Sulzbach-Saar in alten Ansichten Band 2

Sulzbach-Saar in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Karl Ludwig Jüngst und Dieter Staerk
Gemeente
:   Sulzbach-Saar
Provincie
:   Saarland
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3737-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Sulzbach-Saar in alten Ansichten Band 2'

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19. Fritz ZaInhafer: 'Heimkehrender Bergmann mit Familie' (1928, Rathaus Sulzbach) - welch ein Kontrast zu den Villen der Unternehmerfamilien. Der in Schnappach aufgewachsene Maler hielt in expressivem Stil das Milieu der Bergleute fest, selten bei ihrer schweren Arbeit, häufig aber auf dem Heimweg oder dem Gang zur Grube. Die oft düsteren Bilder drücken viel von der Alltagsstimmung dieses Arbeiterstandes aus: körperliche Anstrengung, Sorge, Ernst und Erschöpfung, aber nie Hoffnungslosigkeit oder Verzweiflung [Lang in Ortschronik, S. 483 -48 5]. Von dem wirtschaftlichen Aufschwung ab 1850 schlug sich bei Preußens Niedriglohnpolitik nur wenig in den Lohntüten der Bergleute nieder. Meist hinkte das Einkommen den Lebensmittelpreisen hinterher. Bei durchschnittlich 7 -8 Kindern gingen 70 Prozent für Nahrung draufund der Krankenhausaufenthalt und die Heilung eines Kindes konnte schon mal drei bis vier volle Monatslöhne verschlingen [Familienbuch, Hist. Teil]. Kein Wunder also, dass viele mit dem berüchtigten 'Kohlenraffen' [Heckmann in Ortschronik, S. 236 ff] und mit 'Walddiebstählen' [Jüngst-Kipper/Jüngst in Ortschronik, S. 23 9 f] einen 'illegalen' Ausgleich suchten.

2 o. 'Bergleute auf dem Altenwalder Markt', so heißt das andere Gemälde ZaInhafers (ebenfalls im Rathaus Sulzbach) . Hier ist die Grundstimmung weniger düster, aber immer noch ernst, trotz einer gewissen Entspanntheit, wie sie sich bei einem 'Schwätzcheri' auf der Marktbank breitmacht. Neben solch friedliche Situationen gab es aber im Bergmannsleben auch die berüchtigten Raufereien, besonders bei Wirtshausbesuchen im damals bayerischen Schnappach, wo die zahlreichen Wirtschaften mit ihrem billigeren Bier und Schnaps eine starkeAnziehungskraft ausübten [Reitz in Ortschronik, S. 112-117.] und [Familienbuch, Hist. Teil]. Altenwald ist neben Brefeld der jüngste Stadtteil Sulzbachs. Es verdankt seinen Namen dem 'alten herrschaftlichen Wald' [Trapp in Ortschronik, S. 45 f], an dessen Eingang eine kleineTorhaussiedlung bestand. Abgesehen von diesem alten 'Bickelmannshaus' verdankt der Ort seine Entstehung der 1857 geplanten Bergmannskolonie 'Seitersgräben'. Es waren überwiegend Doppelhäuser ohne Vorgärten <63, 65>, mit größeren Abständen zwischen den Häusern und mit etwas über 600 m 2 Garten- bzw. Kleinackerland bei jedem Haus [Reitz in Ortschronik, S. 95 ff].

21. Das Bild zeigt die KokereiAltenwald 1922/23. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die bereits hundertjahre zuvor versuchte Idee, Kohlekoks für die Eisenerzschmelze herzustellen <8> wieder aufgegriffen. Da sich die Kohle von Flöz 5 und 6 besonders gut zurVerkokung eignete, gründeten Haldy & Co 1852 die Altenwalder Kokerei, die aber 1873 an Schmidtborn & Röchling überging. Der Koks, der vor allem im Stahlwerk in Völklingen gebraucht wurde, reichte bis etwa 1892, wobei die Röchlings auch aus den Nebenprodukten (Rohteer und Ammoniak) Gewinn zu ziehen wussten [Müller in Ortschronik, S. 143 fJ. Für die Bevölkerung garantierte die Kokerei viele Arbeitsplätze. Aber die ständige Geruchsbelästigung war nicht nur für die Bewohner unangenehm und schädlich, sie brachte auch Altenwald das Image einer 'Stinkanlage' ein. Ökonomisch-ökologische Balance war damals noch kein Thema. Aber die Nasen der Menschen reagierten noch als empfindsames 'Frühwarnsystem', so dass sich der Ort baulich kaum weiterentwickelte.

22. Als die 'naherr' Kohlen von Grube Mellin < 18> nicht mehr ausreichten, brachte (ab 1892) eine Seilbahn den Rohstoffvon der Grube Maybach herbei. Das' Abfallprodukt' Leuchtgas wurde ebenfalls (ab 1912) vermarktet [Müller in Ortschronik, S. 143 fJ. Wie die Kohlengräberei und die Glasherstellung war auch Kokereiarbeit ein harter 'Job'. Der Hitze beim 'Abstechen' wegen war Durst eine ständige Befindlichkeit. Das Defizit an Salzen wurde durch 'Schichtebrote' mit Dürrfleisch ausgeglichen, das an Flüssigkeit je nach individuellem Geschmack mitWasser, Tee oder Kaffee. Als Ausgleich zum Feierabend und Sonntag gönnten sich Koksarbeiter dann den Kontrast des trockenen Weißweines {Zeitzeugen}. 1963 wurde der 'letzte Koks' in der Batterie 3 der Altenwalder Kokerei abgestochen (hiesiges Bild) . Obwohl in den letztenjahren noch 180 000 t Koks jährlich hergestellt wurden, schloss der Betrieb am 28. September 1963 [Müller in Ortschronik, S. 143 fJ.

23. Der Bahnhof Sulzbach - hier das schöne alte 'Faclrwerk' -Gebäude mit dem ursprünglichen Zugang 1909 - war ein wichtiger Punkt der Sulzbachtalbahn (von Saarbrücken nach Neunkirchen) mit Anschluss über Bexbach -Hom burg zur Pfalz, über Ottweiler, der Nahe nach zum Rhein und über Saarbrücken zum Westen, Norden und Süden. Die Bahn wurde als Transportachse für die aus den 'Eisenbahnschächten' gewonnene Kohle < 18> und für die dazu notwendigen Arbeiter gebaut. Bezüglich des Verlaufs dieser ersten Saar-Kohlebahnlinie gab es im Vorfeld handfeste wirtschafts- und verkehrspolitischeAuseinandersetzungen aufhöchster Ebene, in die auch die Vopelius verwickelt waren [Sasse in Ortschronik, S. 201204]. Trotz der großen wirtschaftlichen Vorteile stellte der Bau des gewaltigen Bahnkörpers entlang dem Hang des Grühlinghöhenzuges auch einen tiefen Eingriffin die Landschaft dar. Mit nur zwei Brücken (die eine gar nur eine Fußgängerbrücke direkt zur Grube Mellin) und nur einer Unterführung stellt der Bahndamm heute noch eine stärkere psychologische Barriere dar, als wir uns im allgemeinen eingestehen [Familienbuch, Kap. 2.4].

24. Die' erste Straßenbahn in Sulzbach' (Hauptstraße Ecke Bahnhofstraße) befuhr die Strecke von Saarbrücken bis Friedrichsthal erstmals 1901. Als die Strecke noch eingleisig war, gab es in Sulzbach vier (zweigleisige) 'Ausweichstellen' für den Gegenverkehr: aufLiebergallshaus, zwischen Bahnhofstraße und Rathaus, am Hammersberg und am Markt Altenwald. Anfänglich war eine Straßenbahnfahrt ein rechtes Abenteuer. Teils gab es technisch bedingte Unfälle, teils gab es Zusammenstöße mit Fuhrwerken, deren Fuhrleute - das neue Verkehrsungetüm noch ignorierend - unachtsam oder gar schlafend ihre pferde nach Hause laufen ließen; und der kalkulierte Fahrplan konnte selten eingehalten werden. Hinzu kam, dass hier in Sulzbach (wegen Steigung/Gefälle) eine Höchstgeschwindigkeit von nur 8 km/h (kaum schneller also als ein Fußgänger) zugelassen war und dass man auf einer Fahrt nach Saarbrücken in Dudweiler eine 30-minütige Umsteigpause in Kaufnehmen mußte [Sasse in Ortschronik, S. 196200].

25. Die 'letzte Straßenbahn' (hier vor dem Rathaus) fuhr 1958. In der Mitte des 20. Jahrhunderts konnte man von Saarbrücken (also auch von Sulzbach) nicht nur mit der Linie 8 bis zum Markt Friedrichsthal, sondern auch mit der Linie 9 bis Spiesen fahren, wo man (beim Café vor der Spieser Höhe) umsteigen und mit einer Linie der Neunkircher Straßenbahn zur Hüttenstadt fahren konnte. Ein 'überaltertes' Verkehrsmittel hatte ausgedient. Es war zwar sehr langsam aber sehr 'ortsnah' , obwohl schon 1917 die hohe Zahl der frühen Haltestellen reduziert worden war [Sasse in Ortschronik, S. 196-2 00]. Ob der modernen Alternative 'Saarbahrr' im Sulz bachtal je eine Chance beschieden sein wird, ist fraglich, zumal in Sulzbach einer talführenden Stadtkernentlastungs-Trasse die schier unüberwindbaren Sperren eines Feuerwehrhauses und eines Supermarktes entgegengesetzt wurden.

26. Das Rathaus 1946 (in der Mitte zurückgebaut der 1867 errichtete ältereTeil und links der Erweiterungsbau von 1903/04) ist das Symbol dafür, dass Sulzbach um die Mitte des 19. Jahrhunderts Dudweiler den Rang des Sulzbachtalzentrums streitig machte. Der Sulzbacher Glasfabrikant Adolph Wagner [Familienbuch, Nr. 2132J war der erste Dudweiler Bürgermeister, der die Verwaltung nach Sulzbach verlegte und einen hauptamtlichen Gemeindesekretär, nämlich Jakob Emmerich einstellte, der 185 1 sein Nachfolger wurde [Familienbuch, Nr. 453]. 1866 gab die entscheidende Verwaltungsstrukturreform: Sulzbach wurde (aus Dudweiler ausgegliedert) selbständige Bürgermeisterei mit den Gemeinden Sulzbach (einschließlich Altenwald) , Friedrichsthal (sowie dem dortzugehörigen Hühnerfeld) und Neuweiler, das dann 1876 völlig eingemeindet wurde. N ach Bürgermeister Woytt (1880-1907) musste zunächst aus eigenerTasche das Büromaterial bezahlen und sogar seine Verwaltungsgehilfen selbst entlohnen, bevor 1889 die Gemeinde die Kosten dafür übernahm [Schichtel in Ortschronik, S. 271-291 J.

27. Die Hauptstraße (heute Sulzbachtalstraße) von der Bahnhofstraße bis zum Rathaus Ende der zwanziger Jahre des 2 o. Jahrhunderts. Vorne links vom KonfektionsgeschäftJosefLevyWwe. [Familienbuch, Nr. 120 1-1202J (später Kaufhaus Ochse) bis zu Gleßner am oberen Markt. Man erkennt in den oberen Stockwerken die damals noch gebräuchlichen schräg ausstellbaren Holzrollläden. Rechts im Mittelgrund das damalige Gebäude der Volksbank, davor das Kaufhaus Götz (1909' das' Kaufhaus Sulzbachs mit Spielwaren, Eisen- und Haushaltwaren, Glas- und Porzellanwaren, Galanteriewaren, Papier- und Schreibwaren, Bildereinrahmungen, Buchhandel und Buchbinderei) [Familienbuch, S. 771 und Nr. 627]. Links im Mittelgrund das Haus Korzilius (später Kreis-Sparkasse) mit dem charakteristischen Ecktürmchen. Auf dem oberen Markt (heute Ravanusaplatz) steht vorne eine Litfaßsäule, noch nicht der spätere Kiosk über der unterirdischen Toilettenanlage.

28. Die Hauptstraße in ihrem östlichen Teil mit den Kaufhäusern Kuschel [Familienbuch, Nr. 1141/ 42J und dem Haus Bröker (mit seinen mehrzügigen Schornsteinen) [Familienbuch, S. 77 3, Haus Nr. 38J in den dreißigerJahren. Damals fuhr die Straßenbahn hier noch eingleisig <24, 25>. Ganz im Hintergrund die alte katholische Kirche am Hammersberg <45>. Die Sulzbacher Geschäfte waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und Anfang des 2 o. Jahrhunderts ein Anziehungspunkt für Käufer aus dem ganzen Sulzbachtal, dem Fischbachtal, ja sogar bis nach Holz [Familienbuch, Kap. 2.7, S. 29 f und Kap. 4.2 .5J. Im Vordergrund rechts sieht man einen DKW (Deutscher Kleinwagen).

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