Steglitz und Zehlendorf in alten Ansichten

Steglitz und Zehlendorf in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Gustav Sichelschmidt
Gemeente
:   Berlin
Provincie
:   Berlin
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3091-2
Pagina's
:   112
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Steglitz und Zehlendorf in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  9  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Schon der Alte Fritz pflegte bei seinen zahlreichen Reisen zwischen den Residenzen Berlin und Potsdam den Weg durch den heutigen Berliner Südosten zu nehmen, und als die Berlin-Potsdamer Eisenbahngesellschaft 1838 als erste preußische Eisenbahn ihren Betrieb von Berlin nach Potsdam eröffnete, konnten sich die anliegenden Ortschaften, die heute in die beiden Westberliner Verwaltungsbezirke Steglitz und Zehlendorf integriert sind, bis dahin unvorstellbare Chancen für einen rapiden Aufstieg im Schatten der machtvoll emporstrebenden Metropole Berlin errechnen.

Heute sind diese beiden Bezirke mit ihren etwa 300 000 Einwohnern ein nicht mehr wegzudenkender Posten in der Bilanz Westberliner Aktivitäten. Steglitz etwa, das lange als eine behagliche und abgeschirmte Domäne des mittleren und gehobenen Beamtenturns galt und somit eine spezifische und unverkennbare Nuance des Berlinischen entwickeln konnte, hat durch die Spaltung der Stadt eher profitiert und einen unverkennbaren großstädtischen Charakter angenommen. Man muß in der Geschichte dieser Siedlung zwei Menschenalter zurückblenden, um den exorbitanten Aufstieg dieses damals noch größten preußischen Dorfes fixieren zu können. Diese Entwicklung kulminiert neuestens in dem babylonischen Ungeheuer des 'Steglitzer Kreisels', eines weithin

sichtbaren Menetekels für alle, sich gegenüber der parvenühaften Großmannssucht bürokratischer Potentaten allergisch zu verhalten.

Im übrigen aber versöhnen die Überreste der Vergangenheit, die gerade in diesem Bezirk noch aufzustöbern sind, mit der Hektik einer dubiosen Gegenwart. Das Idyll hat sich sowohl in Lichterfelde als auch in Lankwitz und Südende einige Reservate bewahrt, wenn auch gerade dieser Bezirk vom Bombenkrieg hart getroffen wurde.

Zehlendorf ist, wie man weiß, ohnehin das Juwel dieser Teilstadt, von der Natur merklich bevorzugt und mit allerlei architektonischen Preziosen bestückt, die mit Recht immer noch helles Entzücken und Bewunderung erregen. Die untadelige Baugesinnung des herrschenden Hauses und der preußischen Geld- und Geistesaristokratie haben diesem Bezirk auch in der Kunstgeschichte einen unveräußerlichen Platz eingeräumt. Hier hat das 'Steinerne Berlin' Werner Hegemanns ein alle pejorativen Argumente entkräftendes Gegenstück gefunden. Das proletarische Berlin scheint hier nur noch eine Phantasmagorie zu sein, als wölbte sich der Himmel über diesen respektablen Wäldern und Seen in seinem unverbrauchtesten märkischen Blau.

Kein Wunder, daß Dahlem heute etwa als das exquisiteste Berliner Wohnviertel anzusehen ist. Eine

Steigerung ins Exklusive ist da nicht mehr vorstellbar. Aber auch Wannsee, das Dorado der Wassersportler, ist für die alte und neue Berliner Prominenz eine Stätte schöpferischer Ruhe geworden, ein 'Buen Retiro' für alle, die es sich leisten konnten, sich mit einer Kulisse einer immer wieder einfallsreichen Natur zu umgeben.

Doch auch der agilen Berliner Gastronomie kann man im nachhinein bescheinigen, daß sie sich immer wieder einiges einfallen ließ, um sich an den landschaftlichen Glanzpunkten gerade dieses Bezirks zu präsentieren. Wenigstens in der Wilhelminischen Ära florierten die unzähligen Etablissements und Ausflugslokale augenscheinlich von dem horrenden Appetit und dem unstillbaren Bierdurst der auf sonntägliche Exkursionen ins Grüne so erpichten Berliner. Die Sammler alter Ansichtskarten haben daher heute kaum Mühe, ein ganzes stattliches Sortiment von Gartenlokalen, die ihre Vorzüge superlativtisch anzupreisen pflegten, anzubieten. Hier spielte sich noch echtes Volksleben ab, dessen Rekapitulation die zartesten nostalgischen Empfindungen weckt.

Zudem projiziert sich uns diese heile Welt vor dem Hintergrund einer Zeit, in der sich Berlin in einem geradezu amerikanischen Tempo seinen Platz an der Sonne errang. Es wuchs vehement über seine Grenzen hinaus und fraß sich gierig in das noch jungfräuliche

märkische Umland hinein. Und trotzdem: wenn man den hier vcrliegenden Ansichtskarten trauen darf, so strahlt diese Ära noch etwas von einer geradezu biedermeierlichen Idyllik aus. Offensichtlich waren unsere Großväter noch nicht von jenen Skrupeln heimgesucht, die uns so überaus schmerzlich zu schaffen machen. Sie wenigstens nützten noch mit der ungebrochenen Naivität einer geborenen Gründergeneration die Chancen, die ihnen das historische Schicksal bot, und ergriffen, noch von keines Gedankens Blässe angekränkelt, Besitz von den vorwiegend materiellen Gütern dieser Welt, bis dann das große Debakel keineswegs unverdient und sinnlos über sie hereinbrach.

Die hier zusammengestellten und kommentierten Ansichtskarten des Berliner Südwestens aus der immer noch 'guten, alten Zeit' animieren uns immer wieder zum Nachdenken über Sinn und Nutzen der Historie. Uns trennt von dieser Epoche immerhin das Inferno von zwei Weltkriegen, die nicht nur rigoros materielle Traditionen beiseite räumten. Wir Spätgeborenen sollten daher angesichts dieses Bildmaterials nicht die Chance verpassen, mit der von ihm ausstrahlenden Heiterkeit und Gemüthaftigkeit unser seelisches Vakuum ein wenig aufzufüllen.

GrL!SSausS reg I i r e: .

. ./

1. Diese Ansichtskarte aus dem Jahre 1902 weist als markante Steglitzer Sehenswürdigkeiten der Jahrhundertwende neben der Albrechtstraße und der neuen Realschule den Wasserturm auf dem Fichtenberg und das damals gerade vollendete Steglitzer Rathaus aus.

Gruss aus $teg1îtz

Panorama

2. Dieses Panorama des Wilhelminischen Steglitz zeigt im Vordergrund das Bahnhofsgebäude, ferner das Rathaus, die Matthäuskirche und weiter hinten den Wasserturm auf dem Fichtenberg, Immerhin hatte Steglitz schon vor dem Ersten Weltkrieg die stattliche Einwohnerzahl von 87 000 erreicht.

Gruss aus dem Ratskeller zu Berlin-.Steglitz

Inh. Leonhard Wiesinger - Fernspr. 144

3. Das Steglitzer Rathaus wurde in den Jahren von 1896 bis 1898 von Reinhardt und Süßenguth im Stil der märkischen Backsteingotik an der Ecke Sch1oß- und Grunewa1dstraße mit erheblichen Kostenaufwand gebaut.

STEGLITZ

fl:brecht Sir.

4. Die nach Marienderf führende Albrechtstraße machte im Jahre 1899 noch den Eindruck einer stillen Villenstraße, die dann auch noch in idyllischer Abgeschiedenheit endete. In dieser Straße, die unmittelbar auf das Rathaus zuführte, befanden sich damals die Post und das Gymnasium.

Berlin-Steglitz

Albrech~ Stro b. S ?? hnhof.

5. Der bis 1966 erhalten gebliebene Steglitzer Bahnhof der Potsdamer Bahn wurde 1873 errichtet. Das Gebäude fiel durch sein Schweizerhausdach und seine durchbrochenen Giebelfelder auf.

Sruss aus Steglitz

Alte Dorf chmiedc

6. Die alte Dorfschmiede in Steglitz wurde 1780 eingerichtet und erst 1903 bei Anlage des Rathausplatzes abgerissen. Die hier hergestellten Pflüge und Sensen genossen einen hohen Ruf. Im Hintergrund der Abbildung erkennt man die damals bereits errichtete Rosenkranz-Basilika,

ALT -STEGLITZ. Der alte Krug, soster Albrechtshof, heute Schloss-Str. 82-84.

0250-33. . '>

7, Der Albrechtshof hatte als alter Krug des Dorfes Steglitz eine wechselhafte Geschichte und zeigte noch um 1900 einen vorwiegend ländlichen Charakter. Auf dem Gebiet des heutigen 'Steglitzer Kreisels' stehend, entwickelte sich der Albrechtshof zu einem beliebten Etablissement mit Tanzveranstaltungen und Künstler- und Militärkonzerten. Am 30. Oktober 1915 fand hier die erste Kinoveranstaltung von Steglitz statt.

partie an der Schlossstrasse

8. Die heute so belebte Schloßstraße war auch vor fünfundsiebzig Jahren bereits die Hauptverkehrsader von Steglitz und entwickelte sich immer mehr zu einer Geschäftsstraße ersten Ranges. Sie war ein Teil der viel benutzten Chaussee von Berlin nach Potsdam.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  9  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek