Sulzbach-Saar in alten Ansichten Band 2

Sulzbach-Saar in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Karl Ludwig Jüngst und Dieter Staerk
Gemeente
:   Sulzbach-Saar
Provincie
:   Saarland
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3737-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Sulzbach-Saar in alten Ansichten Band 2'

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9. Ein einziges Foto zeugt noch von dem alten DorfSulzbach im 18. Jahrhundert: das der sogenannten Zehntscheuer. Sie stand in der unteren Bahnhofstraße (Modehaus Stark). Hier wurden jährlich 6 Malter Hafer und der Ferkel- und Lämmerzehnt gesammelt, die schon vor der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg an das Stift St. Arnual gingen [Karbach in Ortschronik, S. 218J. Das Stift unterhielt zwischen Kloster- und Hauptstraße eine kleine Kapel!enkirche, die vom Dudweiler pfarrer gegen entsprechendes Entgelt mitversorgt wurde [Jüngst in Ortschronik, S. 73 ffJ. Im ' großen Landverderben' 1635 war Sulzbach, das damals aus 24 Vogteien (Bauerngüter) mit rund 100-15 0 Einwohnern bestanden hatte, 'ganz bis auf ein paar Häuser abgebrannt' und menschenleer. Ab 1675 ließ die Herrschaft Äcker und Wiesen als 'Schweizereien' bewirtschaften, so z.B. 1697 durch Michael Blatter, den dann (als er 1712 den Neuweiler Hof gründete) JohannJakob Martin ablöste. 1727/28 wurde das Dorfwiedererrichtet. Die Neuzuwanderer Franz, Schneider, Wagner, Gottschal! und Martin fühlten und gebärdeten sich sehr bald als die Ursulzbacher, die sich gegen weitere Neuzuziehende wehrten [Jüngst-Kipper in Ortschronik, S. 227 ffJ

EBR. APPOLT G.M.S.H .. SULZBAC

la. Die Werbekarte zeigt die 1786 gegründete 'Preußisch-Blau- und Salmiakfabrik' mit den Stauweihern, die auch das heutige Freibadgelände umfassten; die Weiher dienten als Wasserreservoir. Der Grundstoff'Blutlaugensalz' wurde aus Tierkadavern gewonnen, was dem Werk den Namen 'Stinkhütte' einbrachte. 1806 produzierten zehn Arbeiter la 000 kg 'Berliner Blau' und 1 000 kg Salmiak. Bis zur Jahrhundertwende wurde die Produktion (bei rund hundert Mitarbeitern) verzehnfacht. Bedingt durch Absatzmarktschwund und die Konkurrenz der neuen industriell-synthetischen Farben musste der Betrieb 1938 schließen. Mit dem 'Sulzbacher Blau', das um 1920 bis nach China, Japan, Indien undAmerika verkauft wurde [Karthein/Schichtel in Ortschronik, S. 161 ff], sollen auch die Uniformen der nordamerikanischen Armee gefärbt worden sein; damit würde auch das Blau der heutigen Jeans seine historischen Wurzeln in Sulzbach haben. Ein Jahrhundert lang war der Name Appolt mit dem Unternehmen der Blaufabrik verbunden. Eine gewisse Mystik rankt sich um diese Familie, insbesondere um ihre letzte Generation: Georg Wilhelm Appolt 1839-1899 undAuguste Stöckert 1844-1899 <11>.

11. Diese 1988 restaurierte Grabkapelle umweht der Hauch jener geheimnisumwobenen Geschichte von 'doppelter Kindesunterschiebung'. Auguste ('Guschdsche') Stöckert, die Georg Wilhelm Appolt < 1 0> in Berlin als Gaststättenbedienung kennengelernt hatte, kam mit einem körperbehinderten Kleinkind (das sie unterwegs aufgegriffen haben soll) nach Sulzbach. Sie erklärte es als das seine und deshalb wurde (zur Vermeidung eines Skandals) geheiratet. Als sie eines Tages mit dem Kind angeblich nach Amerika fuhr, war nach der Rückkehr der schiefe Wuchs des Kleinen verschwunden. Sie soll den Knaben (bei entsprechender Entschädigung) gegen den gleichaltrigen Sohn ihrer Schwester ausgetauscht haben. Man gewöhnte sich an das 'neue' Kind. Als Auguste 1896 wegen eines Unterleibsleidens operiert wurde, stellte der Arzt fest, dass sie nie geboren hatte. Von diesem Schock erholte sich Georg Wilhelm Appolt nie mehr. Nach seinem Tod soll sie das schöne Herrenhaus ihrem Leibarzt, dem sie sehr zugetan war, günstigst verkauft haben [0. Richter-Neu 'Verklungene Zeiten' 1971 J [Familienbuch, Nr. 42J - diese Familiengeschichte lieferte den Stoff für die mysteriöse Sage von der' Alt-Appolts, die im Garten umgeht'.

12. Hinter dem Amtsgericht (unten) und der FesthalIe (Mittelgrund) erstreckte sich hinter dem Bahnkörper die Vopeliussche Glashütte, die um 1929 stillgelegt wurde. Es war das letzte Werk der großen Glasdynastien Vopelius, Wagner und WentzeI im Sulzbachtal, eine großindustrielle Firmengemeinschaft, in der im Laufe der Geschichte auch die Glasmacher- bzw. Kaufmannsfamilien Reppert, Köhl und Chevandier eine Rolle spielten. Im Sulzbachtallag der Schwerpunkt (neben der Flaschen-) auf der Tafelglasproduktion für Fensterscheiben. Um 1870 löste der gasbeheizte 'Regenerativofen' den bis dahin gebräuchlichen kohlebeheizten 'Hafenofen' ab. Diese Investition in eine energiesparende technische Neuerung brachte der Sulzbacher Glasindustrie einen wirtschaftlichen Vorteil gegen belgische und böhmische Konkurrenz. Bis weit nach 1900 war Fensterglas eigentlich eine 'Abwicklung' einer riesigen (von Glasbläsern gefertigten) Flasche, von der (noch im heißen / flüssigen Zustand) Hals und Boden abgesprengt wurde und aus der dann 'Walzenmacher' Hohlzylinder formten, die schließlich längs aufgeschnitten und von den 'Glassstreckern' flach gezogen wurden [Karthein/Schichtel in Ortschronik, S. 149-160J < 13-17>.

13. Sechs herrschaftliche Villen zeugten einst in Sulzbach von dem Glanz der Unternehmerfamilie Vopelius: 1. die des Stammvaters Car! Philipp, erbaut um 1800 (Sulzbachtalstraße an der Stelle des heutigenArbeitsamtes), 2. die seiner Tochter Char!otte Braun, erbaut 1837, späterVilla Kar! Vopelius (Sulzbachtalstraße - hiesiges Bild), 3. die seines Sohnes Kommerzienrates Louis sen., erbaut 1832 (Sulzbachtalstraße, später Kaufhaus Simon) , 4. die seines Enkels Louis jun. (rechts des QuierschiederWeges), 5. die seines Enkels Richard v.Vopelius < 15> (links des QuierschiederWeges unten) sowie 6. die des Max v. Vopelius (Sohn von Richard), das 'Schlösschen', erbaut um 1900 < 17> (links des Quierschieder Weges, heute Hallenbad <76». Das Bild zeigt den Zustand der zweiten Villa (Braun-Vopelius) vor der Sanierung 1997. [Karthein/Schichtel in Ortschronik, S. 149-160J und [Familienbuch, Nr. 2114-2120].

14. Das Bild zeigt die gleiche Villa wie Bild 13, nach der Sanierung. Die Seitenflügel wurden erst 1864 von Kar! Vopelius angebaut. Der linke ist noch zum Teil erhalten. Erst 1982 wurde der Bau 'im letzten Moment' unter Denkmalschutz gestellt, als er einem Parkplatz für das Kaufhaus daneben weichen sollte. Denkmalbehörde und Stadt konnten schließlich einen Investor für eine neue Nutzung (Wohnzwecke) gewinnen. Aber der Straßenausbau, der Hochhausblock rechts, der Ersatz der 3. Villa (Haus Simon, durch ein Kaufhaus, links daneben) und die Bebauungszeile gegenüber, das alles hat das Umfeld derart verändert, dass die Villa dazwischen 'kaum noch atmen kauri'. Der Hauptteil, im Stil italienischer Renaissance errichtet, war mit seiner 'toskanischen' Säulenloggia auf der Rückseite eigentlich auf den Garten am Hang zum Sulzbach hin ausgerichtet. Diese Verbindung zum Park ging vollkommen verloren. So kann sie auch trotz der denkmalgerechten Renovierung nicht mehr den herrschaftlichen Glanz der Vopeliusvillen ausstrahlen [Stadtverband Saarbrücken (Hrsg.) 'Die Villa Vopelius in Sulzbach' 1999].

15. Der Glashüttenbesitzer Georg Richard von Vopelius (1843-1911) war verheiratet mit Helene Luise v. Amman [Familienbuch, Nr. 2119J. Mit'guten Beziehungen bis nach Berlin' wurde er 1901 mit dem 'Roten Adlerorden HL Klasse' ausgezeichnet, 1908 in den erblichenAdelsstand erhoben und Nachfolger des Neunkircher 'Stahlbarons' Freiherr v. Stumm im preußischen Herrenhaus. Von dieser wirtschaftlichen Machtbasis aus beeinflussten die Vopeliusfamilien das politische Leben im Land und darüber hinaus, vor allem aber in Sulzbach, wo sie stets den ersten Beigeordneten und 1906 die Mehrheit in der obersten Steuerklasse stellten. Durch Richards maßgeblichen Einfluss auf die Fusionen der Glashütten im Sulzbachtal und die deutsche Glaskartellbildungen allgemein wurde das 'Imperium' konsolidiert. Neben dieser 'glänzenden' Unternehmerseite sei auch das soziale Engagement der Vopelius erwähnt: Werkswohnungen und hohes Lohnniveau erhoben die 'Glasspatzen' zu Spitzenverdienern unter den Arbeitern, jedenfalls weit vor den Bergleuten [Karthein/Schichtel in Ortschronik, S. 149-160J.

16. Die schöne Maria Charlatte Vopelius (1859-1918) [Familienbuch, Nr. 2117.b J war die Tochter von Karl Philipp und Emilie Sophie Mathilde Zix. Ihre Ehe 1885 mit Fritz Röchling, dem Geschäftsführer der Röchling'schen Eisen- und Stahlwerke Völklingen, war die zweite Verbindung mit den Röchlings. Sie ist zugleich ein Beispiel für die Versippung der Industriellenfamilien, für deren verwandtschaftliche Verbindungen zu den großen Kaufmannsfamilien und mit höheren Offizieren; denn nicht weniger als acht von 17 erwachsenen Vopeliuskindern im 19. Jahrhundert waren selbst Offîzier bzw. heirateten Offizierstöchter oder -söhne [Familienbuch, Nr. 2114-212 0]. Mehrere Frauen der Vopelius-Sippe sind über ihre Rolle als Ehefrau hinaus bekannt geworden: Carla, geb. Seederer [Familienbuch, Nr. 2117.a und S. 113J, die selbst einen Gedichtband mit dem Titel 'Am Wegrand' (0.0.0.]) verfasste und der Ludwig Harig in seiner Novelle 'Die Hortensien der Frau Roselius' [München 1992J ein literarisches Denkmal gesetzt hat.

17. Diese Ansicht des 'Schlösschens' am Quierschieder Weg ist wenig bekannt, weil sie auf einem Gemälde (in Privatbesitz) beruht. Der Erbauer Dr. Max v. Vopelius (1872-1932) war derWegbereiter der mechanischen Tafelglasherstellung, die aber erst ab 1924 in der 'Richardhütte' < 12> zufriedensteIlend gelang. Da zu dieser Zeit die Abwanderung der Glashütten des Sulzbachtales in das grubensenkungssichere St. Ingbert begann, schloss die Sulzbacher Hütte schon 1929. Für die gewinnbringende Mechanisierung musste andererseits ein 'sozialer Preis' gezahlt werden: die hochqualifizierten 'Glashandwerker' wurden nun durch leicht anlernbare industrielle Arbeiter abgelöst, die nur noch etwa ein Drittel der alten Löhne bekamen. Das führte zu Abwanderungen und dem Verlust des ehemals so attraktiven Status der 'Glasspatzen' . Damit endete die 140-jährige Glastradition Sulzbachs [Karthein/Schichtel in Ortschronik, S. 149-160J. Max v. Vopelius war wie sein Vater wirtschaftspolitisch aktiv, u.a. als Vorsitzender bzw. Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbandes und der Handelskammer des Saargebietes sowie des Arbeitgeberverbandes der TafelGlasindustrie Deutschlands.

18. Die Grube Mellin wurde als eine Eisenbahnschachtanlage III und IV um die Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt, als man vom früheren Stollenbau auf der Südostseite des Sulzbachtales zumTiefuau überging und dabei die Schächte wie Perlen einer Schnur an der damals eröffneten Bahnlinie auf der Nordwestseite aufreihte. Die Kohlengräberei in oder bei Sulzbach (am Neuweiler Hang bis zum Brennenden Berg) war damals schon rund 350 Jahre alt. Aber in früher Zeit (bis zurVerstaatlichung durch Fürst Wilhelm Heinrich um 1750) war dies eher ein Tagebau mit unsystematischem Wühlen an den 'ausstreichenden' Flözen. Erst die preußische Bergbaupolitik brachte den industriellenAufschwung, der tausende neue Arbeitskräfte erforderte, die in Schlafhäusern und Privatquartieren <63 ff> unterzubringen waren. Der Zuzug aus dem mittleren und nördlichen Saarland, dem Hunsrück und der Pfalz stellte die Gemeinde (damals noch zur Bürgermeisterei Dudweiler gehörig) vor gewaltige infrastrukturelle und soziale Probleme [Familienbuch, Hist. Teil]. Obwohl Mellin als erste Saargrube nach dem Zweiten Weltkrieg wieder förderte, wurde sie schon 1961 stillgelegt [Müller in Ortschronik, S. 137 -142 J.

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