadt sei vor einem halben Jahrhundert irgendwie menschlicher, heimeliger gewesen. Es war noch nicht diese citykalte und abendtote Stadt, als die sie der erlebt, welcher tatsächlich noch in der Stadt wohnt.

Wenn wir eine Photo von 1933 oder 1939 betrachten, dann sah diese Strasse, dieser Platz im [ahre 1945 oft noch genau gleich

aus; die Zeit war vor einem halben [ahrhundert - geschweige denn früher - irgendwie viel 'langlebiger'.

Für den zweiten Band mit alten Ansichten der Stadt St. Gallen wurden unter anderemAbbildungen aus dem Stadtarchiv, der Sammlung Zumbühl in der Vadianischen Sammlung in der Kantonsbibliothek (Vadiana) St. Gallen und vor allem 96 Bilder von Foto Grass in St. Gallen verwendet.

Das Geschäft der Foto Grass AG mit rund zwanzig Mitarbeitern wird heute von Erich Grass in der dritten Generation geführt. Die Firma war 1921 von Grassvater Hans Grass gegründet und in der zweiten Generation von den Söhnen Guido und Hans Grass weitergeführt worden. Foto Grass macht Porträt- und technische Aufnahmen sowie Reportagen und führt ein Photofachgeschäft, einen Aufziehservice und seit 1921 einen Ansichtskartenverlag. In der ganzen Ostschweiz (St. Gallen, Appenzell, Thurgau, Schaffhausen, Zürich, Glarus und Graubünden) werden Kioske, Papeterien und Gastbetriebe mit Ansichtskarten beliefert.Photohaus Grass verfügt über eine Sammlung von 13 000 Glasnegativen im alten Ansichtenformat und 17 000 Glasnegativen im Weltformat sowie SS 000 Luftaufnahmen. Zwischen 1927 und heute erstellte derAnsichtskartenverlag rund 2 000 Ansichtskarten mit St. Galler Sujets.

Alle hier veröffentlichten Aufnahmen können in verschiedenen Grössen und Ausführungen bezogen werden bei Foto Grass AG, Grassackerstrasse 1, 9006 St. Gallen.

Amnerkungen

Mayer, Marcel: Vom Barchent zum Stickerelboom, St.Gallens erste und umfassendste Wirtschaftsgeschichte. in: St. GallerTagblatt. St. Gallen. Montag. 7. Oktober 1996 (St. Galler Bibhothek. 41).

2. V gl. Mayer, Marcel und Ziegier. Ernst: Materialien zur Geschichte der Stadt St. Gallen in den dreissiger und vierziger [ahren, St. Gallen 1995. S. 2; erhältlich im Stadtarchiv St. Gallen solange Vorrat.

3 Ehrcnzcllcr, Ernst: Geschichte der Stadt St. Gallen. St. Gallen 1988. S. 498499.

4 Mayer und Zie gier: Materialien zur Geschichte der Stadt St. Gallen in den dreissiger und vierziger [ahren, S. 13-19. Vgl. auch Werner, Bettina und Kutter, Jast: St. Gallen. Stadtentwicklung van 1930 bis 1990. DiplomwahlfacharbeitWS 93/94. ETH Zürich. Manuskript im Stadtarchiv.

Vgl. zum Ganzen Ziegier. Ernst: Als der Krieg zu Ende war ...? Zur Geschichte der Stadt St. Gallen von 1935 bis 1945. Vorlesungsmanuskript 1995 Universität St. Gallen. St. Gallen 1996. Ziegier. Ernst: Zur Baugeschichte der Stadt St. Gallen. von den Anfängen bis 197 O. ein Arbeitspapier;

St. Gallen 1974. Das Neue Bauen in der Ostschweiz, Ein Inventar, Schweizerischer Werkbund Sektion Ostschweiz (verschiedene Verfasser) ? St. Gallen 1989. Róllin , Peter: St. Gallen zum Beisplel, Formen und Erfahrungen

der Stadtgestaltung. in: Werk. Archithese, 66. Jg .? 33-34. September/Oktober 1979. S. 17-21.

6 S.25-37;vgI.S.26.S.31.S.33.S.34.

1981. 2.Auflage. 1989. 3.Auflage; erhältlich im Stadtarchiv St. Gallen solange Vorrat.

Abkürzungen

Bauverwaltung Gross

KBSG

OLMA Stadtarchiv

Archiv der Bauverwaltung.Arntshaus, St. Gallen Foto Gross AG. St. Gallen

Kantonsbibliothek (Vadiana), St. Gallen

Schweizer Messe für Land- und Milchwirtschafr, St. Gallen Stadtarchiv (Vadiana) St. Gallen

1 Eine Flugaufnahme aus dem Iahr 1938 zeigt deutlich die alte oder obere Stadt, die bereits im 1 O. Jahrhundert eine schützende Mauer erhalten hatte, und die neue oder untere Stadt, die nach dem Stadtbrand von 1418 ebenfalls mit einem Mauerring versehen wurde. Innerhalb dieser Stadtmauer zählte man um 1800 etwa 500, ausserhalb gegen 400 Häuser. In der oberen Stadt standen neben dem Kloster die St. Laurenzenkirche, in der unteren die St. Mangenkirche und das nach der Reformation aufgehobene St. Katharinenkloster. Die Stadtmauer, deren Verlauf im Flugbild noch deutlich auszumachen

ist, mit den Toren und Türmen wurde im 19. [ahrhundert beseitigt; von den acht Toren steht heute nur noch das Karlstor.

(Gross-F 601-1938)

2 Diese 'Fliegeraufnahme' , ebenfalls aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, zeigt die grossartige barocke Klosteranlage und im Hintergrund das Geschäftsviertel um den Bahnhof, noch ohne das

1 972/7 6 errichtete neue Rathaus, sowie den westlichen Rosenberg mit seinen stattlichen Villen.

(Gross-F 50-1937)

3 Auf dem Klosterplatz oder Klosterhof fanden immer wieder feierliche militärische und andere Anlässe statt, wie hier 1942. Der Arzt und Luftschutzoffizier Hans Richard von Fels notierte am 31. Oktober in sein Tagebuch: '9.45 Uhr zum Klosterhof, Fahne mitgenommen. 10.30 Uhr marschierten alle fünf Kompanien an mit dem gesamten Wagenpark, der ihnen zur Verfügung steht:

( ... ) Auf dem Klosterplatz stellte sich das Bataillon auf. Major Müller machte Inspektion, nachdem der Adjutant das Bataillon gemeldet hatte ...

(Stadtarchiv - 1942)

4 ... Dann hielt er eine Ansprache und überreichte dem Bataillon die neue Fahne. Feldweibel Wick von der ersten Kompanie war

als Fähnrich kommandiert; er marschierte zum Fahnenmarsch (Tambour) mit der Fahnenwache aus der Brandwache vor den Kommandanten, senkte die Fahne, marschierte ans Ende der ersten Kompanie und zurück vor den BataillonsKommandanten. Dann wurden acht neue Soldaten vereidigt durch OberstleutnantTobler, Platz-Kommandant. Es war eine sehr eindrucksvolle Szene und ziemlich viel Zuschauer waren da. ( ... ) Die ganze Truppe machte einen sehr

guten, militärisch strammen Eindruck, und die grosse Menge von Gefährten sah prächtig aus.' (Stadtarchiv - 1942)

5 Zum Kloster und zum Klosterplatz gehört alles, was irgendwie mit dem heiligen Gallus zu tun hat, auch der Turn- und Sportverein 'Gallus' , gegründet 1898. Hier abgebildet die Jugendriege 'Gallus' anlässlich der Fahnenweihe im November 1950 vor der Schutzengelkapelle. Eindrücklicher als Präses Dr. J osef Hälg und Präses Anton Dörig samt Fahnengotte, Fahnengötti und 'Jugileiter' Theodor Vögeli sind die Jugendriegler in ihren damals üblichen Knickerbocker - zu deutsch 'Kegelfänger' genannt.

(Hans Eberhard, St. Gallen-1950)

6 Wo heute Auf dem Damm 17 das Haus Zur Wetti steht, befand sich bis 1951 die Bau- und Möbelschreinerei von Florian und Erwin Clavadetscher, wie diese Aufnahme von 1 95 1 zeigt. Mit dem Abbruch des alten Gebäudes wurde im Mai 1951 begonnen; das neue Wohnhaus war 1 952 fertig. (Man beachte die schöne autochthone Pflästerung, die sich wohltuend von den importierten, geschmäcklerischen Porphyrbelägen der Jetztzeit unterscheidet.)

(KBSG-890-1951)

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